Grundgesetz

   I. Die Grundrechte (Art. 1 - 19)   
Artikel 6

(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.

(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

(3) Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur auf Grund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen.

(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.

(5) Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche und seelische Entwicklung und ihre Stellung in der Gesellschaft zu schaffen wie den ehelichen Kindern.

Rechtsprechung zu Art. 6 GG

Rechtsprechungsübersichten:Redaktionell ausgewählte Entscheidungen:
  • BVerfG, kopftuchtragende Lehrerin, 24.9.03 
    Art. 33 II, III, V GG, Art. 7 GG, eine Lehramtsbewerberin, die im Unterricht aus persönlich-religiösen Gründen ein Kopftuch tragen will, ist nicht schon deshalb persönlich ungeeignet (anders die aufgehobene Entscheidung «kopftuchtragende Lehrerin (BVerwG)» und abweichende Meinung von drei BVerfG-Richtern);
    Art. 4 I GG, eine Einschränkung der positiven Glaubensfreiheit von Lehramtsbewerbern mit Rücksicht auf die negative Glaubensfreiheit von Kindern und auf das Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 II 1 GG) setzt ein Parlamentsgesetz voraus ("Parlamentsvorbehalt"), (vgl. hierzu jüngst auch BVerwG, «Gefahrtier-Verordnung»)

  • BVerfG, Lebenspartnerschaftsgesetz, 17.7.02 
    §§ 1 ff LPartG, die Einführung des Instituts der Lebenspartnerschaft verstößt nicht gegen Art. 6 I GG, Ausschluß heterosexueller Lebensgemeinschaften von der Lebenspartnerschaft verstößt nicht gegen Art. 3 I GG;
    Art. 77 IIa GG, zur Zustimmungsbedürftigkeit nach Art. 84 I GG, Zulässigkeit der Aufteilung eines einheitlichen Gesetzesvorhabens in ein zustimmungsbedürftiges und ein nicht zustimmungsbedürftiges Gesetz;
    Art. 76 ff GG, zur Zulässigkeit von Berichtigungen im Gesetzestext nach Beschlußfassung durch die gesetzgebenden Körperschaften (in engen Grenzen);
    §§ 15 LPartG, zur Frage, welches rechtliche Schicksal die Lebenspartnerschaft hat, wenn ein Lebenspartner eine Ehe eingeht (vgl. § 1306 BGB);
    § 10 VI LPartG, Pflichtteilsrecht des Lebenspartners widerspricht nicht der Testierfreiheit (Art. 14 I GG)

  • BVerwG, kopftuchtragende Lehrerin [BVerwG], 4.7.02
    Art. 33 II, III, V GG, Art. 7 GG, eine Lehramtsbewerberin, die im Unterricht aus persönlich-religiösen Gründen ein Kopftuch tragen will, ist deshalb persönlich ungeeignet, Art. 4 I GG, Einschränkung der positiven Glaubensfreiheit von Lehramtsbewerbern mit Rücksicht auf die negative Glaubensfreiheit von Kindern und auf das Erziehungsrecht der Eltern (Art. 6 II 1 GG) (Entscheidung aufgehoben durch BVerfG, «kopftuchtragende Lehrerin»)

  • BVerfG, "Anrechnungsmethode", 5.2.02 
    Art. 6 I, 3 II GG, §§ 1577, 1578 BGB, Verfassungswidrigkeit der bislang von den Familiengerichten angewandten "Anrechnungsmethode" bei der Bestimmung des nachehelichen Ehegattenunterhalts: Kindererziehung und Haushaltsführung stehen gleichrangig neben der Beschaffung des Einkommens (Hinweis: die "Anrechnungsmethode" ist vom BGH bereits in der Entscheidung «Familienarbeit der Ehefrau» aufgegeben worden)

  • BVerfG, Doppelname für Kinder, 30.1.02 
    § 1617 BGB, Art. 6 II GG, gesetzliches Verbot eines Doppelnamens für Kinder ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden

  • BVerfG, Caroline von Monaco III [BVerfG], 15.12.99 (BVerfGE 101, 361)
    Art. 1, 2, allgemeines Persönlichkeitsrecht,Verstärkung durch Art. 6 I, II;
    Art. 5 I 2

  • BVerfG, gegenläufige Kinderrückführungsanträge, 29.10.98 (BVerfGE 99, 145)
    Art. 6 II, Art. 2 I iVm Art. 103 I, Haager Kindesentführungsübereinkommen

  • BVerfG, Nichtehelicher Vater - Entbindungsurlaub, 1.4.98
    Art. 3, 6;
    § 90 BVerfGG

  • BVerfG, Integrative Beschulung, 8.10.97 (BVerfGE 96, 288) 
    Art. 3 III 2, Art. 2 I, 6 II 1, 7 I GG, kein Abwehrrecht gegen Zwangsüberweisung von behinderten Schülern an eine Sonderschule, "Vorbehalt des organisatorisch, personell und von den sächlichen Voraussetzungen her Möglichen";
    Art. 3 III 2 GG erfordert auch Kompensation von bestehenden Benachteiligungen

  • BVerfG, Vaterschaftsauskunft, 6.5.97 (BVerfGE 96, 56)
    allgemeines Persönlichkeitsrecht, Art. 6 V GG, § 1618a BGB

  • VGH, Sorge um vergewaltige Ehefrau, 6.5.97 (VBlBW 1997, 434)
    wird nach § 48 I Nr. 4, 47 III 1 AuslG aus einer Ist-Ausweisung eine Regel-Ausweisung, kann im Rahmen der Frage, ob ein atypischer Ausnahmefall vorliegt, die Ehe noch einmal gem. Art. 6 I GG berücksichtigt werden, wenn die familiären Belange im Einzelfall über das übliche Maß hinausgehen (kein "Verbrauch" dieses Gesichtspunkts);
    kein einstweiliger Rechtsschutz nach § 80 V VwGO, sondern nach § 123 VwGO, wenn die gesetzliche Fiktion des § 69 II, III AuslG nicht eingreift (§ 69 II 2 AuslG)

  • BVerwG, Ehefrau des abgeschobenen Ausländers, 27.8.96 (BVerwGE 102, 12)
    Art. 6 I GG, § 42 II VwGO, Klagebefugnis der Ehefrau gegen Versagung der Aufenthaltserlaubnis unabhängig von der Bestandskraft gegenüber dem Ehemann, jedoch keine notwendige Beiladung nach § 65 II VwGO;
    § 42 VwGO, eine Anfechtungsklage gegen die Versagung einer Aufenthaltsgenehmigung (statt Verpflichtungsklage auf ihre Erteilung) ist mit Blick auf die Fiktion des § 69 III AuslG zulässig;
    § 7 II AuslG, zur Frage, wann ein Regelfall (der jede Ermessensentscheidung ausschließt) und ein Ausnahmefall vorliegt (letzteres nicht nur bei atypischen Konstellationen, sondern auch, wenn Grundrechte - hier Art. 6 I GG - anderes gebieten);
    § 46 Nr. 2 AuslG, zu den (hier verneinten) spezialpräventiven und generalpräventiven Voraussetzungen für eine Ausweisung aus Anlaß von Straftaten

  • BVerwG, gleichgeschlechtlicher Lebensgefährte aus Thailand, 27.2.96 (BVerwGE 100, 287) 
    §§ 7, 15 AuslG finden in den Bereichen unmittelbare (subsidiäre) Anwendung (Ermessensentscheidung), in denen keine spezielle gesetzliche Bestimmung besteht (z.B. für Selbständige und Freiberufler);
    keine analoge Anwendung von §§ 17, 18, 22, 23 AuslG auf nichteheliche Lebensgefährten (Hinweis: vgl. jetzt die Neuregelung in § 27a AuslG m.W.v. 1.8.01 für gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaften iSv §§ 1 ff LPartG);
    kein Schutz aus Art. 6 I GG für die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft, eingeschränkter Schutz aus Art. 8 I MRK und Art. 2 I GG, Anspruch des Ausländers (nicht auch des Lebenspartners) auf eine Ermessensentscheidung nach § 7 I AuslG;
    § 8 I Nr. 2 AuslG greift nur dann ein, wenn die erforderliche Zustimmung aufgrund falscher Angaben des Ausländers fehlt (hier: Nichteinholung der nach § 11 I Nr. 1 DVAuslG erforderlichen Zustimmung durch die Auslandsvertretung);
    keine Strafbarkeit nach § 92 I Nr. 1 AuslG (und damit kein entsprechender Ausweisungsgrund nach § 46 Nr. 2 AuslG), wenn die Duldungsfiktion des § 69 II 1 AuslG durch eine rechtswidrige (weil ermessensfehlerhafte) Ablehnungsentscheidung beendet wurde (Rückwirkung der diese Behördenentscheidung aufhebende Gerichtsentscheidung, vgl. § 43 II VwVfG)

  • BVerfG, Einheitswert II, 22.6.95 (BVerfGE 93, 121) 
    Art. 3, 6, 14, verfassungsrechtliche Schranken der Besteuerung des Vermögens

  • BVerfG, Kruzifix, 16.5.95 (BVerfGE 93, 1) 
    Abwehrrecht von Schülern und Eltern gegen Kreuz im Klassenzimmer;
    Art. 4, 6, 7 GG, Grundsatz der "praktischen Konkordanz"

  • BVerfG, Aufgebot für gleichgeschlechtliche Ehe, 4.10.93 (NJW 1993, 3058)
    Art. 6 GG, Ehe im verfassungsrechtlichen Sinne ist Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau, Art. 3 GG, kein verfassungsrechtlicher Anspruch auf Anerkennung einer "gleichgeschlechtlichen Ehe";
    Hinweis: vgl. nunmehr einfachgesetzlich §§ 1 ff LPartG

  • BVerfG, Trümmerfrauen, 7.7.92 (BVerfGE 87, 1)
    Art. 3 I iVm Art. 6 I GG;
    Art. 74 Nr. 7, 12 GG

  • BVerfG, Sorgerecht für nichteheliche Kinder, 7.5.91 (BVerfGE 84, 168)
    Art. 6 GG

  • BVerfG, nichtehelicher Lebenspartner, 3.4.90 (BVerfGE 82, 6)
    § 569a II BGB <Fassung bis 31.8.01>, Art. 20 III, Analogie, Art. 6 I, Art. 14

  • BVerfG, Schlüsselgewalt, 3.10.89 (BVerfGE 81, 1)
    § 1357 I BGB, Art. 6 I GG

  • BVerfG, Ausländeradoption, 18.4.89 (BVerfGE 80, 81)
    kein Aufenthaltsrecht aus Art. 6 I GG bei Volljährigenadoption

  • BVerfG, Maklertätigkeit für Ehegatten, 30.6.87 (BVerfGE 77, 126)
    Verstoß gegen Art. 6 I GG durch analoge Anwendung von § 2 II Nr. 2 WoVermittG, die zum Ausschluß der Maklerprovision bei Vermittlung einer Wohnung des Ehegatten führt

  • BVerfG, Familiennachzug, 12.5.87 (BVerfGE 76, 1)
    Art. 6 I GG, aufenthaltsrechtliche Schutzwirkungen

  • BVerfG, nicht anerkannter Abkömmling, 18.11.86 (BVerfGE 74, 33)
    Art. 6 V GG, zur Frage der Beschränkung des Erbrechts, Nichtigkeit von § 1934c BGB aF

  • BVerfG, arbeitslose, getrennt lebende Eheleute, 10.7.84 (BVerfGE 67, 186)
    Art. 6 I GG, zur Benachteiligung von Ehen beim Bezug von Arbeitslosenhilfe

  • BVerfG, Sorgerechtsübertragung nach Scheidung, 8.6.82 (BVerfGE 61, 358)
    § 1671 BGB, Art. 6 II 1 GG, zur Frage der Verfassungsmäßigkeit der Übertragung der elterlichen Sorge auf einen Elternteil allein, Verfassungswidrigkeit von § 1671 IV BGB aF

  • BVerfG, Briefkontrolle in der Untersuchungshaft, 5.2.81 (BVerfGE 57, 170) 
    Art. 10 GG, § 119 III StPO, Schriftverkehr zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern, Art. 6 GG

  • BVerfG, Schulgebet, 16.10.79 (BVerfGE 52, 223) 
    Art. 6 II 1, 4, 7 I

  • BVerfG, Sexualkundeunterricht, 21.12.77 (BVerfGE 47, 46)
    Art. 6 II, 7 I, Gesetzesvorbehalt, Wesentlichkeitstheorie

  • BVerfG, Gemeinsame Schule [Bayern], 17.12.75 (BVerfGE 41, 65)
    Art. 135 BayVerf, Art. 4, 6 GG, positive und negative Bekenntnisfreiheit

  • BVerfG, Simultanschule, 17.12.75 (BVerfGE 41, 29)
    Art. 4, Art. 6 I, II, Art. 7, negative und positive Religionsfreiheit, Konkordanzprinzip, Art. 15 bwVerf

  • BVerfG, Gemeinschaftsschule [Nordrhein-Westfalen], 17.12.75 (BVerfGE 41, 88)
    Art. 6 II, 4 I;
    Art. 2 I GG iVm Landesverfassung

  • BVerfG, Ausländerausweisung, 18.7.73 (BVerfGE 35, 382)
    Münchner Olympiaattentat;
    Art. 19 IV, 6 I

  • BVerfG, Spanier, 4.5.71 (BVerfGE 31, 58) 
    Art. 6 I GG, Art. 1 III GG, Anwendbarkeit der Grundrechte im internationalen Privatrecht (Art. 3 ff EGBGB);
    (Hinweis: der der Entscheidung zugrundeliegende Sachverhalt ist heute in Art. 13 II Nr. 3 EGBGB geregelt)

  • BVerfG, Nichtehelichkeit, 29.1.69 (BVerfGE 25, 167) 
    Art. 6 V GG unmittelbar anwendbar geworden wegen Zeitablaufs

  • BVerfG, Vaterschaft, 23.10.58 (BVerfGE 8, 210)
    Art. 6 V GG ist bindender Auftrag an den Gesetzgeber und Ausdruck einer verfassungsrechtlichen Wertentscheidung

  • BVerfG, Steuersplitting, 17.1.57 (BVerfGE 6, 55) 
    Art. 100 I GG;
    Art. 6 I GG als "Grundsatznorm", Bedeutung von Art. 3 II GG

Literatur im Internet zu Art. 6 GG

Querverweise

Auf Art. 6 GG verweisen folgende Vorschriften:
    GG
      Übergangs- und Schlußbestimmungen
Redaktionelle Querverweise zu Art. 6 GG:
    GG
      Die Grundrechte
        Art. 3 (zu Art. 6 V)
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