Rechtsprechung
| BGH, 06.12.1988 - VI ZR 132/88 |
Änderung des Entbindungskonzepts
§ 823 Abs. 1 BGB, Aufklärungspflichten bei einer Risikogeburt;
Zuordnung von Vermögensschäden zwischen Mutter und Kind;
§ 823 BGB, Haftung auch für Schädigungen vor der Geburt (also vor Erlangung der Rechtsfähigkeit, § 1 BGB)
Volltextveröffentlichungen
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Arzthaftung bei Geburt aus Beckenendlage
Kurzfassungen/Presse (2)
- recht.com (Leitsatz/Auszüge/Zusammenfassung)
- rechtinco.de (Leitsatz)
Zeitschriftenfundstellen
- BGHZ 106, 153
- NJW 1989, 1538
- MDR 1989, 437
- NJW-RR 1989, 726
Wird zitiert von ... (58)
- OLG Koblenz, 17.04.2001 - 3 U 1158/96
Schmerzensgeldansprüche bei vaginaler Risikogeburt und unterbliebener Aufklärung …
Anders liegt es jedoch, wenn für den Fall, dass die Geburt vaginal erfolgt, dem Kind ernstzunehmende Gefahren drohen, daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine abdominale Schnittentbindung sprechen und diese unter Berücksichtigung der Konstitution der Mutter in der konkreten Situation eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellt (BGH NJW 1989, S. 1538, 1539).Andernfalls ist das Vorgehen des Arztes, dem die Schädigung des Kindes zuzurechnen ist, - wie bei einer Heilbehandlung - mangels wirksamer Einwilligung rechtswidrig (BGH NJW 1989, S. 1538, 1539 f.).
Da eine Risikoschwangerschaft aus mehreren Gründen vorlag und eine Vaginalentbindung gegenüber der Schnittentbindung mit deutlich erhöhten Gefahren für den Kläger verbunden war, durfte der Beklagte zu 2) es nicht ohne Einwilligung der Mutter darauf ankommen lassen, ob die Vaginalentbindung für das Kind gutgehen wurde (vgl. dazu BGH NJW 1989, S. 1538, 1540).
Ohne wirksame Einwilligung war die durchgeführte Entbindung rechtswidrig (vgl. dazu BGH NJW 1989, S. 1538, 1539).
Der Kaiserschnitt und damit die Abwicklung der Geburt auf einem anderen - künstlich eröffneten - Geburtsweg hatte einen anderen Kausalverlauf in Gang gesetzt (vgl. dazu BGH NJW 1989, S. 1538, 1539).
Damit trifft ihn der Vorwurf der Fahrlässigkeit (vgl. dazu BGH NJW 1989, S. 1538, 1540).
- BGH, 13.06.2006 - VI ZR 323/04
Arztrecht - Aufklärungspflicht bei Anwendung von neuer medizinischer Methode
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senats ist die Wahl der Behandlungsmethode zwar primär Sache des Arztes (Senatsurteile BGHZ 102, 17, 22; 106, 153, 157; vom 11. Mai 1982 - VI ZR 171/80 - VersR 1982, 771, 772; vom 24. November 1987 - VI ZR 65/87 - VersR 1988, 190, 191 und vom 15. März 2005 - VI ZR 313/03 - VersR 2005, 836; OLG Zweibrücken, OLGR 2001, 79, 81 mit NA-Beschluss des Senats vom 19. Dezember 2000 - VI ZR 171/00 -; OLG Karlsruhe, MedR 2003, 229, 230).Die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten erfordert aber eine Unterrichtung über eine alternative Behandlungsmöglichkeit, wenn für eine medizinisch sinnvolle und indizierte Therapie mehrere gleichwertige Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die zu jeweils unterschiedlichen Belastungen des Patienten führen oder unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen bieten (Senatsurteile BGHZ 102, 17, 22; 106, 153, 157; vom 14. September 2004 - VI ZR 186/03 - VersR 2005, 227;… vom 15. März 2005 - VI ZR 313/03 - aaO;… Katzenmeier, Arzthaftung, 2002, S. 331 f.;… MünchKommBGB/Wagner, 4. Aufl., § 823 Rn. 707 f.;… Staudinger/Hager, BGB, 13. Bearbeitung [1999], § 823, Rn. I 92 m.w.N.).
- BGH, 15.03.2005 - VI ZR 313/03
Arztrecht - Aufklärung über unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten
b) Das Berufungsgericht verkennt aber, daß die Frage, ob eine Reposition oder eine Operation zu einem besseren Ergebnis geführt hätte, nicht die Kausalität der tatsächlich durchgeführten konservativen Behandlung für den eingetretenen Schaden, sondern einen hypothetischen Kausalverlauf im Falle des rechtmäßigen Alternativverhaltens betrifft, für den der Beklagte beweispflichtig ist (vgl. Senatsurteile BGHZ 106, 153, 156; vom 10. Juli 1959 - VI ZR 87/58 - VersR 1959, 811, 812; vom 14. April 1981 - VI ZR 39/80 - VersR 1981, 677, 678; vom 13. Januar 1987 - VI ZR 82/86 - VersR 1987, 667, 668; vom 13. Dezember 1988 - VI ZR 22/88 - VersR 1989, 289, 290).Dieses Beweisrisiko geht nämlich zu Lasten des Beklagten, der dementsprechend nicht nur die Möglichkeit eines solchen Verlaufs, sondern beweisen müßte, daß derselbe Mißerfolg auch nach Wahl einer solchen anderen Behandlungsmethode eingetreten wäre (vgl. Senatsurteile BGHZ 106, 153, 156;… vom 14. April 1981 - VI ZR 39/80 - aaO;… vom 13. Dezember 1988 - VI ZR 22/88 - aaO; BGH, BGHZ 63, 319, 325; 120, 281, 287).
- BVerfG, 28.05.1993 - 2 BvF 2/90
Schwangerschaftsabbruch II
Hiervon unberührt bleibt eine Schadensersatzpflicht des Arztes gegenüber dem Kind wegen Schädigungen, die diesem bei einem nicht kunstgerecht ausgeführten, mißlungenen Schwangerschaftsabbruch zugefügt worden sind (vgl. BGHZ 58, 48 [49 ff.]; BGH, NJW 1989, S. 1538 [1539]). - OLG Koblenz, 04.12.2003 - 5 U 234/03
Zur ärztlichen Auflärungspflicht bei Geburten
Kontextvorschau leider nicht verfügbar - OLG München, 27.10.1994 - 24 U 364/89
Haftungsrecht; Arzthaftung
Das gilt in gleicher Weise für eine Verletzung beim Austritt aus dem Mutterleib (BGH NJW 1989, 1538 ).Vielmehr muß er die Mutter über die für sie und das Kind bestehenden Risiken aufklären und sich ihrer Einwilligung für die Art der Entbindung versichern (BGH NJW 1989, 1538 ).
Der Beklagte ist, wie bereits dargestellt wurde, gemäß § 823 BGB deliktisch und darüber hinaus auch wegen positiver Vertragsverletzung des mit der Mutter geschlossenen Behandlungsvertrages, der Schutzwirkungen zugunsten des Klägers entfaltet (vgl. BGH NJW 1989, 1538, 1541), zum Schadensersatz verpflichtet.
- BGH, 25.11.2003 - VI ZR 8/03
Zulässigkeit eines Teilurteils; Anforderungen an die Sachaufklärung im …
Nach dieser muß über die Möglichkeit einer Schnittentbindung nur aufgeklärt werden, wenn sie aus medizinischer Sicht indiziert ist, weil für den Fall, daß die Geburt vaginal erfolgt, ernstzunehmende Gefahren für das Kind drohen und daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen, wobei diese auch unter Berücksichtigung der Konstitution und Befindlichkeit der Mutter in der konkreten Situation eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellen muß (Senatsurteile BGHZ 106, 153, 157; vom 12. November 1991 - VI ZR 369/90 - VersR 1992, 237; vom 19. Januar 1993 - VI ZR 60/92 - VersR 1993, 835; vom 16. Februar 1993 - VI ZR 300/91 - VersR 1993, 703). - BGH, 14.09.2004 - VI ZR 186/03
Arztrecht - Aufklärung bei Zwillingsschwangerschaft
Anders liegt es aber, wenn für den Fall, daß die Geburt vaginal erfolgt, für das Kind ernstzunehmende Gefahren drohen, daher im Interesse des Kindes gewichtige Gründe für eine Schnittentbindung sprechen und diese unter Berücksichtigung auch der Konstitution und der Befindlichkeit der Mutter in der konkreten Situation eine medizinisch verantwortbare Alternative darstellt (vgl. Senatsurteile BGHZ 106, 153, 157; vom 16. Februar 1993 - VI ZR 300/91 - VersR 1993, 703, 704; vom 19. Januar 1993 - VI ZR 60/92 - VersR 1993, 835, 836).Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Risiken für die Mutter oder das Kind entstehen, weil die Mutter die natürliche Sachwalterin der Belange auch des Kindes ist (vgl. Senatsurteil BGHZ 106, 153, 157 f.).
- BGH, 26.11.1991 - VI ZR 389/90
Beweiserleichterungen bei grobem Behandlungsfehler unabhängig vom Grad …
Nach der Rechtsprechung des erkennenden Senates ist zwar die Wahl der Behandlungsmethode primär Sache des Arztes (vgl. BGHZ 106, 153, 157 m.w.N.).Selbst wenn die Beklagten dem Kläger eine Aufklärung hierüber geschuldet hätten (vgl. zur Aufklärung über Behandlungsalternativen BGHZ 102, 17 ; Senatsurteile vom 24. November 1987 - VI ZR 65/87 - VersR 1988, 190 f = AHRS 5000/21 und vom 6. Dezember 1988 - VI ZR 132/88 = AHRS 5000/30 VersR 1989, 253 LS), und die vom Kläger erteilte Einwilligung in die Bestrahlung wegen ungenügender Aufklärung unwirksam gewesen sein sollte, müßte der Kläger beweisen, daß sein Gesundheitsschaden auf der Behandlung beruht (vgl. Senatsurteil vom 1. Oktober 1985 - VI ZR 19/84 - VersR 1986, 183, 184), d.h. auf der Bestrahlung mit der Mehrfeldtechnik und der dadurch eingetretenen Bestrahlungslücke.
- BGH, 13.10.1992 - VI ZR 201/91
Schmerzensgeld bei Hirnschaden aufgrund Behandlungsfehler des Geburtshelfers
Es geht ferner zutreffend davon aus, daß der Arzt in Fällen von Beckenendlagen die Mutter, die, wie hier, bereits ihr Einverständnis zu einer Schnittentbindung erklärt hat, grundsätzlich über die Risiken einer vaginalen Geburt aufklären und dazu ihr Einverständnis einholen muß, wenn er die Geburt auf diese Weise durchführen will (BGHZ 106, 153, 156 ff; Senatsurteil vom 12. November 1991 - VI ZR 369/90 - VersR 1992, 237, 238). - OLG Oldenburg, 28.01.1992 - 5 U 85/91
Arztpflichten, Hebammenpflichten, Nabelschnurumschlingung, Schnittentbindung, …
- BGH, 28.04.2005 - III ZR 351/04
Arztrecht - Behandlung ohne gesetzliche Krankenversicherung
- BGH, 22.05.2007 - VI ZR 35/06
Arztrecht - Anwendung einer Außenseitermethode. Sorgfaltsmaßstab?
- BGH, 07.04.1992 - VI ZR 192/91
Darlegungs- und Beweislast bei postoperativer Risikoaufklärung
- BGH, 19.01.1993 - VI ZR 60/92
Tatrichterliche Aufklärungspflicht bei kritischen Äußerungen des medizinischen …
- BGH, 28.06.1994 - VI ZR 153/93
Ansprüche des Trägers der Unfallversicherung gegen einen Durchgangsarzt wegen …
- BGH, 07.12.2004 - VI ZR 212/03
Schadensersatz im Geburtsschadensrecht Haftung der Betreiber eines Geburtshauses
- BGH, 17.05.2011 - VI ZR 69/10
Arztrecht - Aufklärung bei Indikation einer Schnittentbindung
- OLG Koblenz, 30.11.2006 - 5 U 784/06
Arzthaftung: Voraussetzungen eines groben Behandlungsfehlers in der Geburtshilfe; …
- BGH, 05.04.2005 - VI ZR 216/03
Beweiserleichterung für geschädigte Patienten
- OLG München, 06.08.1993 - 24 U 645/90
Aufklärungspflichtverletzung für Geburtsschaden anläßlich einer …
- OLG Schleswig, 24.02.1993 - 4 U 16/91
Arzthaftung wegen verspätet eingeleiteter Geburt durch Kaiserschnitt
- OLG Oldenburg, 08.01.1991 - 5 U 80/90
Krebs, Gebärmutterhalskrebs, Fistel, Strahlentherapie, Aufklärung, …
- BGH, 12.11.1991 - VI ZR 369/90
Beratungspflicht des Arztes über Risiken einer Vaginalentbindung bei indizierter …
- BGH, 14.07.1992 - VI ZR 214/91
Schadensersatz und Schmerzensgeld: Arzthaftung, Fehlerhafte bzw. unterlassene …
- OLG Karlsruhe, 14.11.2007 - 7 U 101/06
Persönliche Haftung des H-Arztes bei einem Diagnosefehler
- OLG Brandenburg, 01.09.1999 - 1 U 3/99
Schadensersatz und Schmerzensgeld: Arzthaftung, Fehlerhafte Aufklärung, Chirurgie
- OLG Celle, 07.05.2001 - 1 U 15/00
Arzthaftung: Haftung von Ärzten im Zusammenhang mit der Behandlung von …
- OLG Brandenburg, 09.10.2002 - 1 U 7/02
Schadensersatz und Schmerzensgeld: Arzthaftung, Fehlerhafte Behandlung, …
- OLG Karlsruhe, 22.12.2004 - 7 U 4/03
Arzthaftung für eine geburtsmechanische Schädigung: Zeitpunkt für eine …
- BGH, 16.02.1993 - VI ZR 300/91
Zeitpunkt der Patientenaufklärung bei notwendiger Schnittentbindung
- OLG Koblenz, 18.05.2006 - 5 U 330/02
Haftung des Krankenhausträgers wegen Schulterdystokie; Aufklärungspflicht des …
- OLG Bamberg, 10.12.2007 - 4 U 38/06
Amtshaftung - Haftung einer Gemeinde für Überschwemmungsschäden durch Hangwasser
- OLG Naumburg, 20.12.2007 - 1 U 95/06
Aufklärungspflicht bei alternativen Behandlungsmethoden - Blasensprung
- OLG Bamberg, 28.07.2008 - 4 U 115/07
Neue Rechtsprechung zum Geburtsschadensrecht: Aufklärung von Schwangeren
- OLG Stuttgart, 26.01.1995 - 14 U 62/93
Arzthaftung für Diagnosefehler - Schmerzensgeld
- OLG Oldenburg, 30.03.1999 - 5 U 167/98
Auch wenn ein Arzt nicht über Behandlungsrisiken aufgeklärt hat, so haftet er …
- OLG Frankfurt, 11.12.2002 - 13 U 199/98
Krankenhaushaftung: Zeitnahe fachärztliche Eingangsuntersuchung eines neu …
- OLG Braunschweig, 18.01.2007 - 1 U 24/06
Arzt- bzw. Krankenhaushaftung: Verletzung des Selbstbestimmungsrechts eines …
- OLG Nürnberg, 15.02.2008 - 5 U 103/06
Behandlungsalternativen bei Beckenendlage; Sachaufklärung bei Versterben des …
- OLG Stuttgart, 20.08.1992 - 14 U 3/92
Haftung des Krankenhausträgers wegen mangelhafter Organisation der Krankenpflege
- OLG Brandenburg, 27.03.2008 - 12 U 239/06
Arzthaftung: Aufklärungsfehler bei Aufklärung durch eine Arzthelferin; …
- OLG Koblenz, 12.06.2008 - 5 U 1198/07
Pflicht des geburtshelfenden Arztes zur Aufklärung über die Möglichkeit einer …
- OLG Koblenz, 26.07.2000 - 1 U 1606/98
Anspruchsberechtigung des neugeborenen Kindes bei vorgeburtlichen …
- OLG Düsseldorf, 31.01.2008 - 8 U 149/06
Aufklärungspflichten des geburtsleitenden Arztes bei Makrosomie
- OLG Köln, 06.03.2002 - 5 U 178/01
- OLG Oldenburg, 27.10.1992 - 5 U 63/92
Behandlungsfehler, grober, Beweiserleichterung, Kausalität, …
- OLG Bamberg, 19.12.2001 - 4 U 103/01
Beweiswürdigung und Parteieinvernahme im Arzthaftungsprozeß
- OLG Oldenburg, 17.10.1995 - 5 U 134/92
Kaiserschnitt, Spontanentbindung, Entbindung, Hirnschaden, Behandlung, …
- OLG Brandenburg, 04.11.2010 - 12 U 148/08
Umfang der ärztlichen Aufklärungspflicht
- OLG Hamm, 16.03.2011 - 3 U 75/10
Pflichten des entbindenden Arztes
- OLG Hamm, 05.06.1989 - 3 U 351/88
- OLG Oldenburg, 26.05.1998 - 5 U 4/98
Geburtshilfe, Kaiserschnitt, Indikation, Aufklärung, Hinterhauptslage, …
- OLG Köln, 27.02.2002 - 5 U 82/00
- OLG Braunschweig, 11.04.2002 - 1 U 37/01
Arzthaftung bei Geburtsschaden: Hypothetische Einwilligung einer der deutschen …
- OLG Köln, 17.04.2002 - 5 U 131/01
- LG Rottweil, 27.11.2003 - 2 O 537/01
Arzthaftung: Wehenforcierung bei Schulterdystokie als Behandlungsfehler; …
- LG Aachen, 09.04.2002 - 11 O 211/99
