Bundesverfassungsgerichtsgesetz

   II. Teil - Allgemeine Verfahrensvorschriften (§§ 17 - 35c)   
§ 31

(1) Die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts binden die Verfassungsorgane des Bundes und der Länder sowie alle Gerichte und Behörden.

(2) In den Fällen des § 13 Nr. 6, 6a, 11, 12 und 14 hat die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Gesetzeskraft. Das gilt auch in den Fällen des § 13 Nr. 8a, wenn das Bundesverfassungsgericht ein Gesetz als mit dem Grundgesetz vereinbar oder unvereinbar oder für nichtig erklärt. Soweit ein Gesetz als mit dem Grundgesetz oder sonstigem Bundesrecht vereinbar oder unvereinbar oder für nichtig erklärt wird, ist die Entscheidungsformel durch das Bundesministerium der Justiz im Bundesgesetzblatt zu veröffentlichen. Entsprechendes gilt für die Entscheidungsformel in den Fällen des § 13 Nr. 12 und 14.

Rechtsprechung zu § 31 BVerfGG

Rechtsprechungsübersichten:Redaktionell ausgewählte Entscheidungen:
  • BGH, Altfälle Familienbürgschaften, 11.7.02 
    § 79 II BVerfGG ist in dem Sinne erweiternd auszulegen, daß alle drei in § 79 I BVerfGG genannten Konstellationen erfaßt sind (vgl. § 31 BVerfGG) (obiter dictum);
    § 79 I, II BVerfGG gilt jedoch nicht für den Fall, daß das BVerfG lediglich die Anwendung einer Rechtsnorm durch die Rechtssprechung als verfassungswidrig beanstandet hat (mit der Folge einer reinen Rechtsprechungsänderung);
    §§ 765, 138 BGB, § 767 II ZPO

  • BVerfG, Anschlußsatzung, 8.3.02
    Art. 2 I GG, Zwangsmitgliedschaft in einer Kammer (öffentlich-rechtlichen Körperschaft), hier: Verfassungswidrigkeit einer "Anschlußsatzung" (Unterwerfung unter die Satzungsgewalt einer anderen Kammer) (Anm.: Ausführungen des BVerfG nicht entscheidungstragend iSv § 31 BVerfGG);
    § 90 II 1 BVerfGG, Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde (hier: unterlassener hilfsweiser Feststellungsantrag vor den Verwaltungsgerichten)

  • BVerfG, Kruzifix II, 27.10.98 (NJW 1999, 1020)
    Art. 101 I 2 iVm Art. 100 III GG, § 31 BVerfGG

  • BGH, vorläufige Festnahme für drei Stunden, 5.8.98 (BGHSt 44, 171)
    § 127 II StPO, Rechtsschutz nach § 98 II 2 StPO analog (nicht nach §§ 23 ff EGGVG) gegen erledigte nichtrichterlich angeordnete Festnahme durch die Polizei;
    § 121 II GVG, kein Vorlageverfahren, wenn die früheren abweichenden Entscheidungen durch die Rechtsprechung des BVerfG überholt sind (vgl. § 31 BVerfGG)

  • BVerfG, Spruchgruppen, 8.4.97 (BVerfGE 95, 322)
    Art. 101 I 2 GG, Bestimmung des gesetzlichen Richters bei überbesetzten Spruchkörpern;
    § 31 BVerfGG, Übergangsregelung durch das Bundesverfassungsgericht

  • BGH, Maßregelausspruch, 26.1.95 (BGHSt 41, 6)
    § 64 StGB, §§ 357, 354a StPO, § 31 II BVerfGG

  • OLG Bamberg, "Reichparteitags-OLG", 11.1.94 (NJW 1994, 1972)
    § 31 I Nr. 4 StVollzG, Art. 5 GG, Voraussetzungen des Anhaltens eines beleidigenden Briefs eines Gefangenen an seine Verlobte;
    Wiederholung einer bereits vom BVerfG aufgehobenen Entscheidung bei eingehenderer Begründung (vgl. § 31 BVerfGG) (Entscheidung erneut aufgehoben durch BVerfG, «"Reichparteitags-OLG" II»)

  • BVerfG, Arbeitnehmerüberlassung, 6.10.87 (BVerfGE 77, 84)
    Verfassungsmäßigkeit von § 12a AFG;
    zur Bindungswirkung des § 31 BVerfGG

  • BVerfG, Arbeiterleihe, 6.10.87 (BVerfGE 76, 84)
    Art. 14;
    § 31 BVerfGG, kein Normwiederholungsverbot

  • BVerfG, Schulentlassung, 20.10.81 (BVerfGE 58, 257) 
    Art. 12, 2 GG, Vorbehalt des Gesetzes, Wesentlichkeitstheorie, Art. 80 GG;
    § 31 BVerfGG, Übergangsregelung durch das Bundesverfassungsgericht

  • BVerfG, Wiedereinsetzung, 10.6.75 (BVerfGE 40, 88)
    § 44 StPO, Wiedereinsetzung, keine zu hohen Anforderungen an die Ausräumung des Verschuldens;
    § 31 BVerfGG, Verbindlichkeit einer verfassungskonformen Auslegung durch das BVerfG

  • BVerfG, Reichskonkordat, 26.3.57 (BVerfGE 6, 309) 
    Art. 7, 25, 30, 32, 70, 123 II GG, keine Bindung der Länder (gegenüber dem Bund) an das Reichskonkordat;
    Art. 84 IV GG, Anrufung des Bundesrats vor dem Bundesverfassungsgericht nur in Fragen der verwaltungsmäßigen Ausführung eines Bundesgesetzes;
    § 68 BVerfGG, das Bundesverfassungsgericht prüft von Amts wegen, ob das zuständige Kollegialorgan über die Einleitung des Verfahrens entschieden hat;
    § 65 BVerfGG, zur Frage, inwieweit Beitretende eigene, über den bisherigen Streit hinausgehende, Anträge stellen können;
    die Bindungswirkung des § 31 BVerfGG erstreckt sich nicht auf Handlungen im völkerrechtlichen Verkehr;
    zur historischen Bedeutung des Art. 125 Nr. 2 GG

Literatur im Internet zu § 31 BVerfGG

Querverweise

Auf § 31 BVerfGG verweisen folgende Vorschriften:
    BVerfGG
      Besondere Verfahrensvorschriften
        Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 8a

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