Rechtsprechung
| BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20 |
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Vorbringen nach Schluss der mündlichen Verhandlung: Zurückweisung von erstinstanzlich nicht berücksichtigtem Parteivortrag in der Berufungsinstanz; rechtliches Gehör; Begründungswechsel für Präklusion in der Rechtsmittelinstanz
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§ 296a ZPO, § 531 Abs 1 ZPO, Art 103 Abs 1 GG
Vorbringen nach Schluss der mündlichen Verhandlung: Zurückweisung von erstinstanzlich nicht berücksichtigtem Parteivortrag in der Berufungsinstanz; rechtliches Gehör; Begründungswechsel für Präklusion in der Rechtsmittelinstanz - IWW
- Wolters Kluwer
Zulassung der Revision i.R.e. Anspruchs auf Wertersatz aus einem Vermächtnis für die nicht mehr mögliche Übertragung des Vermächtnisgegenstandes zu Wohnzwecken
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- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Verfahrensgang
- LG Aurich, 10.05.2019 - 7 O 803/17
- OLG Oldenburg, 04.03.2020 - 3 U 89/19
- BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Papierfundstellen
- FamRZ 2020, 2021
Wird zitiert von ... (9) Zitiert selbst (5)
- BGH, 27.02.2018 - VIII ZR 90/17
Zulässigkeit neuen Vorbringens im Berufungsverfahren: Nichtberücksichtigung des …
Auszug aus BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Bei Vorbringen, welches in erster Instanz nach § 296a ZPO unberücksichtigt bleibt, kommt eine Anwendung des § 531 Abs. 1 ZPO von vornherein nicht in Betracht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 15-17;… vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 juris Rn. 10).Um ein neues Angriffs- und Verteidigungsmittel handelt es sich dann, wenn ein streitiger Vortrag bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung in erster Instanz nicht vorgebracht und daher im erstinstanzlichen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unberücksichtigt geblieben ist (BGH, Beschluss vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 19).
Eine eigene Entscheidung ist dem Senat schon deshalb verwehrt, weil das Berufungsgericht seine Erwägungen ausschließlich auf § 531 Abs. 1 ZPO und nicht - zumindest auch - auf § 531 Abs. 2 ZPO gestützt hat (vgl. etwa BGH, Beschluss vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17 aaO Rn. 11, 18 ff.).
- BGH, 21.03.2013 - VII ZR 58/12
Werklohnprozess: Rechtzeitigkeit des Parteivorbringens; Verbot der Auswechslung …
Auszug aus BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Bei Vorbringen, welches in erster Instanz nach § 296a ZPO unberücksichtigt bleibt, kommt eine Anwendung des § 531 Abs. 1 ZPO von vornherein nicht in Betracht (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 15-17; vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 juris Rn. 10).Bleibt ein Angriffs- oder - wie hier - ein Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat, so ist zugleich das rechtliche Gehör der Partei gemäß Art. 103 Abs. 1 GG verletzt (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 19. Mai 2020 - VI ZR 171/19, r+s 2020, 481 juris Rn. 8; vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 9;… MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 5. Aufl. § 531 Rn. 34).
Ein Wechsel der Präklusionsbegründung durch das Rechtsmittelgericht kommt grundsätzlich nicht in Betracht (…vgl. Senat, Versäumnisurteil vom 22. Februar 2006 - IV ZR 56/05, BGHZ 166, 227 Rn. 12; BGH, Beschlüsse vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 11;… vom 22. April 2010 - I ZR 17/09, NJW-RR 2010, 1478 Rn. 5;… MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 5. Aufl., § 531 Rn. 34;… Musielak/Voit/Ball, ZPO 17. Aufl. § 531 Rn. 13).
- BGH, 22.02.2006 - IV ZR 56/05
Zulässigkeit der Auswechslung von Präklusionsgründen in der Berufungsinstanz
Auszug aus BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Ein Wechsel der Präklusionsbegründung durch das Rechtsmittelgericht kommt grundsätzlich nicht in Betracht (vgl. Senat, Versäumnisurteil vom 22. Februar 2006 - IV ZR 56/05, BGHZ 166, 227 Rn. 12;… BGH, Beschlüsse vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 11;… vom 22. April 2010 - I ZR 17/09, NJW-RR 2010, 1478 Rn. 5;… MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 5. Aufl., § 531 Rn. 34;… Musielak/Voit/Ball, ZPO 17. Aufl. § 531 Rn. 13). - BGH, 19.05.2020 - VI ZR 171/19
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör bei fehlerhafter Anwendung von …
Auszug aus BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Bleibt ein Angriffs- oder - wie hier - ein Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat, so ist zugleich das rechtliche Gehör der Partei gemäß Art. 103 Abs. 1 GG verletzt (vgl. BGH, Beschlüsse vom 19. Mai 2020 - VI ZR 171/19, r+s 2020, 481 juris Rn. 8;… vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 9;… MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 5. Aufl. § 531 Rn. 34). - BGH, 22.04.2010 - I ZR 17/09
Neues Vorbringen im Berufungsverfahren: Einführung eines nach Ende der ersten …
Auszug aus BGH, 23.09.2020 - IV ZR 74/20
Ein Wechsel der Präklusionsbegründung durch das Rechtsmittelgericht kommt grundsätzlich nicht in Betracht (…vgl. Senat, Versäumnisurteil vom 22. Februar 2006 - IV ZR 56/05, BGHZ 166, 227 Rn. 12;… BGH, Beschlüsse vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 11; vom 22. April 2010 - I ZR 17/09, NJW-RR 2010, 1478 Rn. 5;… MünchKomm-ZPO/Rimmelspacher, 5. Aufl., § 531 Rn. 34;… Musielak/Voit/Ball, ZPO 17. Aufl. § 531 Rn. 13).
- BGH, 11.05.2023 - V ZR 203/22
Beweis des Zugangs eines Einwurfeinschreibens; Zurückweisung eines Beweisangebots
Rn. 4 1. Es verletzt den Anspruch einer Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG), wenn ihr Angriffs- oder Verteidigungsmittel deswegen unberücksichtigt bleibt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie derjenigen des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat (st. Rspr.; vgl. BGH…, Beschluss vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 13;… Beschluss vom 20. März 2019 - VII ZR 182/18, NJW-RR 2019, 726 Rn. 15; Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, FamRZ 2020, 2021 Rn. 8; jeweils mwN). - BGH, 29.09.2021 - VIII ZR 226/19
Rückabwicklungsklage wegen des Kaufs eines vom sog. Dieselskandal betroffenen …
Rn. 13 Ebenso verletzt es den Anspruch der Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs (Art. 103 Abs. 1 GG), wenn ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt bleibt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie derjenigen des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat (st. Rspr.;… vgl. BGH, Beschlüsse vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 13;… vom 20. März 2019 - VII ZR 182/18, NJW-RR 2019, 726 Rn. 15; vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, FamRZ 2020, 2021 Rn. 8; jeweils mwN). - BGH, 10.06.2021 - III ZR 38/20
Schadensersatzzahlung wegen Verletzung der Pflicht zur anlagegerechten und …
Eine in der Berufungsinstanz unterbliebene Zurückweisung nach § 531 Abs. 2 ZPO kann vom Senat nicht nachgeholt werden (vgl. Senat…, Urteil vom 12. Januar 2017 - III ZR 4/16, NJW-RR 2017, 622 Rn. 26 f;… BGH, Urteile vom 22. Februar 2006 - IV ZR 56/05, BGHZ 166, 227 Rn. 12 …und vom 22. Mai 2012 - II ZR 233/10, WM 2012, 1620 Rn. 25;… Beschlüsse vom 16. Oktober 2012 - VIII ZR 360/11, WuM 2012, 681 Rn. 6;… vom 15. September 2014 - II ZR 22/13, BeckRS 2014, 19532 Rn. 9; vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, ErbR 2021, 207 Rn. 9 ff …und vom 23. März 2021 - II ZR 80/20, BeckRS 2021, 9648 Rn. 12; jew. mwN).
- OLG Karlsruhe, 13.10.2021 - 6 U 130/19
Arbeitnehmervergütung - Arbeitnehmererfindervergütung: Ermittlung der …
Zwar ist Vortrag, der nach Schluss der mündlichen Verhandlung geleistet wird und deshalb nach § 296a ZPO vom erstinstanzlichen Gericht unberücksichtigt geblieben ist, nicht nach § 531 Abs. 1 ZPO ausgeschlossen, da er als in erster Instanz nicht vorgebracht gilt (vgl. BGH, Beschluss vom 23.09.2020 - IV ZR 74/20, Rn. 7;… Beschluss vom 21.03.2013 - VII ZR 58/12, Rn. 10, juris).Vielmehr handelt es sich dabei um neuen Vortrag, dessen Zulassung an § 531 Abs. 2 ZPO zu messen ist (BGH…, Urteil vom 11.01.2007 - IX ZR 31/05, Rn. 18, Beschluss vom 23.09.2020 - IV ZR 74/20, Rn. 10, juris).
- BGH, 18.10.2022 - II ZR 117/21
Berücksichtigen des Vortrags bzgl. eines Anspruchs auf Nutzungsentschädigung oder …
Wendet das Berufungsgericht gleichwohl § 531 Abs. 1 ZPO an, ist dies offenkundig unrichtig und verletzt deshalb das rechtliche Gehör der Partei (BGH…, Beschluss vom 21. März 2013 - VII ZR 58/12, NJW-RR 2013, 655 Rn. 9; Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, FamRZ 2020, 2021 Rn. 8 mwN).Um ein neues Angriffs- und Verteidigungsmittel handelt es sich dann, wenn ein streitiger Vortrag bis zum Schluss der mündlichen Verhandlung in erster Instanz nicht vorgebracht und daher im erstinstanzlichen Urteil zu Recht gemäß § 296a ZPO unberücksichtigt geblieben ist (st. Rspr., BGH…, Beschluss vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 19; Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, FamRZ 2020, 2021 Rn. 10).
Dem Bundesgerichtshof als Rechtsmittelgericht ist es versagt, die Zurückweisung auf eine andere als von der Vorinstanz angewandte Vorschrift zu stützen (vgl. BGH, Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, FamRZ 2020, 2021 Rn. 10;… Beschluss vom 23. März 2021 - II ZR 80/20, juris Rn. 12).
- BGH, 07.02.2024 - IV ZR 349/22
Zurückweisung der Berufung eines Miterben gegen die Verurteilung zur Zahlung von …
Das Gebot aus Art. 103 Abs. 1 GG, rechtliches Gehör zu gewähren, ist daher bereits dann verletzt, wenn das Berufungsgericht neues Vorbringen unter offensichtlich fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift nicht zur Verhandlung zulässt (vgl. Senatsbeschlüsse vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, ErbR 2021, 207 Rn. 8 m.w.N.;… vom 13. Dezember 2017 - IV ZR 319/16, VersR 2018, 890 Rn. 10 m.w.N.; st. Rspr.). - BGH, 23.10.2024 - V ZR 10/24
Verletzung des Anspruchs auf Gewährung rechtlichen Gehörs; Richterliche …
Rn. 5 1. Bleibt ein Angriffs- oder Verteidigungsmittel einer Partei deswegen unberücksichtigt, weil der Tatrichter es in offenkundig fehlerhafter Anwendung einer Präklusionsvorschrift wie des § 531 ZPO zu Unrecht zurückgewiesen hat, so ist zugleich der Anspruch der Partei auf Gewährung rechtlichen Gehörs gemäß Art. 103 Abs. 1 GG verletzt (vgl. nur BGH, Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20, juris Rn. 8;… Beschluss vom 27. Februar 2018 - VIII ZR 90/17, NJW 2018, 1686 Rn. 13). - OLG München, 26.02.2025 - 7 U 7508/22
Hemmung der Verjährung, Einrede der Verjährung, Verjährungseintritt, Verjährung …
Rn. 29 a) Das tatsächliche Vorbringen einer Partei, das erstinstanzlich zu Recht nach § 296a ZPO nicht berücksichtigt wurde, ist als neuer Tatsachenvortrag in der Berufungsinstanz zu werten und nach § 531 Abs. 2 zu würdigen (vgl. z.B. BGH…, Beschluss vom 27.2.2018 - VIII ZR 90/17, Rz. 19; Beschluss vom 23.9.2020 - IV ZR 74/20, Rz. 10). - OLG Rostock, 02.07.2021 - 7 U 75/21
Vorbehaltlose Verwertung = konkludente Abnahme!
Das Rechtsmittelgericht darf eine von der Vorinstanz unterlassene Zurückweisung auch weder nachholen noch diese auf eine andere als die von der Vorinstanz angewandte Vorschrift stützen (BGH, Beschluss vom 23. September 2020 - IV ZR 74/20).
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