Rechtsprechung
| BFH, 23.11.1983 - I R 216/78 |
Volltextveröffentlichungen (4)
- Simons & Moll-Simons
KStG 1969 § 6 Abs. 1; EStG 1969 § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 Nr. 3; AktG 1965 § 152 Abs. 7 Satz 2 Nr. 1
- Wolters Kluwer
Rückstellung - Unterlassene Instandhaltung - Steuerbilanz
- datenbank.nwb.de(kostenpflichtig, Leitsatz frei)
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Kurzfassungen/Presse
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Leitsatz und Auszüge)
Papierfundstellen
- BFHE 139, 398
- BB 1984, 252
- BStBl II 1984, 277
Wird zitiert von ... (5) Zitiert selbst (10)
- BFH, 15.02.1955 - I 54/54 U
Bilanzmäßige Behandlung der Kosten für unterlassene Instandhaltung - …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Der Senat kann offenlassen, ob es sich bei den von der Klägerin geltend gemachten Rückstellungen zumindest teilweise um solche für unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung (vgl. § 152 Abs. 7 Satz 2 Nr. 1 des Aktiengesetzes 1965 - AktG - Urteil des Bundesfinanzhofs - BFH - vom 15. Februar 1955 I 54/54 U, BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172; Abschn. 31 a Abs. 5 EStR 1969 f.) handelt.Dementsprechend hat auch schon die Rechtsprechung des Obersten Finanzgerichtshofs (OFH) und die ursprüngliche Judikatur des BFH, welche in besonderem Maße der dynamischen Bilanzauffassung zuneigte, die Zulässigkeit dieser Rückstellungen nicht wegen des Bestehens eines Grundsatzes ordnungsmäßiger Buchführung bejaht, sondern nur im Interesse einer "Vereinfachung der Buchführung" (OFH-Urteil vom 28. Februar 1948 I 10/47, Ministerialblatt des Bundesministers der Finanzen 1949/1950 S. 329, Steuerrechtsprechung in Karteiform - StRK -, Einkommensteuergesetz, § 4, Rechtsspruch 4; Urteil in BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172).
Sie hat für Fälle unterlassener Instandhaltung das Vorliegen einer selbständig bewertungsfähigen Last sogar ausdrücklich verneint (BFH-Urteile vom 26. Juni 1951 I 54/51 S, BFHE 55, 517, BStBl III 1951, 211, und in BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172).
An diese zurückhaltende Beurteilung knüpfte der BFH in dem Urteil in BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172 an, beschränkte aber im Hinblick auf den Ausnahmecharakter die Zulässigkeit der Rückstellung auf den Fall, daß die Instandhaltungsarbeiten innerhalb von drei Monaten nach dem Bilanzstichtag durchgeführt worden sind.
- BFH, 19.03.1975 - I R 182/73
Handelsrechtliches Wahlrecht - Bildung von Rückstellungen - Rückstellungen - …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung können in der Steuerbilanz nicht gebildet werden (Anschluß an BFH-Urteil vom 19. März 1975 I R 182/73, BFHE 115, 362, BStBl II 1975, 535, entgegen Abschn. 31 a Abs. 5 EStR 1969).Wie der Senat bereits in seinem Urteil vom 19. März 1975 I R 182/73 (BFHE 115, 362, BStBl II 1975, 535) ausgeführt hat, ist das Steuerrecht nicht gebunden an das in § 152 Abs. 7 Nr. 1 AktG normierte handelsrechtliche Wahlrecht, solche Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung zu bilden, die im folgenden Geschäftsjahr nachgeholt wird.
Gleichwohl muß der Revision ein Erfolg aus den Gründen versagt bleiben, die bereits in der Entscheidung in BFHE 115, 362, BStBl II 1975, 535 im einzelnen dargelegt sind und auf die zur Vermeidung von Wiederholungen Bezug genommen wird.
Die Gründe des Urteils in BFHE 115, 362, BStBl II 1975, 535 sind dahin zu ergänzen, daß die Grundsätze der früheren Rechtsprechung auch nicht unter dem Gesichtspunkt einer gewohnheitsrechtlichen Weitergeltung angewendet werden können.
- BFH, 03.02.1969 - GrS 2/68
Vorschriften des Aktiengesetzes (AktG) als Ausformung der allgemeinen Grundsätze …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Der Beschluß des Großen Senats vom 3. Februar 1969 GrS 2/68 (BFHE 95, 31, BStBl II 1969, 291) treffe hier nicht zu.Spätestens seit der Entscheidung des Großen Senats (BFHE 95, 31, BStBl II 1969, 291) war erkennbar, daß die Rechtsprechung zu den Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung mit der gebotenen engen Auslegung des sog. Maßgeblichkeitsgrundsatzes in § 5 Abs. 1 EStG nicht mehr vereinbar war.
- BFH, 22.01.1980 - VIII R 74/77
Nutzungsrecht - Eigenschaft eines Wirtschaftsguts - Ersparte Aufwendung - …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
a) Geht man davon aus, daß auch im Steuerrecht die Entstehung gewohnheitsrechtlicher Normen möglich ist (vgl. dazu BFH-Urteile vom 27. September 1968 VI R 41/66, BFHE 94, 186, BStBl II 1969, 102; vom 24. Mai 1973 IV R 23, 24/68, BFHE 109, 230, BStBl II 1973, 582; vom 22. Januar 1980 VIII R 74/77, BFHE 129, 485, 487, BStBl II 1980, 244, mit weiteren Nachweisen), so kommt doch jedenfalls in der hier zu entscheidenden Frage das Vorliegen von Gewohnheitsrecht nicht in Betracht, weil es an einer lang dauernden Übung fehlt, welche auf Rechtsüberzeugung beruhte.Ein solches Gewohnheitsrecht könnte nur dann bejaht werden, wenn Rechtsprechung und Verwaltungspraxis lange Zeit nicht nur in der tatsächlichen Übung, sondern auch in der Rechtsüberzeugung übereingestimmt hätten (vgl. Urteil in BFHE 129, 485, BStBl II 1980, 244).
- BFH, 27.09.1968 - VI R 41/66
Sanierungsgewinn als einkommensteuerlicher Gewinn
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
a) Geht man davon aus, daß auch im Steuerrecht die Entstehung gewohnheitsrechtlicher Normen möglich ist (vgl. dazu BFH-Urteile vom 27. September 1968 VI R 41/66, BFHE 94, 186, BStBl II 1969, 102; vom 24. Mai 1973 IV R 23, 24/68, BFHE 109, 230, BStBl II 1973, 582; vom 22. Januar 1980 VIII R 74/77, BFHE 129, 485, 487, BStBl II 1980, 244, mit weiteren Nachweisen), so kommt doch jedenfalls in der hier zu entscheidenden Frage das Vorliegen von Gewohnheitsrecht nicht in Betracht, weil es an einer lang dauernden Übung fehlt, welche auf Rechtsüberzeugung beruhte.Auf dieser Grundlage entwickelte Bilanzierungsgrundsätze beruhen daher nicht auf einer Rechtsüberzeugung, wie sie für die Annahme eines Gewohnheitsrechts gefordert werden muß und wie sie die Rechtsprechung beispielsweise für die Zulässigkeit steuerfreier Rücklagen für Ersatzbeschaffung oder für die Steuerfreiheit des Sanierungsgewinns als gewohnheitsrechtliche Rechtssätze bejaht oder für möglich gehalten hat (Urteile in BFHE 94, 186, BStBl II 1969, 102, und in BFHE 109, 230, BStBl II 1973, 582).
- OFH, 28.02.1948 - I 10/47
Unterbliebene Instandhaltung
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Dementsprechend hat auch schon die Rechtsprechung des Obersten Finanzgerichtshofs (OFH) und die ursprüngliche Judikatur des BFH, welche in besonderem Maße der dynamischen Bilanzauffassung zuneigte, die Zulässigkeit dieser Rückstellungen nicht wegen des Bestehens eines Grundsatzes ordnungsmäßiger Buchführung bejaht, sondern nur im Interesse einer "Vereinfachung der Buchführung" (OFH-Urteil vom 28. Februar 1948 I 10/47, Ministerialblatt des Bundesministers der Finanzen 1949/1950 S. 329, Steuerrechtsprechung in Karteiform - StRK -, Einkommensteuergesetz, § 4, Rechtsspruch 4; Urteil in BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172).Noch in dem OFH-Urteil vom 28. Februar 1948 I 10/47 ist ausgeführt, daß sog. innerbetriebliche Verpflichtungen keine Rückstellung wegen unterlassener Instandhaltung rechtfertigen, nur "im Interesse der Vereinfachung der Buchführung" sei eine eng begrenzte Ausnahme "vertretbar".
- BFH, 17.02.1971 - I R 121/69
Rückstellung - Zukünftige Instandhaltungsaufwendungen - Eigentümer von …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Die Rechtsprechung hat zudem betont, daß die Anerkennung der Rückstellung nicht mit dem Vorliegen einer selbständig bewertungsfähigen Last begründet werden kann (vgl. BFH-Urteil vom 17. Februar 1971 I R 121/69, BFHE 101, 513, BStBl II 1971, 391). - BFH, 16.05.1973 - I R 186/71
Anzahlungen - Vorleistungen auf schwebende Verträge - Bilanzstichtag - …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Bedenken gegen ein entsprechendes steuerrechtliches Bilanzierungswahlrecht hatte der erkennende Senat bereits in dem Urteil vom 16. Mai 1973 I R 186/71 (BFHE 110, 325, BStBl II 1974, 25) geäußert. - BFH, 26.06.1951 - I 54/51 S
Abraumvorrat als ein selbständiges aktivierungsfähiges Wirtschaftsgut, …
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Sie hat für Fälle unterlassener Instandhaltung das Vorliegen einer selbständig bewertungsfähigen Last sogar ausdrücklich verneint (BFH-Urteile vom 26. Juni 1951 I 54/51 S, BFHE 55, 517, BStBl III 1951, 211, und in BFHE 60, 448, BStBl III 1955, 172). - RFH, 16.02.1938 - VI 742/37
Auszug aus BFH, 23.11.1983 - I R 216/78
Die Rechtsprechung hatte zunächst die Rückstellung für unterlassene Instandhaltung überhaupt abgelehnt (vgl. Urteile des Reichsfinanzhofs vom 15. Juni 1923 I A 152/22, Steuer und Wirtschaft - StuW - 1923, 720; vom 27. Oktober 1926 VI A 89/26, StuW 1927, 9; vom 22. Juli 1932 I A 309/30, RStBl 1932, 832; vom 14. April 1937 VI A 178/37, StuW 1937, 316; schwankend erstmals im Urteil vom 16. Februar 1938 VI 742/37, RFHE 43, 189, RStBl 1938, 770).
- BFH, 25.06.1984 - GrS 4/82
Zur ertragsteuerrechtlichen Behandlung der GmbH & Co. KG
Sie wird in der Rechtsprechung des BFH nur dann angenommen, wenn sich zu einer bestimmten Rechtsfrage ein Rechtsbewußtsein der beteiligten Kreise gebildet hat und die Gerichte diese Rechtsüberzeugung teilen (BFH-Entscheidungen vom 27. Juni 1963 IV 111/59 U, BFHE 77, 586, BStBl III 1963, 534; vom 15. Januar 1969 I 18/65, BFHE 95, 92, BStBl II 1969, 310; vom 22. Januar 1980 VIII R 74/77, BFHE 129, 485, BStBl II 1980, 244; vom 23. November 1983 I R 216/78, BFHE 139, 398, BStBl II 1984, 277). - BFH, 08.11.2000 - I R 6/96
Keine Rückstellung für Abfallentsorgung
Diese Rechtsprechung wurde im Urteil vom 23. November 1983 I R 216/78 (BFHE 139, 398, BStBl II 1984, 277) aufgegeben, da es sich insoweit um Aufwandsrückstellungen handele. - BFH, 08.10.1987 - IV R 18/86
Weder Rückstellung noch passive Rechnungsabgrenzung für die Verpflichtung des …
Zu Unrecht verweise das FG zur Begründung seiner Auffassung insbesondere auf die Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 3. Juli 1980 IV R 138/76 (BFHE 131, 57, BStBl II 1980, 648); vom 17. Februar 1971 I R 121/69 (BFHE 101, 513, BStBl II 1971, 391) und vom 26. Mai 1976 I R 80/74 (BFHE 119, 261, BStBl II 1976, 622) sowie vom 23. November 1983 I R 216/78 (BFHE 139, 398, BStBl II 1984, 277).Handelsrechtliche Passivierungswahlrechte für Aufwandsrückstellung führten aber schon vor Inkrafttreten des BiRiLiG steuerrechtlich zu einem Passivierungsverbot (BFH-Urteil vom 23. November 1983 I R 216/78, BFHE 139, 398, BStBl II 1984, 277; zur Rechtslage nach dem BiRiLiG vgl. § 249 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches - HGB - und dazu Bericht des Rechtsausschusses des Deutschen Bundestages, BTDrucks 10/4268, 99).
- BFH, 29.11.1990 - IV R 131/89
Kein passiver Rechnungsabgrenzungsposten für früher erhaltene Entschädigung für …
Soweit nunmehr § 249 Abs. 2 HGB weitergehend Rückstellungen für künftige Ausgaben zuläßt, die dem Geschäftsjahr zuzurechnen sind, handelt es sich um ein Passivierungswahlrecht, das in der Steuerbilanz nicht in Anspruch genommen werden kann (vgl. BFH-Beschluß vom 3. Februar 1969 GrS 2/68, BFHE 95, 31, BStBl II 1969, 291; Urteil vom 23. November 1983 I R 216/78, BFHE 139, 398, BStBl II 1984, 277). - FG Hamburg, 15.12.1995 - II 51/93
Streit um die bilanzielle Behandlung eines Schadensersatzanspruchs gegen die …
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