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| OLG Köln, 16.11.2021 - I-9 U 253/20 |
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Berufshaftpflichtversicherung - Leistungsausschluss nicht rechtzeitige Insolvenzantragstellung
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Voraussetzungen der Deckungspflicht aus einer Betriebshaftpflichtversicherung Leistungsfreiheit wegen eines Risikoausschlusses Risikoausschluss wegen einer vorsätzlichen Pflichtverletzung Auslegung allgemeiner Versicherungsbedingungen Verurteilung eines Geschäftsführers ...
Verfahrensgang
- LG Köln, 09.12.2020 - 20 O 1/20
- OLG Köln, 16.11.2021 - I-9 U 253/20
Papierfundstellen
- NZI 2022, 498
Wird zitiert von ... (4) Zitiert selbst (30)
- BGH, 18.11.2020 - IV ZR 217/19
D&O-Versicherer muss für Schäden nach § 64 GmbHG eintreten
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Rn. 36 1. Das Landgericht hat - auch unter Berücksichtigung des Urteils des BGH vom 18.11.2020 (r + s 2021, 27) - ausgeführt, dass es sich bei etwaigen, der Insolvenzschuldnerin zustehenden Ansprüchen gegen den Zeugen D nach §§ 177 a, 130 a Abs. 2 HGB a.F. nicht um Schadenersatzansprüche im Sinne der Bedingungen handele.Dementsprechend kann der Versicherungsnehmer unabhängig davon, wie die einschlägige gesetzliche Haftpflichtbestimmung diese Rechtsfolge beschreibt, Versicherungsschutz jedenfalls dann erwarten, wenn der Anspruch auf Ausgleich des eingetretenen Schadens im Wege der Wiederherstellung des Zustands vor dem Schadenereignis gerichtet ist (BGH r+s 2003, 149 < 150>; BGH r+s 2021, 27 < 28>).
Auch wenn der Anspruch aus § 64 S. 1 GmbHG a.F. von der Rechtsprechung des BGH nicht als Deliktstatbestand, sondern als eigenständige Anspruchsgrundlage bzw. als "Ersatzanspruch eigener Art" eingeordnet wird, erwartet der durchschnittliche Versicherungsnehmer Versicherungsschutz jedenfalls dann, wenn der gegen den Versicherten erhobene Anspruch auf Ausgleich des eingetretenen Schadens im Wege der Wiederherstellung des Zustands vor dem Schadenereignis gerichtet ist (BGH r+s 2021, 27 < 28>, Rdnr. 12, 18, 20;… a.A. OLG Düsseldorf NZI 2018, 758 < 760> Rdnr. 72 ff.).
Im Hinblick auf das zwischenzeitlich ergangene Urteil des BGH vom 18.11.2020 (r+s 2021, 27) erweist sich diese Argumentation eher als wenig überzeugend.
- BGH, 17.12.2014 - IV ZR 90/13
Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung des Insolvenzverwalters: Verteilung der …
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Darlegungs- und beweispflichtig für die Verwirklichung der subjektiven Tatbestandsmerkmale des Risikoausschlusses ist der Versicherer (BGH NJW-RR 1991, 145 < 146>; BGH NJW 2006, 289 < 291>; BGH NJW-RR 2001, 1311 < 1313>; BGH NJW 2015, 947 < 948>;… Rdnr. 15, 16; Senatsurteil vom 19.02.2013 - 9 U 158/12 - BeckRS 2014, 10943;… Prölss/Martin-Lücke, VVG, 31. Aufl. 2021, AVB Verm., § 4, Rdnr. 18, 19).Der objektive Verstoß gegen eine Berufspflicht lässt z.B. den Schluss auf ein wissentliches Handeln zu, wenn die verletzte Regel zum Primitiv- oder Elementarwissen des jeweiligen Berufsstandes gehört (BGH NJW 2015, 947 < 948> Rdnr. 20; OLG Hamm r+s 2007, 279 < 280>; OLG Köln r+s 1990, 232; Senatsbeschluss vom 10.04.2017 - 9 U 120/16 - r+s 2017, 348 < 349>;… Beckmann/Matusche-Beckmann/von Rintelen, Versicherungsrechts-Handbuch, 3. Auflage 2015, § 26, Rdnr. 317;… Prölss/Martin-Lücke, VVG, 31. Aufl. 2021, AVB Verm, § 4, Rdnr. 19).
Wenn dies geschehen ist, obliegt es dem Versicherungsnehmer im Rahmen seiner sekundären Darlegungslast, Umstände aufzuzeigen, warum die vorgetragenen Indizien den Schluss auf eine wissentliche Pflichtverletzung nicht zulassen (BGH NJW 2015, 947 < 948>; Senatsurteil vom 29.11.2011 - 9 U 75/11 - r+s 2012, 172 < 173>;… Senatsurteil vom 09.01.2018 - 9 U 33/17 - DStRE 2020, 505 < 510> Rdnr. 70).
Der BGH stellt in diesem Zusammenhang maßgebend darauf ab, "dass Art und Umfang" der vom Versicherten verletzten Pflicht "aus sich heraus auf eine wissentliche Begehung hindeuten" müssten (BGH NZI 2015, 271 < 272> Rdnr. 23).
- OLG Düsseldorf, 20.07.2018 - 4 U 93/16
D&O deckt nicht die GmbH-Geschäftsführerhaftung gemäß § 64 GmbH-Gesetz wegen …
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Dem stehe auch nicht das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 20.07.2018 (Az.: 4 U 93/16) entgegen.Rn. 21 Die Beklagte hat erstinstanzlich in Anlehnung an das Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf vom 20.07.2018 (Az.: 4 U 93/16) u.a. eingewandt, dass die für den Eintritt des Versicherungsfalles erforderliche Inanspruchnahme des Zeugen D "auf Ersatz eines Vermögensschadens" nicht vorliege.
Auch wenn der Anspruch aus § 64 S. 1 GmbHG a.F. von der Rechtsprechung des BGH nicht als Deliktstatbestand, sondern als eigenständige Anspruchsgrundlage bzw. als "Ersatzanspruch eigener Art" eingeordnet wird, erwartet der durchschnittliche Versicherungsnehmer Versicherungsschutz jedenfalls dann, wenn der gegen den Versicherten erhobene Anspruch auf Ausgleich des eingetretenen Schadens im Wege der Wiederherstellung des Zustands vor dem Schadenereignis gerichtet ist (…BGH r+s 2021, 27 < 28>, Rdnr. 12, 18, 20; a.A. OLG Düsseldorf NZI 2018, 758 < 760> Rdnr. 72 ff.).
Das Landgericht hat unter Hinweis auf das Urteil des OLG Düsseldorf vom 20.07.2018 (OLG Düsseldorf NZI 2018, 758) einen vom Haftpflicht-Versicherungsschutz erfassten Haftpflichtanspruch verneint.
- BGH, 26.03.2007 - II ZR 310/05
Anwendung der Eigenkapitalersatzregel auf eine Gesellschafterbürgschaft; …
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Jedenfalls gilt dies, soweit man die Ersatzpflicht des Geschäftsführers nach § 64 GmbHG a.F. und die Ersatzpflicht der organschaftlichen Vertreter gemäß §§ 177 a, 130 Abs. 2 HGB a.F. nach Sinn und Zweck dieser Vorschriften gleichsetzt vor dem Hintergrund, dass beide Vorschriften dazu dienen sollen, die verteilungsfähige Vermögensmasse der insolvenzreifen Gesellschaft im Interesse der Gesamtheit ihrer Gläubiger zu erhalten und eine zu ihrem Nachteil gehende, bevorzugte Befriedigung einzelner Gläubiger zu verhindern (vgl. BGH NJW 2001, 1280 [1283]; BGH NJW-RR 2007, 984).Demnach sind beide Bestimmungen einheitlich auszulegen (BGH NJW-RR 2007, 984;… MünchKomm-Schmidt, HGB, 4. Aufl. 2016, § 130a, Rdnr. 39).
- BGH, 26.09.1990 - IV ZR 147/89
Umfang des subjektiven Risikoausschlusses
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Es liegt daher nach ganz herrschender Meinung weder eine überraschende Klausel noch eine unangemessene Benachteiligung vor (BGH NJW-RR 1991, 145 < 147>; BGH NJW 2006, 289 < 291>; Senatsbeschluss vom 03.06.2015 - 9 U 176/14 - BeckRS 2016, 15821; Senatsurteil vom 19.02.2013 - 9 U 158/12 - BeckRS 2014, 10943;… Veith/Gräfe/Gebert-Gräfe/Brügge, Der Versicherungsprozess, 4. Aufl. 2020, § 19 Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, Rdnr. 689;… Späte/Schimikowski-Diller, Haftpflichtversicherung, 2. Aufl. 2015, AVB-V, § 4, Rdnr. 42).Darlegungs- und beweispflichtig für die Verwirklichung der subjektiven Tatbestandsmerkmale des Risikoausschlusses ist der Versicherer (BGH NJW-RR 1991, 145 < 146>; BGH NJW 2006, 289 < 291>; BGH NJW-RR 2001, 1311 < 1313>; BGH NJW 2015, 947 < 948>;… Rdnr. 15, 16; Senatsurteil vom 19.02.2013 - 9 U 158/12 - BeckRS 2014, 10943;… Prölss/Martin-Lücke, VVG, 31. Aufl. 2021, AVB Verm., § 4, Rdnr. 18, 19).
- OLG Köln, 09.01.2018 - 9 U 33/17
Entschädigungsleistungen aus einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Eine Kardinalpflicht wird in der Rechtsprechung weitgehend gleichförmig definiert entweder als eine "elementare Berufspflicht" (vgl. OLG Karlsruhe r+s 2019, 701 < 704>; OLG Frankfurt BeckRS 2015, 122562), "fundamentale Grundregel der beruflichen Tätigkeit" (OLG Düsseldorf VersR 2019, 537 < 540>), die Nichtbeachtung von "Elementarwissen" (OLG Karlsruhe r+s 2018, 70 < 72>), von "geläufigen Vorschriften und Pflichten" (Senatsurteil vom 26.06.2012 - 9 U 3/12 - BeckRS 2013, 11614) oder von Regeln, die "zum Primitiv- oder Elementarwissen des jeweiligen Berufs" (Senatsurteil vom 09.01.2018 - 9 U 33/17 - DStRE 2020, 505 < 510> Rdnr. 70) gehören.Wenn dies geschehen ist, obliegt es dem Versicherungsnehmer im Rahmen seiner sekundären Darlegungslast, Umstände aufzuzeigen, warum die vorgetragenen Indizien den Schluss auf eine wissentliche Pflichtverletzung nicht zulassen (BGH NJW 2015, 947 < 948>; Senatsurteil vom 29.11.2011 - 9 U 75/11 - r+s 2012, 172 < 173>; Senatsurteil vom 09.01.2018 - 9 U 33/17 - DStRE 2020, 505 < 510> Rdnr. 70).
- OLG Köln, 19.02.2013 - 9 U 158/12
Eintrittspflicht der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung einer …
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Es liegt daher nach ganz herrschender Meinung weder eine überraschende Klausel noch eine unangemessene Benachteiligung vor (BGH NJW-RR 1991, 145 < 147>; BGH NJW 2006, 289 < 291>; Senatsbeschluss vom 03.06.2015 - 9 U 176/14 - BeckRS 2016, 15821; Senatsurteil vom 19.02.2013 - 9 U 158/12 - BeckRS 2014, 10943;… Veith/Gräfe/Gebert-Gräfe/Brügge, Der Versicherungsprozess, 4. Aufl. 2020, § 19 Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, Rdnr. 689;… Späte/Schimikowski-Diller, Haftpflichtversicherung, 2. Aufl. 2015, AVB-V, § 4, Rdnr. 42).Darlegungs- und beweispflichtig für die Verwirklichung der subjektiven Tatbestandsmerkmale des Risikoausschlusses ist der Versicherer (BGH NJW-RR 1991, 145 < 146>; BGH NJW 2006, 289 < 291>; BGH NJW-RR 2001, 1311 < 1313>; BGH NJW 2015, 947 < 948>;… Rdnr. 15, 16; Senatsurteil vom 19.02.2013 - 9 U 158/12 - BeckRS 2014, 10943;… Prölss/Martin-Lücke, VVG, 31. Aufl. 2021, AVB Verm., § 4, Rdnr. 18, 19).
- LG Köln, 09.12.2020 - 20 O 1/20
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
1) Die Berufung des Klägers gegen das am 09.12.2020 verkündete Urteil des Landgerichts Köln - 20 O 1/20 - wird zurückgewiesen.Rn. 26 unter Abänderung des am 09.12.2020 verkündeten Urteils des Landgerichts Köln (20 O 1/20).
- BGH, 24.05.2005 - IX ZR 123/04
Begriff der Zahlungsunfähigkeit
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Wenn der Geschäftsführer erkennt, dass die GmbH zu einem bestimmten Stichtag nicht in der Lage ist, ihre fälligen und eingeforderten Verbindlichkeiten vollständig zu bedienen, hat er die Zahlungsfähigkeit der GmbH anhand einer Liquiditätsbilanz zu überprüfen (BGH NZI 2005, 547 [548];… BGH NZI 2012, 567 [568] Rdnr. 15). - BGH, 27.03.2012 - II ZR 171/10
Haftung des GmbH-Geschäftsführers bei Zahlungen nach Eintritt der …
Auszug aus OLG Köln, 16.11.2021 - 9 U 253/20
Wenn der Geschäftsführer erkennt, dass die GmbH zu einem bestimmten Stichtag nicht in der Lage ist, ihre fälligen und eingeforderten Verbindlichkeiten vollständig zu bedienen, hat er die Zahlungsfähigkeit der GmbH anhand einer Liquiditätsbilanz zu überprüfen (BGH NZI 2005, 547 [548]; BGH NZI 2012, 567 [568] Rdnr. 15). - BGH, 06.07.2016 - IV ZR 44/15
Krankentagegeldversicherung: Wirksamkeit einer Regelung über die Herabsetzung des …
- BGH, 08.01.2001 - II ZR 88/99
Bilanzierung eigenkapitalersetzender Mittel; Zahlungen des Geschäftsführers nach …
- BGH, 22.04.2015 - IV ZR 419/13
Private Krankheitskostenversicherung: Grenzen der Erstattungspflicht von Kosten …
- BGH, 11.03.2015 - IV ZR 54/14
Krankentagegeldversicherung: Leistungsanspruch während der Teilnahme an einer …
- BGH, 11.12.2002 - IV ZR 226/01
Eintrittspflicht der Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht bei Wohnungseigentum
- BGH, 10.12.2014 - IV ZR 281/14
Kraftfahrzeugversicherung: Mitarbeiter einer Partei als Sachverständiger im …
- BGH, 20.06.2001 - IV ZR 101/00
Bindung des Haftpflichtversicherers an Feststellungen im Haftpflichtprozeß
- OLG München, 08.05.2009 - 25 U 5136/08
D&O-Versicherung: Wirksamkeitskontrolle für das sog. Claims-made-Prinzip; …
- OLG Düsseldorf, 23.06.2008 - 9 U 22/08
Aufsichtsrat haftet persönlich für sittenwidriges und betrügerisches Verhalten …
- OLG Hamm, 07.03.2007 - 20 U 132/06
Haftungsausschluss bei vorsätzlicher Pflichtverletzung des Architekten wegen …
- OLG Köln, 10.04.2017 - 9 U 120/16
Eintrittspflicht der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung einer als …
- OLG Köln, 29.11.2011 - 9 U 75/11
Begriff der wissentlichen Pflichtverletzung in der Berufshaftpflichtversicherung …
- OLG Düsseldorf, 30.11.2018 - 4 U 5/18
Einwand der wissentlichen Pflichtverletzung bei Haftung des Insolvenzverwalters …
- OLG Köln, 26.06.2012 - 9 U 3/12
Inanspruchnahme der Haftpflichtversicherung eines Notars wegen Verletzung der …
- LG München I, 22.05.2015 - 14 HKO 867/14
Terminshinweis (Klinikstreit)
- OLG Karlsruhe, 04.02.2005 - 12 U 227/04
Vermögensschadenshaftpflichtversicherung: Wissentliche Pflichtverletzung des …
- OLG Karlsruhe, 11.10.2019 - 12 W 10/19
Wirksamkeit einer Umweltklausel in einer einer Betriebshaftpflichtversicherung
- OLG Köln, 03.06.2015 - 9 U 176/14
Eintrittspflicht der Vermögensschadenhaftpflichtversicherung einer …
- OLG Karlsruhe, 14.03.2017 - 12 U 141/16
Leistungsfreiheit wegen wissentlicher Pflichtverletzung bei "freihändigem" …
- OLG Köln, 27.04.1989 - 5 U 216/88
- OLG Frankfurt, 05.03.2025 - 7 U 134/23
Masseerhaltungspflicht in D&O-Versicherung
Die offensichtliche Pflichtverletzung rechtfertigt den Schluss auf das Vorliegen einer wissentlichen Pflichtverletzung (vgl. OLG Köln, Urt. v. 16.11.2021 - 9 U 253/20. r+s 2022, 508 m.w.N.; OLG Frankfurt, Hinweisbeschl. V. 27.10.2022 - 7 U 45/22 [nicht veröffentlicht]).Der Kläger trägt im Gegenteil Umstände vor, aus denen sich ergibt, dass der Geschäftsführer der Schuldnerin die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, mithin die die Zahlungsunfähigkeit begründenden Tatsachen, kannte bzw. sich dieser bewusst verschlossen hat, weil er etwa vermeiden wollte, dass aus einem begründeten Verdacht Gewissheit werde (vgl. i.d.S. auch OLG Köln, Urt. v. 16.11.2021 - I-9 U 253/20, r+s 2022, 508 Rn. 44 = NZI 2022, 501 m. krit. Anm. Primozic/Spanier).
Ein Verstoß gegen die Masseschmälerungspflicht ist meist ursächlich auf einen Verstoß gegen die Insolvenzantragspflicht zurückzuführen (Für eine Gleichsetzung der Pflichten: OLG Köln, Urt. v. 16.11.2021 - I-9 U 253/20, r+s 2022, 508; daran anschließend: OLG Frankfurt, Hinweisbeschl. v. 27.10.2022 - 7 U 45/22; Hinweisbeschl. v. 04.08.2023 - 7 U 34/21 [nicht veröffentlicht]).
Dabei sei zu berücksichtigen, dass nach § 64 Satz 2 GmbHG a.F. dem Geschäftsführer ein erhebliches kaufmännisches Ermessen zugestanden werde, bestimmte Zahlungen weiter zu leisten, und tatbestandlich scharfe Grenzen nicht gesetzt werden, sondern eine Bewertung jeder Einzelzahlung wertungsabhängig sei (vgl. Primozic/Spanier, NZI 2022, 498, 502).
- OLG Frankfurt, 08.05.2025 - 3 U 113/22
Darlegungs- und Beweislast im Deckungsprozess des Insolvenzverwalters gegen …
Einem Vorstand, der, statt dies zu tun, "blind in die Krise segelt", wird man deckungsrechtlich die Verletzung von Kardinalpflichten vorwerfen (so OLG Köln, Urteil vom 16.11.2021, Az. 9 U 253/20, Rn. 43, zitiert nach juris;… Jüngel, NZI 2015, S. 272;… Lange, in: Veith/Gräfe/Lange/Kohler, Der Versicherungsprozess, 5. Auflage 2023, § 21 Rn. 120; nun auch OLG Frankfurt…, Beschluss vom 16.01.2025, Az. 7 W 20/24 , ZRI 2025, S. 143; Urteil vom 05.03.2023, Az. 7 U 134/23 ).Wer es als Vorstand einer Gesellschaft in einer solchen Situation unterlässt, zeitnah Aktiva und Passiva der Gesellschaft konkret gegenüberstellen zu lassen, um im Fall der Zahlungsunfähigkeit einen Eröffnungsantrag zu stellen, entzieht sich den Kernpflichten des Vorstands nicht nur unbewusst, sondern in vorsätzlicher Weise (so OLG Köln, Urteil vom 16.11.2021, Az. I-9 U 253/20, Rn. 44, zitiert nach juris).
- OLG Frankfurt, 16.01.2025 - 7 W 20/24
D&O-Versicherung: Pflichtverletzung durch Unterlassen eines Insolvenzantrages
Organmitgliedern, die gleichermaßen "blind in die Krise segeln", wird man daher deckungsrechtlich die Verletzung einer Kardinalpflicht vorwerfen, die bereits durch die Evidenz der Pflichtverletzung den Rückschluss auf das Vorliegen einer wissentlichen Pflichtverletzung indiziert (vgl. OLG Köln, Urt. v. 16.11.2021 - 9 U 253/20. r+s 2022, 508 m.w.N.; OLG Frankfurt, Hinweisbeschluss vom 27.10.2022 - 7 U 45/22 [nicht veröffentlicht]).Der Kläger trägt im Gegenteil Umstände vor, aus denen sich ergibt, dass der Geschäftsführer der Schuldnerin die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, mithin die die Zahlungsunfähigkeit begründenden Tatsachen, entweder kannte oder sich dieser bewusst verschlossen hat, weil er etwa vermeiden wollte, dass aus einem begründeten Verdacht Gewissheit werde (vgl. i.d.S. auch OLG Köln, Urteil vom 16.11.2021 - I-9 U 253/20, r+s 2022, 508 Rn. 44 = NZI 2022, 501 m. krit. Anm. Primozic/Spanier).
- LG Wiesbaden, 20.10.2023 - 7 O 2521/20
Zu den Voraussetzungen der wissentlichen Pflichtverletzung im Rahmen einer D&O …
Zu den Kardinalpflichten zählt nach h.M. die Pflicht, bei Insolvenzreife rechtzeitig einen Insolvenzantrag zu stellen (vgl. z.B. OLG Köln, Urteil vom 16.11.2021, 9 U 253/20, Rn. 43, mwN - zitiert nach juris -).Der Kläger hat darauf verwiesen, dass vorliegend nicht der Verstoß gegen die Insolvenzantragpflicht zu der Ersatzpflicht des Streitverkündeten geführt hat, sondern die Vornahme von Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife, die nicht mit den Sorgfaltspflichten eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar waren (so auch Oevermann, juris-PR-VersR 6/2022 Anm.2; Primozic/Spanier, Anmerkung zu OLG Köln, Urteil vom 16. November 2021, 9 U2 153/20, NZI 2022, 498 ff).
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