Rechtsprechung
| OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21 |
Volltextveröffentlichung
- versicherungsrechtsiegen.de
Unfallversicherung: Leistungsausschluss bei Falschangaben in Schadensanzeige
Wird zitiert von ... (5) Zitiert selbst (55)
- BGH, 25.09.2002 - IV ZR 212/01
Anforderungen an die Blutalkoholmessung
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Ob ein Fahrzeugführer - wie hier die Klägerin - infolge Alkoholgenusses nicht mehr in der Lage ist, sein Fahrzeug im Straßenverkehr sicher zu führen, ist eine Tatfrage, die der Tatrichter grundsätzlich in freier richterlicher Beweiswürdigung klären muss (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413).So ist - ungeachtet aller individuellen Unterschiede in der Alkoholtoleranz - ab einer ordnungsgemäß festgestellten Blutalkoholkonzentration (BAK) von 1, 1 Promille von dem zwingenden medizinischen Erfahrungssatz auszugehen, dass der Kraftfahrer nicht mehr in der Lage war, sein Fahrzeug sicher im Straßenverkehr zu führen (sog. absolute Fahruntauglichkeit: BGH, Beschluss vom 28. Juni 1990 - 4 StR 297/90, VersR 1990, 1177; vgl. BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413).
Bei der Analyse einer Blutprobe muss deshalb das Messergebnis dem arithmetischen Mittelwert aus einer Mindestzahl voneinander unabhängiger Einzelmesswerte entnommen werden (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 15. Juni 1988 - IVa ZR 8/87, VersR 1988, 950; Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413).
Wurde diesen Anforderungen - wie hier - nicht genügt, folgt daraus allerdings kein generelles Beweisverwertungsverbot für solche Einzelmesswerte, das den Tatrichter von vornherein zwänge, die Augen davor zu verschließen, dass - wenngleich auf statistisch zu schmaler Basis - Alkohol im Blut des Betroffenen nachgewiesen worden ist (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; zuvor auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238; von BGH, Urteil vom 15. Juni 1988 - IVa ZR 8/87, VersR 1988, 950 insoweit noch offen gelassen).
Vielmehr ist der Tatrichter hier zunächst lediglich an der Anwendung der von Medizin und Rechtsprechung erarbeiteten festen Beweisregeln für bestimmte Alkoholisierungsgrade (insbesondere des Grenzwertes von 1, 1 Promille) gehindert mit der Folge, dass er die Frage der Alkoholisierung und der dadurch hervorgerufenen Ausfallerscheinungen unter Heranziehung aller Indizien in freier Beweiswürdigung klären muss (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413).
Im Regelfall wird es sich anbieten, danach zu fragen, in welcher Höhe und in welchem Umfang das zugrundeliegende Analyseverfahren Abweichungen erwarten lässt, um so eine statistisch abgesicherte Aussage über die Messgenauigkeit und den maximal erforderlichen Sicherheitsabschlag zu gewinnen (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; vgl. auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 24).
Der Senat hält unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem eingeholten Sachverständigengutachten den Messwert von 1, 4 Gramm Alkohol auch für ausreichend aussagekräftig, um daraus unter Berücksichtigung der sachverständig beurteilten Messgenauigkeit und eines nach den Umständen gebotenen Sicherheitsabschlages (vgl. BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413) die Überzeugung von einer erheblichen, die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigenden Alkoholisierung der Klägerin zum Unfallzeitpunkt zu gewinnen.
- OLG Saarbrücken, 02.09.2020 - 5 U 94/19
Leistungsfreiheit des Kfz-Kaskoversicherers bei arglistiger Verletzung der …
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Er muss die Merkmale der Obliegenheit im Kern kraft einer "Parallelwertung in der Laiensphäre" kennen (Senat, Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372;… Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 28 Rn. 188).Im Fall der Auskunfts- und Aufklärungsobliegenheiten ist diese Kenntnis im Allgemeinen jedoch anzunehmen, da nach allgemeiner Lebenserfahrung jeder Versicherungsnehmer weiß, dass er weder unmittelbar noch mittelbar die Feststellungen des Versicherers erschweren darf, sondern ihn nach besten Kräften bei der Aufklärung unterstützen muss (Senat, Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372;… Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 31 Rn. 49).
Es reicht aus, dass er einen gegen die Interessen des Versicherers gerichteten Zweck verfolgt, etwa indem er Schwierigkeiten bei der Durchsetzung berechtigter Deckungsansprüche ausräumen will und weiß, dass sein Verhalten den Versicherer bei der Schadenregulierung möglicherweise beeinflussen kann (BGH, Beschluss vom 4. Mai 2009 - IV ZR 62/07, VersR 2009, 968; Senat, Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372; OLG Stuttgart, VersR 2014, 1452).
Einer Belehrung nach § 28 Abs. 4 VVG bedurfte es im Hinblick auf die Arglist der Klägerin nicht (Senat, Urteil vom 6. Oktober 2010 - 5 U 88/10-16, VersR 2011, 1511; Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372; OLG Rostock, VersR 2020, 690).
Das ist hier mit der Schadensanzeige geschehen, die eine entsprechende - sachlich zutreffende - Unterrichtung enthielt und zulässigerweise gegenüber der Mutter der Klägerin als deren Betreuerin erfolgte (vgl. Senat, Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372;… Rixecker, in: Langheid/Rixecker, a.a.O., § 28 Rn. 114).
- OLG Saarbrücken, 06.10.2010 - 5 U 88/10
Fahrzeugversicherung: Zurechenbarkeit der Arglist eines Erklärungsgehilfen bei …
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Es trifft zwar zu, dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, der sich der Senat angeschlossen hat, schon der objektive Tatbestand der Verletzung einer Aufklärungsobliegenheit die - vom Versicherer zu beweisende - Kenntnis des Versicherungsnehmers von der anzugebenden Tatsache voraussetzt (vgl. BGH, Urteil vom 13.12.2006 - IV ZR 252/05, VersR 2007, 389; Beschluss vom 12. Dezember 2007 - IV ZR 40/06, VersR 2008, 484; Urteil vom 16. September 2009 - IV ZR 246/08, VersR 2009, 1659; Senat, Urteil vom 6. Oktober 2010 - 5 U 88/10-16, VersR 2011, 1511); ebenso, dass dabei in Fällen wie dem vorliegenden, in denen die Schadenanzeige durch einen anderen als den Versicherungsnehmer unterschrieben wird und keine eigene oder auf Weisung des Versicherungsnehmers gefertigte Erklärung (vgl. § 166 Abs. 2 BGB) vorliegt, grundsätzlich auf den Kenntnisstand des Wissenserklärungsvertreters abzustellen ist (§ 166 Abs. 1 BGB; OLG Köln, VersR 2003, 57; OLG Nürnberg, ZfS 1997, 378; OLG Hamm, RuS 1996, 129;… Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 28 Rn. 157).Das arglistige Verhalten liegt gerade darin, dass dem Erklärenden, was ihm auch bewusst war, jegliche zur sachgemäßen Beantwortung erforderliche Kenntnis fehlte und er gleichwohl diesen Umstand gegenüber dem anderen Teil verschwieg (BGH, Urteil vom 8. Mai 1980 - IVa ZR 1/80, NJW 1980, 2460; Urteil vom 11. Mai 2001 - V ZR 14/00, NJW 2001, 2326; Senat, Urteil vom 6. Oktober 2010 - 5 U 88/10-16, VersR 2011, 1511;… Wandt in: MünchKomm-VVG 3. Aufl., § 28 Rn. 310).
Dabei genügt es, wenn der arglistig Handelnde es zumindest billigend in Kauf nimmt, dass die ins Blaue hinein gemachten Angaben für den Versicherer nachteilige Auswirkungen haben können, er also dessen freie rechtsgeschäftliche Willensentscheidung unlauter beeinflusst; sowohl für das Bewusstsein der Obliegenheitsverletzung als auch der nachteiligen Auswirkung für den Versicherer genügt bedingter Vorsatz, wenn Angaben ins Blaue hinein erfolgen (Senat, Urteil vom 6. Oktober 2010 - 5 U 88/10-16, VersR 2011, 1511; KG, RuS 2015, 66;… Armbrüster, in: Prölss/Martin a.a.O., § 28 Rn. 199;… Wandt in: MünchKomm-VVG a.a.O., § 28 Rn. 310;… Rixecker, in: Langheid/Rixecker a.a.O., § 28 Rn. 104).
Einer Belehrung nach § 28 Abs. 4 VVG bedurfte es im Hinblick auf die Arglist der Klägerin nicht (Senat, Urteil vom 6. Oktober 2010 - 5 U 88/10-16, VersR 2011, 1511; Urteil vom 2. September 2020 - 5 U 94/19, VersR 2020, 1372; OLG Rostock, VersR 2020, 690).
- BGH, 30.10.1985 - IVa ZR 10/84
Entfallen des Versicherungsschutzes wegen relativer Fahruntüchtigkeit
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Die Beweislast für den Kausalzusammenhang liegt beim Versicherer; sind allerdings eine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit und damit eine Bewusstseinsstörung des Versicherten festgestellt, spricht der Beweis des ersten Anscheins für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Fahruntüchtigkeit und Unfall (BGH, Urteil vom 30. Oktober 1985 - IVa ZR 10/84, VersR 1986, 141; Senat, Urteil vom 21. Januar 2009 - 5 U 249/08-29, VersR 2009, 1109;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 29).Dieser Anscheinsbeweis ist erst dann entkräftet, wenn der Versicherungsnehmer Umstände darlegt und ggf. beweist, aus denen sich die ernsthafte und nicht nur theoretische Möglichkeit eines anderen Geschehensablaufs ergibt (BGH, Urteil vom 9. Oktober 1991 - IV ZR 264/90, VersR 1991, 1367; Urteil vom 30. Oktober 1985 - IVa ZR 10/84, VersR 1986, 141;… Knappmann, in: Prölss/Martin, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 25).
Dazu genügt nicht die allgemeine Möglichkeit, dass auch einem Nüchternen der Unfall hätte unterlaufen können (BGH, Urteil vom 24.2.1976 - VI ZR 61/75, VersR 1976, 729; Urteil vom 30. Oktober 1985 - IVa ZR 10/84, VersR 1986, 141; vgl. auch BGH, Urteil vom 8. Juli 1957 - II ZR 177/56, VersR 1957, 509).
- BGH, 08.07.1957 - II ZR 177/56
Rechtsmittel
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Ist das der Fall, so ist das gewöhnliche Unfallrisiko in einem Umfang erhöht, dass der Unfallversicherer dafür nicht mehr einzustehen verspricht (BGH, Urteil vom 8. Juli 1957 - II ZR 177/56, VersR 1957, 509; Senat, Urteil vom 1. Februar 2017 - 5 U 45/16, RuS 2018, 317;… Grimm/Kloth, Unfallversicherung 6. Aufl., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 12).5.1.1 AUB schließt Unfälle im Zustand einer durch Alkohol verursachten Bewusstseinsstörung nur aus, wenn diese für den Unfall (adäquat) kausal war, wobei Mitursächlichkeit genügt (BGH, Urteil vom 8. Juli 1957 - II ZR 177/56, VersR 1957, 509; Senat, Urteil vom 5. April 2006 - 5 U 633/05, ZfS 2006, 336;… Knappmann in: Prölss/Martin, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 23).
Dazu genügt nicht die allgemeine Möglichkeit, dass auch einem Nüchternen der Unfall hätte unterlaufen können (BGH, Urteil vom 24.2.1976 - VI ZR 61/75, VersR 1976, 729; Urteil vom 30. Oktober 1985 - IVa ZR 10/84, VersR 1986, 141; vgl. auch BGH, Urteil vom 8. Juli 1957 - II ZR 177/56, VersR 1957, 509).
- OLG Saarbrücken, 01.02.2017 - 5 U 45/16
Unfallversicherung: Leistungsausschluss bei alkoholbedingter Bewusstseinsstörung
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Das setzt nicht den Eintritt völliger Bewusstlosigkeit voraus, es genügen vielmehr solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit des Versicherten, die die gebotene und erforderliche Reaktion auf die vorhandene Gefahrenlage nicht mehr zulassen (BGH, Urteil vom 24. September 2008 - IV ZR 219/07, VersR 2008, 1683; Senat, Urteil vom 1. Februar 2017 - 5 U 45/16, RuS 2018, 317).Ist das der Fall, so ist das gewöhnliche Unfallrisiko in einem Umfang erhöht, dass der Unfallversicherer dafür nicht mehr einzustehen verspricht (BGH, Urteil vom 8. Juli 1957 - II ZR 177/56, VersR 1957, 509; Senat, Urteil vom 1. Februar 2017 - 5 U 45/16, RuS 2018, 317;… Grimm/Kloth, Unfallversicherung 6. Aufl., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 12).
Denn nach den erwähnten Ausführungen des Sachverständigen beruhte die fehlende Bewältigung der Kurve gerade nicht - allein - auf überhöhter Geschwindigkeit, und es existiert hier angesichts des festgestellten Ablaufes auch keine andere lebensnahe Erklärung für das ungebremste Einfahren in den auf 70 km/h beschränkten, als solchen erkennbaren Gefahrenbereich als diejenige der alkoholbedingten Enthemmung und der damit einhergehenden Verkennung von Risiken (vgl. Senat, Urteil vom 1. Februar 2017 - 5 U 45/16, RuS 2018, 317; OLG Düsseldorf, RuS 2008, 9; OLG Naumburg, VersR 2005, 1233).
- OLG Hamm, 16.12.1994 - 20 U 95/94
Blutalkoholbestimmung; Bundesgesundheitsamt; Einzelanalyse; Mitursächlichkeit; …
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Wurde diesen Anforderungen - wie hier - nicht genügt, folgt daraus allerdings kein generelles Beweisverwertungsverbot für solche Einzelmesswerte, das den Tatrichter von vornherein zwänge, die Augen davor zu verschließen, dass - wenngleich auf statistisch zu schmaler Basis - Alkohol im Blut des Betroffenen nachgewiesen worden ist (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; zuvor auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238; von BGH, Urteil vom 15. Juni 1988 - IVa ZR 8/87, VersR 1988, 950 insoweit noch offen gelassen).Im Regelfall wird es sich anbieten, danach zu fragen, in welcher Höhe und in welchem Umfang das zugrundeliegende Analyseverfahren Abweichungen erwarten lässt, um so eine statistisch abgesicherte Aussage über die Messgenauigkeit und den maximal erforderlichen Sicherheitsabschlag zu gewinnen (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; vgl. auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 24).
Entsprechendes gilt für die seitens der Klägerin geäußerten Vorbehalte bezüglich einer etwaigen Verunreinigung der Blutprobe, insbesondere durch Desinfektionsmittel, für die der Sachverständige keine Anhaltspunkte gesehen hat, wie das Landgericht unter Verweis auf entsprechende Ausführungen korrekt festhält; hieran ist der Senat im zweiten Rechtszug gebunden, zumal diese Feststellungen auch im Einklang mit der ganz herrschenden Auffassung in der Rechtsprechung stehen, wonach die Verwendung alkoholbasierter Desinfektionsmittel in aller Regel keine Korrektur des festgestellten BAK-Wertes erfordert, weil dadurch bedingte (mögliche) Einwirkungen vernachlässigbar sind (vgl. OLG Hamm, VersR 1990, 514; RuS 1995, 238; OLG Frankfurt, RuS 2018, 488;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 25).
- OLG Saarbrücken, 16.08.2000 - 5 U 721/99
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Wurde diesen Anforderungen - wie hier - nicht genügt, folgt daraus allerdings kein generelles Beweisverwertungsverbot für solche Einzelmesswerte, das den Tatrichter von vornherein zwänge, die Augen davor zu verschließen, dass - wenngleich auf statistisch zu schmaler Basis - Alkohol im Blut des Betroffenen nachgewiesen worden ist (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; zuvor auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238; von BGH, Urteil vom 15. Juni 1988 - IVa ZR 8/87, VersR 1988, 950 insoweit noch offen gelassen).Im Regelfall wird es sich anbieten, danach zu fragen, in welcher Höhe und in welchem Umfang das zugrundeliegende Analyseverfahren Abweichungen erwarten lässt, um so eine statistisch abgesicherte Aussage über die Messgenauigkeit und den maximal erforderlichen Sicherheitsabschlag zu gewinnen (BGH, Urteil vom 25. September 2002 - IV ZR 212/01, VersR 2002, 1413; vgl. auch Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501; OLG Hamm, RuS 1995, 238;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 24).
Insbesondere im konkreten Fall wurden die Anforderungen der Richtlinie eingehalten, so dass, wie der Sachverständige zuletzt auch zweifelsfrei ausführt, von einer "sach- und fachgerechten Messung" ausgegangen werden kann (Bl. 283 GA; vgl. zu diesem Kriterium auch schon Senat, Urteil vom 16. August 2000 - 5 U 721/99-49, ZfS 2000, 501).
- BGH, 24.02.1988 - IVa ZR 193/86
Feststellung der relativen Fahruntüchtigkeit
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Als solche kommen vor allem typischerweise alkoholbedingte Fahrfehler in Betracht, aber auch sonstige Ausfallerscheinungen (BGH, Urteil vom 24. Februar 1988 - IVa ZR 193/86, VersR 1988, 733; Senat, Urteil vom 30. Juli 2014 - 5 U 1/14, ZfS 2015, 220; Beschluss vom 13. April 2005 - 5 W 91/05-22;… zahlreiche Beispiele bei Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 30).Soweit danach zunächst zweifelsfrei eine erhebliche Alkoholisierung der Klägerin zum Unfallzeitpunkt vorlag, die allein allerdings nicht den unwiderleglichen Schluss auf ihre Fahruntauglichkeit zulässt, kommen im Streitfall erhebliche Fahrfehler dazu, die typischerweise durch Alkoholgenuss bedingt sind (vgl. BGH, Urteil vom 24. Februar 1988 - IVa ZR 193/86, VersR 1988, 734) und in der gebotenen Gesamtschau die Annahme rechtfertigen, dass hinreichende Beweisanzeichen für eine Fahruntüchtigkeit infolge Alkohols vorliegen.
- OLG Saarbrücken, 21.01.2009 - 5 U 249/08
Bestimmtheitserfordernis für den Klageantrag i.R. der Feststellung auf eine …
Auszug aus OLG Saarbrücken, 06.07.2022 - 5 U 92/21
Eine - vom Versicherer nach Maßgabe des § 286 ZPO zu beweisende - Bewusstseinsstörung im Sinne der Ausschlussklausel liegt vor, wenn der Versicherte alkoholbedingt in seiner Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit in einem solchen Maße beeinträchtigt ist, dass die Gefahrenlage, in die er sich begeben hat, von ihm nicht mehr beherrscht werden kann (BGH, Urteil vom 27. Februar 1985 - IVa ZR 96/83, VersR 1985, 583; Urteil vom 10. Oktober 1990 - IV ZR 231/89, VersR 1990, 1343; Senat, Urteil vom 21. Januar 2009 - 5 U 249/08-29, VersR 2009, 1109).Die Beweislast für den Kausalzusammenhang liegt beim Versicherer; sind allerdings eine alkoholbedingte Fahruntüchtigkeit und damit eine Bewusstseinsstörung des Versicherten festgestellt, spricht der Beweis des ersten Anscheins für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Fahruntüchtigkeit und Unfall (BGH, Urteil vom 30. Oktober 1985 - IVa ZR 10/84, VersR 1986, 141; Senat, Urteil vom 21. Januar 2009 - 5 U 249/08-29, VersR 2009, 1109;… Grimm/Kloth, a.a.O., Ziff. 5 AUB 2014 Rn. 29).
- OLG Saarbrücken, 30.07.2014 - 5 U 1/14
Versicherer muss für Schäden bei (alkoholisierten) "Auto-Tauziehen" aufkommen
- BGH, 15.06.1988 - IVa ZR 8/87
Anforderungen an die Annahme einer alkoholbedingten Bewußtseinsstörung
- BGH, 11.05.2001 - V ZR 14/00
Arglistiges Verschweigen bei nicht erinnerten Mängeln
- BGH, 22.04.1982 - 4 StR 43/82
Zu den Anforderungen, die an Beweisanzeichen für die sog relative …
- BGH, 04.04.2018 - IV ZR 104/17
Reiseabbruchversicherung: Inhaltskontrolle der in den Allgemeinen …
- BGH, 08.12.1994 - III ZR 175/93
Haftung des Vormunds, Betreuers oder Pflegers für Pflichtwidrigkeiten in …
- BGH, 21.04.1993 - IV ZR 34/92
Repräsentantenstellung im Versicherungsrecht
- BGH, 08.05.1980 - IVa ZR 1/80
Begriff der arglistigen Täuschung
- BGH, 04.05.2009 - IV ZR 62/07
Umfang des rechtlichen Gehörs im Zivilverfahren; Leistungsfreiheit des …
- BGH, 16.11.2005 - IV ZR 307/04
Umfang der Auskunftspflicht des Versicherungsnehmers in der Hausratversicherung; …
- BGH, 22.10.2014 - IV ZR 242/13
Vermögensschadenshaftpflichtversicherung einer gesetzlichen Krankenkasse: …
- BGH, 13.12.2006 - IV ZR 252/05
Verletzung der Aufklärungsobliegenheit bei Kenntnis des Versicherungsnehmers von …
- OLG Hamm, 22.12.2020 - 10 U 103/19
Pflichtteils- und Pflichtteilsergänzungsanspruch aus übergeltetem Recht, …
- BGH, 02.06.1993 - IV ZR 72/92
Ehegatte als solcher kein Wissenserklärungsvertreter
- BGH, 16.09.2009 - IV ZR 246/08
Voraussetzungen einer Obliegenheitsverletzung in der Marktwert-Versicherung für …
- BGH, 27.01.1988 - IVa ZR 237/86
Provisionsanspruch des Nachweismaklers bei Zustandekommen des Hauptvertrages mit …
- BGH, 12.12.2007 - IV ZR 40/06
Begriff der Obliegenheitsverletzung in der Kfz-Fahrzeugversicherung
- OLG Saarbrücken, 12.07.2006 - 5 U 6/06
Obliegenheitsverletzung durch den Versicherten
- BGH, 09.10.1991 - IV ZR 264/90
Absolute Fahruntüchtigkeit im Versicherungsvertragsrecht
- OLG Saarbrücken, 28.01.2009 - 5 U 698/05
Zulässigkeit einer Feststellungsklage gegen den …
- OLG Köln, 28.09.2012 - 20 U 107/12
Eintrittspflicht der privaten Unfallversicherung bei alkoholbedingter …
- OLG Köln, 15.07.2014 - 9 U 204/13
Obliegenheitsverletzung in der Kfz-Fahrzeugversicherung durch Verschweigen eines …
- BGH, 24.02.1976 - VI ZR 61/75
Ursachenzusammenhang - Erster Anschein - Trunkenheit - Fußgänger - Beteiligung an …
- BGH, 26.09.1990 - IV ZR 176/89
Risikoausschluß in der BB-ZU wegen unerlaubten Umgangs mit Schußwaffen; …
- OLG Naumburg, 14.07.2005 - 4 U 184/04
Fahruntüchtigkeit bei Drogenkonsum - Leistungsausschluß in der privaten …
- OLG Düsseldorf, 13.06.2000 - 4 U 140/99
Grob fahrlässige Herbeiführung des Kaskoschadens bei Trunkenheit des …
- OLG Saarbrücken, 05.04.2006 - 5 U 633/05
Anspruch auf Leistungen aus einer Unfallzusatzversicherung; Leistungsausschluss …
- OLG Rostock, 08.01.2020 - 4 U 136/19
Wohngebäudeversicherung: Zurechnung von Falschangaben eines Handwerkers des …
- OLG Frankfurt, 28.02.2001 - 7 U 22/00
Unfallversicherung: Ernsthafte Interessengefährdung durch wahrheitswidrige …
- BGH, 03.04.1985 - IVa ZR 111/83
Feststellung relativer Fahruntüchtigkeit
- OLG Düsseldorf, 28.11.2006 - 4 U 193/05
Anscheinsbeweis bei Alkoholfahrt
- OLG Köln, 02.07.2002 - 9 U 13/02
Nichtbestehen eines Entschädigungsanspruchs aufgrund eines Verkehrsunfalls …
- OLG Hamm, 15.01.1997 - 20 U 144/96
Begriff der Bewußtseinsstörung in der Unfallversicherung
- BGH, 13.06.1986 - 4 StR 279/86
Vorliegen von Gesetzeskonkurrenz zwischen Vergewaltigung und versuchter Nötigung …
- KG, 10.12.2013 - 6 U 155/13
Leistungsfreiheit des Kfz-Fahrzeugversicherers wegen unrichtiger Angaben über die …
- OLG Hamburg, 26.03.1997 - 5 U 157/96
Feststellung eines alkoholbedingten Fahrfehlers aufgrund des Fahrverhaltens L
- OLG Nürnberg, 19.12.1996 - 8 U 2035/96
- OLG Celle, 13.06.1996 - 8 U 119/95
Verschweigen weiterer Unfallversicherungsverträge bei Schadensanzeige
- OLG Frankfurt, 14.04.1988 - 3 U 24/87
- OLG Saarbrücken, 22.11.2000 - 5 U 563/00
- BGH, 28.06.1990 - 4 StR 297/90
Herabsetzung der Grenze der absoluten Fahrunsicherheit
- BGH, 24.09.2008 - IV ZR 219/07
Begriff der Geistes- oder Bewußtseinsstörung in der Unfallversicherung
- BGH, 10.10.1990 - IV ZR 231/89
Ausschluß des Versicherungsschutzes - Alkoholbedingte Bewußtseinsstörung - …
- BGH, 27.02.1985 - IVa ZR 96/83
Nachweis alkoholbedingter Bewußtseinsstörung
- OLG Hamm, 14.06.1989 - 20 U 139/87
Bewußtseinsstörung; Fußgänger im Straßenverkehr; BAK ; Promille; …
- OLG Saarbrücken, 29.11.2023 - 5 U 34/23
Gewerbliche Sachversicherung: Nachweis eines bedingungsgemäßen Rohrbruch- und …
Hierzu genügt es, dass der Versicherungsnehmer kraft einer "Parallelwertung in der Laiensphäre" die Merkmale der Obliegenheit im Kern kennt (…Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 28 Rn. 188;… Felsch, in: HK-VVG 4. Aufl., § 28 Rn. 75; vgl. Senat, Urteil vom 6. Juli 2022 - 5 U 92/21, RuS 2022, 707, 712), mithin das allgemeine Bewusstsein, dass er den Versicherer bei der Aufklärung des Sachverhalts nach besten Kräften aktiv unterstützen muss, das heute bei einem Versicherten in der Regel vorhanden ist (BGH, Urteil vom 8. Mai 1958 - II ZR 1/57, VersR 1958, 389; Senat, Urteil vom 19. Juni 2019 - 5 U 99/18, VersR 2019, 1289;… Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 31 Rn. 49) und das der Kläger in seiner zweitinstanzlichen Anhörung (Bl. 205 ff. GA) auch ausdrücklich eingeräumt hat.Es reicht aus, dass er einen gegen die Interessen des Versicherers gerichteten Zweck verfolgt, etwa indem er Schwierigkeiten bei der Durchsetzung berechtigter Deckungsansprüche ausräumen will und weiß, dass sein Verhalten den Versicherer bei der Schadenregulierung möglicherweise beeinflussen kann (BGH, Beschluss vom 4. Mai 2009 - IV ZR 62/07, VersR 2009, 968; Senat, Urteil 6. Juli 2022 - 5 U 92/21, RuS 2022, 707, 712; OLG Stuttgart, VersR 2014, 1452).
- OLG Saarbrücken, 12.02.2025 - 5 U 42/24
Leistungsfreiheit des Kfz-Vollkaskoversicherers bei arglistiger Verletzung der …
Es reicht aus, dass er einen gegen die Interessen des Versicherers gerichteten Zweck verfolgt, etwa indem er Schwierigkeiten bei der Durchsetzung berechtigter Deckungsansprüche ausräumen will und weiß, dass sein Verhalten den Versicherer bei der Schadenregulierung möglicherweise beeinflussen kann (BGH, Beschluss vom 4. Mai 2009 - IV ZR 62/07, VersR 2009, 968; Senat, Urteil 6. Juli 2022 - 5 U 92/21, RuS 2022, 707, 712, m.w.N.). - OLG Saarbrücken, 31.07.2024 - 5 U 102/23
Leistungsfreiheit der Fahrzeug-Vollkaskoversicherung wegen vorsätzlicher …
Hierzu genügt es, dass der Versicherungsnehmer kraft einer "Parallelwertung in der Laiensphäre" die Merkmale der Obliegenheit im Kern kennt (…Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 28 Rn. 188;… Felsch, in: HK-VVG 4. Aufl., § 28 Rn. 75; vgl. Senat, Urteil vom 6. Juli 2022 - 5 U 92/21, RuS 2022, 707, 712), mithin das allgemeine Bewusstsein, dass er den Versicherer bei der Aufklärung des Sachverhalts nach besten Kräften aktiv unterstützen muss, das heute bei einem Versicherten in der Regel vorhanden ist (BGH, Urteil vom 8. Mai 1958 - II ZR 1/57, VersR 1958, 389; Senat, Urteil vom 19. Juni 2019 - 5 U 99/18, VersR 2019, 1289;… Armbrüster, in: Prölss/Martin, a.a.O., § 31 Rn. 49). - OLG Hamm, 23.08.2024 - 7 W 27/24
Aufhebung der Prozesskostenhilfebewilligung wegen unrichtiger Darstellung des …
Rn. 12 Überträgt man dies auf den vorliegenden Fall, in dem der Beklagte vorprozessual eine Körperverletzung des Klägers eingeräumt, wenn auch Notwehr in den Raum gestellt hat und in dem auch sonst alle Umstände entsprechend den Ausführungen des Landgerichts für eine Körperverletzung durch den Beklagten sprechen, der Beklagte in der Klageerwiderung jedoch eine Körperverletzung ohne jede Aufdeckung von vermeintlich (zwischenzeitlich vermeintlich) eingetretenen Erinnerungslücken eine Körperverletzung in Abrede stellt und sich nur hilfsweise auf Notwehr beruft, ist davon auszugehen, dass der Beklagte durch unrichtige Darstellung des Streitverhältnisses die für die Bewilligung der Prozesskostenhilfe maßgebenden Voraussetzungen vorgetäuscht hat (…vgl. auch zur Täuschung durch Angaben ins Blaue hinein BGH Urt. v. 8.5.1980 - IVa ZR 1/80, NJW 1980, 2460 = juris Rn. 23;… OLG Hamm Beschl. v. 4.7.2023 - 20 U 73/23, BeckRS 2023, 49279 = beck Rn. 13; OLG Saarbrücken Urt. v. 6.7.2022 - 5 U 92/21, r+s 2022, 707 = juris Rn. 35). - OLG Hamm, 05.09.2025 - 20 U 6/25
Leistungsfreiheit eines Versicherers wegen arglistiger Obliegenheitsverletzung …
Der Zeuge war aber im Streitfall als beauftragter Anwalt Wissenserklärungsvertreter des Klägers; dessen unrichtige Angaben muss sich der Kläger zurechnen lassen (…vgl. Prölss/Martin/Armbrüster, 32. Aufl. 2024, VVG § 28 Rn. 163; Saarländisches Oberlandesgericht Saarbrücken, Urteil vom 6. Juli 2022 - 5 U 92/21 -, juris Rn. 34;… OLG München, r+s 2021, 151 Rn. 46; OLG Köln, VersR 1997, 1394).
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