Grundgesetz

   IX. Die Rechtsprechung (Art. 92 - 104)   
Artikel 101

(1) Ausnahmegerichte sind unzulässig. Niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden.

(2) Gerichte für besondere Sachgebiete können nur durch Gesetz errichtet werden.

Rechtsprechung zu Art. 101 GG

Rechtsprechungsübersichten:Redaktionell ausgewählte Entscheidungen:
  • BVerfG, Strafzumessungsentscheidung des Revisionsgerichts, 7.1.04 
    § 354 StPO, die bisherige Praxis des BGH, Einzelstrafen aufzuheben, wegen des Strafausspruchs jedoch nicht an die Tatsacheninstanz zurückzuverweisen, weil eine mildere Entscheidung durch die Tatsacheninstanz aus seiner Sicht "auszuschließen sei", stellt eine offensichtlich unhaltbare und damit willkürliche, d.h. gegen Art. 101 I 2 GG verstoßende Rechtsanwendung dar (Anm. der Redaktion: Die wiedergegebene Rechtsauffassung der 3. Kammer des 2. Senats war in dieser Weite nicht entscheidungstragend, da nach ihrer Meinung vorliegend auch im Einzelfall "jedenfalls" ein klarer Fall der Kompetenzüberschreitung vorlag - die Kammern des BVerfGG hatten bislang die Praxis des BGH ausdrücklich als verfassungsrechtlich zulässig bezeichnet, vgl. etwa «Tötung eines DDR-Grenzsoldaten (BVerfG)», worauf die Kammer allerdings vorliegend nicht eingegangen ist)

  • BAG, Ende der Amtszeit des ehrenamtlichen Richters, 16.5.02
    Art. 101 I 2 GG ist verletzt, wenn ein Richter durch eine gerichtliche Ermessensentscheidung festgelegt wird;
    § 547 Nr. 1 ZPO, zwingende Aufhebung und Zurückverweisung bei Verstoß gegen die Garantie des gesetzlichen Richters

  • BGH, Pfarrer auf dem Lande, 10.5.01 (NJW 2001, 2984)
    § 24 I Nr. 3 GVG, zur "besonderen Bedeutung des Falles" (hier: kein Instrument, um dem Opfer einer Sexualtat eine zweite Tatsacheninstanz zu ersparen), §§ 6, 209 I StPO;
    Ausnahme von §§ 210, 269, 336 S. 2 StPO bei Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter (Art. 101 I 2 GG) durch Zuständigkeitsentscheidung aufgrund sachfremder Erwägungen

  • BVerfG, Ärzterichtlinie, 9.1.01 (NJW 2001, 1267) 
    Art. 234 EG, Vorlagepflicht umfaßt auch Fragen der Normanwendungsmethodik, Vorlage auch zur Ermöglichung der Entwicklung von (neuen) allgemeinen Rechtsgrundsätzen / Gemeinschaftsgrundrechten durch den EuGH;
    Art. 101 I 2 GG, Voraussetzungen, unter denen das BVerfG bei Nichtvorlage an den EuGH einen Verstoß gegen das Prinzip des gesetzlichen Richters annimmt

  • BVerfG, Gerichtskostenzahlung nach Bekanntgabe des Aktenzeichens, 19.12.00 (NJW 2001, 1125)
    Art. 3 GG, richterliche Willkür bei unter keinem Gesichtspunkt vertretbarer Nichtzulassung der Revision gem. § 546 I 2 Nr. 2 ZPO <Fassung bis 31.12.01> (vgl. auch Art. 101 I 2 GG);
    § 270 III ZPO, § 65 GKG, (einfachgesetzlich:) keine Pflicht zur unaufgeforderten Einzahlung eines Gerichtskostenvorschusses, Unwesentlichkeitsfrist von 14 Tagen für vom Kläger zu vertretende Verzögerung

  • BVerwG, nichtgenehmigter Studienaufenthalt in Oxford, 10.11.99 (BVerwGE 110, 40)
    § 3 II WPflG, Art. 18 EG, keine Anwendbarkeit der Freizügigkeitsgarantie auf Wehrdienstleistende;
    §§ 6 VwGO, § 548 ZPO <Fassung bis 31.12.01> (nunmehr § 557 II ZPO <Fassung ab 1.1.02>), Art. 103 I, 101 I 2 GG, Heilung eines Verstoßes gegen das Gebot rechtlichen Gehörs

  • BVerfG, Kruzifix II, 27.10.98 (NJW 1999, 1020)
    Art. 101 I 2 iVm Art. 100 III GG, § 31 BVerfGG

  • BVerfG, Metro III [BVerfG], 4.6.98 (WM 1998, 1554)
    Art. 12 GG;
    Art. 101 I 2 GG, Fallgruppen, bei denen eine Verletzung der Vorlagepflicht nach Art. 234 EG eine Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter darstellt (Hinweis: vgl. hierzu auch die spätere Entscheidung «Ärzterichtlinie»)

  • BVerfG, Bayerisches Müllkonzept, 9.7.97 (BVerfGE 96, 231)
    Volksbegehren, Verfahren vor Landesverfassungsgericht, Art. 101 I 2, Art. 93 I Nr. 4 GG

  • BVerfG, Betriebsübergang, 13.6.97
    Art. 101 I 2 GG, Art. 177 EGV aF (Art. 234 EG), Bindungswirkung, Vorlagepflicht, Gericht, das die Revision nicht zuläßt (§ 72 ArbGG, vgl. § 543 ZPO <Fassung ab 1.1.02>, § 546 ZPO <Fassung bis 31.12.01>, § 132 VwGO, § 160 SGG, § 115 FGO) ist letztinstanzliches Gericht iSv Art. 234 EG;
    § 34a III BVerfGG: Einzelfall einer Auslagenerstattung trotz Erfolglosigkeit der VB bei Vorliegen eines Grundrechtsverstoßes (vgl. § 93a II BVerfGG)

  • BVerfG, Spruchgruppen, 8.4.97 (BVerfGE 95, 322)
    Art. 101 I 2 GG, Bestimmung des gesetzlichen Richters bei überbesetzten Spruchkörpern;
    § 31 BVerfGG, Übergangsregelung durch das Bundesverfassungsgericht

  • BGH, "wenn schon Pflichtverteidigung, dann auch Schöffengericht", 30.7.96 (BGHSt 42, 205)
    das Revisionsgericht prüft nur auf eine Verfahrensrüge (§§ 344 II, 352 StPO), ob das Berufungsgericht dadurch § 328 II StPO verletzt hat, daß es wegen objektiv willkürlicher Annahme der Zuständigkeit des Schöffengerichts statt des Strafrichters (Art. 101 I 2 GG, Unanwendbarkeit von § 269 StPO) nicht zurückverwiesen hat;
    zur Frage, ob über § 25 Nr. 2 GVG hinaus die Zuständigkeit des Strafrichters auf Fälle minderer Bedeutung beschränkt ist

  • BVerfG, Spruchgruppen [Vorlage], 10.8.95 (NJW 1995, 2703)
    Art. 101 I 2, Bestimmung des gesetzlichen Richters bei überbesetzten Spruchkörpern

  • BVerfG, Aufrechnung gegen Kautionsrückforderung, 12.12.94 (NJW 1995, 581)
    Art. 101 I 2 GG, unterlassene Einholung eines Rechtsentscheids, § 541 ZPO <Fassung bis 31.12.01>

  • BVerfG, berufsmäßiger Waffenträger, 16.8.94 (NJW 1995, 2501)
    § 250 I Nr. 1 a) StGB;
    Art. 101 I 2 GG, (hier nicht zu beanstandendes) Unterlassen einer Vorlage gem. § 132 II GVG

  • BVerfG, blinder Berufungsrichter, 10.1.92 (NJW 1992, 2075)
    Art. 101 I 2 GG, kein Anspruch der Prozeßbeteiligten hinsichtlich persönlicher Eigenschaften des Richters, Art. 101 I 2 GG enger als § 338 Nr. 1 StPO;
    Art. 103 I GG, Erfordernis einer ausreichenden Kommunikation

  • BVerfG, Saarländischer Verfassungsgerichtshof, 10.7.90 (BVerfGE 82, 286)
    Art. 101 I 2 GG, Antragssteller in einem landesverfassungsrechtlichen Normenkontrollverfahren können die Verletzung des Rechts auf den gesetzlichen Richter rügen

  • BVerfG, Absatzfonds, 31.5.90 (BVerfGE 82, 159)
    Sonderabgabe, Art. 104a ff;
    Art. 101 I 2 GG, Art. 177 EWGV (Art. 234 EG)

  • BVerfG, Kloppenburg, 8.4.87 (BVerfGE 75, 223) 
    Art. 101 I 2 GG, Art. 177 EWGV (Art. 234 EG), Bindungswirkung, Vorlagepflicht, Art. 187 EWGV, unmittelbare Anwendbarkeit

  • BVerfG, Solange II, 22.10.86 (BVerfGE 73, 339) 
    Art. 101 I 2 GG, Art. 177 EWGV (Art. 234 EG), EuGH als gesetzlicher Richter, Bindungswirkung, Vorlagepflicht, beim "derzeitigem" Grundrechtsniveau der EWG keine Zuständigkeit des BVerfG (Hinweis: vgl. jetzt Art. 23 GG), Art. 10 EG

  • BVerfG, Startbahn West, 24.3.82 (BVerfGE 60, 175)
    Art. 28 I GG, Bundes- und Landesverfassungsrecht im landesverfassungsgerichtlichen Verfahren, Art. 103 I, 101 I 2 GG

  • BVerfG, Milchpulver, 9.6.71 (BVerfGE 31, 145)
    Art. 24 GG (Hinweis: jetzt speziell Art. 23 GG), zum Verhältnis des deutschen Rechts zum EG-Recht;
    Art. 234 EG, Art. 101 I 2 GG, Vorlagepflicht zum EuGH aus der Sicht des deutschen Verfassungsrecht

  • BVerfG, schweizerische Aktiengesellschaft, 7.4.65 (BVerfGE 18, 441)
    Art. 101 I 2, 100 II, 25 GG

  • BVerfG, Ärztekammern - Kammergerichtsbarkeit, 24.11.64 (BVerfGE 18, 241)
    Art. 20 II, 92, 97, 101 II GG

  • BVerfG, Friedensgerichte, 17.11.59 (BVerfGE 10, 200)
    kein Verstoß gegen Art. 92 GG durch landesrechtliche Einrichtung von kommunalen Gerichten (Friedensgerichte), diese sind keine Ausnahmegerichte (Art. 101 I 1 GG), sondern Sondergerichte (Art. 101 II GG), hier jedoch: Verstoß gegen das Prinzip der Gewaltenteilung (Art. 20 II GG) durch automatischen Vorsitz des Bürgermeisters

  • BVerfG, Gesetzlicher Richter, 20.3.56 (BVerfGE 4, 412)
    Art. 101 I 2, Terminsanberaumung durch ausgeschlossenen Richter

Literatur im Internet zu Art. 101 GG

Querverweise

Auf Art. 101 GG verweisen folgende Vorschriften:
    GG
      Die Rechtsprechung
Redaktionelle Querverweise zu Art. 101 GG:
    Gerichtsverfassungsgesetz (GVG)
      Gerichtsbarkeit
        § 16 (zu Art. 101 I)
     
      Allgemeine Vorschriften über das Präsidium und die Geschäftsverteilung
        § 21e (zu Art. 101 I 1)
        § 21g (zu Art. 101 I 1)

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