Rechtsprechung
| BGH, 10.11.1987 - VI ZR 39/87 |
Volltextveröffentlichungen (2)
- Jurion
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Grober Behandlungsfehler durch ärztliche Versäumnisse bei der diagnostischen Abklärung
Kurzfassungen/Presse (2)
- recht.com (Leitsatz/Auszüge/Zusammenfassung)
- rechtinco.de (Leitsatz)
Zeitschriftenfundstellen
- NJW 1988, 1513
- NJW-RR 1988, 791 (Ls.)
- MDR 1988, 397
- VersR 1981, 1033
- VersR 1988, 193
- VersR 1988, 293
Wird zitiert von ... (50)
- BGH, 12.02.2008 - VI ZR 221/06
Schadensrecht - Morbus Sudeck als Sekundärschaden
Im Unterschied dazu liegt ein Befunderhebungsfehler und damit ein Therapiefehler vor, wenn die Erhebung medizinisch gebotener Befunde unterlassen wird (vgl. Senatsurteile vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294; vom 23. März 1993 - VI ZR 26/92 - VersR 1993, 836, 838; vom 4. Oktober 1994 - VI ZR 205/93 - VersR 1995, 46 und vom 8. Juli 2003 - VI ZR 304/02 - VersR 2003, 1256 f.).aa) Im Ansatz geht das Berufungsgericht zutreffend davon aus, dass ein Fehler bei der Interpretation von Krankheitssymptomen nur dann einen schweren Verstoß gegen die Regeln der ärztlichen Kunst und damit einen "groben" Diagnosefehler darstellt, wenn es sich um einen fundamentalen Irrtum handelt (vgl. Senatsurteile vom 14. Juli 1981 - VI ZR 35/79 - VersR 1981, 1033, 1034; vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294; vom 14. Juli 1992 - VI ZR 214/91 - VersR 1992, 1263, 1265 und vom 9. Januar 2007 - VI ZR 59/06 - VersR 2007, 541, 542).
In aller Regel wird er sonst den berufsspezifischen Sorgfaltsmaßstab des Arztes, der bei der Prüfung eines groben Behandlungsfehlers zu berücksichtigen ist, nicht zutreffend ermitteln können (st. Rspr., vgl. Senatsurteile BGHZ 72, 132, 135; 132, 47, 53 f.; vom 3. Dezember 1985 - VI ZR 106/84 - VersR 1986, 366, 367; vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294; vom 13. Februar 1996 - VI ZR 402/94 - VersR 1996, 633, 634 und vom 27. März 2001 - VI ZR 18/00 - VersR 2001, 859, 860).
- BGH, 13.02.1996 - VI ZR 402/94
Umfang der Beweiserleichterungen zugunsten des Patienten bei nicht …
Hierbei handelt es sich nämlich um eine juristische Wertung, die nicht der Sachverständige, sondern das Gericht aufgrund der ihm unterbreiteten Tatsachen zu treffen hat (st. Rspr. des Senats, vgl. BGHZ 72, 132, 135 sowie Urteile vom 3. Dezember 1985 - VI ZR 106/84 - VersR 1985, 366, 367 und vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294). - BGH, 23.03.1993 - VI ZR 26/92
Schlußfolgerungen aus nicht dokumentierter Kontrolluntersuchung auf …
Zwar ist die Beurteilung der Frage, ob ein Behandlungsfehler als "grob" anzusehen ist, in erster Linie Sache des Tatrichters, die er anhand der ihm vom Sachverständigen unterbreiteten Fakten zu treffen hat (Senatsurteil vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294).Die Revision zielt insoweit darauf ab, daß nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats (Urteil vom 10. November 1987 - aaO) ein Diagnosefehler nur dann als grob zu beurteilen sei, wenn er auf einem fundamentalen Irrtum beruhe.
Demgegenüber geht es vorliegend nicht eigentlich um einen Diagnoseirrtum, nämlich die Fehlinterpretation von erhobenen Befunden, sondern um die Frage, ob die Ärzte es grob fehlerhaft unterlassen haben, einer sich aufdrängenden Verdachtsdiagnose mit den dabei üblichen Befunderhebungen nachzugehen (Senatsurteil vom 10. November 1987 - aaO -).
- BGH, 04.10.1994 - VI ZR 205/93
Haftung des Arztes wegen Nichterhebung von Befunden; Begriff des groben …
a) Entgegen der Rüge der Revision ist dem Beklagten nach den Feststellungen des Berufungsgerichts allerdings nicht nur eine falsche Diagnosestellung vorzuwerfen, die lediglich bei einem nach Ansicht der Revision hier nicht vorliegenden fundamentalen Irrtum als grober Behandlungsfehler bewertet werden könnte (vgl. dazu Senatsurteile vom 14. Juli 1981 - VI ZR 35/79 - VersR 1981, 1033, 1034 = AHRS 6560/4 und vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294 = AHRS 6562/20). - BGH, 16.06.2009 - VI ZR 157/08
Arzthaftung
Dabei hat das Gericht die von ihm vorzunehmende Beurteilung anhand der vom Sachverständigen unterbreiteten Fakten zu treffen (Senatsurteile vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294; vom 23. März 1993 - VI ZR 26/92 -VersR 1993, 836, 837; vom 29. Mai 2001 - VI ZR 120/00 - VersR 2001, 1030; vom 19. Juni 2001 - VI ZR 286/00 - VersR 2001, 1115 f.; vom 3. Juli 2001 - VI ZR 418/99 - VersR 2001, 1116 f. und vom 28. Mai 2002 - VI ZR 42/01 -VersR 2002, 1026, 1027 f.). - BGH, 09.01.2007 - VI ZR 59/06
Deliktsrecht - Diagnosefehler ist nicht zwingend ein Befunderhebungsfehler
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats darf ein Diagnoseirrtum nur dann als "grob" bezeichnet werden, wenn es sich um einen fundamentalen Diagnoseirrtum handelt (vgl. etwa Senatsurteile vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293; vom 14. Juli 1981 - VI ZR 35/79 - VersR 1981, 1033 und vom 14. Juli 1992 - VI ZR 214/91 - VersR 1992, 1263). - BGH, 16.01.2001 - VI ZR 408/99
Aufklärungspflicht des Richters bei lückenhaftem Sachverständigengutachten
Mit diesem Grundsatz soll den Schwierigkeiten ärztlicher Diagnosestellung Rechnung getragen werden (Senatsentscheidung vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293). - OLG Stuttgart, 21.01.1993 - 14 U 34/91
Beweislastumkehr für Kausalität eines ärztlichen Diagnosefehlers - Schmerzensgeld
a) Ob sich ein Behandlungsfehler in Gewicht und Bedeutung des ärztlichen Pflichtverstoßes als grob darstellt, erfordert eine rechtliche Bewertung, die das Gericht aufgrund der ihm unterbreiteten Fakten im Rahmen einer Gesamtbetrachtung des Behandlungsgeschehens unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu treffen hat (BGH v. 08.03.1988 - VI ZR 201/87 - VersR 1988, 495 = NJW 1988, 1511 ; BGH v. 10.11.1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294 = NJW 1988, 1723 = MedR 1988, 143 = AHRS Kza 29/22).Es geht hierbei um eine juristische Wertung, deshalb hat der Richter, nicht der Sachverständige, das Merkmal »grob« auszugrenzen (BGH v. 10.11.1987 - VI ZR 39/87 - NJW 1988, 1513 = VersR 1988, 293 ).
Der Diagnoseirrtum des Beklagten am 17.07.1988 im Sinne einer Fehlinterpretation der ihm bekannt gewordenen Befunde ist als grob zu bewerten, da es sich um einen fundamentalen Irrtum handelte (siehe zu den Voraussetzungen BGH v. 14.07.1981 - VI ZR 35/79 - VersR 1981, 1033 = NJW 1981, 2360 - Ls = MedR 1983, 107; BGH v. 10.11.1987 - VI ZR 39/87 - VersR 1988, 293, 294 = NJW 1988, 1513 = MedR 1988, 143), ungeachtet des Umstandes, daß bereits das Nichterheben von weitergehenden Befunden, die zur falschen Diagnose beigetragen haben, als grob fehlerhaft zu bewerten ist (siehe hierzu BGH v. 07.06.1983 - VI ZR 284/81 - MedR 1984, 102 = VersR 1983, 983; v. 28.05.1985 - VI ZR 264/83 - VersR 1985, 886).
- BGH, 21.12.2010 - VI ZR 284/09
Arzthaftung - Auch nicht gebotene Untersuchungen verpflichten zur Sorgfalt
Im Unterschied dazu liegt ein Diagnoseirrtum vor, wenn der Arzt erhobene oder sonst vorliegende Befunde falsch interpretiert und deshalb nicht die aus der berufsfachlichen Sicht seines Fachbereichs gebotenen - therapeutischen oder diagnostischen - Maßnahmen ergreift (vgl. Senatsurteile vom 10. November 1987 - VI ZR 39/87, VersR 1988, 293, 294; vom 23. März 1993 - VI ZR 26/92, VersR 1993, 836, 838; vom 4. Oktober 1994 - VI ZR 205/93, VersR 1995, 46;… vom 8. Juli 2003 - VI ZR 304/02, aaO, S. 1256 f. …und vom 12. Februar 2008 - VI ZR 221/06, VersR 2008, 644 Rn. 7 ). - OLG Koblenz, 29.06.2006 - 5 U 1494/05
Arzthaftung wegen Diagnoseirrtums bei Nichterkennung einer Appendizitis
Irrtümer bei der Diagnosestellung sind in der medizinischen Praxis nicht ungewöhnlich und können nicht ohne Weiteres als Folge eines vorwerfbaren ärztlichen Verhaltens angesehen werden (BGH VersR 1981, 1033, 1034).Davon kann aber nach den vorstehenden Ausführungen mit Sicherheit nicht die Rede sein, zumal die Schwelle, von der an ein Diagnosefehler entsprechend einzustufen ist, hoch angesetzt werden muss (BGH VersR 1981, 1033, 1034).
- OLG Stuttgart, 02.09.1993 - 14 U 7/93
Arzthaftung nach Diagnose- und Behandlungsirrtum bei der Behandlung einer …
- BGH, 10.05.1994 - VI ZR 192/93
Pflicht des Tatrichters zur Aufklärung von Widersprüchen zwischen mehreren …
- OLG Stuttgart, 04.02.1993 - 14 U 51/92
BGB §§ 823, 847; ZPO §§ 264, 521, 522a, 523, …
- OLG Stuttgart, 29.07.1997 - 14 U 20/96
- OLG Bamberg, 30.01.1991 - 8 U 21/90
BGB § 823 Abs. 1; ZPO § 286
- OLG Koblenz, 21.11.2011 - 5 U 688/11
Anforderungen an die ärztliche Entscheidungsbildung bei Biopsie einer Brustdrüse; …
- OLG Hamm, 02.04.2001 - 3 U 160/00
Diagnoseirrtum bei einem Bronchialkarzinom
- OLG Koblenz, 14.06.2007 - 5 U 1370/06
Haftung eines Schönheitschirurgen und Höhe des Schmerzensgeldes für …
- OLG München, 06.08.1993 - 24 U 645/90
Aufklärungspflichtverletzung für Geburtsschaden anläßlich einer …
- OLG Saarbrücken, 21.07.1999 - 1 U 926/98
Voraussetzungen eines groben Diagnoseirrtums; 60.000 DM Schmerzensgeld wegen …
- OLG Karlsruhe, 20.12.2000 - 7 U 123/98
Schadensersatz und Schmerzensgeld: Arzthaftung, Fehlerhafte Behandlung, …
- OLG Hamm, 23.08.2000 - 3 U 229/99
Fehlbeurteilung eines Phlebographiebefundes
- OLG Naumburg, 13.03.2001 - 1 U 76/00
Fehldiagnose ist nicht immer ein Behandlungsfehler
- OLG Jena, 18.02.2009 - 4 U 1066/04
Unterlassene Befunderhebung als Behandlungsfehler
- OLG Celle, 30.08.2000 - 9 U 19/00
Arzt- und Krankenhaushaftung: Voraussetzungen eines groben Behandlungsfehlers bei …
- OLG Köln, 30.05.1990 - 27 U 169/89
BGB § 276 Abs. 1, §§ 611, 823
- OLG Köln, 04.12.1991 - 27 U 23/90
Diagnose Muskelkater bei Venenthrombose - § 823 BGB, Beweislastumkehr …
- OLG Köln, 28.09.1995 - 5 U 174/94
Schriftliche Belehrung über notwendige Kontrolluntersuchung
- OLG Koblenz, 20.04.2000 - 5 U 1085/99
Umkehr der Beweislast bei Diagnoseirrtum
- OLG Oldenburg, 13.03.1990 - 5 U 12/89
Einzelrichterübertragung, Schnittverletzung, Wundverschluß, spannungsfreier, …
- OLG Oldenburg, 15.05.1990 - 5 U 43/89
Herz-kreislauf-stillstand, Reanimationsmaßnahme, Kontrollbefunderhebung, …
- OLG Schleswig, 24.02.1993 - 4 U 16/91
Arzthaftung wegen verspätet eingeleiteter Geburt durch Kaiserschnitt
- OLG München, 14.07.1994 - 24 U 571/92
Haftungsrecht; Arzthaftung
- OLG Oldenburg, 29.05.1990 - 5 U 163/89
Pupillenweitstellung, Netzhautablösung, Sehstörungen, Befunderhebung, Diagnose, …
- OLG Nürnberg, 12.11.1991 - 3 U 2562/91
BGB § 823 Abs. 1
- OLG Köln, 06.05.1992 - 27 U 28/91
Haftungsrecht Arzthaftung Diagnosefehler
- OLG Köln, 06.06.1990 - 27 U 12/90
BGB § 276, § 611, § 823
- OLG Stuttgart, 13.06.1991 - 14 U 51/90
- BGH, 14.06.1994 - VI ZR 236/93
- OLG Oldenburg, 28.10.1997 - 5 U 191/96
Fahrlässigkeit, grobe, Befunderhebung, Hodentorsion, Beweislastumkehr
- OLG Koblenz, 21.12.2006 - 5 U 1072/06
- OLG Jena, 06.03.2012 - 4 U 26/11
Zur Aufklärung und Behandlung einer LWK-2 Fraktur
- OLG Oldenburg, 24.03.1998 - 5 U 111/97
Osteomyelitis, Befunderhebung, Knochenmarkentzündung, Entlassung, Wiederaufleben, …
- LG Hagen, 26.01.2006 - 6 O 368/02
- LG Nürnberg-Fürth, 08.01.2008 - 11 O 8426/05
Arzthaftung: Unterlassung einer HCG-Bestimmung bei Anzeichen für eine …
- OLG Köln, 22.04.1996 - 5 U 11/95
- OLG Köln, 19.06.1996 - 5 U 251/95
- LG Augsburg, 07.12.2010 - 4 O 4224/07
- OLG Oldenburg, 14.05.1991 - 5 U 136/90
Behandlungsfehler, grober, Beweislastumkehr, Gebärmutterentfernung, …
- OLG Oldenburg, 22.12.1992 - 5 U 102/92
Thrombose, Paget-von-schroetter-syndrom, Diagnosefehler, Phlebographie, …
