Rechtsprechung
   BVerwG, 17.08.1982 - 1 C 22.81   

Ausweisung wegen Straftaten

§ 28 VwVfG, unterlassene Anhörung, Heilung im Widerspruchsverfahren

Volltextveröffentlichungen

Zeitschriftenfundstellen

  • BVerwGE 66, 111
  • MDR 1983, 159
  • NVwZ 1983, 284
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Wird zitiert von ... (63)  

  • OVG Schleswig-Holstein, 25.10.1991 - 4 L 56/91  
    Im Blick auf die Frage, von wem die Nachholung mit heilender Wirkung zu erfolgen hat, wird ganz überwiegend die Auffassung vertreten, eine unterbliebene oder fehlerhafte Anhörung könne im Rahmen des Widerspruchsverfahrens, also durch die Abhilfe- oder die Widerspruchsbehörde, geheilt werden, was insbesondere der mit § 114 Abs. 2 LVWG identischen Vorschrift des § 45 Abs. 2 VwVfG entnommen wird (vgl. BVerwG, Urteil vom 18. August 1977 - V C 8.77 - BVerwGE 54, 276 (280); Urteil vom 25. April 1979 - 8 C 52.77 - BVerwGE 58, 37 (43 f.); Urteil vom 17. August 1982 - 1 C 22.81 - BVerwGE 66, 111 (114 f.); Urteil vom 14. Oktober 1982, aaO, 187, zu gebundenen Behördenentscheidungen; Beschluß vom 20. Oktober 1982 - 4 B 187.82 - DöV 1983, 247; Beschluß vom 17. Juli 1986 - 7 B 6.86 - NJW 1987, 143; Kopp, VwVfG , aaO, § 45 Rnr. 41; Stelkens/Bonk/Leonhardt, aaO, § 45 Rnr. 40; Ule/Laubinger, Verwaltungsverfahrensrecht, 3. Auflage, § 58 I 3, S. 404; Laubinger, VerwArch 1981, 333 (340 f.)).

    Das Bundesverwaltungsgericht vertritt in seinen Urteilen vom 18. August 1977 (aaO, 280) vom 17. August 1982 (aaO, 113 ff.) und vom 18. Oktober 1983 (- C 13.81 - NVwZ 1984, 578 (579)) die Auffassung, die Heilung könne sowohl bei gebundenen als auch bei Ermessensverwaltungsakten von der Ausgangs- und der Widerspruchsbehörde im Wege der Nachholung herbeigeführt werden.

    Danach ist bei Verwaltungsakten, die im Ermessen stehen, der Anhörungsmangel dadurch zu heilen, daß die Ausgangsbehörde ein etwaiges Vorbringen des Betroffenen zur Kenntnis nimmt und bei ihrer Entscheidung in Erwägung zieht (vgl. zu diesem Umfang der Anhörungspflicht: BVerwG, Urteil vom 17. August 1982, aaO, 114 mwN).

    Es reiche aus, wenn der betroffene Beteiligte durch den Erhalt des Verwaltungsakts von den entscheidungserheblichen Tatsachen Kenntnis und damit zugleich die Gelegenheit erhalten habe, sich zu den Tatsachen zu äußern und eine dieser Behörden diese Äußerung gewürdigt habe (BVerwG, Urteil vom 18. August 1977, aaO, 82; Urteil vom 17. August 1982, aaO, 114 ff.; Urteil vom 14. Oktober 1982, aaO, 189, zu gebundenen Verwaltungsakten).

  • OVG Hamburg, 26.02.1998 - 4 Bs 4/98  

    Polizei- und Ordnungsrecht: Hausverbot für eine Asylbewerberunterkunft nach

    Die Verletzung der Anhörungspflicht ist hier unbeachtlich, weil nach § 45 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. Abs. 2 HmbVwVfG die erforderliche Anhörung bis zum Abschluß eines verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nachgeholt werden kann (vgl. hierzu BVerwG, U.v. 17.8.1982, BVerwGE 66 S. 111, 114; U.v. 14.10.1982, BVerwGE 66 S. 184, 189; Knack/Klapp-stein, VwVfG , 4. Aufl. § 45 RdNr. 3.3.2; Kopp, VwVfG , 6.Aufl., § 45 Rdnr. 39) und vorliegend auch nachgeholt worden ist.

    Es genügte, daß der Antragsteller durch den Erhalt der Verfügung von den entscheidungserheblichen Tatsachen Kenntnis und damit zugleich Gelegenheit erhalten hat, sich im Rahmen des Rechtsbehelfs des Widerspruchs zu diesen Tatsachen zu äußern und alles vorzubringen, was sich gegen die Verfügung anführen ließ (BVerwG, U.v. 17.8.1982, aaO; BVerwG U. v. 14.10.1982, aaO).

    Die Antragsgegnerin hat das Vorbringen des Antragstellers, wie erforderlich, zur Kenntnis genommen und berücksichtigt (BVerwG, U.v. 17.8.1982, aaO), was auch während eines Aussetzungsverfahrens nach § 80 Abs. 5 VwGO geschehen kann (vgl. Kopp, aaO, § 45 Rdnr. 40 mwN, a.A. BVerwG, U.v. 15.12.1983, BVerwGE 68, 267, 275 für einen mit dem vorliegenden nicht zu vergleichenden Sachverhalt).

  • BSG, 26.09.1991 - 4 RK 4/91  

    Anhörung bei Massenverwaltungsakten, Widerspruchseinlegung, Nachholung,

    Jedenfalls im Anwendungsbereich des SGB X , das die Anhörungsobliegenheit der Behörde zu einem subjektiven Verfahrensrecht des Betroffenen mit Abwehranspruch bei dessen Verletzung (§ 42 Satz 2 SGB X ) ausgestaltet hat (schon BSG SozR 1200 § 34 Nrn 3, 4, 6, 8; Schnapp, aaO, § 24 RdNr 53; kritisch: Krause GK- SGB X 1, RdNrn 3, 4, 53 mN zum Meinungsstand; umstritten zu § 45 Abs. 1 Nr. 3 des Verwaltungsverfahrensgesetzes [VwVfG]: Stelkens/Sachs, aaO, § 45 RdNr 41 mwN; BVerwGE 66, 111 ; BVerwGE 66, 184 ; jeweils mwN), liegt in der bloßen Einlegung des Widerspruchs keine Heilung des Verfahrensmangels der unterlassenen Anhörung (Krasney NVwZ 1986, 337, 343 mwN).
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