Rechtsprechung
| KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22 |
Volltextveröffentlichungen (6)
- Burhoff online
Widerspruchsverfahren, Voraussetzungen des Widerspruchs
- Entscheidungsdatenbank Berlin
Zeitpunkt von Widerspruch gegen Entscheidung im Beschlussweg
- bussgeldsiegen.de
Voraussetzungen eines Widerspruchs nach § 72 Abs. 1 OWiG
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
OWiG § 72 Abs. 1
Voraussetzungen des Widerspruchs (§ 72 Abs. 1 OWiG ) - rechtsportal.de
OWiG § 72 Abs. 1
Voraussetzungen des Widerspruchs (§ 72 Abs. 1 OWiG ) - rechtsportal.de
OWiG § 72 Abs. 1
Voraussetzungen des Widerspruchs (§ 72 Abs. 1 OWiG )
Kurzfassungen/Presse
- Burhoff online Blog (Kurzinformation und Leitsatz)
OWi: Das bußgeldrechtliche Widerspruchsverfahren - Voraussetzungen eines wirksamen Widerspruchs
Verfahrensgang
- AG Berlin-Tiergarten, 24.01.2023 - 343 OWi 1356/22
- KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22
Wird zitiert von ... Zitiert selbst (7)
- OLG Karlsruhe, 07.12.1979 - 1 Ss 327/79
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
(Entgegen OLG Karlsruhe, Beschluss vom 7. Dezember 1979 - 1 Ss 327/79, VRS 59, 136) (Rn.9).Ein schlüssig erklärter Widerspruch gegen das schriftliche Verfahren soll in jeder Äußerung des Betroffenen zu sehen sein, aus der hervorgeht, dass er mit einer Entscheidung allein aufgrund des bis dahin aktenkundigen Sachverhalts nicht einverstanden ist, sondern eine weitere Klärung des Tathergangs wünscht (vgl. OLG Karlsruhe VRS 59, 136), der Betroffene die Tat zum Beispiel leugnet und sich hierfür auf Zeugen beruft (vgl. BayObLGNZV 1997, 197 und bei Rüth, DAR 1983, 255).
In diesem Fall soll sogar eine ausdrücklich erklärte Zustimmung keine Wirkung entfalten (vgl. OLG Karlsruhe VRS 59, 136).
Rn. 9 Der Senat teilt die Auffassung, ein - gegebenenfalls substantiiertes - Bestreiten sperre das Beschlussverfahren schlechthin und könne sogar eine spätere Zustimmung die Rechtswirkung nehmen (so OLG Karlsruhe VRS 59, 136), ausdrücklich nicht.
- KG, 09.12.2021 - 3 Ws (B) 337/21
Folgen eines Widerspruchs gegen eine Entscheidung durch Beschluss vor …
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
In diesem Fall richtet sich die Erklärung sachlich an das Amtsgericht, weil nur dieses die Wahl hat, durch Beschluss oder nach Hauptverhandlung durch Urteil zu entscheiden (vgl. Senat NZV 2022, 203 ).Vielmehr bedarf es in diesem Fall einer eindeutigen Rücknahme des zuvor erklärten Widerspruchs (vgl.Senat NZV 2022, 203 ; OLG Köln SVR 2014, 149 [Volltext bei juris]).
Dem bloßen Schweigen kann eine solche Erklärung, bereits nach allgemeinen Grundsätzen, nicht beigemessen werden (vgl. Senat NZV 2022, 203 ; BayObLG NStZ 2021, 503 m.w.N.).
- OLG Koblenz, 11.10.1990 - 2 Ss 360/90
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
(Anschluss OLG Koblenz, Beschluss vom 11. Oktober 1990 - 2 Ss 360/90, NStZ 1991, 191) (Rn.8).Rn. 8 bb) In Bezug auf den erforderlichen Inhalt der Widerspruchserklärung weist die Generalstaatsanwaltschaft zutreffend darauf hin, dass die Äußerung des Betroffenen unter Berücksichtigung des konkreten Falls und namentlich des wirklichen Willens des Betroffenen und der Reichweite seiner abgegebenen Erklärung festzustellen ist (vgl. OLG Koblenz NStZ 1991, 191).
- BayObLG, 10.11.2020 - 201 ObOWi 1369/20
Unzulässige Entscheidung im Beschlussverfahren bei fehlendem Eiverständnis
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
Dem bloßen Schweigen kann eine solche Erklärung, bereits nach allgemeinen Grundsätzen, nicht beigemessen werden (vgl. Senat NZV 2022, 203 ; BayObLG NStZ 2021, 503 m.w.N.). - OLG Köln, 15.08.2013 - 1 RBs 233/13
Keine Entscheidung durch Beschluss im Ordnungswidrigkeitenverfahren nach einem …
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
Vielmehr bedarf es in diesem Fall einer eindeutigen Rücknahme des zuvor erklärten Widerspruchs (vgl.Senat NZV 2022, 203 ; OLG Köln SVR 2014, 149 [Volltext bei juris]). - BGH, 07.07.1970 - 5 StR 230/70
Verfahrensmangel - Rechtsbeschwerde - Verfahrensfehler
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
In Bezug auf die Behauptung des Betroffenen, das Anhörungsschreiben vom 17. November 2022 nicht erhalten zu haben, weil er sich "zurzeit nicht in seiner Wohnung befindet", verfehlt die darin zu erblickende Beanstandung der Versagung des rechtlichen Gehörs (§ 72 Abs. 1 Nr. 5 Alt. 2 OWiG) die nach §§ 79 Abs. 3 OWiG, 344 Abs. 2 Satz 2 StPO zu stellenden Anforderungen (vgl. BGHSt 23, 298) bei Weitem. - OLG Hamm, 11.05.1979 - 1 Ss OWi 1110/79
Auszug aus KG, 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23
Ein Widerspruch kann auch durch schlüssiges Verhalten, also konkludent, erklärt werden (vgl. OLG Hamm VRS 58, 46).
- OLG Zweibrücken, 28.05.2025 - 1 ORbs 4 SsBs 67/24
Konkludenter Widerspruch durch Ankündigung von Stellungnahme in …
Zwar kann ein Widerspruch auch bereits im Vorverfahren oder mit Einlegung des Einspruchs erklärt werden (vgl. Senat…, Beschluss vom 06.03.1989 - 1 Ss 42/89, juris, Rn. 1 ff.; Senat…, Beschluss vom 24.07.2018 - 1 OWi 2 SsBs 54/18, juris, Rn. 4 f.; KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 7; OLG Hamm…, Beschluss vom 27.11.2003 - 1 Ss OWi 740/03, juris, Rn. 5; OLG Koblenz…, Beschluss vom 11.10.1990 - 2 Ss 360/90, in: NStZ 1991, S. 191 f. (191), beck-online; KG…, Beschluss vom 09.12.2021 - 3 Ws (B) 337/21 - 162 Ss 162/21, juris, Rn. 4; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 06.11.1973 - 3 Ss (B) 130/73, in: Die Justiz 1974, S. 29; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 10.01.1977 - 1 Ss (B) 495/76, in: Die Justiz 1977, S. 207 f. (208); BayObLG, Beschluss vom 27.07.1994 - 2 ObOWi 351/94, juris, Rn. 3; Hanseatisches OLG Bremen, Beschluss vom 04.09.2014 - 1 SsBs 42/14, BeckRS 2014, 23000, Rn. 7), allerdings versteht es sich von selbst, dass der bloßen Einspruchseinlegung keine das Beschlussverfahren sperrende Widerspruchserklärung beigemessen werden kann (vgl. KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 11).Ein solcher Widerspruch kann daher nach herrschender Rechtsprechung auch durch schlüssiges Verhalten, also konkludent, erklärt werden (vgl. OLG Karlsruhe, Beschluss vom 06.11.1973 - 3 Ss (B) 130/73, in: Die Justiz 1974, S. 29; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 07.12.1979 - 1 Ss 327/79, in: VRS 59, S. 136 (137); OLG Hamm, Beschluss vom 11.05.1979 - 1 Ss OWi 1110/79, juris, Rn. 2; OLG Koblenz, Beschluss vom 11.10.1990 - 2 Ss 360/90, in: NStZ 1991, S. 191 f. (191), beck-online; KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 8; OLG Hamm, Beschluss vom 08.04.1971 - 3 Ss OWi 211/71, in: VRS 41, S. 143 f.; Hanseatisches OLG Bremen, Beschluss vom 04.09.2014 - 1 SsBs 42/14, BeckRS 2014, 23000, Rn. 7).
Rn. 8 Von einem Einverständnis in diesem Sinne kann - auch wenn der Betroffene keinen ausdrücklichen Widerspruch erklärt hat - jedoch nicht ausgegangen werden, wenn die Umstände des Einzelfalles es als möglich erscheinen lassen, dass der Betroffene eine mündliche Verhandlung bzw. eine weitere Klärung des Tathergangs wünscht (vgl. OLG Düsseldorf…, Beschluss vom 28.10.1981 - 5 Ss OWi 367/81 - 49/81 V, in: VRS 62, S. 291 ff. (292); OLG Karlsruhe, Beschluss vom 06.11.1973 - 3 Ss (B) 130/73, in: Die Justiz 1974, S. 29; OLG Hamm, Beschluss vom 27.11.2003 - 1 Ss OWi 740/03, juris, Rn. 4; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 07.12.1979 - 1 Ss 327/79, in: VRS 59, S. 136 ff. (137); KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 8; BayObLG, Beschluss vom 30.10.1996 - 2 ObOWi 744/96, juris, Rn. 7; OLG Koblenz, Beschluss vom 11.10.1990 - 2 Ss 360/90, in: NStZ 1991, S. 191 f. (191), beck-online; Hanseatisches OLG Bremen, Beschluss vom 04.09.2014 - 1 SsBs 42/14, BeckRS 2014, 23000, Rn. 7) oder die Tat substantiiert bestreitet und sich hierfür auf Zeugen beruft (vgl. Hanseatisches OLG Bremen…, Beschluss vom 04.09.2014 - 1 SsBs 42/14, BeckRS 2014, 23000, Rn. 7 f.; BayObLG…, Beschluss vom 30.10.1996 - 2 ObOWi 744/96, juris, Rn. 7; OLG Karlsruhe…, Beschluss vom 07.12.1979 - 1 Ss 327/79, in: VRS 59, S. 136 ff. (137)).
Ob ein konkludenter Widerspruch bereits darin zu sehen ist, dass der Betroffene lediglich den Tatvorwurf bestreitet (so wohl OLG Hamm…, Beschluss vom 11.05.1979 - 1 Ss OWi 1110/79, juris, Rn. 3; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 10.01.1977 - 1 Ss (B) 495/76, in: Die Justiz 1977, S. 207 f. (208); a.A. BayObLG, Beschluss vom 30.10.1996 - 2 ObOWi 744/96, juris, Rn. 7; KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 8 f.), kann hier dahinstehen.
Ob in einer Äußerung des Betroffenen oder seines Verteidigers ein Widerspruch im Sinne von § 72 Abs. 1 S. 1 OWiG zu sehen ist, ist unter Berücksichtigung des konkreten Falls, des wirklichen Willens des Betroffenen und der Reichweite seiner abgegebenen Erklärung sowie dem Gebot eines fairen Verfahrens festzustellen, wobei unter mehreren möglichen Erklärungsinhalten der für den Erklärenden günstigste anzunehmen ist (vgl. KG, Beschluss vom 07.11.2023 - 3 ORbs 222/23 - 122 Ss 104/22, juris, Rn. 8; OLG Hamm…, Beschluss vom 27.11.2003 - 1 Ss OWi 740/03, juris, Rn. 4; OLG Koblenz…, Beschluss vom 11.10.1990 - 2 Ss 360/90, in: NStZ 1991, S. 191 f. (191), beck-online; OLG Karlsruhe, Beschluss vom 10.01.1977 - 1 Ss (B) 495/76, in: Die Justiz 1977, S. 207 f. (208); OLG Karlsruhe, Beschluss vom 07.12.1979 - 1 Ss 327/79, in: VRS 59, S. 136 (137); Hanseatisches OLG Bremen, Beschluss vom 04.09.2014 - 1 SsBs 42/14, BeckRS 2014, 23000, Rn. 7; s.a. OLG Bamberg, Beschluss vom 17.03.2016 - 3 Ss OWi 360/16, juris, Rn. 4 zu Bedingungen und Anregungen bei Abgabe einer Erklärung).
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