Einführungsgesetz BGB

   1. Teil - Allgemeine Vorschriften (Art. 1 - 49)   
   2. Kapitel - Internationales Privatrecht (Art. 3 - 49)   
   1. Abschnitt - Verweisung (Art. 3 - 6)   
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Allgemeine Verweisungsvorschriften

(1) Bei Sachverhalten mit einer Verbindung zum Recht eines ausländischen Staates bestimmen die folgenden Vorschriften, welche Rechtsordnungen anzuwenden sind (Internationales Privatrecht). Verweisungen auf Sachvorschriften beziehen sich auf die Rechtsnormen der maßgebenden Rechtsordnung unter Ausschluß derjenigen des Internationalen Privatrechts.

(2) Regelungen in völkerrechtlichen Vereinbarungen gehen, soweit sie unmittelbar anwendbares innerstaatliches Recht geworden sind, den Vorschriften dieses Gesetzes vor. Regelungen in Rechtsakten der Europäischen Gemeinschaften bleiben unberührt.

(3) Soweit Verweisungen im Dritten und Vierten Abschnitt das Vermögen einer Person dem Recht eines Staates unterstellen, beziehen sie sich nicht auf Gegenstände, die sich nicht in diesem Staat befinden und nach dem Recht des Staates, in dem sie sich befinden, besonderen Vorschriften unterliegen.

Rechtsprechung zu Art. 3 EGBGB

Rechtsprechungsübersichten:Redaktionell ausgewählte Entscheidungen:
  • BGH, Aktiengesellschaft aus Florida mit Sitz in Deutschland, 29.1.03 
    § 50 I ZPO, Art. 3 ff EGBGB, deutsches internationales Gesellschaftsrecht (vgl. Art. 37 Nr. 2 EGBGB und § 23 BGB), im Verhältnis zu den USA gilt für die Bestimmung der Rechtsfähigkeit einer Gesellschaft die "Sitztheorie" dann nicht, wenn sie die Freizügigkeit der US-amerikanischen Gesellschaft beeinträchtigen würde;
    Art. 3 II 1 EGBGB, unmittelbare Anwendbarkeit des "Freundschafts- Handels- und Schiffahrtsvertrags" zwischen BRD und USA

  • BGH, Angebliche Sitzverlegung von der Kanalinsel, 1.7.02 
    § 14 II BGB, § 50 ZPO, Art. 3, 37 Nr. 2 EGBGB, eine ausländische GmbH, die ihren Sitz nach Deutschland verlegt und - unter Zugrundelegung der bislang herrschenden "Sitztheorie" - ihre Rechtsform verliert, ist in Deutschland (zumindest) eine - nach neuerer Rechtsprechung rechts- und parteifähige - GbR (§ 705 BGB) (Anmerkung: vgl. die noch abweichende Meinung des VII. Zivilsenats in «Sitzverlegung der niederländischen BV nach Deutschland» - vom II. Zivilsenat fehlt eine Stellungnahme, warum im Hinblick auf diese und weitere Entscheidungen eine Divergenzvorlage nach § 132 GVG nicht erforderlich war);
    Art. 299 VI c) EG, die Kanalinseln gehören iSv § 110 ZPO zur Europäischen Union

  • OLG Hamm, Eintragung der Sitzverlegung nach England, 1.2.01 (NJW 2001, 2183)
    § 60 GmbHG, Art. 43, 48 EG, Sitzverlegung einer GmbH aus Deutschland führt - auch unter Berücksichtigung der Centros-Entscheidung des EuGH - nach deutschem Internationalen Privatrecht (Art. 3 ff EGBGB) zum Verlust der Rechtsfähigkeit ("Sitztheorie")

  • BGH, Sitzverlegung der niederländischen BV nach Deutschland, 30.3.00 (DB 2000, 1114) 
    § 50 I ZPO, Art. 3 ff EGBGB, deutsches internationales Gesellschaftsrecht (vgl. Art. 37 Nr. 2 EGBGB und § 23 BGB), Vorlage an den EuGH zur Frage der Vereinbarkeit der "Sitztheorie" mit der Niederlassungsfreiheit für Gesellschaften (Art. 43, 48 EG) (Hinweis: mit Urteil vom 5.11.02 - "Überseering" - hat der EuGH in der Sache die Unvereinbarkeit festgestellt, vgl. hierzu auch Art. 293 EG)

  • OGH Österreich, britische "Briefkastenfirma" mit Geschäftstätigkeit in Österreich, 15.7.99 (ZfRV 41, 36) 
    § 10 öIPRG, österreichisches internationales Gesellschaftsrecht (vgl. für Deutschland: Art. 3 ff, 37 Nr. 2 EGBGB), Unvereinbarkeit der "Sitztheorie" mit der Niederlassungsfreiheit für Gesellschaften (Art. 43, 48 EG), hier: Eintragung einer Zweigniederlassung in Österreich, obwohl dort auch faktisch die Unternehmensleitung ist;
    Anwendungsvorrang des Gemeinschaftsrechts (Art. 10 EG)

  • BGH, Hausüberschreibung an Briefkastenfirma in Honolulu, 17.12.98
    § 23 ZPO setzt, als Norm des Internationalen Zivilprozeßrechts herangezogen, auch einen hinreichenden Inlandsbezug des Rechtsstreits voraus;
    nach deutschem Internationalen Privatrecht (Art. 3 ff EGBGB) gilt deutsches Anfechtungsrecht (§§ 1 ff AnfG), wenn auf dieses "alle wesentlichen Verhältnisse persönlicher und sachlicher Art zwingend hinweisen" (Hinweis: vgl. für die Anfechtung im Rahmen der Insolvenz: Art. 102 II EGInsO und Art. 4 II, 13 InsVfVO);
    zur Frage, wie der Klageantrag zu formulieren ist, wenn ein Gläubiger im Wege der Anfechtung (§§ 1 ff AnfG) eine die Zwangsvollstreckung hindernde Grundschuld (§§ 1191 ff BGB) zugunsten des Anfechtungsgegners überwinden will;
    § 138 II ZPO, Grundsätze der gesteigerten Darlegungslast des Gegners (sekundäre Darlegungslast) im Rahmen der Anfechtungstatbestände (§ 3 ff AnfG)

  • BGH, Norwegischer "Twangsakkord", 14.11.96 (NJW 1997, 524)
    Art. 3 ff EGBGB, internationales Vergleichsrecht (Hinweis: vgl. ab 31.5.02 Art. 1 ff InsVfVO)

  • OLG Düsseldorf, Musterkollektion, 10.2.94
    Art. 3 ff EGBGB, internationales Gesellschaftsrecht, für Haftung der Gesellschafter gilt das Personalstatut (vgl. Art. 37 Nr. 2 EGBGB);
    Art. 28 II EGBGB, Kaufvertrag, Handelsvertretervertrag;
    Art. 32 I Nr. 4 EGBGB, zur Bestimmung des anwendbaren Rechts für eine Aufrechnung, wenn die Forderungen verschiedenen Schuldstatuten unterliegen (Hinweis: vgl. dazu im insolvenzrechtlichen Zusammenhang Art. 6 I InsVfVO);
    Art. 38 CISG, strenger Maßstab für die Bestimmung der Untersuchungs- und Rügepflicht (Hinweis: vgl. § 377 HGB)

  • BGH, islamische Morgengabe, 28.1.87 (NJW 1987, 2161)
    Art. 3 ff EGBGB, Qualifikation im Internationalen Privatrecht

  • BGH, Nigerianisches Kulturgut, 22.6.72 (BGHZ 59, 82)
    Berücksichtigung drittstaatlicher Eingriffsnormen im internationalen Privatrecht (Art. 3 ff EGBGB) trotz Anwendbarkeit deutschen Sachrechts (hier: über § 138 BGB)

  • BVerfG, Spanier, 4.5.71 (BVerfGE 31, 58) 
    Art. 6 I GG, Art. 1 III GG, Anwendbarkeit der Grundrechte im internationalen Privatrecht (Art. 3 ff EGBGB);
    (Hinweis: der der Entscheidung zugrundeliegende Sachverhalt ist heute in Art. 13 II Nr. 3 EGBGB geregelt)

  • BGH, deutsch-liechtensteinische Anstalt, 30.11.70 (BGHZ 53, 181) 
    Art. 3 ff EGBGB, internationales Gesellschaftsrecht (vgl. Art. 37 Nr. 2 EGBGB und § 23 BGB), Anwendbarkeit des Rechts des Hauptverwaltungssitzes für die Bestimmung der Rechtsfähigkeit (d.h. Existenz) der Gesellschaft ("Sitztheorie")

  • BGH, italienische Trennung von Tisch und Bett, 22.3.67 (BGHZ 47, 324) 
    Art. 3 ff EGBGB, Qualifikation im IPR;
    Art. 17 EGBGB, Begriff der Scheidung

  • BGH, italienische Handschuhehe, 19.12.58 (BGHZ 29, 137)
    Art. 3 ff EGBGB, Qualifikation im Internationalen Privatrecht

  • RG, Tennesee-Wechsel, 4.1.1882 (RGZ 7, 21)
    Art. 3 ff EGBGB, Qualifikation im IPR

Literatur im Internet zu Art. 3 EGBGB

Querverweise

Redaktionelle Querverweise zu Art. 3 EGBGB:
    EGBGB
      Allgemeine Vorschriften
        Internationales Privatrecht
          Familienrecht
            Art. 15 (Güterstand) (zu Art. 3 III)
          Erbrecht
            Art. 25 (Rechtsnachfolge von Todes wegen) (zu Art. 3 III)
            Art. 26 (Verfügungen von Todes wegen) (zu Art. 3 III)
          Schuldrecht
            Vertragliche Schuldverhältnisse
              Art. 27 III (Freie Rechtswahl) (zu Art. 3 I)
     
      Übergangsvorschriften aus Anlaß jüngerer Änderungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs und dieses Einführungsgesetzes
        Art. 220 (Übergangsvorschrift zum Gesetz vom 25. Juli 1986 zur Neuregelung des Internationalen Privatrechts) (zu Art. 3 ff)
     
      Inkrafttreten und Übergangsrecht aus Anlaß der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und dieses Einführungsgesetzes in dem in Artikel 3 des Einigungsvertrages genannten Gebiet
        Art. 236 (Einführungsgesetz - Internationales Privatrecht) (zu Art. 3 ff)
    Gesetz über die Rechtsstellung heimatloser Ausländer im Bundesgebiet (HAuslG)
      § 8 (zu Art. 3 ff)

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