Rechtsprechung
| VGH Baden-Württemberg, 29.11.1989 - 11 S 262/89 |
Verfahrensgang
- VGH Baden-Württemberg, 29.11.1989 - 11 S 262/89
- BVerwG, 19.03.1990 - 1 B 27.90
Wird zitiert von ...
- VGH Baden-Württemberg, 09.07.2003 - 11 S 420/03
Ermessensausweisung - Schadensausmaß - Wiederholungswahrscheinlichkeit
a) Diesen Grundsatz der nach dem Schadensausmaß differenzierenden normativen oder relativen Wiederholungswahrscheinlichkeit hat die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts und des erkennenden Gerichtshofs bei der Beurteilung von Ausweisungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 2 AuslG 1965 immer wieder betont (vgl. grundlegend etwa BVerwG, Urteil vom 26.2.1974 - 1 C 31.72 -, BVerwGE 45, 45 = NJW 1974, 807; daran anknüpfend BVerwG, Urteil vom 18.8.1983 - 1 C 131.80 -, BVerwGE 68, 101 = InfAuslR 1984, 172; Beschluss vom 17.10.1984 - 1 B 61.84 -, DVBl. 1985, 57; Beschluss vom 19.3.1990 - 1 B 27.90 -, Buchholz 402.24 § 10 AuslG Nr. 122; ebenso VGH Bad.-Württ., Urteil vom 27.4.1988 - 13 S 1957/86 -, VBlBW 1989, 113 und Urteil vom 29.11.1989 - 11 S 262/89 -[vom BVerwG bestätigt im o.g. Beschluss vom 19.3.1990]).Zu diesen Fallgruppen gehören vor allem Gewalttaten (BVerwG…, Urteil vom 18.10.1983, a.a.O [versuchte Vergewaltigung, Körperverletzung] und Beschluss vom 17.10.1984, a.a.O., sowie VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.11.1989 a.a.O. [versuchter Totschlag]), aber auch - wegen des hohen Rangs des gefährdeten Rechtsguts - Delikte des sexuellen Missbrauchs von Kindern (…vgl. VGH Bad.-Württ., Urteil vom 27.4.1988 a.a.O).
Ob man unter diesen Voraussetzungen die Ausweisung (schon) als Maßnahme der Gefahrenabwehr oder (noch) als Instrument der Gefahrenvorsorge versteht, ist nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts zu § 10 Abs. 1 Nr. 2 AuslG a.F. unerheblich, da der Zweck des Ermessens nach dieser Vorschrift beide Aspekte umfasse (…vgl. Beschluss vom 17.10.1984 a.a.O. unter Hinweis auf den; ebenso VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.11.1989 a.a.O.).
Diese geminderte Wiederholungsgefahr wird gelegentlich auch als "Wiederholungsgefahr im weiteren Sinn" bezeichnet (so die Terminologie in VGH Bad.-Württ., Urteil vom 29.11.1989 a.a.O.).
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