Rechtsprechung
   BGH, 28.06.1988 - VI ZR 217/87   

Grünes Fruchtwasser

§ 823 Abs. 1 BGB, Arzthaftung, Beweislast für Behandlungsfehler, Dokumentationsversäumnis;

unterlassene Befunderhebung;

Abgrenzung des groben Fehlverhaltens

Kurzfassungen/Presse (4)

Zeitschriftenfundstellen

  • NJW 1988, 2949
  • MDR 1988, 1045
  • VersR 1989, 80



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Wird zitiert von ... (101)  

  • OLG Köln, 27.05.1992 - 27 U 72/91  
    Ein Dokumen-tationsmangel kann zwar dazu führen, daß dem Patienten zum Ausgleich der hierdurch einge-tretenen Erschwernis, einen ärztlichen Behand-lungsfehler nachzuweisen, eine entsprechende Beweiserleichterung zugute kommt, um auch für die Prozeßführung eine gerechte Rollenvertei-lung im Arzt-Patienten-Verhältnis zu schaffen (BGH NJW 1978, 2337; 1988, 2949).

    Diese Be-weiserleichterung hilft dem Patienten jedoch zunächst nur insoweit, als sie die Vermutung begründet, daß eine nicht dokumentierte Maß-nahme vom Arzt auch nicht getroffen worden ist (BGH NJW 1988, 2949).

    Indessen gehen Zweifel an der Ursächlichkeit des Fehlers für den Schaden zu Lasten der Beklagten, weil den Beklagten zu 1. der Vorwurf des groben Behandlungsfehlers trifft (vgl. BGH NJW 1983, 2080; 1988, 2949).

    Nach gefestigter höchstrichterlicher Rechtsprechung (vgl. BGH NJW 1986, 1540; 1988, 2949) reicht es im Fall eines groben Behand-lungsfehlers für die Haftung aus, wenn der Fehler generell geeignet ist, den konkreten Gesundheitsschaden hervorzurufen.

    Allerdings greift die Kausalitätsvermutung nicht ein, wenn feststeht, daß der grobe Fehler nicht ursächlich geworden sein kann (vgl. BGH NJW 1988, 2949).

  • OLG Brandenburg, 05.04.2005 - 1 U 34/04  
    Die Darlegungs- und Beweislast für eine Pflichtverletzung des Arztes und deren Ursächlichkeit für den eingetretenen (Körper- bzw. Gesundheits-) Schaden trägt grundsätzlich der Geschädigte bzw. Anspruchsteller (s. etwa BGHZ 89, S. 263, 269; Bd. 99, S. 391, 398; BGH NJW 1987, S. 705 f.; NJW 1988, S. 2949; NJW 1992, S. 2962, 2964; Senat, NJW-RR 2000, S. 24, 26 = MedR 2000, S. 85, 88; VersR 2002, S. 313, 315 = MedR 2002, S. 149, 152; OLG- NL 2003, S. 224, 226; Palandt/Sprau, BGB, 64. Aufl. 2005, § 823 Rdn. 161; Zöller/Greger, ZPO, 25. Aufl. 2005, vor § 284 Rdn. 20 a; Müller, MedR 2001, S. 487, 489).

    Allerdings muss der Arzt an der Sachverhaltsaufklärung mitwirken; eine mangelhafte - unvollständige oder sonst nicht ordnungsgemäße - Dokumentation der Untersuchung bzw. Behandlung kann zu Beweiserleichterungen für den Geschädigten bis hin zu einer Beweislastumkehr führen (s. BGH NJW 1978, S. 1681, 1682; NJW 1978, S. 2337, 2338 f.; NJW 1983, S. 332; NJW 1988, S. 2949 f.; NJW 1989, S. 2330, 2331; NJW 1993, S. 2375, 2376; NJW 1995, S. 1611, 1612; NJW 1996, S. 779, 780 f.; NJW 1996, S. 1589 f.; NJW 1999, S. 3408, 3409 f.; Palandt/Sprau, aaO., § 823 Rdn. 161; Zöller/Greger, aaO., vor § 284 Rdn. 20 a; Müller, aaO., S. 491).

    Hinsichtlich des Nachweises der Kausalität zwischen Behandlungsfehler und (Körper- bzw. Gesundheits-)Schaden können Dokumentationsmängel hingegen nur dann und insoweit zu Beweiserleichterungen führen, als sich aus diesen Mängeln Beweiserschwernisse für den Geschädigten ergeben und die Ursächlichkeit zumindest wahrscheinlich ist (s. BGHZ 99, S. 391, 398 ff.; BGH NJW 1988, S. 2949, 2950; NJW 1989, S. 2330, 2331; NJW 1993, S. 2375, 2376 f.; BGHZ 132, S. 47, 49 ff., 52 = NJW 1996, S. 1589, 1590; Palandt/Sprau, aaO., § 823 Rdn. 161).

    Handelt es sich jedoch um einen schweren ("groben") Behandlungsfehler, ist er als solcher geeignet, den eingetretenen Schaden zumindest mitursächlich herbeizuführen, und ist ein Kausalzusammenhang nicht ganz unwahrscheinlich, so ist es Sache des Anspruchsgegners (des Arztes oder Krankenhausträgers) zu beweisen, dass es an der Kausalität zwischen der Pflichtverletzung und dem (Körper- oder Gesundheits-)Schaden fehlt (Beweislastumkehr; s. etwa BGHZ 85, S. 212, 215 ff.; BGH NJW 1987, S. 705; NJW 1988, S. 2303, 2304; NJW 1988, S. 2948; NJW 1988, S. 2949, 2950 f.; NJW 1993, S. 2375, 2376 f.; NJW 1995, S. 1611, 1612 f.; NJW 1996, S. 1589, 1590 f.; NJW 1996, S. 2428; NJW 1997, S. 796, 797; NJW 1998, S. 814, 815; NJW 1998, S. 1782, 1783; NJW 1999, S. 861, 862; NJW 1999, S. 862; NJW 2004, S. 2011, 2012 f. = GesR 2004, S. 290, 292 f.; Senat, NJW-RR 2000, S. 24, 26 = MedR 2000, S. 85, 88; VersR 2002, S. 313, 315 = MedR 2002, S. 149, 152; NJW-RR 2003, S. 1383, 1386 = MedR 2004, S. 226, 230 = VersR 2004, S. 1050, 1052); Palandt/Sprau, aaO., § 823 Rdn. 162; Zöller/Greger, aaO., vor § 284 Rdn. 20 a; Müller, aaO., S. 489 f.).

  • BGH, 27.04.2004 - VI ZR 34/03  

    Arzthaftung - Umkehr der Beweislast bei grobem Behandlungsfehler

    Soweit es in einigen Entscheidungen heißt (vgl. Senatsurteile vom 28. Juni 1988 - VI ZR 217/87 - VersR 1989, 80, 81; vom 26. Oktober 1993 - VI ZR 155/92 - VersR 1994, 52, 53; vom 4. Oktober 1994 - VI ZR 205/93 - VersR 1995, 46, 47), daß das Ausmaß der dem Patienten zuzubilligenden Beweiserleichterungen im Einzelfall danach abzustufen sei, in welchem Maße wegen der besonderen Schadensneigung des Fehlers das Spektrum der für den Mißerfolg in Betracht kommenden Ursachen verbreitert oder verschoben worden sei, betrifft dies die Schadensneigung des groben Behandlungsfehlers, also die Frage seiner Eignung, den Gesundheitsschaden des Patienten herbeizuführen.

    Das Vorliegen einer derartigen Ausnahmekonstellation hat allerdings der Arzt zu beweisen (vgl. Senatsurteil vom 16. Juni 1981 - VI ZR 38/80 - aaO; vom 28. Juni 1988 - VI ZR 217/87 - aaO; Groß, Festschrift für Geiß, S. 429, 431).

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