Rechtsprechung
| OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94 |
Volltextveröffentlichung
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Kurzfassungen/Presse
- Wolters Kluwer(Abodienst, Leitsatz/Tenor frei) (Leitsatz)
Beschluß des Gemeinderates; Abberufung eines Bürgermeisters; Kommunalverfassungsstreitigkeit; Kommunaler Wahlbeamter; Dienstlicher Status; Ehemalige MfS-Mitarbeiter
Verfahrensgang
- VG Weimar, 14.03.1994 - 6 K 594/92
- OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Wird zitiert von ... (8) Zitiert selbst (5)
- BVerwG, 15.03.1989 - 7 C 7.88
Vorzeitige Abwahl von Wahlbeamten - Berufsbeamtentum - Verfassungsmäßigkeit
Auszug aus OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Es handelt sich mithin um eine kommunalrechtliche Streitigkeit; denn es geht um die Rechtmäßigkeit einer auf die Kommunalverfassung der DDR gestützten Abwahlentscheidung einer kommunalen Vertretungskörperschaft (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. März 1989, NVwZ 1989, 972).Allerdings ist vorliegend ein berechtigtes Interesse des Klägers an der gewünschten Feststellung nicht schon deshalb anzuerkennen, weil eine solche Feststellung in einem eventuellen künftigen Besoldungsrechtsstreit über den Ausgleich abwahlbedingter Einkommenseinbußen zu beachten wäre (vgl. BVerwG, Urteil vom 15. März 1989, a. a. O.).
Es hat jedoch in seiner späteren Rechtsprechung diese Frage offengelassen (BVerwG Urteil vom 15. März 1989, a. a. O.).
- BVerwG, 14.07.1978 - 7 C 45.76
Abwählbarkeit von Bürgermeistern mit Bundesrecht vereinbar
Auszug aus OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Die Tatsache des Vertrauensverlustes kommt nämlich bereits in der Abwahlentscheidung selbst zum Ausdruck (vgl. BVerwG, Urteil vom 14. Juli 1978, BVerwGE 56, 163, 171 f; Beschluß vom 28. November 1989, Buchholz, 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 67; Beschluß vom 22. September 1992, DVBI. 1993, 209). - BVerfG, 17.10.1957 - 1 BvL 1/57
Hauptamtlicher Bürgermeister
Auszug aus OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Hierzu bedarf es nicht einmal des Abstellens auf die in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts entwickelten Grundsätze zur Abwahl kommunaler Wahlbeamter (vgl. hierzu Beschluß vom 17. Oktober 1957, BVerfGE 7, 155, sowie Kammerbeschluß vom 12. Dezember 1993, NVwZ 1994, 473). - BVerfG, 20.12.1993 - 2 BvR 1327/87
Verfassungsmäßigkeit der Möglichkeit der Abwahl kommunaler Wahlbeamter in Hessen
Auszug aus OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Hierzu bedarf es nicht einmal des Abstellens auf die in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts entwickelten Grundsätze zur Abwahl kommunaler Wahlbeamter (vgl. hierzu Beschluß vom 17. Oktober 1957, BVerfGE 7, 155, sowie Kammerbeschluß vom 12. Dezember 1993, NVwZ 1994, 473). - BVerwG, 14.01.1965 - II C 53.62
Abberufung eines Bürgermeisters durch die Stadtvertretung
Auszug aus OVG Thüringen, 21.11.1995 - 2 KO 175/94
Zwar ist das Bundesverwaltungsgericht in seiner früheren Rechtsprechung (BVerwGE 20, 160, 167) davon ausgegangen, daß in der Abwahl eines kommunalen Wahlbeamten ebenso wie in der Versetzung eines politischen Beamten in den einstweiligen Ruhestand kein negatives Urteil über den Abgewählten enthalten sei.
- OVG Thüringen, 14.11.2013 - 3 KO 900/11
Recht eines thüringischen Gemeinderatsmitglieds auf Auskunft über …
Sie als innerorganschaftlicher Rechtsstreit im Rahmen eines Kommunalverfassungsstreits als allgemeine Leistungsklage statthaft (vgl. nur Thüringer OVG, Urteile vom 22. April 2010 - 2 KO 568/09 - ThürVBl 2011, 32 und vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - juris).Auch die vom Verwaltungsgericht zitierte Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs spricht nicht dagegen; diese Entscheidung betraf gerade einen Rechtsstreit über die materielle Kostentragungspflicht; auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geht in seiner Rechtsprechung in Kommunalverfassungsstreitigkeiten allein von einer Kostengrundentscheidung zwischen den Beteiligten dieses Verfahrens aus (Bayerischer VGH…, Urteil vom 14. August 2006 - 4 B 05.939 - a. a. O.; vgl. auch st. Rspr. des ThürOVG, Urteil vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - a. a. O. …und Beschluss vom 30. September 1999 - 2 EO 790/98 -, a. a. O.; ebenso die Rechtsprechung anderer Oberverwaltungsgerichte, z. B. OVG Rheinland-Pfalz…, Urteil vom 1. Juni 2010 - 2 A 11318/09 - juris Rnr. 35; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 12. April 2010 - 15 A 69/09 - juris; VGH Baden-Württemberg…, Urteil vom 12. März 2001 - 1 S 785/00 - juris Rnr. 49).
- OVG Thüringen, 03.05.2019 - 3 KO 620/18
Handschlag bei Verpflichtung eines Ratsmitglieds
In einem kommunalverfassungsrechtlichen Organstreitverfahren ergibt sich dieses Rechtsverhältnis daraus, dass Gemeindeorgane oder Organteile über Bestand und Reichweite zwischen- oder innerorganschaftlicher Rechte streiten (vgl. nur Thüringer OVG, Urteil vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - juris Rdn. 21). - VG Gera, 11.02.2015 - 2 K 570/14
Ordnungsgemäße Verpflichtung als Mitglied des Stadtrats trotz Verweigerung des …
Rn. 12 Die Klage ist als Feststellungsklage im Rahmen eines kommunalrechtlichen Organstreitverfahrens (…Kommunalverfassungsstreit, s. hierzu Kopp/Schenke, Verwaltungsgerichtsordnung, Kommentar, 20. Auflage 2014, Vorb. § 40, Rdnr. 6, § 43 Rdnr. 10; Thüringer Oberverwaltungsgericht, Urteil vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - zitiert nach Juris) zulässig.Dies bedeutet, dass auch die auf die Feststellung des Bestehens oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses gerichtete Klage gemäß § 43 Abs. 1 VwGO nur zulässig ist, wenn es dem Kläger dabei um die Verwirklichung seiner Rechte geht (vgl. Thüringer Oberverwaltungsgericht, Urteil vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - zitiert nach Juris unter Berufung auf BVerwG, Urteil vom 29. Juni 1995, DVBI. 1995, 1250).
- OVG Thüringen, 22.04.2010 - 2 KO 568/09
Abberufung des stellvertretenden Gemeinschaftsvorsitzenden einer …
Hierbei handelt es sich weder um einen Streit zwischen den Organen der Verwaltungsgemeinschaft (Gemeinschaftsversammlung, Gemeinschaftsvorsitzender) noch um einen Streit innerhalb der Organe (vgl. Urteil des Senats vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - ThürVBl 1996, 479).Es muss sich um einen erkennbaren Missbrauch handeln, weil andernfalls auch insofern der kommunalpolitische Wille zu sehr eingeengt würde (vgl. zur gerichtlichen Überprüfung der Abberufung eines kommunalen Wahlbeamten: Urteil des Senats vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - ThürVBl 1996, 82; BVerwG, Urteile vom 14. Januar 1965 - II C 53.62 - BVerwGE 20, 160 und vom 14. Juli 1978 - VII C 45.76 - BVerwGE 56, 163; Beschlüsse vom 28. November 1989 - 7 B 161/89 - Buchholz 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 67 und vom 22. September 1992 - 7 B 40/92 - DVBl 1993, 209; Niedersächsisches OVG, Urteil vom 17. Dezember 1991 - 10 L 231/89 - DVBl 1992, 982; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 28. Februar 1995 - 15 B 2556/94 - NVwZ-RR 1995, 591; OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschluss vom 30. Juli 1997 - 1 M 55/97 - LKV 1998, 112; Sächsisches OVG, Beschluss vom 9. Juni 2009 - 4 B 411/07 - Juris).
- OVG Mecklenburg-Vorpommern, 20.05.2008 - 2 M 50/08
Kommunalrecht: Abwahl eines ehrenamtlichen Funktionsträgers
Die Motive, die den einzelnen Gemeindevertreter bewogen haben, sich für eine Abberufung zu entscheiden, enthalten sich grundsätzlich der rechtlichen Bewertung, da sie im kommunalpolitischen Raum wurzeln (vgl. zu Vorstehendem insgesamt: OVG Weimar, Urt. v. 21.11.1995 - 2 KO 175/94 -, LKV 1996, 416;… OVG Lüneburg, Urt. v. 17.12.1991 - 10 L 23/89 -, DVBl. 1992, 982; OVG Greifswald, Beschl. v. 30.07.1997 -1 M 55/97 -, LKV 1998, 112). - OVG Thüringen, 14.11.2013 - 3 KO 899/11
Klärung abstrakter Rechtsfrage im Verwaltungsprozess - Auskunftsanspruch der …
Der Begriff des Rechtsverhältnisses im Sinne des § 43 Abs. 1 VwGO ist nicht auf Außenrechtsverhältnisse beschränkt, sondern umfasst ebenso die Rechtsbeziehungen innerhalb von Organen einer juristischen Person, also auch einer kommunalen Körperschaft (vgl. ThürOVG, Urteile vom 22. April 2010 - 2 KO 568/09 -, ThürVBl 2011, 32 -37, vom 18. September 2008 - 2 KO 1103/05 - DVBl 2009, 261, vom 11. Dezember 2001 - 2 KO 730/00 - ThürVBl 2002, 235 und vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 -, juris).Auch die vom Verwaltungsgericht zitierte Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs spricht nicht dagegen; diese Entscheidung betraf gerade einen Rechtsstreit über die materielle Kostentragungspflicht; auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geht in seiner Rechtsprechung in Kommunalverfassungsstreitigkeiten allein von einer Kostengrundentscheidung zwischen den Beteiligten dieses Verfahrens aus (Bayerischer VGH…, Urteil vom 14. August 2006 - 4 B 05.939 - a. a. O.; vgl. auch st. Rspr. des Senats, Urteil vom 21. November 1995 - 2 KO 175/94 - a. a. O. …und Beschluss vom 30. September 1999 - 2 EO 790/98 -, a. a. O.; ebenso die Rechtsprechung anderer Oberverwaltungsgerichte, z. B.: OVG Rheinland-Pfalz…, Urteil vom 1. Juni 2010 - 2 A 11318/09 - juris Rnr. 35; OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 12. April 2010 - 15 A 69/09 - juris; VGH Baden-Württemberg…, Urteil vom 12. März 2001 - 1 S 785/00 - juris Rnr. 49).
- VG Dessau, 25.10.2004 - 4 B 545/04 Bei der streitbefangenen Abberufung der Antragstellerin vom Amt der Leiterin des gemeinsamen Verwaltungsamtes nach § 81a GO LSA durch den Antragsgegner handelt es sich um einen Verwaltungsakt, der im Kommunalstreitverfahren mit Widerspruch und Anfechtungsklage angegriffen werden kann (…so auch VG Magdeburg, Urt. v. 25. März 2004 - 9 A 451/03 - vgl. weiter OVG Sachsen-Anhalt, Beschl. v. 23. Februar 1994 - 2 M 52/93 - und v. 20. August 1993 - 2 M 20/93 -, jeweils zu § 93 KommVerf-DDR;… OVG Brandenburg, Urt. v. 27. April 1994 - 1 A 33/92 -, zu § 30 KommVerf-DDR m.w.N., LKV 1995, 42 ff. [OVG Brandenburg 27.04.1994 - 1 A 33/92] ;… Gern, Deutsches Kommunalrecht 3. A., Rdnr. 356, 387;… Wiegand/Grimberg, GO LSA 3. A., § 81a Rdnr. 3;… a.M.: VG Magdeburg, Urt. v. 26. August 1997 - A 8 K 184/96 - VG Dessau, Urt. v. 10. August 1995 - 1 A 77/94 -, LKV 1996, 71 ff. zu § 93 KommVerf-DDR; OVG Thüringen, Urt. v. 21. November 1995 - 2 KO 175/94 zu § 30 KommVerf-DDR, ZBR 1997, 161 ff.;… vgl. weiter VGH Hessen, Urt. v. 4. Januar 1989 - 6 UE 469/87 -, DVBl. 1989, 934 f.; OVG Mecklenburg-Vorpommern, Beschl. v. 30. Juli 1997 - 1 M 55/97 , LKV 1998, 112 ff.).
Gerade auch für eine solche Fallkonstellation des Entzugs der Organrechte ist allgemein anerkannt, dass die Grundsätze über das Kommunalstreitverfahren heranzuziehen sind (OVG Sachsen-Anhalt, Beschl. v. 23. Februar 1994; OVG Thüringen, Urt. v. 21. November 1995, aaO.;… OVG Mecklenburg-Vorpom-mern, Beschl. v. 30. Juli 1997, aaO. S. 113, 114;… VGH Hessen, Urt. v. 4. Januar 1989, aaO. S. 935).
- VG Schleswig, 19.11.2024 - 6 A 10014/21
Abwahl des Bürgermeisters Koech der Stadt Ratzeburg im Jahr 2021 ungültig
In einem solchen Fall, in dem eine Abwahl in ihrer Außenwirkung als Bloßstellung empfunden und auf diese Weise - ihre Rechtswidrigkeit unterstellt - eine Stigmatisierung des Betreffenden bewirkt wird, ist von einem ausreichenden Rehabilitierungsinteresse auszugehen (vgl. auch VGH Kassel…, Urteil vom 03.09.1987 - 6 UE 387/87 -, juris, Rn. 30 - Rehabilitierungsinteresse bejaht bei einer als diskriminierend empfunden Abberufung eines Landrats; OVG Weimar, Urteil vom 21.11.1995 - 2 KO 175/94 -, juris, Rn. 23; VG Frankfurt…, Urteil vom 03.08.2005 - 7 E 2234/04 (V) -, juris, Rn. 119; VG Cottbus…, Urteil vom 21.05.2019 - 1 K 9/18 -, juris, Rn. 37; offen gelassen von BVerwG…, Urteil vom 15.03.1989 - 7 C 7.88 -, juris, Rn. 10).
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