Rechtsprechung
| BGH, 05.11.1987 - III ZR 98/86 |
Volltextveröffentlichungen (4)
- FIS Money Advice (Volltext/Auszüge)
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Bestimmung des auffälligen Mißverhältnisses beim Ratenkreditvertrag; Sittenwidrigkeit eines Ratenkreditvertrages wegen Erfordernis der Ablösung eines anderen Darlehens
- Betriebs-Berater(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz/Auszüge frei)
Sittenwidriger Ratenkredit und Umschuldung
- ZIP-online.de(Leitsatz frei, Volltext 3,90 €)
Nichtigkeit eines Ratenkreditvertrags wegen wirtschaftlich unvertretbarer Umschuldung
Zeitschriftenfundstellen
- NJW 1988, 818
- NJW-RR 1988, 493 (Ls.)
- ZIP 1988, 497
- MDR 1988, 475
- WM 1988, 181
- BB 1988, 432
Wird zitiert von ... (15)
- BGH, 24.03.1988 - III ZR 24/87
Auffälliges Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung beim Ratenkredit; …
a) Bei längeren Kreditlaufzeiten (über 48 Monate) ist nicht die Uniformmethode, sondern - unter Benutzung einschlägiger Tabellenwerke - eine finanzmathematisch genauere Methode anzuwenden (Senatsurteil vom 5. März 1987 - III ZR 43/86 = BGHR BGB § 138 Abs. 1 Ratenkredit 8 = WM 1987, 613 , vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 = WM 1988, 181 …und vom 3. Dezember 1987 - III ZR 103/86 = WM 1988, 184 zu III 3, demnächst in BGHR BGB § 138 Abs. 1 - Ratenkredit 11 -).Demgemäß hat der Senat in der Folgezeit regelmäßig, wenn eigene Zinsberechnungen in der Revisionsinstanz notwendig wurden, die Restschuldversicherungskosten beim Vertragswie beim Marktzins außer Betracht gelassen (vgl. BGHZ 99, 333, 336; Senatsurteile vom 12. Februar 1987 - III ZR 251/85 = WM 1987, 463 zu II 2. a.E. und vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 = WM 1988, 181 zu II 2; vgl. auch Senatsurteil vom 14. Januar 1988 - III ZR 249/86 = WM 1988, 364 zu II 3 a).
Bei einem relativen Zinsunterschied von weniger als 90 % hat der Senat dagegen ein auffälliges Mißverhältnis regelmäßig verneint (Senatsurteile BGHZ 99, 333, 336 und vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 = WM 1988, 181, 182; vgl. auch Senatsurteil vom 24. September 1987 - III ZR 187/86 = WM 1987, 1245, 1248).
Bei der Gesamtwürdigung nach § 138 Abs. 1 BGB kann eine solche Umschuldung entscheidende Bedeutung gewinnen, wenn sie dem Kreditnehmer, weil die Vorkredite erheblich zinsgünstiger waren, unvertretbare wirtschaftliche Nachteile brachte und wenn der Kreditgeber den Kreditnehmer darüber pflichtwidrig nicht aufgeklärt oder ihn sogar zu der Umschuldung veranlaßt hat (Senatsurteile vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 = WM 1988, 181 zu III und vom 24. März 1988 - III ZR 30/87 -, zur Veröffentlichung in BGHZ bestimmt).
- BGH, 20.02.1990 - XI ZR 195/88
Berücksichtigung der Nichtigkeit eines Vorkredits im Rahmen einer Umschuldung
»Der Bankmitarbeiter oder Vermittler, dem die Prüfung der wirtschaftlichen Vertretbarkeit einer externen Umschuldung obliegt (vgl. BGH, Urteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 - WM 1988, 181, 182/183 zu III.; ferner BGHZ 104, 102, 106/107), muß dabei die Nichtigkeit eines Vorkredits berücksichtigen, wenn er sie positiv kennt, sonst aber allenfalls dann, wenn und soweit im Zeitpunkt der Umschuldung die entscheidenden Rechtsfragen von der Rechtsprechung bereits so eindeutig, umfassend und endgültig geklärt sind, daß die Nichtigkeit und deren Rechtsfolgen sich ihm auf den ersten Blick aufdrängen.«.Bei der Sittenwidrigkeitsprüfung nach § 138 Abs. 1 BGB hat der Bundesgerichtshof der Tatsache, daß ein Kredit zu wesentlichen Teilen der externen Umschuldung diente, nicht nur in der zitierten Entscheidung BGHZ 104, 102 , sondern auch in seinem Urteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 (= WM 1988, 181 ) wesentliche Bedeutung beigemessen.
Hier waren nämlich - anders als in den Fällen der zitierten Urteile (BGHZ 104, 102 und vom 5. November 1987 aaO), wo alle Vorkredite erheblich niedriger zu verzinsen waren als der zu ihrer Ablösung aufgenommene Kredit, - von den insgesamt fünf abgelösten Krediten nur zwei (WE.-Teilzahlungsbank: 18, 62% Effektivzins, 7.468,54 DM Restschuld; D. Bank: 8,15%, 12.817 DM Restschuld) billiger als der (mit 22, 92% zu verzinsende) neue Kredit.
Insgesamt konnte durch die Umschuldung - ebenfalls im Unterschied zu den Entscheidungen BGHZ 104, 102 und vom 5. November 1987 aaO - die monatliche Belastung der Kreditnehmer trotz des Zusatzkredits von rund 7.800 DM ganz erheblich, nämlich um rund 500 DM (= 25%), gesenkt werden.
- BGH, 24.03.1988 - III ZR 30/87
Sittenwidrigkeit eines Ratenkreditvertrages
Übersteigt dagegen der Vertragszins den Marktzins relativ um weniger als 90 %, so hat der Senat ein auffälliges Mißverhältnis regelmäßig verneint (Senatsurteile BGHZ 99, 333, 336 und vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 = WM 1988, 181, 182; vgl. auch Senatsurteil vom 24. September 1987 - III ZR 187/86 = WM 1987, 1245, 1248).Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 5. November 1987 (III ZR 98/86 = WM 1988, 181, 182) ausgeführt hat, ist eine solche Umschuldung zwar nicht grundsätzlich zu mißbilligen: Die Bank hat ein berechtigtes Bedürfnis, alleinige Gläubigerin zu sein und an vorhandenen Sicherungen nicht nur letztrangig teilzuhaben.
- BGH, 11.12.1990 - XI ZR 24/90
Sittenwidrigkeit eines Kredits; Ablösung eines zu weitaus günstigeren Bedingungen …
Bei den in der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bisher als sittenwidrig angesehenen Umschuldungskrediten habe der Zinsunterschied zwischen Vertragszins und Marktzins 88, 6% und 83, 72% betragen (BGH NJW 1988, 818 f.; 1659 f.).Dieser Umstand ist bei der Beurteilung der Sittenwidrigkeit im Rahmen der gebotenen Gesamtwürdigung zu berücksichtigen (BGH, Urteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86, NJW 1988, 818 /819; BGH, Urteil vom 7. Dezember 1989 - III ZR 276/88, NJW 1990, 1048 /1049; Senatsurteil vom 20. Februar 1990, NJW 1990, 1597/1598).
Nicht die Steigerung der Gesamtkreditkosten allein, sondern die Verbindung mit dem von der kreditgebenden Bank festgelegten hohen Vertragszins verleiht dem Kreditvertrag insgesamt das Gepräge der Sittenwidrigkeit (BGH NJW 1988, 818/819).
- BGH, 29.11.2011 - XI ZR 220/10
Restschuldversicherungskosten bei sittenwidrigem Darlehensvertrag
Hierfür könnte sprechen, dass eine Bank nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs im Rahmen einer Umschuldung ihre eigenen Interessen nicht ohne Rücksicht auf die wirtschaftlichen Belange des Darlehensnehmers durchsetzen darf, dass sich vielmehr ein Kredit als gemäß § 138 Abs. 1 BGB sittenwidrig und damit nichtig erweisen kann, wenn die Bank die Kreditvergabe von Bedingungen abhängig macht, die unter Abwägung aller Vor- und Nachteile zu einer unverhältnismäßig gesteigerten finanziellen Gesamtbelastung des Kreditnehmers führen (vgl. BGH, Urteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86, WM 1988, 181, 182 f.); auch müssen Kredit- und Bearbeitungsgebühren einer Restschuldversicherung, die nach einem höheren Prozentsatz als die des Hauptkredits berechnet werden, schon jetzt hinsichtlich des überschießenden Teils zu Lasten der Bank in den Äquivalenzvergleich einbezogen werden (BGH, Urteil vom 3. Dezember 1987 - III ZR 103/86, WM 1988, 184, 187). - BGH, 07.12.1989 - III ZR 276/88
Begriff der "vorherigen Bestellung"
Der Umstand, daß sich das Umschuldungsverlangen der Bank im Einzelfall als unangemessen erweist, ist bei der Beurteilung der Sittenwidrigkeit im Rahmen der gebotenen Gesamtwurdigung zu berücksichtigen (Senatsurteile BGHZ 104, 102, 106 f; vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 - WM 1988, 181, 182 f; vom 24. März 1988 - III ZR 24/87 - WM 1988, 647, 649). - BGH, 03.12.1987 - III ZR 103/86
Auswirkungen der Sittenwidrigkeit eines Kreditvertrages auf die Beurteilung eines …
Dagegen ist zumindest bei den Verträgen vom 1. August 1980 und 27. Januar 1981 ein auffälliges Mißverhältnis ersichtlich nicht gegeben; es dürfte aber auch für den zweiten Vertrag zu verneinen sein (vgl. dazu auch Senatsurteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 -, zur Veröffentlichung bestimmt). - BGH, 01.12.1988 - III ZR 175/87
Sittenwidrigkeit eines Ratenkreditvertrages bei Einplanung der Übergangsbeihilfe
Sie beruft sich insoweit auf das Senatsurteil vom 5. November 1987 - III ZR 98/86 - WM 1988, 181 . - BGH, 01.12.1988 - I ZR 190/87
"Künstlerverträge"; Sittenwidrigkeit eines Künstlervertrages
Es hat auch zutreffend angenommen, daß objektiv die Feststellung eines - auffälligen Mißverhältnisses von Leistung und Gegenleistung - gegebenenfalls in Verbindung mit weiteren, den Vertragspartner belastenden Umständen - zur Sittenwidrigkeit führen kann; hinzutreten muß ein subjektives Tatbestandselement, das u.a. dann erfüllt ist, wenn sich der Handelnde zumindest leichtfertig der Einsicht verschließt, daß sich der andere nur aufgrund seiner Unerfahrenheit oder unter dem Zwang der Verhältnisse auf den ungünstigen Vertrag einläßt (st. Rspr., vgl. BGHZ 80, 153, 156, 160 f; BGH, Urt. v. 5.11.1987 - III ZR 98/86, BGHR BGB § 138 Abs. 1 - Ratenkredit 14). - OLG Stuttgart, 21.12.2009 - 6 U 110/09
Verbraucherdarlehensvertrag: Verbundenes Geschäft mit Restschuldversicherung; …
cc) Nach der Rechtsprechung kann ein Kreditvertrag auch dann sittenwidrig sein, wenn er auf einem unangemessenen Umschuldungsverlangen der Bank beruht, weil die Umschuldung unter Abwägung der Vor- und Nachteile aus dem Vertragsabschluss zu einer unverhältnismäßig gesteigerten finanziellen Gesamtbelastung des Kreditnehmers führt (vgl. BGH NJW 1988, 818 für den Fall der Ablösung eines von einer anderen Bank gewährten Darlehens;… ebenso NJW 1990, 1048, Juris, Rdnr. 17; OLG Stuttgart, 6 U 89/87, NJW-RR 1988, 427). - OLG Schleswig, 20.08.2001 - 16 W 130/01
Taschengeldpfändung wegen vorehelicher Darlehensschuld.
- OLG Brandenburg, 14.10.1998 - 1 U 26/98
Sittenwidrige Knebelung bei Darlehensvertrag
- LG Bremen, 14.03.1996 - 7 S 592/95
Sittenwidrigkeit einer Zweitbürgschaft zur Ablösung einer sittenwidrigen …
- OLG München, 11.08.1989 - 25 W 1883/89
BGB § 138; ZPO § 114
- OLG Koblenz, 21.04.1988 - 5 U 289/87
