Rechtsprechung
| BGH, 27.05.1981 - IVb ZR 589/80 |
Irrtum über Steuerklasse
§ 307 ZPO, keine "Doppelnatur" des prozessualen Anerkenntnisses, keine Irrtumsanfechtung, keine Anwendung von § 290 ZPO (Motivirrtum) auf ein Anerkenntnis, ausnahmsweise Widerruflichkeit einer Prozeßhandlung bei Vorliegen der Voraussetzungen des § 580 ZPO oder (offengelassen) des § 323 ZPO;
§ 580 Nr. 7 b ZPO gilt nicht für eine Privaturkunde, die lediglich als schriftliche Zeugenaussage anzusehen ist
Kurzfassungen/Presse
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Leitsatz)
Widerruf und Anfechtung eines prozessualen Anerkenntnisses
Zeitschriftenfundstellen
- BGHZ 80, 389
- NJW 1981, 2193
- MDR 1981, 924
- FamRZ 1981, 862
Wird zitiert von ... (60)
- LAG Baden-Württemberg, 22.07.2009 - 13 Sa 19/09
Anforderungen an eine Restitutionsklage
Denn diese nachträglich vorgebrachten Beweismittel rechtfertigen die Restitutionsklage nicht (vgl. auch BGH, Urteil vom 27.05.1981, IVb ZR 589/80, BGHZ 80, 389 ff.).Da die Restitutionsklage aber nicht auf eine neue Zeugenaussage gestützt werden darf, kann hierzu auch eine schriftliche Erklärung eines in Betracht kommenden Zeugen zur Beweisfrage nicht ausreichen (vgl. BGH, Urteil vom 27.05.1981, IVb ZR 589/80, BGHZ 80, 389 ff.).
Da die Restitutionsklage aber nicht auf eine neue Zeugenaussage gestützt werden darf, kann hierzu auch eine schriftliche Erklärung eines in Betracht kommenden Zeugen zur Beweisfrage nicht ausreichen (vgl. BGH, Urteil vom 27.05.1981, IVb ZR 589/80, BGHZ 80, 389 ff.).
Auch hier geht es nicht um den typischen Beweiswert einer Urkunde als verkörperter Gedankenerklärung, sondern die Ersetzung eines (im Restitutionsverfahrens unzulässigen) Zeugenbeweises durch die schriftliche Niederlegung einer theoretischen Zeugenaussage (vgl. BGH, Urteil vom 27.05.1981, IVb ZR 589/80, BGHZ 80, 389 ff.).
- BGH, 17.03.1993 - XII ZR 256/91
Fortwirkung eines im schriftlichen Vorverfahren abgegebenen Anerkenntnisses
»Ein im schriftlichen Vorverfahren (§ 276 Abs. 1 Satz 1 ZPO) abgegebenes Anerkenntnis behält seine Wirkung auch dann, wenn der Kläger kein Anerkenntnisurteil, sondern wegen Säumnis des Beklagten in der mündlichen Verhandlung ein Versäumnisurteil erwirkt, und wenn nach Einspruch des Beklagten streitig verhandelt wird (Fortführung des Senatsurteils BGHZ 80, 389 ).«.Die Bindung an ein Anerkenntnis folgt allgemein aus dem Charakter als grundsätzlich unwiderrufliche Prozeßhandlung (BGHZ 80, 389 = LM § 222 ZPO (L) Nr. 20 = NJW 1981, 2193; BGHZ 107, 142,147 = LM § 307 ZPO Nr. 8 = NJW 1989, 1934).
Eine solche Bindung folgt allgemein aus dem Charakter des Anerkenntnisses als grundsätzlich unwiderruflicher Prozeßhandlung (Senatsurteile BGHZ 80, 389; 107, 142, 147).
- BGH, 05.09.2001 - XII ZR 108/00
Verfahrensrecht - Abänderung des Prozessvergleichs bei geänderter Rechtsprechung
Daher kann auch eine veränderte Rechtslage frühestens ab dem Zeitpunkt auf die Rechtsverhältnisse der Parteien einwirken, zu dem sie eingetreten ist (Senatsurteil BGHZ 80, 389, 397; vgl. auch BGHZ 70, 295, 298, 299).
- OLG Köln, 17.06.2003 - 4 UF 233/02
Widerruf eines prozessualen Anerkenntnisses; Rechtsfolgen eines finanziellen …
Zwar ist ein in erster Instanz erklärtes prozessuales Anerkenntnis (§ 307 ZPO) grundsätzlich bindend und kann daher weder wegen Irrtums erfolgreich nach §§ 119, 123 BGB angefochten noch analog § 290 ZPO wirksam widerrufen werden, wenn der Anerkennende die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse falsch eingeschätzt hat (vgl. grundlegend BGHZ 80, 389, 391 ff.; s. auch OLG Bamberg NJW-RR 1993, 1219, 1221;… Zöller/Vollkommer, ZPO 23. Aufl. Vor § 306 Rdn. 6 m. weit. Nachw.).Zwar genügt es für die Anwendung von § 323 ZPO nicht, daß eine dem Anerkenntnis bzw. dem hierauf gestützten Urteil zugrunde liegende Prognose der künftigen Verhältnisse aus nachträglicher Sicht anders zu treffen wäre (vgl. BGHZ 80, 389, 397;… Zöller/Vollkommer aaO § 323 Rdn. 34).
Vielmehr müssen die dem Anerkenntnis zugrunde gelegten künftigen Verhältnisse tatsächlich anders eingetreten sein als angenommen; daß mit einer Änderung - lediglich - zu rechnen ist, reicht demgegenüber nicht aus (vgl. BGHZ 80, 389, 397 f.) Um den Fall einer bloßen Veränderung der Prognosegrundlagen geht es jedoch vorliegend nicht.
- BGH, 31.10.2001 - XII ZR 292/99
Berechnung des Anfangsvermögen bei fehlender Nutzbarkeit von vor der Ehe …
Zwar kann ein prozessuales Anerkenntnis grundsätzlich weder angefochten noch widerrufen werden (vgl. Senat BGHZ 80, 389, 392 f.;… 107 aaO 147 m.w.N.). - BGH, 13.12.2006 - XII ZB 71/04
Verfahrensrecht - Umdeutung von Erledigungserklärung in Klagerücknahme?
a) Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sind die für Willenserklärungen geltenden Vorschriften über Nichtigkeit oder Anfechtbarkeit wegen Willensmängeln auf Prozesshandlungen weder direkt noch entsprechend anwendbar (BGHZ 80, 389, 392; Senatsurteil vom 8. Dezember 1993 XII ZR 133/92 NJW-RR 1994, 386, 387; BGH, Urteil vom 6. März 1985 VIII ZR 123/84 NJW 1985, 2335;… Stein-Jonas/Leipold ZPO 22. Aufl. vor § 128 Rdn. 288, 291 m.w.N.).Prozesshandlungen können nur ausnahmsweise bei Vorliegen eines Restitutionsgrundes im Sinne des § 580 ZPO oder soweit das Gesetz dies ausdrücklich gestattet, wie z.B. § 290 ZPO für das Geständnis, widerrufen werden (BGHZ 80, 389, 393 ff.;… Stein-Jonas/Leipold aaO Rdn. 286 m.w.N.).
- BGH, 05.04.1989 - IVb ZR 26/88
Wirksamkeit eines prozessualen Anerkenntnisses
Eine solche Bindung folgt allgemein aus dem Charakter des Anerkenntnisses als grundsätzlich unwiderruflicher Prozeßhandlung (vgl. Senatsurteil BGHZ 80, 389 ).Gründe, die diesen ausnahmsweise rechtfertigen könnten (BGHZ 80, 389, 394), sind nicht geltend gemacht und nicht ersichtlich.
- BGH, 13.06.2001 - XII ZR 49/99
Sittenwidrigkeit eines Gaststättenpachtvertrages bei auffälligem Mißverhältnis …
Der Senat hat aber bereits entschieden, daß die Berufung auf ein prozessuales Anerkenntnis gegen Treu und Glauben verstoßen kann, wenn das Anerkenntnis nicht der wahren Rechtslage entspricht und die Unrichtigkeit dem Prozeßgegner bekannt ist (Senatsurteil BGHZ 80, 389, 399 m.N.). - BGH, 30.09.2005 - V ZR 275/04
Verfahrensrecht - Wem gegenüber muss Prozessvergleich widerrufen werden?
a) Der Prozessvergleich ist ein Vertrag, der eine Doppelnatur aufweist (BGHZ 16, 388, 390; 28, 171, 172; 41, 310, 311; 79, 71, 74; 80, 389, 392; 128, 320; 323; 142, 84, 88;… BGH, Urt. v. 15. Januar 1980, I ZR 60/78, NJW 1980, 1753, 1754;… Urt. v. 22. Juni 2005, VIII ZR 214/04, Umdruck S. 7, zur Veröffentlichung bestimmt). - BGH, 08.12.1993 - XII ZR 133/92
Wirksamkeit eines beiderseitigen Rechtsmittelverzichts gegen ein …
Es entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und auch der herrschenden Meinung im Schrifttum, daß eine Prozeßerklärung, wie hier der Rechtsmittelverzicht, die von einem postulationsfähigen Rechtsanwalt gegenüber dem Gericht abgegeben wurde, als bestimmende Prozeßhandlung unwiderruflich und nicht wegen Willensmängeln anfechtbar ist, soweit nicht das Gesetz (wie z.B. in § 290 ZPO für das Geständnis) einen Widerruf ausdrücklich gestattet oder das Urteil wegen des Vorliegens eines Restitutionsgrundes der Restitutionsklage nach § 580 ZPO unterläge (BGHZ 12, 284, 285; Senatsurteil BGHZ 80, 389, 392; Senatsbeschlüsse vom 8. Mai 1985 - IVb ZB 56/84 = FamRZ 1985, 801, 802;… vom 16. Dezember 1992 - XII ZB 144/92 = BGHR ZPO § 514 Verzicht 5 m.w.N.).Zwar kann eine Prozeßhandlung wie ein Anerkenntnis, eine Rechtsmittelrücknahme oder auch ein Rechtsmittelverzicht ausnahmsweise - gegebenenfalls noch im "anhängigen" Rechtsstreit - widerrufen werden, wenn die Prozeßhandlung von einem Restitutionsgrund im Sinne des § 580 ZPO betroffen ist, aufgrund dessen das Urteil, das auf der Prozeßhandlung beruht oder seine hierdurch bewirkte Rechtskraft (vgl. BGHZ 12, 284, 285) mit der Wiederaufnahmeklage beseitigt werden könnten (BGHZ 80, 389, 394).
- BayObLG, 19.06.1992 - 3Z BR 28/92
Anfechtung einer Erklärung zur Namenswahl
- LSG Nordrhein-Westfalen, 16.11.2009 - L 20 SO 31/09
Sozialhilfe
- OLG Frankfurt, 04.06.1986 - 17 U 160/82
- BGH, 17.05.2000 - XII ZR 88/98
Zeitliche Schranken bei (Unterhalts-)Abänderungsklagen
- BGH, 20.12.2006 - XII ZR 84/04
Familienrecht - Anrechnung von Leistungen der Grundsicherung auf Unterhalt?
- OLG München, 23.10.1990 - 5 U 3462/90
- KG, 28.02.1995 - 18 U 2517/94
- BAG, 22.01.1998 - 2 AZR 455/97
Restitutionsklage nach Verdachtskündigung bei neuen Entlastungsgesichtspunkten
- BGH, 20.02.2002 - XII ZR 104/00
Unterhaltsrechtliche Folgen der Inhaftierung des Unterhaltsschuldners aufgrund …
- BGH, 10.01.2003 - V ZR 230/02
Vermögensrecht - Anspruch auf Sachenrechtsbereinigung
- BVerwG, 07.08.1998 - 4 B 75.98
Verwaltungsprozeßrecht - Unanfechtbarkeit der Verfahrenseinstellung bei …
- OLG Zweibrücken, 27.06.2003 - 2 UF 151/02
Wiedereinsetzung für die Anschlussberufung; Abänderungsklage bei Verbot der …
- OLG Stuttgart, 08.02.2006 - 14 U 63/04
BGB-Gesellschaft; Bereicherungsanspruch: (Un-)Wirksamkeit einer fristlosen …
- BFH, 29.10.1987 - X R 1/80
Zusage eines Änderungsbescheides durch das Finanzamt
- OLG Köln, 30.01.2002 - 11 U 71/01
Autorecht; Verfahrensrecht; Berechnung der Gebrauchsvorteile bei Wandlung des …
- OLG Schleswig, 29.02.2008 - 4 U 149/07
Pflegemehrbedarf und Fortkommensschaden eines Jugendlichen Behinderten
- BGH, 06.11.1985 - IVb ZR 74/84
... neuer Umstände bei der Abänderungsklage
- BGH, 08.03.1988 - VI ZR 234/87
Berufungsbeschwer bei Abweisung der Direktklage gegen einen …
- BGH, 08.05.1985 - IVb ZB 56/84
- BGH, 23.05.1985 - III ZR 69/84
Nachforderung von Einkommen- und Kirchensteuerbeträgen auf eine Schadensrente
- BGH, 09.10.1991 - XII ZR 170/90
Anrechnung des Erziehungsgeldes
- OLG Stuttgart, 29.09.2005 - 13 U 99/05
Verfahrensrecht - Widerruf eines wirksamen Anerkenntnisses
- OLG Frankfurt, 02.05.2007 - 6 UF 200/06
Familiensache der freiwilligen Gerichtsbarkeit: Wirksamkeit der Rücknahme einer …
- BGH, 27.01.1988 - IVb ZR 14/87
Abänderung eines Prozeßvergleichs durch Urteil
- BGH, 16.12.1992 - XII ZB 144/92
Widerruflichkeit und Anfechtbarkeit von Prozesshandlungen - Rechtsmittelverzicht
- BGH, 10.03.1993 - XII ZR 191/91
Abänderung rechtskräftiger Teilurteile im Berufungsverfahren
- BFH, 03.07.2002 - X B 178/01
Übereinstimmende Erledigungserklärung; Begründung einer NZB nach neuem Recht
- OLG Brandenburg, 08.05.2003 - 9 UF 113/02
Heilung der unterbliebenen Verkündung eines Urteils; Zulässigkeit eines …
- BFH, 18.02.2004 - V B 154/03
Restitutionsgrund
- OLG Brandenburg, 05.12.2006 - 9 UF 189/06
Vereinfachtes Verfahren über den Unterhalt Minderjähriger: Zulässigkeit und …
- OLG Köln, 16.08.1990 - 10 UF 66/90
- OLG Bamberg, 11.03.1993 - 2 UF 173/92
Ermittlung des eheangemessenen Bedarfs des unterhaltsberechtigten Ehegatten
- OLG Stuttgart, 21.10.1997 - 17 UF 96/97
Wirksamkeit einer Vereinbarungen über den Ausschluß des Versorgungsausgleichs und …
- LAG Sachsen, 30.07.2003 - 2 Sa 4/03
Restitutionsklage
- LAG Hamm, 25.11.2009 - 16 Sa 1024/09
Unzulässige Berufung gegen Anerkenntnisurteil bei fehlender Auseinandersetzung …
- OLG Hamm, 17.10.2011 - 5 U 84/11
Anerkenntnis
- OLG Koblenz, 21.09.1999 - 3 U 1939/98
- OLG Stuttgart, 09.12.1999 - 16 UF 193/99
Unterhaltspflicht gegenüber minderjährigen Kindern - Leistungsunfähigkeit infolge …
- BPatG, 12.12.2000 - 33 W (pat) 163/00
- KG, 16.03.2006 - 19 UF 24/05
Abänderung eines Kindesunterhaltsvergleichs; Bestreiten mit Nichtwissen bei …
- VG Hamburg, 30.07.2007 - 15 AE 396/07
Anfechtung von Erklärungen im Verwaltungsverfahren
- OLG Zweibrücken, 17.11.1988 - 2 UF 45/88
- BayObLG, 24.08.1995 - 2Z BR 54/95
Sachanträge nach Erledigung der Hauptsache
- FG Brandenburg, 13.09.2001 - 5 K 1172/95
Wiederaufnahme eines durch übereinstimmende als tatsächliche Verständigung …
- BGH, 04.06.1987 - III ZR 139/86
- OLG München, 29.10.1996 - 18 U 4836/95
Anfechtbarkeit eines prozessualen Anerkenntnisses
- OLG Naumburg, 15.03.2006 - 12 U 128/05
Verfahrensrecht - Wiederaufnahme des Verfahrens bei falscher Zeugenaussage
- OLG Köln, 17.06.2003 - 4 UF 233/03
Widerruf eines Anerkenntnisses
- LSG Rheinland-Pfalz, 22.03.2004 - L 4 VS 11/03
- OLG Zweibrücken, 07.02.2011 - 3 W 139/10
