Rechtsprechung
| BFH, 12.10.1966 - II 36/62 |
Volltextveröffentlichungen (3)
- Wolters Kluwer
Voraussetzungen für die Rücknahme eines Steuerbescheids - Änderung eines Erbschaftsteuerbescheids zuungunsten des Steuerpflichtigen
- datenbank.nwb.de(kostenpflichtig, Leitsatz frei)
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Papierfundstellen
- BFHE 87, 43
- BStBl III 1967, 34
Wird zitiert von ... (6) Zitiert selbst (11)
- BFH, 16.03.1965 - I 54/64 S
Bindung des Finanzamtes an die im vorausgegangenen Rechtsmittelverfahren …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Die Richtigkeit dieses Satzes ist unbestreitbar; auch muß entsprechend dem BFH-Urteil I 54/64 S vom 16. März 1965 (BFH 82, 387, BStBl III 1965, 388) davon ausgegangen werden, daß darüber hinaus das FA selbst an die Auffassung gebunden bleibt, die es nach Prüfung des Streitfalls auf einen Rechtsbehelf des Steuerpflichtigen hin zu dessen Gunsten in einer Einspruchsentscheidung oder einem Abhilfebescheid gemäß § 94 Abs. 1 Nr. 2 AO geäußert hat.Daher ist -- unbeschadet der in dem BFH-Urteil I 54/64 S vom 16. März 1965 (BFH 82, 387, BStBl III 1965, 388) angestellten Erwägungen -- die Berichtigung nach § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO auch nicht deshalb ausgeschlossen, weil der geänderte Bescheid seinerseits § 94 AO in Bezug genommen hatte.
Die Rücknahme hätte zwar das FA in der Beurteilung der Verfahrensfrage für spätere Verfahren nach § 222 Abs. 1 Nr. 1 AO gebunden (vgl. BFH-Urteil I 54/64 S vom 16. März 1965, BFH 82, 387, BStBl III 1965, 388); sie hindert aber weder die Aufdeckung eines bereits zuvor gemachten Fehlers noch dessen Berichtigung nach § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO.
- BFH, 30.06.1965 - II 38/62 U
Aufhebung eines unzulässig ergangenen Steuerbescheids
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Selbst wenn der Berichtigungsbescheid vom 10. Juli 1958 erst durch eine gerichtliche Entscheidung aus diesem Grunde aufgehoben worden wäre, könnte deren Rechtskraft nicht weiter reichen (vgl. in anderem Zusammenhang Urteil des BFH II 38/62 U vom 30. Juni 1965, Sammlung der Entscheidungen des Bundesfinanzhofs Bd. 83 S. 36 -- BFH 83, 36 --, BStBl III 1965, 514).Anders ist es erst dann, wenn die Veranlagung des FA durch eine gerichtliche Entscheidung bestätigt worden ist (vgl. BFH-Urteil II 97/55 U vom 18. Mai 1955, BFH 61, 27, BStBl III 1955, 208) und das Gericht zur Sache selbst erkannt hat (BFH-Urteil II 38/62 U vom 30. Juni 1965, BFH 83, 36, BStBl III 1965, 514).
Voraussetzung dafür ist aber, daß in dem vorangegangenen Verfahren bereits zur Sache entschieden worden ist (vgl. BFH-Urteil II 38/62 U vom 30. Juni 1965, BFH 83, 36; BStBl III 1965, 514).
- BFH, 29.04.1960 - III 281/58 U
Voraussetzungen einer Berichtigungsveranlagung
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
In dieser Sache hatte der BFH im zweiten Rechtsgang über den Steuerfall zu entscheiden, der bereits Anlaß zu dem Urteil III 281/58 U vom 29. April 1960 (BFH 71, 134, BStBl III 1960, 298) gegeben hatte.Da der Änderungsbescheid vom 10. Juli 1958 ohne materielle Prüfung als unzulässig zurückgenommen worden ist und es dem FA nach dem BFH-Urteil III 281/58 U vom 29. April 1960 (BFH 71, 134, BStBl III 1960, 298) versagt war, die bereits vorliegende Rüge der Aufsichtsbehörde zur Heilung des Verfahrensmangels in das Einspruchsverfahren einzuführen, kann eine materielle Bindung des FA weder aus Gründen der Prozeßökonomie abgeleitet noch aus Gründen der Rechtssicherheit oder aus dem Gebot von Treu und Glauben gefordert werden.
In einem solchen Fall ist es zwar nach dem BFH-Urteil III 281/58 U vom 29. April 1960 (BFH 71, 134, BStBl III 1960, 298) unzulässig, die Entscheidung über den Einspruch gegen einen nach § 222 Abs. 1 Nr. 1 AO erlassenen Änderungsbescheid erstmals auf § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO zu stützen.
- BFH, 26.11.1964 - III 203/61 U
Rücknahme eines Berichtigungsbescheides durch das Finanzamt ohne Zustimmung des …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Diesem Standpunkt kann der erkennende Senat nicht folgen; der III. Senat hat ihn bereits mit dem Urteil III 203/61 U vom 26. November 1964 (BFH 81, 344, BStBl III 1965, 124) aufgegeben.Das FA ist aber jedenfalls befugt, einen -- wirklich oder vermeintlich -- nach § 222 Abs. 1 Nr. 1 AO unzulässigen Änderungsbescheid gemäß § 94 Abs. 1 Nr. 2 AO zurückzunehmen und dadurch den Weg für eine Berichtigung nach § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO freizumachen (BFH-Urteil III 203/61 U vom 26. November 1964, BFH 81, 344, BStBl III 1965, 124).
- BFH, 22.07.1960 - III 95/59 U
Aufdeckung und Berücksichtigung von Veranlagungsfehlern, die bereits Gegenstand …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Er hat sich dabei auf den in dem BFH-Urteil III 95/59 U vom 22. Juli 1960 (BFH 71, 741, BStBl III 1960, 524) ausgedrückten Grundgedanken berufen, daß es nicht nur dem Grundsatz der Prozeßökonomie, sondern auch dem Grundsatz der Rechtssicherheit sowie dem Gebot von Treu und Glauben gegenüber dem Steuerpflichtigen widerspräche, wenn die Finanzbehörde in der Lage wäre, in demselben Berichtigungsfalle nach zwei Vorschriften zu verfahren.Das BFH-Urteil III 95/59 U vom 22. Juli 1960 (BFH 71, 741, BStBl III 1960, 524), auf das das BFH-Urteil III 209/62 vom 19. Juli 1963 (HFR 1964 S. 27) im wesentlichen Bezug nimmt, beruft sich -- mit gewissen Einschränkungen, über die hier nicht zu befinden ist -- auf den Grundsatz, daß es der Verwaltung nicht gestattet ist, in die Rechtskraft finanzgerichtlicher Urteile einzugreifen.
- BFH, 06.08.1965 - III 43/63 S
Voraussetzungen für die Berichtigung des Einheitswertbescheides - Nachforderung …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Das widerspräche aber, sofern der Berichtigungsgrund des § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO im ersten Änderungsverfahren nicht geltend gemacht werden konnte (vgl. dazu BFH-Urteil III 43/63 S vom 6. August 1965, BFH 83, 349, BStBl III 1965, 626), dem soeben dargestellten Verhältnis zwischen den Befugnissen des FA und denen der Aufsichtsbehörde, die dazu berufen ist, die Geschäftsführung des FA zu überwachen und die Berichtigung der bei ihrer Nachprüfung aufgedeckten Fehler zu veranlassen. - BFH, 15.10.1964 - III 89/64 U
Zulässigkeit einer Berichtigung von Bescheiden über Lastenausgleichsabgaben
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Eine Berichtigung nach § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO kann somit auch dadurch eingeleitet werden, daß das FA der OFD die Akten zur Aufdeckung der Fehler vorlegt (BFH-Urteil III 89/64 U vom 15. Oktober 1964 [zu IV], BFH 81, 291, BStBl III 1965, 104). - BFH, 18.09.1957 - II 195/56 U
Fehlerberichtigung bei Steuerbescheiden - Möglichkeit einer Fehlerberichtigung …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Daher unterliegen auch Einspruchsentscheidungen des FA der Fehleraufdeckung nach § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO (BFH-Urteil II 195/56 U vom 18. September 1957, BFH 65, 495, BStBl III 1957, 423). - BFH, 18.05.1955 - II 97/55 U
Zulässigkeit von Nachforderungen von Gesellschaftsteuer bis zum Ablauf der …
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Anders ist es erst dann, wenn die Veranlagung des FA durch eine gerichtliche Entscheidung bestätigt worden ist (vgl. BFH-Urteil II 97/55 U vom 18. Mai 1955, BFH 61, 27, BStBl III 1955, 208) und das Gericht zur Sache selbst erkannt hat (BFH-Urteil II 38/62 U vom 30. Juni 1965, BFH 83, 36, BStBl III 1965, 514). - RFH, 04.02.1921 - II A 45/21
Auszug aus BFH, 12.10.1966 - II 36/62
Unerheblich ist dabei, auf welche Weise die Aufsichtsbehörde zur Nachprüfung veranlaßt wird und ob der aufgedeckte Fehler bereits zuvor bekannt war (vgl. Entscheidungen des RFH II A 45/21 vom 4. Februar 1921, Sammlung der Entscheidungen des Reichsfinanzhofs Bd. 4 S. 308 -- RFH 4, 308 --; V C 6/22 vom 28. November 1922, RFH 11, 183 [184]; V e A 454/26 vom 22. Oktober 1926, RFH 19, 328 [330]; I e 830/29 vom 25. März 1930, Steuer und Wirtschaft -- StuW -- 1930 Nr. 697;… Becker, Reichsabgabenordnung, 7. Aufl. § 212 Anm. 10; Berger, Die Reichsabgabenordnung nach ihren Schwerpunkten für die Praxis, 00.95; Hübschmann-Hepp-Spitaler, Kommentar zur Reichsabgabenordnung, § 222 Tz. 13 c; Mattern-Meßmer, Reichsabgabenordnung, Tz. 1737; Tipke-Kruse, Reichsabgabenordnung, § 222 Tz. 33; Vogel, Die Berichtigungsveranlagung, Heft 41 des Rechts- und Steuerdienstes S. 57). - RFH, 28.11.1922 - V C 6/22
- BFH, 12.07.1972 - II 81/65
Gesellschaftsrechtliche Vereinigung - Anteile in einer Hand - Grundstücke - …
Die Berichtigung war nicht deshalb ausgeschlossen, weil der Beklagte zuvor einen gleichlautenden Steuerbescheid auf Einspruch gemäß § 94 Abs. 1 Nr. 2 AO zurückgenommen hatte (vgl. Urteil des BFH II 36/62 vom 12. Oktober 1966, BFH 87, 43, BStBl III 1967, 34).Unerheblich war, auf welche Weise die Aufsichtsbehörde zur Nachprüfung veranlaßt wurde (BFH 87, 43 [49]).
- BFH, 21.04.1972 - III R 83/70
Rechtskräftige Entscheidung - Aufhebung eines Berichtigungsbescheides - Neue …
Auch das FG wies in dem anschließenden Klageverfahren die Klage ab, und zwar durch Urteil vom 25. Juni 1970 unter Bezugnahme auf die neuere Rechtsprechung des BFH (Urteile III 203/61 U vom 26. November 1964, BFH 81, 344, BStBl III 1965, 124, und II 36/62 vom 12. Oktober 1966, BFH 87, 43, BStBl III 1967, 34).Das FG hat seine Entscheidung im wesentlichen mit der vom BFH in den Urteilen III 203/61 U vom 26. November 1964 (…a. a. O.) und II 36/62 vom 12. Oktober 1966 (a. a. O.) vertretenen Rechtsansicht begründet.
- BFH, 24.01.1979 - II R 130/77
Grundstückserwerb - Landwirtschaft - Gemeinschaftliche Bewirtschaftung
Im Gegensatz zum FG ist der erkennende Senat der Auffasung, daß die Berichtigung aufgrund einer Fehleraufdeckung durch die OFD auch dann nicht treuwidrig wäre, wenn das FA im vorliegenden Fall die Fehleraufdeckung durch seinen Bericht an die OFD veranlaßt haben sollte, wovon das FG ohne nähere Feststellungen ausgegangen ist (vgl. das Urteil des erkennenden Senates vom 12. Oktober 1966 II 36/62, BFHE 87, 43, 49, BStBl III 1967, 34).
- BFH, 28.04.1972 - III R 62/71
Fehleraufdeckung durch Aufsichtsbehörde - Erlaß eines Berichtigungsbescheids - …
Es war daher zulässig, den ersten Berichtigungsbescheid zurückzunehmen und auf Grund der zwischenzeitlich erfolgten Fehleraufdeckung durch die OFD einen Berichtigungsbescheid mit dem gleichen Inhalt auf die neu entstandene Berichtigungsmöglichkeit (§ 222 Abs. 1 Nr. 3 AO) zu stützen (vgl. Urteil des Senats III 203/61 U vom 26. November 1964, BFH 81, 344, BStBl III 1965, 124; BFH-Urteil II 36/62 vom 12. Oktober 1966, BFH 87, 43, BStBl II 1967, 34). - BFH, 08.11.1978 - II R 74/72
Berichtigungsbescheid - Aufhebung eines Berichtigungsbescheid - Erneute …
Der Gesetzgeber hatte sich dafür entschieden, der Aufsichtsbehörde weitgehende Eingriffe in die Bestandskraft unanfechtbarer Bescheide bei bestimmten Steuern zu ermöglichen, soweit nicht bereits ein Gericht zur materiellen Rechtsfrage selbst rechtskräftig erkannt hatte (vgl. das Senats-Urteil vom 12. Oktober 1966 II 36/62, BFHE 87, 43, 47, BStBl III 1967, 34). - BFH, 21.03.1968 - II 35/64
Umdeutung einer Weiterveräußerung eines Grundstücks in eine Rückgängigmachung des …
Das FG hat die Berichtigung des Steuerbescheids gemäß § 222 Abs. 1 Nr. 3 AO mit Recht für zulässig (vgl. auch Urteil des Senats II 36/62 vom 12. Oktober 1966, Sammlung der Entscheidungen des Bundesfinanzhofs Bd. 87 S. 43 - BFH 87, 43 -, BStBl III 1967, 34) und damit den Einwand der Verwirkung für unbegründet erklärt (vgl. auch Urteil des Senats II 15/64 vom 14. Dezember 1967, BFH 88, 42).
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