Rechtsprechung
| BVerfG, 10.12.1975 - 1 BvR 118/71 |
Reklamefahrten
Art. 74 Nr. 22 GG, Gesetzgebungskompetenz des Bundes auch für die Verkehrsmittelreklame;
Art. 12 GG, Unverhältnismäßigkeit des generellen Verbots von reinen Werbefahrten durch die StVO (vgl. nunmehr § 33 StVO nF)
Volltextveröffentlichungen (4)
- DFR
Werbefahrten
- Alpmann Schmidt
- verkehrslexikon.de
Zum Verbot von reinen Werbefahrten im Rahmen des Straßenverkehrsrechts
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Verfassungswidrigkeit des § 33 Abs. 1 S. 3 StVO
Zeitschriftenfundstellen
- BVerfGE 40, 371
- NJW 1976, 1083
- NJW 1976, 559
- MDR 1976, 553
- afp 1976, 170
- DÖV 1976, 531
Wird zitiert von ... (44)
- BGH, 10.07.1980 - III ZR 160/78
Reklamefahrten
Kontextvorschau leider nicht verfügbar - OVG Berlin-Brandenburg, 16.02.2012 - 1 N 68.11
Reine Werbefahrten sind Sondernutzung
Zwar erstrecke sich die Rechtsetzungskompetenz des Bundes für den Straßenverkehr auch auf die "Verkehrsmittelreklame"; der Bund habe diesen Bereich jedoch nach Nichtigerklärung des absoluten Werbeverbots in § 33 Abs. 1Satz 3 Straßenverkehrs-Ordnung - StVO - in der Fassung vom 16. November 1970 durch Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Dezember 1975 (1 BvR 118/71 - BVerfGE 40, 371, zit. nach juris) nicht (mehr) abschließend geregelt, so dass Raum für landesrechtliche Regelungen verbleibe.Seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Dezember 1975 (a.a.O.) seien Werbefahrten jedoch nicht mehr beschränkt.
Ausgangspunkt ist das Verhältnis von Straßenrecht und Straßenverkehrsrecht, deren Regelungsbereiche deutlich gegeneinander abgrenzbar sind, obwohl die zugrunde liegenden Sachverhalte oftmals - wie hier - einen sachlichen Zusammenhang aufweisen (vgl. grundlegend BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975, a.a.O. Rn. 27 ff.; und - zum Verhältnis von Bau- und Straßenverkehrsrecht in Bezug auf "Außenwerbung" - BVerfG…, Beschluss vom 9. Februar 1972 - 1 BvR 111/68 - BVerfGE 32, 319, juris Rn. 25 ff., und auch Beschluss vom 9. Oktober 1984 - 2 BvL 10/82 - BVerfGE 67, 299, juris Rn. 47 ff.;… aus der jüngeren obergerichtlichen Rechtsprechung: vgl. Urteile des OVG Nordrhein-Westfalen zu "Bier- und Party-Bikes" vom 23. November 2011 - 11 A 2511/10 u.a. - juris Rn. 24 ff.).
Das danach für Sondernutzungen bestehende behördliche Kontrollverfahren ist auch mit den Grundrechten vereinbar; denn es dient dazu, die verschiedenen geschützten Belange, die bei der Benutzung des "knappen Gutes öffentliche Straße" miteinander in Konflikt geraten können, in Einklang zu bringen (…vgl. BVerwG, a.a.O. Rn. 10 f. m.w.Nachw.; BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975, a.a.O. Rn. 44).
bb) Soweit sich die Klägerin für ihre Rechtsansicht, dass der Bundesgesetzgeber im Rahmen seiner Gesetzgebungskompetenz für das Straßenverkehrsrecht die von der Klägerin veranstalteten Werbefahrten reglementieren könne und daneben kaum Raum für eine landesrechtliche Regelung in den Straßengesetzen sei, auf den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Dezember 1975 (a.a.O.) bezieht, enthält diese Entscheidung - ebenso wenig wie die so genannten "Laternengaragenentscheidungen" (BVerwG, Beschluss vom 7. Juli 1978 - 7 C 2.78 - MDR 178, 1049 f., und BVerfG, Beschluss vom 9. Oktober 1984 - 2 BvL 10/82 - NJW 1985, 371 ff.) - eine Aussage zu der hier maßgeblichen Frage, ob der Bund von seiner Rechtsetzungskompetenz in Bezug auf das inmitten stehende Werbeverhalten der Klägerin aktuell abschließend und erschöpfend Gebrauch gemacht hat.
Die tragende Erwägung im Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10. Dezember 1975 (a.a.O.) zur Verfassungswidrigkeit des (damals) bundesgesetzlich vorgesehenen absoluten Werbeverbots auf öffentlichen Straßen, dass der Bundesgesetzgeber auf Grund der ihm in Art. 74 Nr. 22 GG zugewiesenen Gesetzgebungskompetenz alle erforderlichen Maßnahmen treffen könne, um einen ordnungsgemäßen Ablauf des Straßenverkehrs sicherzustellen, er also folglich auch für die "rollende Werbung" an Fahrzeugen Regelungen für die Verkehrsmittelreklame im Rahmen des Straßenverkehrsrechts unter Kompetenzgesichtspunkten treffen könne, hat das Verwaltungsgericht nicht in Frage gestellt.
- VG Berlin, 17.06.2011 - 1 K 48.10
Zur Abgrenzung von Gemeingebrauch und Werbung bei Reklame an umherfahrenden …
Dies gilt auch, soweit diese Gefahren aus dem Straßenverkehr als solchen heraus entstehen - insbesondere durch Werbefahrten (vgl. BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975 - 1 BvR 118/71 -, BVerfGE 40, 371).Unter Kompetenzgesichtspunkten ist es dem Bundesgesetzgeber somit nicht verwehrt, Regelungen für die Verkehrsmittelreklame im Rahmen des Straßenverkehrsrechts, also nach ordnungsrechtlichen Gesichtspunkten zu treffen (BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975, a. a. O.).
Eine solche abschließende Regelung liegt aber nicht schon in dem Verzicht des Bundesgesetzgebers, erneut Regelungen zur Werbung in die Straßenverkehrsordnung aufzunehmen, nachdem das Bundesverfassungsgericht das in der früheren Fassung des § 33 Abs. 1 Satz 3 StVO enthaltene generelle und absolute Werbeverbot beanstandet hatte (vgl. BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975 - 1 BvR 118/71 -, a. a. O.).
Das Bundesverfassungsgericht hat den Landesgesetzgebern dieses in seinem Beschluss vom 10. Dezember 1975 (a. a. O.) auch nicht verwehrt.
Unter Beachtung der für ein Werbeverbot gemachten Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, die ein generelles und absolutes Werbeverbot zur Gefahrenabwehr ausschließen, bleibt daher die Möglichkeit, durch ein Erlaubnisverfahren mit Verbotsvorbehalt den öffentlichen Belangen Rechnung zu tragen (BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975, a. a. O.).
Die Widmung begründet den sogenannten Gemeingebrauch (BVerwG…, Urteil vom 28. November 1969 - VII C 67.68 -, juris Rn. 13; BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975 - 1 BvR 118/71 -, a. a. O.; BVerwG…, Urteil vom 26. Juni 1981 - 7 C 27/79 -, juris Rn. 14; BVerfG…, Beschluss vom 9. Oktober 1984 - 2 BvL 10/82 -, juris Rn. 67).
- BGH, 04.12.2001 - 4 StR 93/01
Konkurrenzverhältnis zwischen bundesrechtlichen und landesrechtlichen …
Straßenrecht und Straßenverkehrsrecht sind selbstständige Rechtsmaterien ( BVerfGE 40, 371, 378; 67, 299, 314) mit unterschiedlichen Regelungszwecken.Es dient als "sachlich begrenztes Ordnungsrecht" ( BVerfGE 40, 371, 380; 67, 299, 322; BGHSt 37, 366, 369) der Abwehr von typischen Gefahren, die vom Straßenverkehr ausgehen und die dem Straßenverkehr von außen oder durch Verkehrsteilnehmer erwachsen (vgl. BVerfGE 32, 319, 326; 40, 371, 379 f.; BGHSt 37, 366, 369; siehe auch Manssen DÖV 2001, 151 ff. ).
b) Aufgabe des zur originären Gesetzgebungskompetenz der Länder (vgl. BVerfGE 40, 371, 378) gehörenden Straßen- und Wegerechts ist es hingegen, die Rechtsverhältnisse an den öffentlichen Straßen und ihre Bereitstellung für den Verkehr durch Widmung zu regeln.
c) Beide Rechtsmaterien stehen allerdings in einem sachlichen Zusammenhang ( BVerfGE 40, 371, 378; 67, 299, 314; BVerwGE 34, 241, 243;… vgl. hierzu auch Steiner aaO, 2).
- BVerfG, 09.10.1984 - 2 BvL 10/82
Laternengarage
Es handelt sich um deutlich gegeneinander abgegrenzte Gesetzgebungsbereiche, auch wenn sie in einem sachlichen Zusammenhang stehen, insbesondere das Straßenverkehrsrecht das Straßenrecht voraussetzt (BVerfGE 40, 371 [378] = NJW 1976, 559).In diesem Sinne ist das Straßenverkehrsrecht sachlich begrenztes Ordnungsrecht, für das dem Bund - abweichend vom sonstigen Ordnungsrecht - die Gesetzgebung zukommt (BVerfGE 40, 371 [378, 380] = NJW 1976, 559).
Dieses Verständnis der Trennung zwischen dem Gemeingebrauch und seiner Ausübung wahrt den Charakter des Straßenverkehrsrechts als sachlich begrenzten Ordnungsrechts, für das dem Bund - abweichend vom sonstigen (Polizei-)Ordnungsrecht die Gesetzgebungskompetenz zusteht (BVerfGE 40, 371 [380] = NJW 1976, 559).
- VGH Bayern, 20.11.2008 - 10 CS 08.2399
Verbot von Internetwerbung für Glücksspiele
- BGH, 18.11.2003 - VI ZR 385/02
Verkehrsrecht - Zweck des Halteverbots an einer Baustelle
Dieses dient als sachlich begrenztes Ordnungsrecht der Abwehr von typischen Gefahren, die vom Straßenverkehr ausgehen und die dem Straßenverkehr von außen oder durch Verkehrsteilnehmer erwachsen (vgl. BGHZ 60, 54, 60; BGHSt 37, 366, 369; BGH, Beschluß vom 4. Dezember 2001 - 4 StR 93/01 - NJW 2002, 1280, 1281 m.w.N.; BVerfGE 40, 371, 379 f.; 67, 299, 314, 322 f. je m.w.N.; BVerwGE 37, 112, 114 f.; 85, 332, 341 f.). - BVerfG, 19.11.1985 - 1 BvR 934/82
Frischzellentherapie
a) Für die weitere Prüfung kann davon ausgegangen werden, daß das Grundrecht der Meinungsfreiheit auch für eine Wirtschaftswerbung jedenfalls dann als Prüfungsmaßstab in Betracht kommt, wenn eine Ankündigung einen wertenden, meinungsbildenden Inhalt hat oder Angaben enthält, die der Meinungsbildung dienen (enger BVerfGE 40, 371 [382]). - OVG Nordrhein-Westfalen, 22.09.2000 - 8 A 2429/99 vgl. BVerfG, Beschluss vom 10. Dezember 1975 - 1 BvR 118/71 -, BVerfGE 40, 371 (380); BVerwG, Urteil vom 13. De-zember 1979 - 7 C 46.78 -, BVerwGE 59, 221 (228); Urteil vom 15. April 1999 - 3 C 25/98 -, NVwZ 1999, 1234 (1235).
Zu § 6 Abs. 1 Nr. 3 StVG vgl.: BVerfG, Beschluss vom 25. Juni 1969 - 2 BvR 321/69 -, BVerfGE 26, 259 (263); Beschluss vom 10. Dezember 1975 - 1 BvR 118/71 -, BVerfGE 40, 371 (381 f.), wonach der Anwendungsbereich auf mit den von den Buchstaben a) bis h) geregelten Konstellationen vergleichbare Sachverhalte begrenzt war.
- BVerwG, 13.12.1979 - 7 C 46.78
Geschwindigkeitsbegrenzung Stadtautobahn - Verkehrsregelung, Rechtsnatur, §§ …
Dabei ist anerkannt, daß das Straßenverkehrsrecht als sachlich begrenztes Ordnungsrecht nicht nur die Abwehr der dem Straßenverkehr selbst drohenden Gefahren betrifft, sondern auch vorwiegend die Abwehr solcher Gefahren umfaßt, die vom Straßenverkehr ausgehen und die Umwelt beeinträchtigen (BVerfGE 40, 371 [381, 382]). - BVerwG, 21.04.1989 - 7 C 50.88
- OVG Niedersachsen, 12.08.1996 - 12 L 7814/95
Ausnahmegenehmigung für Rennen mit Kfz;; Ausnahmegenehmigung; Autorennen; …
- BVerwG, 28.05.1998 - 3 C 11.97
Großflächige Anwohnerparkzone in Köln nicht zulässig
- OVG Nordrhein-Westfalen, 12.07.2005 - 11 A 4433/02
Langzeitparken mit Werbeaufschrift wird teuer
- VG Düsseldorf, 18.05.2009 - 27 L 190/09
Glücksspiel Werbung Internet
- BVerfG, 07.12.1981 - 2 BvR 1172/81
Verfassungsmäßgkeit der Fahrtenbuchauflage
- BVerwG, 15.04.1999 - 3 C 25.98
Ozongesetz 1995; Schutzpflicht, verfassungsrechtliche; Verfassungswidrigkeit …
- OVG Nordrhein-Westfalen, 04.12.2000 - 11 A 2870/97
Parken mit Preisschild im Auto keine "Sondernutzung"
- VGH Baden-Württemberg, 14.09.2004 - 10 S 1283/04
Zulässigkeit der Datenübermittlung an Fahrerlaubnisbehörde; Strafurteil
- BVerwG, 20.04.1994 - 11 C 17.93
- BVerwG, 13.03.1997 - 3 C 2.97
Ausnahmegenehmigung für Autorennen auf öffentlichen Straßen nicht nur bei …
- VGH Baden-Württemberg, 11.03.2005 - 5 S 2421/03
Straßenverkehrsrechtliche Erlaubnis für Infostand und Gebührenerhebung dafür
- VG Düsseldorf, 18.05.2009 - 27 L 138/09
Glücksspiel Werbung Internet
- BGH, 18.04.1991 - 4 StR 518/90
Kommunale Verordnung zum Anleinen von Hunden
- BGH, 06.11.1981 - I ZR 158/79
Berufsordnung für Heilpraktiker - § 1 UWG, §§ 1 ff HeilprG
- VerfG Brandenburg, 30.06.1999 - VfGBbg 50/98
- OVG Nordrhein-Westfalen, 12.05.2000 - 8 A 2698/99
Ausnahmegenehmigung für Ärztetransporte bei Organtransplantationen
- VGH Bayern, 03.02.2005 - 22 ZB 05.61
Verfahrensrecht - Umstellung von Untätigkeits- auf Feststellungsklage
- BVerfG, 27.03.1979 - 2 BvL 7/78
Verfassungsmäßigkeit der § 21 Abs. 1 Nr. 1 erste Alternative, Abs. 2 Nr. 1 …
- VG Düsseldorf, 06.10.2010 - 16 K 6710/09
Benutzung von "Partybikes" und "Bierbikes" bedarf der straßenrechtlichen …
- BVerwG, 12.12.2001 - 8 C 30.00
Recht offener Vermögensfragen
- VG Düsseldorf, 06.10.2010 - 16 K 8009/09
Benutzung von "Partybikes" und "Bierbikes" bedarf der straßenrechtlichen …
- BGH, 31.01.1984 - 4 StR 350/83
Bußgeldverfahren - OWi-Themen - Weisungen
- OVG Schleswig-Holstein, 25.08.1992 - 4 L 3/92
- BVerwG, 13.03.1997 - 3 C 5.97
Straßenverkehrsrecht - Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für eine Autoralley
- OLG Koblenz, 29.08.2011 - 12 U 1473/09
Öffentliches Recht - Heizkesseltransporter stößt gegen Brücke: Haftet Polizei?
- OVG Nordrhein-Westfalen, 23.11.2011 - 11 A 2511/10
- BVerwG, 12.11.1998 - 3 BN 2.98
Kommunalabgaben: Sondernutzungsgebühr für Plakatierung an Bauzäunen
- VerfGH Bayern, 23.01.2012 - 18-VII-09
Kein allgemeines Verbot für Werbeanlagen!
- BVerwG, 24.08.1976 - 4 B 93.76
- OVG Rheinland-Pfalz, 15.11.1994 - 7 A 11204/93
- OLG Koblenz, 18.03.1997 - 2 Ss 32/97
- OVG Rheinland-Pfalz, 23.01.2001 - 7 A 11623/00
- OVG Niedersachsen, 18.11.1999 - 12 L 4386/99
Kraftfahrzeuge des Blutspendedienstes i.S.d.; Blaulicht; Blutspendedienst; …
