Grundgesetz

   IX. Die Rechtsprechung (Art. 92 - 104)   
Artikel 100

(1) Hält ein Gericht ein Gesetz, auf dessen Gültigkeit es bei der Entscheidung ankommt, für verfassungswidrig, so ist das Verfahren auszusetzen und, wenn es sich um die Verletzung der Verfassung eines Landes handelt, die Entscheidung des für Verfassungsstreitigkeiten zuständigen Gerichtes des Landes, wenn es sich um die Verletzung dieses Grundgesetzes handelt, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes einzuholen. Dies gilt auch, wenn es sich um die Verletzung dieses Grundgesetzes durch Landesrecht oder um die Unvereinbarkeit eines Landesgesetzes mit einem Bundesgesetze handelt.

(2) Ist in einem Rechtsstreite zweifelhaft, ob eine Regel des Völkerrechtes Bestandteil des Bundesrechtes ist und ob sie unmittelbar Rechte und Pflichten für den Einzelnen erzeugt (Artikel 25), so hat das Gericht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes einzuholen.

(3) Will das Verfassungsgericht eines Landes bei der Auslegung des Grundgesetzes von einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes oder des Verfassungsgerichtes eines anderen Landes abweichen, so hat das Verfassungsgericht die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes einzuholen.

Rechtsprechung zu Art. 100 GG

Rechtsprechungsübersichten:Redaktionell ausgewählte Entscheidungen:
  • BVerfG, Jemenitischer Staatssekretär, 5.11.03 
    Art. 100 II GG, zur (hier verletzten) Pflicht der Gerichte, bei objektiven völkerrechtlichen Zweifeln das BVerfG anzurufen;
    Art. 25 GG, zur Frage, ob das Herauslocken eines Verdächtigen aus seinem Heimatland durch fremde Staatsgewalt völkerrechtswidrig ist: Es stellt jdf keine völkerrechtliches Auslieferungshindernis für den Aufenthaltsstaat (hier: Deutschland) dar;
    Art. 103 II GG, zur Frage der Anwendbarkeit des für das materielle Strafrecht geltenden Rückwirkungsverbots bei der Prüfung der Auslieferungsvoraussetzungen gem. § 3 IRG: Offengelassen (hier: Inkrafttreten des § 129b StGB zum 30.8.2003)

  • BVerwG, Steuersätze der Nordelbischen Evangelisch-Lutheranischen Kirche, 11.1.01
    Art. 140 GG, keine Anwendung von Art. 100 GG auf Kirchen(steuer)gesetze, Verwerfungskompetenz der staatlichen Gerichte

  • BVerfG, Völkermord in Bosnien-Herzegowina [BVerfG], 12.12.00 (NJW 2001, 1848)
    §§ 6 Nr. 1, 220a StGB <Fassung bis 29.6.02> (Hinweis: beachte nun §§ 1, 6 VStGB), Art. 100 II GG, Annahme deutscher Strafgerichtsbarkeit in BGH, «Völkermord in Bosnien-Herzegowina» ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden;
    Verfassungsmäßigkeit von § 244 III 2, V 1 StPO

  • BVerfG, BananenmarktVO, 7.6.00 (BVerfGE 102, 147) 
    Art. 100 GG, § 80 II BVerfGG, zu den Zulässigkeitsvoraussetzungen einer Richtervorlage an das Bundesverfassungsgericht, die gegen sekundäres Gemeinschaftsrecht gerichtet ist, Art. 10, 234, 249 EG

  • BVerfG, volle Gerichtsgebühren im Mahnverfahren, 2.3.00
    § 696 I ZPO, § 61 GKG, Nr. 1201 KV, Frage des Zeitpunkts des Entstehens der Gebühr für das streitige Verfahren (Antragsstellung nach § 696 I 2 ZPO oder Eingang der Akten beim Prozeßgericht);
    Art. 100 GG, Unzulässigkeit einer Richtervorlage, wenn von einer an sich möglichen verfassungskonformen Auslegung deshalb abgesehen wird, weil übergeordnete Gerichte diese Rechtsauffassung des vorlegenden Gerichts nicht teilen

  • BVerfG, Schulfach "Werte und Normen", 17.2.99
    Art. 4, Art. 100 GG

  • BVerfG, Kruzifix II, 27.10.98 (NJW 1999, 1020)
    Art. 101 I 2 iVm Art. 100 III GG, § 31 BVerfGG

  • BVerfG, Minderjährigenhaftung, 13.8.98 (NJW 1998, 3557)
    § 828 II BGB, § 76 II Nr. 3 SGB IV;
    Art. 100 I, vorkonstitutionelles Recht

  • BVerfG, landesverfassungsrechtlicher Grundrechtsschutz, 15.10.97 (BVerfGE 96, 345) 
    Zuständigkeit der Landesverfassungsgerichte für Verfassungsbeschwerden/Grundrechtsklagen gegen Gerichtsentscheidungen in Anwendung von Bundesrecht (hier: Bundesprozeßrecht), Art. 31, 93 I Nr. 4a, 142, 100 III GG, § 90 III BVerfGG

  • BVerfG, Gefechtsfeldradarunteroffizierin, 5.9.97 (NJW 1998, 57)
    zur Auslegung des Art. 12a IV 2 GG aF ("... Sie dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten.");
    Art. 100 GG, § 80 II BVerfGG, Begründungsanforderungen für eine Vorlage im Verfahren der konkreten Normenkontrolle, "Auseinandersetzung mit herrschender Meinung in Literatur und Rechtsprechung"

  • BVerfG, DDR-Botschafter - Maison de France, 10.6.97 (BVerfGE 96, 68)
    Art. 25 GG, Regeln des Völkerrechts, diplomatische Immunität, eingeschränkte Staatennachfolge nach Beitritt der DDR zur BRD;
    Art. 100 II GG, Vorlagepflicht schon bei objektiven Zweifeln, unabhängig davon, ob das Gericht selbst zweifelt

  • BVerfG, Jüdische Zwangsarbeiter, 13.5.96
    Art. 100 I, II GG, Zulässigkeitsvoraussetzungen für eine Vorlage, Erörterung der Entscheidungserheblichkeit, § 80 II 1 BVerfGG

  • BVerwG, außerplanmäßiger Professor, 13.12.95 (BVerwGE 100, 160)
    Art. 5 III 1 GG, "materieller Hochschullehrerbegriff", §§ 131, 106 UG;
    Art. 100 GG, das Revisionsgericht des Bundes muß, wenn es eine landesrechtliche Norm in der Auslegung des Berufungsgerichts für grundgesetzwidrig hält, diesem durch Rückverweisung die Möglichkeit einer verfassungskonformen Auslegung geben - keine eigene Vorlage an das BVerfG und keine eigene verfassungskonforme Auslegung durch das Bundesgericht, §§ 137 I, 144 III 1 Nr. 2 VwGO

  • BVerfG, Hessisches Sonderurlaubsgesetz, 11.2.92 (BVerfGE 85, 226)
    Art. 72 I GG;
    Entgeltfortzahlung, Art. 12 GG, Verhältnismäßigkeit;
    zur Anwendung des Art. 100 I GG in Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes

  • BVerfG, Nachtarbeitsverbot, 28.1.92 (BVerfGE 85, 191) 
    Art. 100 GG, Anwendungsvorrang des EG-Rechst;
    Art. 2 I, 3 III GG, Unvereinbarkeitsfeststellung als minus zur Feststellung der Nichtigkeit

  • BVerfG, Selbstbedienung bei Arzneimitteln, 14.4.87 (BVerfGE 75, 166)
    Art. 3 I, Art. 12;
    Art. 100, mittelbare Entscheidungserheblichkeit

  • BVerfG, Hamburger Bebauungsplangesetze, 14.5.85 (BVerfGE 70, 35)
    § 188 II BBauG (jetzt § 246 II BauGB), Bebauungspläne, die als Gesetze im formellen Sinne erlassen werden, unterliegen der verwaltungsgerichtlichen Normenkontrolle (erweiternde Auslegung von § 47 I Nr. 1 VwGO, einschränkende Auslegung von Art. 100 I GG), Art. 3 I GG;
    § 90 BVerfGG, Bebauungsplan schafft unmittelbares Betroffensein

  • BVerfG, Enteignung für Hochspannungsleitung, 20.3.84 (BVerfGE 66, 248)
    Art. 14 III 1 GG, Enteignung zugunsten Privater;
    Art. 100 GG, "in seinen Willen aufgenommen"

  • BVerfG, Gegendarstellung ["Türken in Bingen"], 8.2.83 (BVerfGE 63, 131)
    Art. 2 I, 1 I GG, Art. 5 I 2 GG, verfassungsrechtliche Pflicht des Gesetzgebers, ein effektives Recht auf Gegendarstellung in den Medien (hier: im Fernsehen) zu regeln;
    Art. 100 I GG, Vorlage im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes

  • BVerfG, Bezirksschornsteinfeger, 12.1.83 (BVerfGE 63, 1)
    Art. 83 ff GG, "Grundsatz eigenverantwortlicher Aufgabenwahrnehmung";
    Art. 100 GG, § 80 BVerfGG, Vorlage ist auch im Rahmen einer gerichtlichen Zwischenentscheidung zulässig

  • BVerfG, Naßauskiesung, 15.7.81 (BVerfGE 58, 300) 
    Art. 14 GG, Enteignung, Primärrechtsschutz, Neuordnung eines Rechtsgebiets, kein Wahlrecht des Bürgers zwischen Anfechtung und Schadensliquidierung bei rechtswidrigen Maßnahmen;
    Verfassungsmäßigkeit von §§ 1a, 2, 3, 6, 17 WHG;
    Art. 100 GG, § 80 BVerfGG, zur Möglichkeit einer Umdeutung der Vorlage

  • BVerfG, "Vielleicht"-Beschluß, 25.7.79 (BVerfGE 52, 187)
    Art. 24 aF;
    Art. 100

  • BVerfG, Niedersächsisches Landesbesoldungsgesetz, 29.1.74 (BVerfGE 36, 342)
    Art. 33 V;
    Art. 100 I, III;
    Art. 31, Art. 142, Art. 28, Bundesverfassungsrecht bricht inhaltsgleiches Landesverfassungsrecht nicht

  • BVerfG, schweizerische Aktiengesellschaft, 7.4.65 (BVerfGE 18, 441)
    Art. 101 I 2, 100 II, 25 GG

  • BVerfG, Bekanntmachungsermächtigung, 23.2.65 (BVerfGE 18, 389)
    ministerielle Neubekanntmachung eines Gesetzes stellt nicht den authentischen Text dar, lediglich deklaratorische Klarstellung, keine Überprüfung im Rahmen der konkreten Normenkontrolle (Art. 100 GG)

  • BVerfG, Zollhinterziehung, 17.5.60 (BVerfGE 11, 126) 
    Art. 100 GG, keine Vorlagepflicht bei vorkonstitutionellem Recht (anders, wenn Gesetzesauslegung ergibt, daß der Gesetzgeber die betroffene Vorschrift später "in seinen Willen aufgenommen" hat

  • BVerfG, Steuersplitting, 17.1.57 (BVerfGE 6, 55) 
    Art. 100 I GG;
    Art. 6 I GG als "Grundsatznorm", Bedeutung von Art. 3 II GG

  • BVerfG, Normenkontrolle I, 20.3.52 (BVerfGE 1, 184) 
    Art. 100 I GG, Rechtsverordnungen unterliegen nicht der konkreten Normenkontrolle durch das BVerfG, Verwerfungskompetenz der Gerichte;
    Art. 100 I 1 GG, § 80 II BVerfGG, das vorlegende Gericht muß die Norm für verfassungswidrig halten, Zweifel genügen nicht

Querverweise

Auf Art. 100 GG verweisen folgende Vorschriften:
    Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG)
      Verfassung und Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichts
     
      Besondere Verfahrensvorschriften
        Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 11 und 11a
        Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 12
        Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 13
Redaktionelle Querverweise zu Art. 100 GG:
    GG
      Der Bund und die Länder
        Art. 31 (zu Art. 100 I 2)
     
      Die Rechtsprechung
        Art. 93 I Nr. 5
    Bundesverfassungsgerichtsgesetz (BVerfGG)
      Verfassung und Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichts
        § 13 Nr. 11 (zu Art. 100 I)
     
      Besondere Verfahrensvorschriften
        Verfahren in den Fällen des § 13 Nr. 11 und 11a
          § 80 (zu Art. 100 I)

Rechtsberatung

Sofortige Rechtsauskunft zu Art. 100 GG bei frag-einen-anwalt.de
Antwort auf alle Ihre Rechtsfragen in der Regel in wenigen Stunden. Bestimmen Sie selbst den Preis der Auskunft!

Auswahl bereits beantworteter Fragen (3)

Eigene Frage stellen

Sie können auswählen (Maus oder Pfeiltasten):
(Liste aufgrund Ihrer bisherigen Eingabe)
Komplette Übersicht