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   OVG Sachsen-Anhalt, 19.02.2019 - 4 L 201/17   

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OVG Sachsen-Anhalt, 19.02.2019 - 4 L 201/17 (https://dejure.org/2019,8052)
OVG Sachsen-Anhalt, Entscheidung vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 (https://dejure.org/2019,8052)
OVG Sachsen-Anhalt, Entscheidung vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 (https://dejure.org/2019,8052)
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Wird zitiert von ... (9)

  • OVG Niedersachsen, 26.05.2020 - 10 LA 104/20

    Verhältnis von § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG und § 26 AsylG.

    Denn die von der Beklagten aufgeworfene Rechtsfrage lässt sich ohne Weiteres bereits anhand der üblichen Regeln sachgerechter Auslegung sowie auf der Grundlage der einschlägigen Rechtsprechung ohne Durchführung eines Berufungsverfahrens beantworten: Wie vom Verwaltungsgericht zutreffend angenommen ist ein Antrag auf Gewährung von Familienasyl gemäß § 26 Abs. 5 Sätze 1 und 2 i.V.m. Abs. 1 AsylG von der Ausschlusswirkung des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG nicht erfasst (so auch OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 09.10.2019 - 11 A 2229/19.A -, juris; OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris; Günther in BeckOK Ausländerrecht, Stand: 01.03.2020, AsylG § 29 Rn. 76; kritisch Hailbronner, Ausländerrecht, Stand: März 2020, AsylG § 26 Rn. 24; a.A. VG Berlin, Urteil vom03.12.2018 - 23 K 323.18 A -, juris Rn. 20 m.w.N.).

    Dies folgt bereits aus der Überlegung, dass die von der Beklagten angenommene Ausschlusswirkung (theoretisch) eine Trennung der Familie zur Folge hätte, was der Zielsetzung des § 26 AsylG, der neben der Verwaltungsvereinfachung auch der Integration der Familienangehörigen und dem Schutz der Familieneinheit dient (Günter in BeckOK, Ausländerrecht, Stand: 01.03.2020, AsylG § 26 Rn. 1 f.; OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 28; zum Integrationsziel vgl. auch BVerwG, Urteil vom 21.01.1992 - 9 C 63.91 -, NVwZ 1992, 577, 578 zu § 7a Abs. 3 AsylVfG a.F.) und der seine Rechtfertigung insoweit auch zum Teil in Art. 6 Abs. 1 GG findet (BVerwG, Urteil vom 21.01.1992 - 9 C 66.91 -, NVwZ 1992, 987, 988 zu § 7a Abs. 3 AsylVfG a.F.; vgl. zum Verhältnis von Familienasyl und Art. 6 GG auch BVerfG, Nichtannahmebeschluss vom 14.12.2000 - 2 BvR 517/99 -, juris Rn. 3 zu § 26 AsylVfG), zuwiderliefe.

    Die durch § 26 Abs. 5 Sätze 1 und 2 AsylG vorgesehene Rechtsfolge der Zuerkennung der Eigenschaft des in Deutschland bereits als international schutzberechtigt anerkannten Familienmitglieds und die damit verbundenen Rechte würden ihm jedoch nicht zuteil (vgl. auch OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 30; vgl. zu diesem Gedanken auch EuGH, Urteil vom 13.11.2019 - C-540/17 -, juris Rn. 40, 42, und BVerwG, Urteil vom 21.01.1992 - 9 C 63.91 -, NVwZ 1992, 577, 578 zu § 7a Abs. 3 AsylVfG a.F.).

    Die Gleichstellung hinsichtlich der Rechte dient aber gerade auch dem § 26 AsylG immanenten Ziel der Förderung der Integration (Bergmann in Bergmann/Dienelt, Ausländerrecht, 13. Auflage 2020, § 26 Rn. 3; BVerwG, Urteil vom 09.05.2006 - 1 C 8.05 -, juris Rn. 20 zu § 26 AsylVfG a.F.; vgl. zu dieser Zielsetzung OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 28 m.w.N.).

    § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG soll demgegenüber das Bundesamt davon entbinden, den Anspruch eines ausländischen Schutzsuchenden auf Gewährung internationalen Schutzes in der Sache prüfen zu müssen, wenn diesem bereits in einem anderen Mitgliedsstaat ein solcher Schutz gewährt wurde (OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 27).

    Der mit einer Doppelprüfung des Asylantrags verbundene Aufwand fällt bei der Geltendmachung eines Anspruchs auf Familienasyl nach § 26 AsylG aber gerade nicht an, da sich in diesem Fall eine gegebenenfalls umfangreiche und / oder schwierige Prüfung eigener Verfolgungsgründe des Antragstellers erübrigt (vgl. OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 28; zu dieser Zielsetzung bereits des § 7a Abs. 3 AsylVfG a.F. BVerwG, Urteil vom 21.01.1992 - 9 C 66.91 -, NVwZ 1992, 987, 988).

    Entsprechend der Zielsetzung des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG ist daher davon auszugehen, dass diese Vorschrift nicht für Asylanträge gilt, die lediglich eine Prüfung der Voraussetzungen des Anspruchs auf Familienasyl und nicht die Prüfung eigener Verfolgungsgründe des Antragstellers zum Gegenstand haben (in diesem Sinne auch OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 29).

    Der von der Beklagten für ihre Auffassung herangezogene § 31 Abs. 4 AsylG (vgl. dazu auch Hailbronner, Ausländerrecht, Stand: März 2020, AsylG § 26 Rn. 24) steht dieser, auch die Förderung der Ziele des § 26 AsylG gewährleistenden Auslegung des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG nicht entgegen, auch wenn der Wortlaut der Vorschrift - wie von ihr zutreffend geltend gemacht - ihrer Auffassung nicht entgegensteht (vgl. dazu OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 21).

    Aus dieser Vorschrift, die sich alleine auf §§ 26a und 29 Abs. 1 Nr. 3 AsylG bezieht, ist - auch im Hinblick auf die Begründung ihrer Änderung durch das Integrationsgesetz vom 31. Juli 2016 (vgl. dazu OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 24) - nicht zwingend der Umkehrschluss zu ziehen, dass § 26 AsylG nicht auch gegenüber § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG Vorrang zukommt (im diesem Sinne auch OVG Nordrhein-Westfalen, Urteil vom 09.10.2019 - 11 A 2229/19.A -, juris Rn. 29).

    Insbesondere ist insoweit auch eine lediglich klarstellende Funktion (der Aufrechterhaltung) des früheren Satzes 2 des § 31 Abs. 4 AsylG a.F. in Betracht zu ziehen (vgl. OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 24; VG Düsseldorf, Beschluss vom 12.04.2017 - 22 L 1361/17.A -, juris Rn. 30; Heusch in BeckOK, Ausländerrecht, Stand: 01.03.2020, AsylG § 31 Rn. 27).

    Außerdem stünde bei der von der Beklagten für richtig gehaltenen Auslegung ein Ausländer, der aufgrund eigener Verfolgung in seinem Herkunftsstaat in einem anderen Mitgliedsstaat internationalen Schutz erhalten hat, hinsichtlich der durch § 26 AsylG beabsichtigten Integration möglicherweise schlechter als ein selbst nicht verfolgter Ausländer, dessen Antrag in einem anderen Mitgliedsstaat abgelehnt worden ist (OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 29; VG Lüneburg, Urteil vom 15.03.2017 - 8 A 201/16 -, juris Rn. 23; a.A. VG Berlin, Urteil vom 03.12.2018 - 23 K 323.18 A -, juris Rn. 23) was dem Sinn und Zweck des § 26 AsylG ersichtlich zuwiderliefe.

  • OVG Nordrhein-Westfalen, 09.10.2019 - 11 A 2229/19

    Verdrängung des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG durch § 26 Abs. 5 S. 1 und 2 i. V. m.

    vgl. OVG S.-A., Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, juris, m. w. N.

    vgl. OVG S.-A., Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, juris, Rn. 20 ff., m. w. N.

  • VG Freiburg, 18.03.2020 - A 13 K 2682/18

    Drittstaatenbescheid steht Familienflüchtlingsschutz nicht entgegen

    Im Übrigen wäre selbst bei einer analogen Anwendung des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG eine vorrangige Anwendung des § 26 Abs. 5 AsylG keinesfalls ausgeschlossen (dafür OVG NRW, Urteil vom 09.10.2019 - 11 A 2229/19.A -, im Anschluss an OVG LSA, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 - beide in juris; dagegen VG Berlin, Urteil vom 03.12.2018 - 23 K 323.18 A -, VG Hannover, Urteil vom 22.03.2018 - 13 A 12144/17 -, beide in juris).

    Nicht zuletzt spricht auch der Zweck der Regelung des § 31 Abs. 4 i. V. m. § 26 AsylG, die Familieneinheit zu schützen, gegen eine einschränkende Auslegung der Norm (s. Dazu auch OVG LSA, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 28).

    Diese Konzeption dient gerade auch der Entlastung des Bundesamts und der Gerichte von Prüfungsaufwand (vgl. dazu auch OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 - juris Rn. 28 m. w. N.).

  • VG Düsseldorf, 21.05.2019 - 22 K 16904/17

    Familienasyl akzessorische Zuerkennung Schutzgewährung Mitgliedstaat

    Dies führt dazu, dass der Asylantrag eines Ausländers, der Anspruch auf Zuerkennung akzessorischen Schutzes nach § 26 hat, nicht - wie hier geschehen - gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG als unzulässig abgewiesen werden darf, st. Rspr. der erkennenden Kammer, vgl. Beschlüsse vom 5. September 2016 - 22 L 2884/16.A -, Rn. 19 ff, juris; vom 31. März 2017 - 22 L 671/17.A -, Rn. 22 ff, juris sowie vom 12. April 2017 - 22 L 1361/17.A -, Rn. 25 ff, juris; ebenso: OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, Rn. 17 ff m.w.N., juris; a.A. VG Berlin, Urteil vom 3. Dezember 2018 - 23 K 323.18 A -, Rn. 20 m.w.N., juris.

    vgl. OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, Rn. 25, juris.

  • VG Münster, 27.08.2020 - 8 K 2237/15
    vgl. OVG Nds., Beschluss vom 26. Mai 2020 - 10 LA 104/20 -, juris Rn. 19; OVG NRW, Urteil vom 9. Oktober 2019 - 11 A 2229/19.A -, juris Rn. 31 = www.nrwe.de; OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, juris Rn. 20; so auch schon VG Düsseldorf, Beschluss vom 5. September 2016 - 22 L 2884/16.A -, juris Rn. 19 = www.nrwe.de.
  • VG Magdeburg, 30.08.2019 - 8 A 239/18

    Anwendungsvorrang von § 26 AsylG vor § 29 Ab Vaterschaft eines in einer Imam-Ehe

    Die Vorschrift des § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG (juris: AsylVfG 1992) als Grundlage für die Ablehnung eines Antrages auf Gewährung von Asyl ist nicht anwendbar bei einem bestehenden Anspruch aus § 26 AsylG (juris: AsylVfG 1992) (Anschluss an OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 - juris, Rn. 16 ff.).

    Das Familienasyl gewährt gegenüber der bereits ausgesprochenen Gewährung des internationalen Schutzes gerade eine umfassendere Rechtsstellung (vgl. zum Ganzen OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19.02.2019 - 4 L 201/17 -, juris, Rn. 16 ff.).

  • VG Düsseldorf, 27.05.2020 - 22 K 16758/17

    Unzulässigkeitsentscheidung, Schutzberechtigte, Familienasyl

    Dies führt dazu, dass der Asylantrag eines Ausländers, der Anspruch auf Zuerkennung akzessorischen Schutzes nach § 26 hat, nicht - wie hier geschehen - gemäß § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG als unzulässig abgewiesen werden darf, OVG NRW, Urteil vom 9. Oktober 2019 - 11 A 2229/19.A -, Rn. 20, ff, juris (Revision zugelassen und beim BVerwG anhängig - 1 C 33.19 -); st. Rspr. der erkennenden Kammer, vgl. Gerichtsbescheid vom 21. Mai 2019 - 22 K 16904/17.A -, Rn. 34 ff, juris; Beschlüsse vom 5. September 2016 - 22 L 2884/16.A -, Rn. 19 ff, juris; vom 31. März 2017 - 22 L 671/17.A -, Rn. 22 ff, juris sowie vom 12. April 2017 - 22 L 1361/17.A -, Rn. 25 ff, juris; ebenso: OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, Rn. 17 ff m.w.N., juris; VG Freiburg, Urteil vom18. März 2020 - A 13 K 2682/18 -, juris; a.A. VG Berlin, Urteil vom 3. Dezember 2018 - 23 K 323.18 A -, Rn. 20 m.w.N., juris.

    vgl. OVG NRW, Urteil vom 9. Oktober 2019 - 11 A 2229/19.A -, Rn. 37 ff, juris (Revision zugelassen und beim BVerwG anhängig - 1 C 33.19 -); OVG Sachsen-Anhalt, Urteil vom 19. Februar 2019 - 4 L 201/17 -, Rn. 25, juris.

  • BVerwG - 1 C 33.19 (anhängig)
    Vorinstanzen: OVG Magdeburg, 4 L 201/17 ; VG Magdeburg, 8 A 413/17 MD Parteien: A. ./. Bundesrepublik Deutschland BVerwG 1 C 33.19:.
  • VG München, 20.04.2020 - M 22 S 19.32967

    Flüchtlingseigenschaft, Abschiebungsandrohung

    Geht man davon aus, dass § 29 Abs. 1 Nr. 2 AsylG verdrängt wird, wenn § 26 einschlägig ist (vgl. hierzu OVG LSA, U.v. 19.2.2019 - 4 L 201/17 - juris; höchstrichterlich ist diese Frage noch nicht geklärt), so würde die Zuerkennung (abgeleitet von der Ehefrau bzw. den minderjährigen Kindern, denen in Deutschland die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wurde) doch daran scheitern, dass der Antragsteller den Asylantrag nicht unverzüglich nach seiner Einreise gestellt hat (vgl. § 26 Abs. 5 Satz 1 und 2 i.V.m. Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 bzw. Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 AsylG; Einreise zum Zwecke eines Daueraufenthalts soweit ersichtlich an 05.08.2017; Asylantragstellung am 08.01.2019).
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