Rechtsprechung
| BVerwG, 27.06.1991 - 4 B 138.90 |
Flachdachgebäude gegenüber Villa
Bauordnungsrechtliches Verunstaltungsverbot (vgl. für Baden-Württemberg: § 11 LBO), Baukunst, Art. 5 Abs. 3 GG, einzelfallbezogener Ausgleich
Volltextveröffentlichungen (3)
- Jurion
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Kurzfassungen/Presse
- Entscheidungssammlung Denkmalrecht
, S. 770 (Leitsatz)
(Hinweis: Teil einer Urteilssammlung im PDF-Format)
Besprechungen u.ä.
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Entscheidungsbesprechung)
Kunstfreiheit im Bereich der Baugestaltung? (IBR 1992, 56)
Zeitschriftenfundstellen
- NJW 1992, 128 (Ls.)
- NVwZ 1991, 983
- BauR 1991, 727
- DÖV 1992, 75
- ZfBR 1992, 46
- NVwZ 1991, 938
- IBR 1992, 56
Wird zitiert von ... (13)
- BVerwG, 13.04.1995 - 4 B 70.95
Monumentalfiguren - § 35 Abs. 2, Abs. 3 BauGB, Art. 5 Abs. 3 GG, …
Der Senat hat im Beschluß vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - (Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4) unter Hinweis darauf, daß es ausweislich des Art. 2 Abs. 2 GG zu den staatlichen Aufgaben gehört, einen Beitrag zum allseitigen psychischen Wohlbefinden der Bürger sowie zum sozialen Frieden in der Gemeinschaft zu leisten, dargelegt, daß der Staat es sich von Verfassungs wegen angelegen sein lassen darf, den Wirkbereich vorhandener baulicher Anlagen mit besonders erhaltenswerter äußerer Gestalt vor störenden Einwirkungen hinzutretender baulicher Anlagen zu schützen und Unlustgefühle hervorrufende krasse Gegensätzlichkeiten und Widersprüche im Erscheinungsbild bebauter Gebiete abzuwehren.Dies ändert nichts daran, daß beim künstlerischen Bauen nicht anhand des Art. 14 GG, sondern anhand des Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG zu beurteilen ist, welche Schranken der einzelne sich gefallen lassen muß, verleiht aber im Konflikt zwischen der Kunstfreiheit und dem mit § 35 BauGB bezweckten Außenbereichsschutz dem Gemeinschaftsbelang der Wahrung der Integrität von Natur und Landschaft in der Abwägung ein Gewicht, das nicht gering zu veranschlagen ist (vgl. BVerwG, Beschlüsse vom 11. April 1989 - BVerwG 4 B 65.89 - Buchholz 406.17 Bauordnungsrecht Nr. 28 und vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - aaO.; BayVerfGH, Entscheidung vom 20. Januar 1969 - Vf. 78 - VII - 67 - VerfGH 22, 1).
Das Berufungsgericht ist von dem Beschluß des Senats vom 27. Juni 1991 BVerwG 4 B 138.90 - (…aaO.) schon deshalb nicht abgewichen, weil es nicht zu entscheiden hatte, wie das Spannungsverhältnis zwischen der in Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ohne Gesetzesvorbehalt gewährleisteten Kunstfreiheit und dem bauordnungsrechtlichen Verunstaltungsverbot aufzulösen ist.
- OVG Rheinland-Pfalz, 24.07.1997 - 8 A 12820/96
Graffiti auf der Hauswand können Kunst sein: Sprayender Hausbesitzer muss Fassade …
Diese Bestimmung, nach der bauliche Anlagen mit ihrer Umgebung so in Einklang zu bringen sind, daß sie benachbarte bauliche Anlagen sowie das Straßen-, Orts- oder Landschaftsbild nicht verunstalten, ist zwar eine zulässige Inhaltsbestimmung des Eigentums i. S. von Art. 14 I 2 GG (BVerwG, NVwZ 1991, 938).Damit dient die Vorschrift neben der Ortsgestaltung auch dem Schutz der Eigentümer der benachbarten Grundstücke sowie dem allseitigen psychischen Wohlbefinden der Bürger und dem sozialen Frieden in der Gemeinschaft (BVerwG, NVwZ 1991, 938).
- VG Gießen, 31.03.2008 - 1 K 99/08
Verbot der Anbringung einer Werbeanlage - Abgrenzung der präventiven von der …
Daran bestehen erhebliche Zweifel, weil das Verunstaltungsverbot zu den baurechtlichen Grundanforderungen gehört (…Allgeier/v. Lutzau, Das Baurecht für Hessen, 7. Aufl., § 9 Anm. 9) und das damit verfolgte Ziel, Verunstaltungen abzuwehren (vgl. dazu BVerwG, Beschl. v. 27.06.1991, BauR 1991, 727), nur bei seiner Beachtung erreicht werden kann.Wegen der schwierigen Bestimmbarkeit des Rechtsbegriffs der Verunstaltung hat eine Beschränkung der Freiheit der Baugestaltung mit großer Zurückhaltung unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit (§§ 3 Abs. 1 Satz 3, HSOG) zu erfolgen (vgl. BVerwG, Beschluss vom 27.06.1991 - 4 B 138.90 -, NVwZ 1991, 983).
- BVerwG, 06.12.1999 - 4 B 75.99
Bauordnungsrecht; Eigentumsschutz
Der Senat hat in seinen Beschlüssen vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - Buchholz 401.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4, und vom 13. April 1995 - BVerwG 4 B 70.95 - (Buchholz 406.11 § 35 BauGB Nr. 309) ausgeführt, daß es sich bei Baugestaltungsvorschriften um Inhalts- und Schrankenbestimmungen im Sinne des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG handelt, bei denen der soziale Bezug des Eigentums besonders ausgeprägt ist. - OVG Nordrhein-Westfalen, 12.05.2003 - 10 B 145/03
Treu & Glauben: Verkauf des nachbarlichen Abwehrrechtes
- 4 B 138/90 -, NVwZ 1991, 983, 984; Scholz, in: Maunz-Dürig, Kommentar zum Grundgesetz, Art. 5 Abs. 3, Rn. 72 und Pernice, in H. Dreier (Hrsg.), Grundgesetz-Kommentar, Band 1, 1996, Art. 5 Abs. 3 Rn. 40 mit weiteren Nachweisen. - BVerwG, 04.07.1996 - 11 B 23.96
Straßen- und Wegerecht: Anspruch einer Religionsgemeinschaft auf Erteilung einer …
Soweit eine vom Landesrecht als Sondernutzung qualifizierte Straßennutzung als Ausübung des vorbehaltlos gewährleisteten Grundrechts der Glaubensfreiheit (Art. 4 I u. II GG) zu werten ist, gelten dieselben bundesrechtlichen Grundsätze, die das BVerwG in ständiger Rechtsprechung (vgl. BVerwGE 84, 71 [75 ff.] = NJW 1990, 2011; BVerwG, Buchholz 407.5 Straßengesetze der Länder Nr. 2 = NJW 1987, 1836) im Hinblick auf die - gleichfalls vorbehaltlos gewährleistete - Kunstfreiheit (Art. 5 III 1 GG) für Fälle der Straßenkunst entwickelt hat (vgl. ferner zum Thema Baukunst und Baurecht - BVerwG, Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4 = NVwZ 1991, 983 und BVerwG, Buchholz 406.11 § 35 BauGB Nr. 309 = NJW 1995, 2648 sowie zum Thema Glaubensfreiheit und Gewerberecht - BVerwG, Buchholz 451.20 § 14 GewO Nr. 6 = NVwZ 1995, 473). - BVerwG, 16.06.2000 - 4 B 41.00 Es ist zudem geklärt und bedarf keiner erneuten Bestätigung in einem Revisionsverfahren, daß örtliche Bauvorschriften Regelungen im Sinne des Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG sind (vgl. BVerwG, Beschluß vom 11. April 1989 - BVerwG 4 B 65.89 - Buchholz 406.17 Bauordnungsrecht Nr. 28 = NJW 1989, 2638 ; Beschluß vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4 = NVwZ 1991, 983; Beschluß vom 10. Juli 1997 - BVerwG 4 NB 15.97 - Buchholz 406.11 § 9 BauGB Nr. 85 = NVwZ-RR 1998, 486 ).
- BVerwG, 04.07.1996 - 11 B 24.96
Straßen- und Wegerecht: Anspruch einer Religionsgemeinschaft auf Erteilung einer …
Soweit eine straßenrechtliche Sondernutzung als Ausübung des vorbehaltlos gewährleisteten Grundrechts der Glaubensfreiheit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG ) zu werten ist, gelten dieselben bundesrechtlichen Grundsätze, die das Bundesverwaltungsgericht in ständiger Rechtsprechung (vgl. BVerwGE 84, 71 (75 ff.); Beschluß vom 19. Dezember 1986 - BVerwG 7 B 144.86 - (Buchholz 407.5 Straßengesetze der Länder Nr. 2)) im Hinblick auf die - gleichfalls vorbehaltlos gewährleistete - Kunstfreiheit (Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG ) für Fälle der Straßenkunst entwickelt hat (vgl. ferner - zum Thema Baukunst und Baurecht - Beschlüsse vom 27. Juni 1991 - BVerwG 4 B 138.90 - (Buchholz 406.41 Baugestaltungsrecht Nr. 4) und vom 13. April 1995 - BVerwG 4 B 70.95 - (Buchholz 406.11 § 35 BauGB Nr. 309) sowie - zum Thema Glaubensfreiheit und Gewerberecht - Beschluß vom 16. Februar 1995 - BVerwG 1 B 205.93 - (Buchholz 451.20 § 14 GewO Nr. 6)). - VG Gelsenkirchen, 16.12.2003 - 6 K 266/00
Außenwerbung; Fernmeldeturm; Stätte der Leistung; Außenbereich
- VGH Bayern, 08.11.1991 - 26 B 90.3380
Verunstaltungsverbot und Dachgaube
Mit dem Rückzug des Gesetzes auf ein Mindestmaß an gestalterischer Anforderung ist eine auch verfassungsrechtlich unbedenkliche, hinreichend bestimmbare Grenze gezogen (vgl. BVerfG, NVwZ 1985, 819 = BayVBl 1986, 143); die Eigentumsausübung wird nicht in unzulässiger Weise eingeschränkt, weil das Eigentum - insbesondere im Hinblick auf seinen starken sozialen Bezug bei der Errichtung baulicher Anlagen - Schranken unterworfen werden darf und der Staat mit dem Verbot der Verunstaltung das seinerseits durch Verfassungsrecht gestützte Anliegen verfolgt, einen Beitrag zum allseitigen psychischen Wohlbefinden seiner Bürger und zum sozialen Frieden zu leisten (BVerwG, NVwZ 1991, 983 (984)) . - OVG Berlin, 31.07.1992 - 2 B 14.90
Bauordnungsrecht, Verunstaltungsschutz, beabsichtigte Gestaltung des Orts- und …
- VGH Bayern, 03.11.2009 - 2 ZB 09.564
Bauordnungsrecht: Rechtmäßigkeit einer im gesamten Gemeindegebiet geltenden …
- OVG Rheinland-Pfalz, 02.07.1997 - 8 A 12820/96
