Rechtsprechung
   BGH, 02.07.1992 - IX ZR 274/91   

Versteigerung wegen Steuerforderungen

§ 305 AO, § 825 ZPO, freie Verwertung schuldnerfremder Sachen in der Zwangsvollstreckung durch privaten Auktionator (§ 34b GewO) erfolgt privatrechtlich;

zu den (hier verneinten) Voraussetzungen für eine öffentlich-rechtliche "Beleihung";

§ 804 ZPO, Pfandrechtstheorien, § 1244 BGB ist analog bei der freihändigen Verwertung (§ 825 ZPO) schuldnerfremder Sachen anwendbar: Ersteher erlangt Eigentum, wenn er hinsichtlich der Eigentümerstellung des Vollstreckungsschuldners gutgläubig ist;

§ 366 HGB, § 932 BGB, guter Glaube an die Befugnis eines Kaufmanns, über ein Kfz zu verfügen, ist nur geschützt, wenn sich der Erwerber von diesem den Kfz-Brief des Eigentümers zeigen läßt

Volltextveröffentlichungen (6)

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  • FIS Money Advice (Volltext/Auszüge)
  • rechtsportal.de
  • ZIP-online.de(Leitsatz frei, Volltext 3,90 €)

    Kein Eigentumserwerb in der vom Finanzamt angeordneten Versteigerung durch einen privaten Auktionator bei Bösgläubigkeit des Erstehers

Kurzfassungen/Presse

Zeitschriftenfundstellen

  • BGHZ 119, 75
  • BGHZ 50, 20
  • NJW 1992, 2570
  • ZIP 1992, 1175
  • MDR 1992, 1080
  • MDR 1968, 574
  • DB 1992, 2441
  • Rpfleger 1993, 75
  • NJW-RR 1992, 1457
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Wird zitiert von ... (14)  

  • OLG Düsseldorf, 25.03.1998 - 11 U 58/97  
    Die Versteigerung schuldnerfremder Gegenstände und ihre Zuweisung durch den Gerichtsvollzieher an den Ersteigerer führen zwar zum Untergang bisheriger Eigentumsrechte, weil der Ersteher an der versteigerten Sache ohne Rücksicht darauf Eigentum erwirbt, ob der Vollstreckungsschuldner Eigentümer oder der Erwerber gutgläubig ist (RGZ 156, 395, 398 f; BGHZ 50, 20, 25 = MDR 1968, 574 = NJW 1971, 799; BGH NJW 1992, 2570, 2571 m.w.N.).

    Diese ist trotz § 808 Abs. 1 ZPO auch im Falle einer Sachpfändung rechtswidrig, weil die Einhaltung der formellen Vollstreckungsvoraussetzungen lediglich das Handeln der staatlichen Vollstreckungsorgane rechtfertigt, dem Gläubiger aber kein materielles Recht zum Zugriff auf schuldnerfremdes Vermögen verleiht (BGHZ 50, 20, 26 = MDR 1968, 574 = NJW 1971, 799; BGHZ 58, 207, 213 f = MDR 1972, 684 = NJW 1972, 1048; BGHZ 95, 10, 15 = MDR 1985, 841 = NJW 1985, 1959, 1960; BGH NJW 1992, 2570, 2573).

    Seine deliktische Einstandspflicht entsteht vielmehr erst dann, wenn er oder sein Verfahrensbevollmächtigter, dessen Verschulden der Gläubiger sich zurechnen lassen muß (vgl. BGHZ 58, 207, 211 f = MDR 1972, 684 = NJW 1972, 1048), die Vollstreckung einleiten oder an ihr festhalten, obwohl sie von dem entgegenstehenden Recht des Dritten wußten oder hätten wissen müssen (BGH a.a.O.; BGH WM 1965, 863, 864; BGHZ 50, 20, 31 = MDR 1968, 574 = NJW 1971, 799; BGHZ 67, 378, 383 = MDR 1977, 394 = NJW 1977, 384).

    Das Gesetz sinnt somit dem Gläubiger über die Frage des Schuldnergewahrsams hinaus nicht die Prüfung an, ob die gepfändeten Gegenstände zum Vermögen des Schuldners gehören (BGHZ 50, 20, 30 = MDR 1972, 684 = NJW 1971, 799; BGHZ 95, 10, 16 und 20 = MDR 1985, 841 = NJW 1985, 1959, 1961; MünchKomm./Mertens, BGB, § 823 Rn. 95).

    bb) Nach diesen Maßstäben scheidet vorliegend ein Verschulden der Beklagten schon deshalb aus, weil das Landgericht sowohl die beantragte Einstellung der Zwangsvollstreckung verweigert als auch die Klage in der Hauptsache abgewiesen hat und vom Vollstreckungsgläubiger grundsätzlich keine weitergehenden Erkenntnisse erwartet werden können (vgl. BGHZ 50, 20, 30 f = MDR 1972, 684 = NJW 1971, 799).

    Ist dem Vollstreckungsgläubiger - wie hier (vorstehend unter b) - das Eigentum des Dritten nicht nachgewiesen und dessen Antrag auf Einstellung der Zwangsvollstreckung ohne Erfolg geblieben, so kann dem Gläubiger regelmäßig nicht angesonnen werden, bis zum rechtskräftigen Abschluß des Interventionsrechtsstreits mit der Zwangsversteigerung zuzuwarten (vgl. BGHZ 32, 240, 242 f = MDR 1960, 651 = NJW 1960, 1461; BGHZ 50, 20, 31 = MDR 1972, 684 = NJW 1971, 799).

    Ob ausnahmsweise etwas anderes gilt, wenn der Gläubiger aufgrund eigener Sachkunde oder sonstiger Umstände weitergehende Kenntnisse haben mußte (vgl. BGHZ 50, 20, 31 = MDR 1972, 684 = NJW 1971, 799), kann dahinstehen, da ein solcher Fall vorliegend unstreitig nicht gegeben ist.

  • BGH, 16.10.2003 - IX ZR 55/02  

    Gesellschaftsrecht - Ein-Mann-GmbH und Alleingesellschafter rechtlich getrennt!

    Dies steht nicht in Widerspruch zur Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wonach der Erwerber eines gebrauchten Kraftfahrzeugs regelmäßig grob fahrlässig im Sinne von § 932 Abs. 2 BGB handelt, wenn er sich nicht anhand des Briefes über das Eigentum des Veräußerers vergewissert (BGHZ 119, 75, 90 m.w.N.).
  • BGH, 20.12.2006 - VII ZB 88/06  

    Zwangsversteigerung - Antrag auf Einstellung der Versteigerung

    Auftraggeber des privaten Auktionators ist in einem solchen Fall nicht der Gläubiger oder der Schuldner, sondern das Land, vertreten durch das Vollstreckungsgericht (vgl. BGH, Urteil vom 2. Juli 1992 - IX ZR 274/91, BGHZ 119, 75, 80).

    Dieser besteht lediglich darin, persönliche, sachliche oder örtliche Besonderheiten zur schnellen Erzielung eines günstigen Verwertungserlöses nutzen zu lassen (vgl. BGH, Urteil vom 2. Juli 1992 - IX ZR 274/91, BGHZ 119, 75, 77).

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  • BGH, 17.09.1998 - IX ZR 300/97  

    Ersatzaussonderungs- und -absonderungsrechte in der Gesamtvollstreckung

    Dies hängt auch davon ab, ob der Versteigerer als Vertreter des Klägers aufgetreten ist, also für ihn die Zahlungen in Empfang genommen hat (vgl. BGHZ 119, 75, 78 ff).
  • OLG Saarbrücken, 13.04.2004 - 4 U 459/03  

    Einziehungsprozess für eine gepfändete Forderung: Unbeachtlichkeit der

    Das Landgericht ist zutreffend der herrschenden privatrechtlich-öffentlichrechtlichen Theorie gefolgt, nach der ein Pfändungspfandrecht nur bei fehlerfreier Pfändung der Forderung entsteht (RGZ 156, 395, 397 f; OLG Hamm DGVZ 1955, 134; Kuchinke JZ 1958, 198, 200 f; Arndt MDR 1961, 368, 370 f; Gaul Rpfleger 1971, 1, 4 ff; Pieper AcP 166, 532, 537 ff; Säcker JZ 1971, 156, 160 ff; Werner JR 1971, 278, 282 f; Pinger JR 1973, 94, 97 f; vgl. auch BGHZ 119, 75, 82 ff m.w.N.).

    Im Hinblick auf die Rechtsfolgen der Pfändung werden derzeit im wesentlichen zwei Theorien vertreten: die oben genannte gemischt privatrechtlich-öffentlichrechtliche Theorie, der sich auch der Senat anschließt, und die im Schrifttum verbreitete öffentlichrechtliche Theorie (Zöller/Stöber, a.a.O., § 804 Rdnr. 2; Martin, Pfändungspfandrecht und Widerspruchsklage im Verteilungsverfahren, S. 98 ff, 150, 186 f, 307; Thomas/Putzo - Putzo, a.a.O., § 803 Rdnr. 8; Lüke JZ 1957, 239, 240 ff; Grund NJW 1957, 1216; zu weiteren Nachweisen vgl. BGHZ 119, 75).

  • BGH, 11.01.2007 - IX ZR 181/05  

    Anforderungen an den Tatbestand des Berufungsurteils

    Diesem Gesichtspunkt hält die Vorinstanz lediglich entgegen, dass durch die Pfändung ein Pfändungspfandrecht an dem Fahrzeug entstanden sei, das "nunmehr" vorgehe; diese Annahme begegnet jedoch durchgreifenden Bedenken, wenn, was die Vorinstanz nicht in Frage gestellt hat, der Kläger das Sicherungseigentum an dem Fahrzeug zuvor erworben hatte (vgl. RGZ 156, 395, 397 f; BGHZ 20, 88, 100 f; 56, 339, 351; 119, 75, 86 ff).
  • OLG Köln, 25.11.2003 - 4 U 9/03  

    Bösgläubigkeit beim Erwerb eines Kfz; Kein Besitzverlust durch polizeiliche

    Wollte der Beklagte den sich ihm aufdrängenden Verdacht der Nichtberechtigung des Verkäufers O entkräften, blieb ihm nur die Möglichkeit, bei dem noch im Kfz-Brief eingetragenen Voreigentümer die Besitz- und Eigentumsverhältnisse an dem Pkw nachzufragen (vgl. auch BGH MDR 1992, 1080; NJW 1991, 1415; OLG Hamm NJW 1975, 171; OLG Celle OLG R 1995, 185; OLG Köln Schaden-Praxis 1995, 388).
  • OLG Hamm, 20.07.2010 - 28 U 2/10  

    Zustandekommen eines Kaufvertrages über gebrauchte Lastkraftwagen bei

    dd) Da § 366 Abs. 1 HGB, wie aufgezeigt, unter mehreren Blickwinkeln nicht eingreift, kommt es nicht auf die im Schrifttum umstrittene Frage an, ob die Vorschrift überhaupt guten Glauben an die Vertretungsmacht schützt, sei es in extensiver Auslegung oder analoger Anwendung (ablehnend z.B. Oetker/Maultzsch, aaO, § 366 Rn. 26; Tiedtke, aaO, S. 229 ff.; Lettl, aaO, § 366 Rn. 11; bejahend z.B. Baumbach/ Hopt, HGB, 34. Aufl., § 366 Rn. 5; offen gelassen BGHZ 119, 75, 92).
  • OLG Rostock, 02.05.2005 - 3 U 84/04  

    Mietrecht - Nutzungsentschädigung trotz Verjährung des Wegnahmerechts?

    Das bestandskräftige Besitz- und Nutzungsrecht erlangt der Vermieter jedoch nicht aufgrund eines den Besitzübergang begleitenden Rechtsgeschäfts (vgl. BGHZ 34, 122; BGHZ 34, 154; BGHZ 119, 75, zur Ablehnung des gutgläubigen Erwerbs des Unternehmerpfandrechts), sondern als gesetzliche Folge der Verjährung.
  • LG Bielefeld, 17.04.2007 - 20 S 123/06  

    Angst vor Videoüberwachung durch Nachbar

    Das Erfordernis der "Ortsüblichkeit" im Sinne des § 35 Abs. 1 Satz 1 NachbG NW soll den Belangen der Nachbarn an einer ihnen auch optisch und ästhetisch zumutbaren Beschaffenheit der Einfriedung Rechnung tragen (BGH NJW 1992, 2570 m.w.Nachw).
  • BGH, 27.01.1993 - XII ZR 178/91  

    Gerichtliche Einigung im Verfahren zur vorzeitigen Aufhebung der Eigentums- und

  • BGH, 24.05.2005 - IX ZR 73/03  

    Eigentumserwerb in der Immobiliarzwangsvollstreckung

  • OLG Düsseldorf, 16.12.1998 - 11 U 33/98  
  • OLG Hamburg, 20.01.1994 - 3 U 163/93  

    Zum Begriff hoheitlich handelnder "beliehener Unternehmer"

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