Rechtsprechung
   BSG, 30.09.1999 - B 8 KN 9/98 KR R   

Volltextveröffentlichungen (3)

Kurzfassungen/Presse (2)

  • REHADAT Informationssystem (Leitsatz/Kurzinformation)

    Behandlungsbedürftige Krankheit im Sinn der Krankenversicherung

  • rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Leitsatz und Auszüge)

    Erektile Dysfunktion behandlungsbedürftige Krankheit

Verfahrensgang

  • SG Duisburg, 10.01.1996 - S 2 Kn 169/94
  • LSG Nordrhein-Westfalen, 22.01.1998 - L 2 Kn 12/96
  • BSG, 30.09.1999 - B 8 KN 9/98 KR R

Zeitschriftenfundstellen

  • BSGE 85, 36
  • NJW 2000, 2764 (Ls.)
  • NZS 2000, 245 (Ls.)



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Wird zitiert von ... (93)  

  • BSG, 10.05.2005 - B 1 KR 25/03 R  

    Krankenversicherung - Arzneimittel

    Nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) ist unter Krankheit ein regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der ärztlicher Behandlung bedarf oder - zugleich oder ausschließlich - Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (vgl BSGE 85, 36, 38 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 38; BSGE 72, 96, 98 = SozR 3-2200 § 182 Nr. 14 S 64 jeweils mwN).

    Diese Voraussetzungen liegen bei einer erektilen Dysfunktion jedenfalls dann vor, wenn sie nicht als altersbedingte und erst recht nicht als alterstypische Minderung der Physis anzusehen ist (BSG, Urteil vom 30. September 1999 - B 8 KN 9/98 KR R, BSGE 85, 36, 38 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 38 f zur Behandlung mittels Schwellkörper-Autoinjektions-Therapie bei arterieller Durchblutungsstörung der Penisschwellkörper; im Ergebnis ebenso: BVerwG, Urteil vom 30. Oktober 2003 - 2 C 26/02, BVerwGE 119, 168 ff = Buchholz 237.8 § 90 RhPLBG Nr. 1 zum Beihilferecht der Beamten; OLG München, NJW 2000, 3432 zur privaten Krankenversicherung für eine Diabetes-Folgeerkrankung).

    Es sei nicht Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung, solche Arzneimittel, welche erst durch eine Entscheidung im privaten Bereich der Sexualität ihre gegebene Anwendungsmöglichkeit erführen, als Sachleistung zur Verfügung zu stellen (Erläuterungen zur Beschlussvorlage des Arbeitsausschusses "Arzneimittel" - Nr. 17.1 f, vgl BSGE 85, 36, 46 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 46 f).

    Wie der 8. Senat des BSG für die Behandlung der erektilen Dysfunktion mittels SKAT bereits entschieden hat, überschritt der Bundesausschuss mit der Regelung in Nr. 17.1 Buchst f AMRL seinen ihm im Bereich des Wirtschaftlichkeitsgebotes zustehenden Beurteilungsspielraum (vgl BSGE 85, 36, 43 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 43 f).

    Der erkennende Senat teilt diese Ansicht und schließt sich ihr für das streitige Arzneimittel Viagra(r) an, für das insoweit nichts anderes gelten kann (ebenso: Schneider-Danwitz/Glaeske, MedR 1999, 164, 165; Zuck, NZS 1999, 167, 169; Werner/Wiesing, Gesundheitswesen 2002, 398; befürwortend auch: Siekmann, Der Arzt und sein Recht 2002, 178, 179; noch ausdrücklich offen lassend BSGE 85, 36, 48 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 48).

    Im Ergebnis nichts anderes gilt, wenn man darauf abstellt, dass der Bundesausschuss nicht die Kompetenz besaß, in den AMRL einen verbindlichen Ausschluss bestimmter Gruppen von Arzneimitteln aus der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung zu regeln, dieses vielmehr dem Gesetz- oder Verordnungsgeber vorbehalten war (vgl BSGE 85, 36, 45 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 45 f).

    Ein Ende 1999 vom Bundesausschuss an das Bundesministerium für Gesundheit herangetragener Vorschlag für einen neuen § 91a SGB V, der den Bundesausschuss ausdrücklich ermächtigen sollte, die Verordnung, Gewährung und Erbringung von einzelnen Leistungen oder Maßnahmen zu Lasten der Krankenkassen einzuschränken oder auszuschließen (vgl dazu Jung, KrV 2000, 52, 57 f) wurde vom Gesetzgeber trotz der Urteile des BSG vom 30. September 1999 (BSGE 85, 36 ff = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 - SKAT) und vom 16. November 1999 (BSGE 85, 132 ff = SozR 3-2500 § 27 Nr. 12: Unzulässigkeit des Ausschlusses medizinischer Fußpflege durch Richtlinien des Bundesausschusses) ebenfalls nicht aufgegriffen.

  • BSG, 19.03.2002 - B 1 KR 37/00 R  

    Krankenversicherung - Arzneimittel - Zulassung - Vorgreiflichkeit -

    Demgegenüber hat der 8. Senat im Urteil vom 30. September 1999 (BSGE 85, 36, 50 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 51 ff - SKAT) auf die Bedeutung der arzneimittelrechtlichen Zulassung für die Einhaltung der im SGB V geforderten Qualitätsstandards verwiesen und gefordert, dass die Leistungspflicht der Krankenkasse auf die zugelassenen Anwendungsgebiete beschränkt bleiben müsse.

    Auch lässt sich, wie der 8. Senat in dem zitierten Urteil vom 30. September 1999 (BSGE 85, 36, 53 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 54) näher ausgeführt hat, nicht ausschließen, dass das Mittel bei einem Gebrauch außerhalb des zugelassenen Anwendungsbereichs schädliche Wirkungen hat, die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen (§ 25 Abs. 2 Satz 1 Nr. 5 AMG).

  • BSG, 28.06.2000 - B 6 KA 26/99 R  

    Beeinträchtigung der Berufsfreiheit von Diätassistenten

    Die Richtlinien des Beklagten stellen eine Form der Rechtsetzung durch die Exekutive dar (so BSGE 78, 70, 75 mwN = SozR 3-2500 § 92 Nr. 6 S 30 zu den RL über die Einführung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden ; BSGE 82, 41, 47 f mwN = SozR 3-2500 § 103 Nr. 2 S 17 zu den Bedarfsplanungs-RL; im Ergebnis ebenso BSGE 81, 54, 63 ff = SozR 3-2500 § 135 Nr. 4 S 18 ff; BSGE 81, 73, 80 ff = SozR 3-2500 § 92 Nr. 7 S 55 ff zu den NUB-RL; BSGE 81, 240, 242 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 9 S 28 zu den Arzneimittel-RL; BSGE 73, 271, 287 ff = SozR 3-2500 § 13 Nr. 4 S 27 ff zu den NUB-RL; BSGE 81, 182, 187 f = SozR 3-2500 § 109 Nr. 5 S 39 f zu den NUB-RL; BSGE 85, 36, 44 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 45 zu den Arzneimittel-RL; Beschluß vom 9. Dezember 1997 - 10/4 BK 1/96 - zu den NUB-RL).

    Nach ständiger Rechtsprechung des BSG ist unter Krankheit ein regelwidriger, vom Leitbild des gesunden Menschen abweichender Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der ärztlicher Behandlung bedarf oder - zugleich oder ausschließlich - Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat (vgl etwa BSGE 39, 167, 168 mwN; 35, 10, 12; 26, 240, 242 f; BSG SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 38).

    "Behandlungsbedürftigkeit" als Element des Krankheitsbegriffs (dazu zuletzt ausführlich BSG vom 30. September 1999 - B 8 KN 9/98 = BSGE 85, 36, 38 ff = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 38 ff) setzt im Sinne des Krankenversicherungsrechts regelmäßig die Einwirkung auf einen Körper- oder Geisteszustand mit ärztlicher Hilfe voraus (vgl § 15 Abs. 2 Satz 1 SGB V).

    Erst nachdem eine solche Prüfung des Beklagten stattgefunden hat, kann auch die Frage einer gerichtlichen Überprüfung unterzogen werden, ob dieser die mit einer Normgebung in Form von Richtlinien verbundenen erweiterten rechtlichen Grenzen seines Gestaltungs- und Beurteilungsspielraums eingehalten hat (vgl BSGE 83, 205, 208 = SozR 3-2500 § 85 Nr. 29 S 214 f; BSGE 83, 218, 220 = SozR 3-2500 § 87 Nr. 21 S 108 f ; BSGE 66, 163, 164 = SozR 3-2200 § 182 Nr. 1 S 2; BSGE 81, 240, 242 = SozR 3-2500 § 27 Nr. 9 S 28 mwN; BSGE 85, 36, 44 f = SozR 3-2500 § 27 Nr. 11 S 45; vgl auch BSG vom 16. November 1999 - B 1 KR 9/97 R - S 15 f, zur Veröffentlichung in BSGE und SozR vorgesehen).

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