Rechtsprechung
| OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19 |
Volltextveröffentlichungen (7)
- openjur.de
- NRWE (Rechtsprechungsdatenbank NRW)
- rabüro.de
Zur Eigentumsverletzung aufgrund durch Windabdrift auf ein Erdbeerfeld gelangtes Pflanzenschutzmittel
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
- rechtsportal.de
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Pflanzenschutz falsch ausgebracht: Landwirt haftet Nachbarn für Ernteausfälle!
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Besprechungen u.ä.
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Entscheidungsbesprechung)
Pflanzenschutz falsch ausgebracht: Landwirt haftet Nachbarn für Ernteausfälle! (IBR 2021, 1015)
Verfahrensgang
- LG Mönchengladbach, 29.05.2019 - 6 O 228/15
- OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
- LG Mönchengladbach, 19.10.2022 - 6 O 228/15
- OLG Düsseldorf, 11.05.2023 - 5 U 247/22
Wird zitiert von ... (2) Zitiert selbst (12)
- BGH, 02.03.1984 - V ZR 54/83
Voraussetzungen eines nachbarrechtlichen Ausgleichsanspruchs wegen Zuführung von …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Diese Bestimmungen entscheiden darüber, ob eine widerrechtliche deliktische Handlung gemäß § 823 BGB vorliegt oder nicht ( BGH, Urteil vom 02.03.1984, V ZR 54/83, BGHZ 90, 255 ).Chemische Pflanzenschutzmittel, die auf einem Grundstück versprüht werden und dann durch den Wind oder ähnliche Ursachen auf das Nachbargrundstück gelangen, sind Einwirkungen dieser Art ( BGH, Urteil vom 02.03.1984, V ZR 54/83, BGHZ 90, 255 ).
- OLG Rostock, 20.07.2006 - 7 U 117/04
Schadensersatz wegen Versäuchung eines Bioanbaufeldes durch Spritzmittel des …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Die Verletzung des Eigentums an einer Sache kann nach der Rechtsprechung des BGH nicht nur durch eine Beeinträchtigung der Sachsubstanz, sondern auch durch eine Einwirkung auf die Nutzungs- und Verkaufsfähigkeit der Sache erfolgen ( BGH, Urteil vom 25.10.1988, VI ZR 344/97, BGHZ 105, 346; BGH, Urteil vom 21.11.1989, VI ZR 350/88, NJW 1990, 908; OLG Rostock, Urteil vom 20.07.2006, 7 U 117/04, NJW 2006, 3650 ).Die Frage, ob die Benutzung eines Grundstücks wesentlich oder nur unwesentlich beeinträchtigt wird, hängt allein davon ab, in welchem Ausmaß die Benutzung nach der tatsächlichen Zweckbestimmung des Grundstücks gestört wird ( OLG Rostock, Urteil vom 20.07.2006, 7 U 117/04, NJW 2006, 3650 ).
- BGH, 07.03.2013 - III ZR 231/12
Kündigung eines DSL-Vertrages aus wichtigem Grund
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Haben zwei Ereignisse den Schaden herbeigeführt, von denen jedes ihn auch allein verursacht hätte, sind beide im Rechtssinn ursächlich, sog. konkurrierende oder Doppelkausalität ( BGH, Urteil vom 20.02.2013, VIII ZR 339/11, NJW 2013, 2021 ).
- BGH, 20.02.2013 - VIII ZR 339/11
Schadenersatzanspruch im Zusammenhang mit der Lieferung von Baustoffen zur …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Haben zwei Ereignisse den Schaden herbeigeführt, von denen jedes ihn auch allein verursacht hätte, sind beide im Rechtssinn ursächlich, sog. konkurrierende oder Doppelkausalität ( BGH, Urteil vom 20.02.2013, VIII ZR 339/11, NJW 2013, 2021 ). - BGH, 25.10.1988 - VI ZR 344/87
Eigentumsverletzung durch Beimischung pharmokologischer Stoffe in Tierfutter; …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Die Verletzung des Eigentums an einer Sache kann nach der Rechtsprechung des BGH nicht nur durch eine Beeinträchtigung der Sachsubstanz, sondern auch durch eine Einwirkung auf die Nutzungs- und Verkaufsfähigkeit der Sache erfolgen ( BGH, Urteil vom 25.10.1988, VI ZR 344/97, BGHZ 105, 346; BGH, Urteil vom 21.11.1989, VI ZR 350/88, NJW 1990, 908; OLG Rostock, Urteil vom 20.07.2006, 7 U 117/04, NJW 2006, 3650 ). - BGH, 06.06.2019 - VII ZR 103/16
Ergehen eines Grundurteils bei Erledigung grundsätzlich aller zum Grund des …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Rn. 44 Ein Grundurteil ( § 304 Abs. 1 ZPO ) darf nur ergehen, wenn ein Anspruch nach Grund und Höhe streitig ist, grundsätzlich alle Fragen, die zum Grund des Anspruchs gehören, erledigt sind, und wenn nach dem Sach- und Streitstand zumindest wahrscheinlich ist, dass der Anspruch in irgendeiner Höhe besteht ( BGH, Urteil vom 06.06.2019, VII ZR 103/16, NJW-RR 2019, 982 ), für das Nachverfahren also nichts als die Feststellung der Höhe des Anspruchs übrig bleibt ( BGH, Urteil vom 29.11.2002, V ZR 40/02;… BGHReport 2003, 349 ). - BGH, 21.11.1989 - VI ZR 350/88
Lieferung mangelhafter Weinkorken
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Die Verletzung des Eigentums an einer Sache kann nach der Rechtsprechung des BGH nicht nur durch eine Beeinträchtigung der Sachsubstanz, sondern auch durch eine Einwirkung auf die Nutzungs- und Verkaufsfähigkeit der Sache erfolgen ( BGH, Urteil vom 25.10.1988, VI ZR 344/97, BGHZ 105, 346; BGH, Urteil vom 21.11.1989, VI ZR 350/88, NJW 1990, 908; OLG Rostock, Urteil vom 20.07.2006, 7 U 117/04, NJW 2006, 3650 ). - BGH, 25.03.1980 - VI ZR 61/79
Berücksichtigung des Mitverschuldens bei Erlaß eines Grundurteils
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Sie kann ausnahmsweise dem Nachverfahren vorbehalten werden, wenn das mitwirkende Verschulden des Geschädigten zweifellos nur zu einer Minderung, nicht aber zu einer Beseitigung der Schadenshaftung führen kann ( BGH, Urteil vom 25.03.1980, VI ZR ZR 61/79, NJW 1980, 1579 ). - OLG Schleswig, 10.01.2019 - 7 U 74/13
Schadensersatz bei Verkehrsunfall mit Schädigung eines Fahrradfahrers: …
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Für die Ursächlichkeit zwischen feststehender Verletzung des Rechtsguts und der Weiterentwicklung oder dem Umfang des Schadens ( haftungsausfüllende Kausalität ) gilt § 287 ZPO mit der Folge, dass hierfür der Beweis einer überwiegenden oder erheblichen Wahrscheinlichkeit genügt ( Schleswig-Holsteinisches OLG, Urteil vom 10.01.2019, 7 U 74/13 ). - BGH, 29.05.1956 - VI ZR 205/55
Rechtsmittelkosten nach Grundurteil
Auszug aus OLG Düsseldorf, 13.08.2020 - 5 U 343/19
Den Beklagten sind die Kosten des Berufungsverfahrens selbst dann aufzuerlegen, wenn die Klage im Schlussurteil letztlich abgewiesen wird ( BGH, Urteil vom 29.05.1956, VI ZR 205/55, NJW 1956, 1235;… Zöller- Feskorn, ZPO, 33. Auflage, § 304 Rd. 40 ). - BGH, 29.11.2002 - V ZR 40/02
Voraussetzungen eines Grundurteils
- OLG Celle, 19.07.1995 - 2 U 129/94
- OLG Hamm, 18.11.2021 - 24 U 74/16
Abdrift von Pflanzenschutzmitteln?
Chemische Pflanzenschutzmittel, die auf einem Grundstück versprüht werden und dann durch den Wind oder ähnliche Ursachen auf das Nachbargrundstück gelangen, sind Einwirkungen i.S.d. § 906 BGB (vgl. BGH, Urteil vom 02. März 1984 - V ZR 54/83 - NJW 1984, 2207; OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).Die Einführung dieses Begriffs durch den Gesetzgeber ist zurückzuführen auf den Paradigmenwechsel von einer rein ökonomisch verstandenen Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen und umweltverträglichen Landwirtschaft (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Vorläufer der "guten fachlichen Praxis" bildet das Konzept der "ordnungsgemäßen Landwirtschaft", das in älteren Gesetzen verwendet wird; hierbei wurde (ursprünglich) ordnungsgemäße Landwirtschaft definiert als eine Bewirtschaftung, die dem jeweiligen agrarwissenschaftlichen Fachwissen und der landbaulichen Praxis entspricht, d.h. die ordnungsgemäße Landwirtschaft hat den fachlich begründeten agronomischen Regeln zu folgen (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Zu einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft gehört jedoch nicht nur die Einhaltung der anerkannten Regeln der Agrikultur, sondern auch die Wahrung aller einschlägigen Gesetze (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Die Regeln der guten fachlichen Praxis sind öffentlich-rechtliche Verhaltensstandards für Landwirte (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Der Beklagte zu 1) hat auch nicht vorgetragen, dass es für seine Ernte bei den vorherrschenden Windverhältnissen unerlässlich gewesen sei, das Pflanzenschutzmittel auszubringen und keine anderen Wind- bzw. Wetterverhältnisse abzuwarten (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Rn. 236 Die Annahme eines Anscheinsbeweis zugunsten des Klägers dahingehend, dass der Wirkstoff Pendimethalin vom Grundstück des Beklagten zu 2) auf sei Feld eingewirkt hätte, käme aber nur dann in Betracht, wenn neben dem feststehenden Verstoß gegen die gute fachliche Praxis eine Beteiligung eines Dritten an der Kontamination ausgeschlossen wäre (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
Rn. 245 Zwar liegt unstreitig eine Eigentumsverletzung im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB vor, weil jedenfalls der auf dem Feld des Klägers noch nicht abgeerntete Blumenkohl und Wirsing zwar nicht in seiner Sachsubstanz beeinträchtigt worden ist, wohl aber durch die Belastung mit Pendimethalin eine Einwirkung auf dessen Nutzungs- und Verkaufsfähigkeit erlitten hat, was jedenfalls in der Regel eine Eigentumsverletzung darstellt (vgl. BGH, Urteil vom 21. November 1989 - VI ZR 350/88 - NJW 1990, 908; BGH, Urteil vom 25. Oktober 1988 - VI ZR 344/87 - NJW 1989, 707; OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris; OLG Rostock, Urteil vom 20. Juli 2006 - 7 U 117/04 - NJW 2006, 3650).
Der Beklagte zu 3) hat auch nicht vorgetragen, dass es für seine Ernte bei den vorherrschenden Windverhältnissen unerlässlich gewesen sei, das Pflanzenschutzmittel in dieser Weise auszubringen und keine anderen Wind- bzw. Wetterverhältnisse abzuwarten (vgl. OLG Düsseldorf, Urteil vom 13. August 2020 - 5 U 343/19 - zitiert nach juris).
- LG Frankfurt/Oder, 20.06.2022 - 13 O 97/20
Verunreinigter Honig: Bekommen Imker Schadensersatz für Glyphosateinsatz?
Die Eigentumsverletzung im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB verlangt eine derartige Einwirkung auf die Sache, dass ein adäquater Schaden eintritt, insbesondere durch Substanzverletzung, aber auch durch Entziehung der Sache, gleichgültig, ob durch tatsächliche Einwirkung oder rechtliche Verfügung, und liegt insbesondere vor, wenn die Sache ihrem bestimmungsgemäßen Gebrauch entzogen wird (OLG Düsseldorf, Urteil vom 13.08.2020, 5 U 343/19, Rn. 42 bei juris).
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