Rechtsprechung
| OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11 |
Volltextveröffentlichungen (5)
- openjur.de
- Justiz Hessen
§ 142 Abs 2 S 1 AktG, § 147 AktG
Zu den Voraussetzungen für die Bestellung eines Sonderprüfers nach § 142 II 1AktG - rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
AktG § 142 Abs. 2 S. 1; AktG § 147
Ablehnung der Einsetzung eines Sonderprüfers zur Überprüfung der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank mangels des Verdachts von Unredlichkeiten oder grober Verletzungen des Gesetzes oder der Satzung - Wolters Kluwer(Abodienst, Leitsatz/Tenor frei) (Leitsatz und Volltext)
Anspruch eines Aktionärs auf Bestellung eines Sonderprüfers für die Überprüfung von Vorgängen beim Erwerb einer hundertprozentigen Beteiligung bei einer Bank; Spielraum eines Vorstands hinsichtlich der Beschaffung von Informationen im Vorfeld einer unternehmerischen ...
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Kurzfassungen/Presse (3)
- gesellschaftsrechtskanzlei.com (Leitsatz/Kurzinformation)
Aktienrecht, Sonderprüfung, Vorstand
- zbb-online.com (Leitsatz)
AktG §§ 142, 147
Zur Vortragslast bei Sonderprüfungsanträgen, hier: im Zusammenhang mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank - datenbank.nwb.de (Leitsatz)
Besprechungen u.ä.
- fernuni-hagen.de (Kurzaufsatz mit Bezug zur Entscheidung)
Was Richter (nicht) wollen - oder: Sonderprüfung ist Teufelzeug
Verfahrensgang
- LG Frankfurt/Main, 06.09.2010 - 16 O 36/09
- LG Frankfurt/Main, 26.11.2010 - 16 O 36/09
- OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11
Papierfundstellen
- ZIP 2011, 1764
- WM 2011, 2279
- DB 2011, 1626
- DB 2011, 1626.
- AG 2011, 755
Wird zitiert von ... (5) Zitiert selbst (4)
- BGH, 21.04.1997 - II ZR 175/95
Pflichten des Aufsichtsrats einer Aktiengesellschaft konkretisiert
Auszug aus OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11
Überdies lässt sich dem Vortrag des Antragstellers nicht entnehmen, warum die mit der Übernahme der Y-Bank AG einhergehende Erhöhung des Investments in forderungsbesicherte Wertpapiere nicht mehr von dem weiten unternehmerischen Handlungsspielraum, den das Aktiengesetz dem Vorstand für die Leitung der Geschäfte gewährt und der insbesondere auch das bewusste Eingehen geschäftlicher Risiken einschließt (s. BGHZ 135, 244), umfasst gewesen sein sollte.Eine Überschreitung des unternehmerischen Ermessensspielraums in dem Sinne, dass der vereinbarte Kaufpreis "schlechterdings unvertretbar" wäre (s. BGHZ 135, 244, 253), legt der Antragsteller weder dar noch ist dies sonst ersichtlich; auch nach Ansicht des 5. Zivilsenates des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main war der für die Y-Bank AG vereinbarte Kaufpreis jedenfalls nicht eindeutig unangemessen und war somit vom unternehmerischen Ermessen gedeckt (…Urt. v. 5. Oktober 2010, 5 U 29/10).
- OLG Düsseldorf, 09.12.2009 - 6 W 45/09
IKB Deutsche Industriebank AG: Sonderprüfer soll mögliche Pflichtverletzungen von …
Auszug aus OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11
Hierfür muss der Vortrag des Antragstellers ausreichend substantiiert sein; unsubstantiierte Behauptungen, bloße Verdächtigungen oder Vermutungen reichen nicht aus (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 9. Dezember 2009 - I-6 W 45/09, juris, Rn. 25;… Mock, in: Spindler/Stilz, AktG 2. Aufl., § 142 Rn. 128;… Bezzenberger, in: GroßKomm AktG 4. Aufl., § 142 Rn. 62;… Schröer, in: MünchKomm AktG 2. Aufl., § 142 Rn. 66); auch soweit es dem Antragsgegner gelingt, den Vortrag des Antragstellers zu widerlegen, ist der Antrag abzuweisen (Mock, ebd.). - OLG Stuttgart, 25.11.2008 - 8 W 370/08
Aktiengesellschaft: Gerichtliche Ermächtigung von Minderheitsaktionären zur …
Auszug aus OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11
Dies bedarf hier indes ebenso wenig einer Entscheidung wie die Frage, ob insofern ggf. dem Ansatz des Landgerichts Frankfurt am Main in dem angefochtenen Beschluss, eine Prüfungsbedürftigkeit als ungeschriebene Voraussetzung des § 142 Abs. 2 AktG sei nicht gegeben, wenn wie im Hinblick auf die Nichtbeteiligung der Hauptversammlung alle Umstände bekannt seien und lediglich die rechtliche Bewertung zweifelhaft sei, zu folgen wäre oder ob der zutreffende rechtliche Anknüpfungspunkt wäre, das Vorliegen eines prüfungsfähigen "Vorgangs" im Sinne des § 142 Abs. 1, Abs. 2 AktG zu verneinen (vgl. OLG Stuttgart, AG 2009, 169;… zit. bei juris, Rn. 18 f.) oder die im Schrifttum vertretene Ansicht, das Antragsrecht auf Bestellung eines Sonderprüfers werde nach dem Rechtsgedanken des § 242 BGB durch immanente Rechtsausübungsschranken begrenzt und in diesem Sinne rechtsmissbräuchlich sei etwa ein Antrag bezüglich offen liegender Sachverhalte (…Spindler, in: Schmidt/Lutter, AktG, § 142 Rn. 59 mwN.), den Vorzug verdiente. - OLG Frankfurt, 13.01.2011 - 21 W 16/11
Zu den Voraussetzungen für die Bestellung eines Sonderprüfers nach § 142 Abs. 2 …
Auszug aus OLG Frankfurt, 15.06.2011 - 21 W 18/11
Rn. 30 An die Überzeugung des Gerichts vom Vorliegen der Tatsachen sind nach dem Willen des Gesetzgebers hohe Anforderungen zu stellen (…BT-Drucks 15/5092, S. 18; Senat, Beschl. v. 13. Januar 2011 - 21 W 16/11 mwN.;… Spindler, in: Schmidt/Lutter, AktG, § 142 Rn. 52), nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und sonstigen negativen Auswirkungen einer Sonderprüfung für die Gesellschaft wie etwa eine negative Reputation regelmäßig erheblich sind (…s. BT-Drucks 15/5092, S. 18; Senat, Beschl. v. 13. Januar 2011 - 21 W 16/11).
- OLG Stuttgart, 25.10.2018 - 20 W 6/18
Aktiengesellschaft: Voraussetzungen für die gerichtliche Bestellung eines …
Eine grobe Pflichtverletzung kann im Zusammenhang mit unternehmerischen Entscheidungen vielmehr nur dann angenommen werden, wenn die entsprechende Entscheidung unvertretbar ist (Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 835; vgl. OLG Frankfurt AG 2011, 755, 758).Ausreichend sind demnach substantiierte Behauptungen, die schlüssig vorgetragen werden und die den vom Antragsteller genannten Verdacht rechtfertigen (OLG Frankfurt AG 2011, 755 f.; OLG Stuttgart AG 2010, 717, 718; OLG München AG 2008, 33, 35; LG München AG 2017, 84, 85;… Hüffer/Koch AktG 13 Aufl. § 142 Rn. 20 mwN;… Spindler in Schmidt/K. Lutter AktG 3. Aufl. 2015 § 142 Rn. 55 f.;… Mock in Spindler/Stilz AktG 3. Aufl. § 142 Rn. 130; Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 836).
Maßgeblich ist insofern allein der Kenntnisstand des Gerichts am Ende des Verfahrens (OLG Frankfurt AG 2011, 755, 756; OLG Stuttgart AG 2010, 717, 718; OLG München AG 2008, 33, 35;… Mock in Spindler/Stilz AktG 3. Aufl. § 142 Rn. 130; Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 836).
Gerade vor dem Hintergrund des durch das Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (UMAG) reduzierten Antragsquorums bedarf es zur Vermeidung von Missbrauch eines strengen Maßstabs, nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und sonstigen negativen Auswirkungen einer Sonderprüfung auf die Gesellschaft - wie etwa eine negative Reputation - regelmäßig erheblich sind (BT-Drucks. 15/5092 S. 18; OLG Frankfurt AG 2011, 755, 756; OLG Stuttgart AG 2010, 717, 718;… Spindler in Schmidt/K. Lutter AktG 3. Aufl. 2015 § 142 Rn. 54; Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 836).
Hinreichende Verdachtsmomente müssen nicht nur möglich, sondern denklogisch wahrscheinlich sein (OLG Frankfurt AG 2011, 755, 756;… OLG Stuttgart AG 2010, 717 juris Rn. 16; LG München AG 2017, 84, 85;… Hüffer/Koch AktG 13 Aufl. § 142 Rn. 20 mwN;… Spindler in Schmidt/K. Lutter AktG 3. Aufl. 2015 § 142 Rn. 55 f.;… Mock in Spindler/Stilz AktG 3. Aufl. § 142 Rn. 130; a.A. Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 836, wonach eine überwiegende Wahrscheinlichkeit nach dem Maßstab des strafprozessualen dringenden Tatverdachts zu fordern ist).
Vielmehr kann das Gericht im Rahmen der Amtsermittlung gem. § 26 FamFG auch darüber hinausgehen (OLG München AG 2008, 33, 35; Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 836; vgl. auch OLG Frankfurt AG 2011, 755, 756; OLG Stuttgart AG 2010, 717, 718).
Eine grobe Pflichtverletzung kann im Zusammenhang mit unternehmerischen Entscheidungen vielmehr nur dann angenommen werden, wenn die entsprechende Entscheidung unvertretbar ist (Trölitzsch/Gunßer AG 2008, 833, 835; vgl. OLG Frankfurt AG 2011, 755 Rn. 79).
- LG München I, 14.07.2017 - 5 HKO 14714/16
Nichtigkeitsklagen gegen Aufsichtsratswahl und Sonderprüfung
Zwar ist davon auszugehen, dass eine Sonderprüfung nicht dazu dienen kann, Rechtsfragen einer isolierten Klärung zuzuführen (vgl. KG ZIP 2012, 672, 673 = AG 2012, 412, 413; OLG Stuttgart AG 2009, 169, 171; OLG Frankfurt AG 2011, 755, 758 = ZIP 2011, 1764, 1770 f. = WM 2011, 2279, 2286 = DB 2011, 1626, 1631;… Rieckers/Vetter in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., § 142 Rdn. 24;… Schröer in: Münchener Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 142 Rdn. 7;… Spindler in: Schmidt/Lutter, AktG, a.a.O., § 142 Rdn. 8). - OLG München, 16.05.2018 - 7 U 2752/17
Wirksamkeit zweier Beschlüsse einer Hauptversammlung
AG 2009, 169, 171; OLG F. AG 2011, 755, 758 = ZIP 2011, 1764, 1770 f. = WM 2011, 2279, 2286 = DB 2011, 1626, 1631; Rieckers/Vetter in: Kölner Kommentar zum AktG, a.a.O., § 142 Rdn. 24; Schröer in: Münchener Kommentar zum AktG, 3. Aufl., § 142 Rdn. 7; Spindler in: Schmidt/Lutter, AktG, a.a.O., § 142 Rdn. 8). - OLG München, 27.06.2018 - 7 U 2752/17
Wirksamkeit zweier Beschlüsse einer Hauptversammlung
Es ist zwar zutreffend, dass eine Sonderprüfung nicht dazu dienen kann, Rechtsfragen einer isolierten Klärung zuzuführen (vgl. KG ZIP 2012, 672, 673 = AG 2012, 412, 413; OLG Stuttgart AG 2009, 169, 171; OLG Frankfurt AG 2011, 755, 758 = ZIP 2011, 1764, 1770 f. = WM 2011, 2279, 2286 = DB 2011, 1626, 1631;… Rieckers/Vetter in: Kölner Kommentar zum AktG , a.a.O., § 142 Rdn. 24;… Schröer in: Münchener Kommentar zum AktG , 3. Aufl., § 142 Rdn. 7;… Spindler in: Schmidt/Lutter, AktG , a.a.O., § 142 Rdn. 8). - LG Berlin II, 04.03.2025 - 102 O 33/23
Anforderungen an gerichtliche Bestellung eines Sonderprüfers für …
An die Überzeugung des Gerichts zum Vorliegen von Tatsachen sind hohe Anforderungen zu stellen (so OLG Stuttgart, NZG 2010, 864, 865), nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten und sonstigen negativen Auswirkungen einer Sonderprüfung für die Gesellschaft wie etwa eine negative Reputation regelmäßig erheblich sind (vgl. OLG Frankfurt, Beschluss vom 15. Juni 2011, 21 W 18/11, BeckRS 2011, 17042).Sind alle Umstände bekannt und lediglich die rechtliche Bewertung zweifelhaft, so bedarf es keiner Prüfung, und eventuelle Ersatzansprüche können im Verfahren nach den §§ 147 f. AktG geltend gemacht werden (vgl. auch OLG Frankfurt, Beschluss vom 15. Juni 2011, 21 W 18/11, BeckRS 2011, 17042).
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