Rechtsprechung
| BGH, 17.01.2008 - IX ZR 220/06 |
Volltextveröffentlichungen (11)
- lexetius.com
InsO § 6 Abs. 1, § 174 Abs. 2, § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 177 Abs. 1 Satz 3, § 178 Abs. 1 und 3, § 179 Abs. 1, § 183 Abs. 1, § 184, § 194 Abs. 2 und 3, § 197 Abs. 3
- openjur.de
- bundesgerichtshof.de
- IWW
- Deutsches Notarinstitut
InsO §§ 6 Abs. 1, 174 Abs. 2, 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 177 Abs. 1 Satz 3, 178 Abs. 1 und 3, 179 Abs. 1, 183 Abs. 1, § 184, 194 Abs. 2 und 3, § 197 Abs. 3
Nachträgliche Anmeldung von Tatsachen, aus denen sich nach Einschätzung des Gläubigers eine vorsätzliche unerlaubte Handlung des Schuldners ergibt, nach Feststellung der betreffenden Forderung zur Insolvenztabelle - NWB SteuerXpert START
- zvi-online.de(Leitsatz frei, Volltext 3,90 €)
InsO §§ 174 ff., 197 Abs. 3, §§ 183, 184
Zulässigkeit der Nachtragsanmeldung nur für Forderungsgrund unerlaubte Handlung - rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Pflicht des Insolvenzverwalters zur nachträglichen Berücksichtigung von Umständen, die für eine vorsätzliche unerlaubte Handlung sprechen
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Insolvenzrecht - Unrichtige Insolvenztabelle
- Judicialis(Leitsatz frei, Volltext 3 €)
- ZIP-online.de
Pflicht des Insolvenzverwalters zur nachträglichen Ergänzung der Tabelle um den Rechtsgrund einer bereits festgestellten Forderung (hier: Vorsatzdelikt)
Kurzfassungen/Presse (2)
- Deutsche Zeitschrift für Wirtschafts- und Insolvenzrecht (Leitsatz)
Nachtragsanmeldung zur Insolvenztabelle
- Schuldnerfachberatungszentrum Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Leitsatz)
Anmeldung und Prüfung nachträglich angemeldeter Forderungen aus unerlaubter Handlung
Besprechungen u.ä. (3)
- IWW (Entscheidungsbesprechung)
Fehlervermeidung - "Fallstricke" bei der Anmeldung von Forderungen aus vorsätzlich unerlaubter Handlung
- IWW (Entscheidungsbesprechung)
Insolvenztabelle - Anmeldung der Forderung aus vorsätzlich unerlaubter Handlung
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Entscheidungsbesprechung)
Besteht ein Anspruch auf nachträgliche Feststellung einer unerlaubten Handlung? (IBR 2008, 1064)
Verfahrensgang
- LG Dortmund, 07.02.2006 - 8 O 250/05
- OLG Hamm, 25.10.2006 - 11 U 48/06
- BGH, 17.01.2008 - IX ZR 220/06
Zeitschriftenfundstellen
- NJW-RR 2008, 1072
- ZIP 2008, 566
- MDR 2008, 649
- NZI 2008, 250
- WM 2008, 650
- Rpfleger 2008, 326
- IBR 2008, 1064
Wird zitiert von ... (7)
- BGH, 12.06.2008 - IX ZR 100/07
Insolvenzrecht - Forderung aus vorsätzlich begangener unerlaubter Handlung
Hängt der Bestand der Forderung von einer Vorsatztat nicht ab, steht dem Insolvenzverwalter ein auf den Rechtsgrund der angemeldeten Forderung beschränktes Widerspruchsrecht nicht zu (Fortführung von BGH WM 2008, 650).*).Durch die Rechtsprechung des Senats ist in der Zwischenzeit geklärt, dass der Insolvenzverwalter verpflichtet ist, sogar für eine bereits zur Tabelle festgestellte Forderung von dem Gläubiger nachträglich angemeldete Tatsachen, aus denen sich nach dessen Einschätzung ergibt, dass ihr eine vorsätzlich begangene unerlaubte Handlung des Schuldners zugrunde liegt, in die Tabelle einzutragen (BGH, Urt. v. 17. Januar 2008 - IX ZR 220/06, WM 2008, 650, 652 Rn. 13).
Diese Begründung ist rechtlich einwandfrei; sie entspricht der jüngst ergangenen Rechtsprechung des Senats (vgl. BGH, Urt. v. 17. Januar 2008, aaO S. 652 Rn. 13).
Stützt ein Rechtsgrund jedoch die angemeldete Forderung, hat der Insolvenzverwalter sie in die Insolvenztabelle als unbestritten einzutragen; über den Rechtsgrund der Forderung hat er keine Entscheidung zu treffen (BGH, Urt. v. 17. Januar 2008, aaO S. 652 Rn. 13; LG Trier ZInsO 2006, 216, 217;… Braun/Specovius, InsO 3. Aufl. § 178 Rn. 3;… HmbK-InsO/Streck, 2. Aufl. § 302 Rn. 5;… MünchKomm-InsO/Stephan, § 302 Rn. 15; Brückl ZInsO 2005, 16, 18 f; Eisner NZI 2003, 480, 485;… a.A. FK-InsO/Kießner, 4. Aufl. § 174 Rn. 27; Schmidt ZInsO 2006, 523, 525).
- BGH, 18.12.2008 - IX ZR 124/08
Insolvenzrecht - Schuldnerwiderspruch gg. Forderungsanmeldung:Feststellungsklage
Der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist zu entnehmen, dass die Klage des Gläubigers erhoben werden kann, sobald der Schuldner der entsprechenden rechtlichen Einordnung der Forderung in der Anmeldung zur Insolvenztabelle widersprochen hat (…BGH, Urt. v. 18. Mai 2006 - IX ZR 187/04, ZInsO 2006, 704, 705; v. 18. Januar 2007 - IX ZR 176/05;… ZInsO 2007, 265, 266 Rn. 8; v. 17. Januar 2008 - IX ZR 220/06, ZInsO 2008, 325, 327 Rn. 15).An einer streitigen gesonderten Feststellung des angemeldeten Anspruchsgrundes zur Tabelle gegenüber dem Insolvenzverwalter kann ein Interesse des Gläubigers nicht bestehen (BGH, Urt. v. 17. Januar 2008, aaO).
Jedenfalls lässt diese Parallele erkennen, dass ein beschränkter Widerspruch des Schuldners gegen die Anmeldung des Rechtsgrundes eines Vorsatzdelikts statthaft ist (…vgl. BGH, Urt. v. 18. Januar 2007 aaO Rn. 10) und die Anmeldung des Rechtsgrundes entsprechend § 142 Abs. 2 KO auch für bereits zur Tabelle festgestellte Forderungen noch nachgeholt werden kann (BGH, Urt. v. 17. Januar 2008, aaO Rn. 12).
- OLG Düsseldorf, 27.01.2010 - 15 U 195/09
Zulässigkeit der Klage eines Insolvenzgläubigers
Der Kläger begehrt eine Änderungsanmeldung seiner bereits zur Tabelle festgestellten Forderung, dies ist im Wege der Feststellungsklage geltend zu machen (BGH ZInsO 2008, 325).Der Rechtsgrund der festgestellten Forderung ist daher außerhalb des Insolvenzverfahrens im Wege der Feststellungsklage geltend zu machen (BGH ZInsO 2008, 325).
Da eine Vollstreckung von Insolvenzforderungen gemäß § 302 Nr. 1 InsO nach der Aufhebung des Insolvenzverfahrens nur aus der Eintragung in die Tabelle erfolgt und eine Klärung des Anspruchsgrundes nicht erst im Nachhinein, beispielsweise im Vollstreckungsverfahren, erfolgen kann und soll (BGH ZInsO 2008, 325), ist die Feststellung einer Forderung aus unerlaubter Handlung in einem außerhalb des Insolvenzverfahrens vor den ordentlichen Gerichten zu führenden Feststellungsrechtsstreits zu bewirken (…siehe dazu auch BT-Drucksache aaO).
- LG Itzehoe, 18.07.2008 - 9 T 27/08 ff) Für die Zuständigkeit der Sozialgerichte sprechen auch die Motive des Gesetzgebers: Der Gesetzgeber hat in der Begründung des Entwurfs von § 174 Abs. 2 InsO ausgeführt, die Frage des Vorliegens einer unerlaubten Handlung lasse sich "wie die Behandlung eines Konkursvorrechts nach altem Recht behandeln" (…BT-Drucks. 14/5680, S. 27 f.; vgl. auch BGH ZIP 2008, 566 = ZVI 2008, 116 = NZI 2008, 250, 251).
Er hat neuerdings seine Rechtsprechung zu § 51 KO wieder aufgegriffen und - in anderem Zusammenhang - auf die Feststellung des Rechtsgrunds der unerlaubten Handlung übertragen (BGH ZIP 2008, 566 = ZVI 2008, 116 = NZI 2008, 250, 251).
- BGH, 16.12.2010 - IX ZR 24/10
Insolvenzrecht - Restschuldbefreiung bei nicht (vollständig) erfolgter Anmeldung
Der Rechtsgrund des vorsätzlichen Delikts kann entsprechend § 142 Abs. 2 KO auch für eine bereits zur Tabelle festgestellte Forderung noch nachträglich beansprucht und mit einer Änderungsanmeldung gemäß § 177 Abs. 1 Satz 3 InsO in das Insolvenzverfahren eingeführt werden (BGH, Urt. v. 17. Januar 2008 - IX ZR 220/06, WM 2008, 650 Rn. 12;… v. 18. Dezember 2008, aaO Rn. 13). - BGH, 10.02.2011 - IX ZB 237/09
Insolvenzrecht - Belehrungspflicht über Versagungsanträge zu Restschuldbefreiung
Erst an den unterlassenen Widerspruch des ordnungsgemäß belehrten Schuldners kann nach dem Zweck des § 175 Abs. 2 InsO, den rechtsunkundigen Schuldner vor Rechtsverlust zu schützen, im Insolvenzverfahren die Rechtskraft einer Tabellenfeststellung des Rechtsgrundes gegen den Schuldner entsprechend § 178 Abs. 3 InsO geknüpft werden (BGH, Urteil vom 17. Januar 2008 - IX ZR 220/06, WM 2008, 650 Rn. 9). - OLG Koblenz, 13.05.2011 - 10 U 187/11 Dies schließt zwar nicht aus, dass der Gläubiger auch noch nach bereits erfolgter Feststellung seiner Forderung die Anmeldung als unerlaubte Handlung "nachschiebt" (BGH Urteil vom 17. Januar 2008, IX ZR 220/06, NZI 2008, 250).
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