Rechtsprechung
| OLG Hamm, 22.02.2019 - I-9 U 111/17 |
Volltextveröffentlichungen (5)
- openjur.de
- NRWE (Rechtsprechungsdatenbank NRW)
- RA Kotz
Unfallmanipulation - Anforderungen an den Nachweis
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
StVG § 7 Abs. 1 ; ZPO § 286
Nachweis einer Unfallmanipulation - juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Kurzfassungen/Presse (3)
- anwaltonline.com (Kurzinformation)
Anforderungen an den Nachweis einer Unfallmanipulation durch verkehrsanalytisches Gutachten
- Wolters Kluwer (Kurzinformation)
Nachweis einer Unfallmanipulation durch verkehrsanalytisches Gutachen
- Wolters Kluwer(Abodienst, Leitsatz/Tenor frei) (Leitsatz)
Anforderungen an das Führen des Nachweises einer Unfallmanipulation; Beweis einer Manipulation durch ein verkehrsanalytisches Gutachten; Stillstand des geschädigten Fahrzeugs im Zeitpunkt der Kollision mit einem mit ca. 2 km/h zurücksetzenden LKW
Verfahrensgang
- LG Münster, 30.06.2017 - 8 O 416/15
- OLG Hamm, 22.02.2019 - I-9 U 111/17
Papierfundstellen
- NJW-RR 2019, 801
Wird zitiert von ... (3) Zitiert selbst (1)
- OLG Hamm, 24.06.2016 - 9 U 70/16
Beweis eines manipulierten Unfalls anhand unplausibler Angaben des Schädigers
Auszug aus OLG Hamm, 22.02.2019 - 9 U 111/17
Sind die Angaben des Schädigers allerdings so konstruiert und/oder in gesteigertem Maße mit objektiven Anhaltspunkten nicht in Einklang zu bringen, dass das Gericht mit der erforderlichen Gewissheit zu der Überzeugung gelangt, dass diese als unwahr nachgewiesenen Angaben nur den einen Zweck, das Herbeiführen eines allein den Interessen des Geschädigten dienenden manipulierten Unfalls, verfolgen, ist es gerechtfertigt, auch das Verhalten des Schädigers bei der vorzunehmenden Abwägung aller Indizien des Einzelfalls mit einzustellen (OLG Hamm, Beschluss vom 24. Juni 2016 - I-9 U 70/16 -, Rn. 12, juris).
- OLG Bremen, 08.03.2021 - 1 U 48/20
Grundsätze des Indizienbeweises zum Nachweis eines gestellten bzw. manipulierten …
Nicht nachvollziehbares Fahrverhalten beim Unfall: Ein wesentliches, wenn auch nicht notwendigerweise alleine hinreichendes Indiz für die Annahme eines gestellten Unfallgeschehens ist es, wenn das vom Gericht festgestellte oder nach dem Parteivortrag zugrunde zu legende Unfallgeschehen sich nicht als plausibel und nachvollziehbar zu erklärendes Fahrverhalten darstellt (so KG Berlin…, Beschluss vom 12.04.2018 - 25 U 148/17, juris Rn. 7, MDR 2018, 791; OLG Brandenburg…, Urteil vom 18.10.2018 - 12 U 70/17, juris Rn. 8; OLG Celle…, Urteil vom 08.10.2015 - 5 U 175/14, juris Rn. 20, NZV 2016, 275;… Urteil vom 11.11.2020 - 14 U 119/19, juris Rn. 25; OLG Frankfurt…, Urteil vom 08.04.2019 - 23 U 112/17, juris Rn. 38; Hanseatisches OLG Hamburg…, Urteil vom 28.03.2001 - 14 U 78/00, juris Rn. 25, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm…, Beschluss vom 21.12.2018 - 26 U 172/18, juris Rn. 10; Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 11, NJW-RR 2019, 801; OLG München…, Urteil vom 07.07.2017 - 10 U 4341/16, juris Rn. 13;… Urteil vom 08.09.2017 - 10 U 4665/16, juris Rn. 12; OLG Nürnberg…, Urteil vom 19.12.2011 - 4 U 2659/10, juris Rn. 16, NJW-RR 2012, 720; OLG Rostock…, Urteil vom 05.02.2010 - 5 U 83/09, juris Rn. 48, VRS 119, 57; OLG Schleswig…, Beschluss vom 23.10.2018 - 7 U 18/18, juris Rn. 12, SchlHA 2019, 306; OLG Stuttgart…, Urteil vom 24.10.2019 - 1 U 244/18, juris Rn. 12).Keine plausible Erklärung der Anwesenheit am Unfallort: Ein Indiz für ein gestelltes Unfallgeschehen kann weiter darin gesehen werden, dass nicht plausibel erklärt wird, aus welchen Gründen sich die unfallbeteiligten Personen mit ihren Fahrzeugen am konkreten Unfallort befanden (siehe OLG Celle…, Urteil vom 08.10.2015 - 5 U 175/14, juris Rn. 22, NZV 2016, 275;… Beschluss vom 30.03.2017 - 14 U 38/17, juris Rn. 3; OLG Frankfurt…, Urteil vom 08.04.2019 - 23 U 112/17, juris Rn. 37; OLG Hamm…, Urteil vom 24.06.2016 - 9 U 28/16, juris Rn. 21;… Urteil vom 22.11.2016 - 9 U 1/16, juris Rn. 15, NJW-RR 2017, 601; Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 7, NJW-RR 2019, 801;… Urteil vom 13.05.2019 - 6 U 144/17, juris Rn. 41, NJW 2019, 3085; OLG Nürnberg…, Urteil vom 19.12.2011 - 4 U 2659/10, juris Rn. 19, NJW-RR 2012, 720; OLG Rostock…, Urteil vom 05.02.2010 - 5 U 83/09, juris Rn. 55, VRS 119, 57; OLG Schleswig…, Urteil vom 08.05.2018 - 7 U 52/17, juris Rn. 43, SchlHA 2019, 276;… Beschluss vom 23.10.2018 - 7 U 18/18, juris Rn. 11, SchlHA 2019, 306; siehe auch Hanseatisches OLG in Bremen…, Urteil vom 05.11.2002 - 3 U 106/01, juris Rn. 13, VersR 2003, 1553).
Vorherige Bekanntschaft der unfallbeteiligten Parteien: Eine vorherige Bekanntschaft der unfallbeteiligten Parteien kann vielfach als Indiz für das Vorliegen eines gestellten Unfallgeschehens angesehen werden (siehe OLG Celle…, Beschluss vom 13.09.2012 - 14 U 116/12, juris Rn. 2;… Urteil vom 11.11.2020 - 14 U 119/19, juris Rn. 18; OLG Dresden…, Urteil vom 15.08.2018 - 7 U 1421/13, juris Rn. 23, NJW-RR 2014, 1441;… Urteil vom 23.10.2018 - 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 20.02.2018 - I-1 U 59/17, juris Rn. 54, NJW-RR 2018, 605; OLG Frankfurt…, Urteil vom 08.04.2019 - 23 U 112/17, juris Rn. 42; Hanseatisches OLG Hamburg…, Urteil vom 28.03.2001 - 14 U 78/00, juris Rn. 22, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm…, Urteil vom 12.02.2020 - 11 U 44/19, juris Rn. 34; OLG Hamm…, Urteil vom 24.06.2016 - 9 U 28/16, juris Rn. 19; Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 13, NJW-RR 2019, 801;… Urteil vom 13.05.2019 - 6 U 144/17, juris Rn. 62, NJW 2019, 3085; OLG München…, Urteil vom 08.09.2017 - 10 U 4665/16, juris Rn. 16; OLG Naumburg…, Urteil vom 21.05.2015 - 4 U 29/14, juris Rn. 29, VerkMitt 2016 Nr. 27; OLG Rostock…, Urteil vom 05.02.2010 - 5 U 83/09, juris Rn. 42, VRS 119, 57; OLG Schleswig…, Urteil vom 08.05.2018 - 7 U 52/17, juris Rn. 51, SchlHA 2019, 276; OLG Stuttgart…, Urteil vom 21.09.2018 - 10 U 137/18, juris Rn. 14; siehe auch OLG Brandenburg…, Urteil vom 18.10.2018 - 12 U 70/17, juris Rn. 10).
Aus dem Umstand einer gemeinsamen Nationalität oder einer Beschäftigung in derselben Branche wird eine solche Bekanntschaft allerdings nicht ohne weiteres abgeleitet werden können (siehe OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 13, NJW-RR 2019, 801; offen OLG Stuttgart…, Urteil vom 24.10.2019 - 1 U 244/18, juris Rn. 30).
Kläger bei Unfallgeschehen nicht anwesend: Ein für Konstellationen gestellter Unfallgeschehen typischer Umstand ist es ferner, dass der Eigentümer des beschädigten Fahrzeugs und vermeintliche Geschädigte bei dem Unfallereignis nicht selbst als Fahrzeugführer anwesend war, etwa weil sein Fahrzeug geparkt war (siehe dazu die Nachweise oben unter j.) oder weil es durch einen Dritten geführt wurde (siehe OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 15, NJW-RR 2019, 801;… Urteil vom 12.02.2020 - 11 U 44/19, juris Rn. 41).
Dies kann beispielsweise das Verschweigen von vorhandenen Vorschäden betreffen (siehe KG Berlin…, Beschluss vom 09.03.2011 - 22 U 10/11, juris Rn. 17 f.; OLG Braunschweig…, Beschluss vom 24.09.2014 - 7 U 99/13, juris Rn. 10; OLG Celle…, Urteil vom 11.11.2020 - 14 U 119/19, juris Rn. 23; OLG Schleswig…, Beschluss vom 30.01.2017 - 7 U 120/16, juris Rn. 9, SchlHA 2017, 351) oder auch die Eigentümerstellung des Geschädigten (siehe OLG Hamm…, Urteil vom 12.02.2020 - 11 U 44/19, juris Rn. 41; OLG Köln…, Urteil vom 22.06.2017 - 8 U 19/16, juris Rn. 60, NJW-RR 2017, 1370); ebenso kann dies auch dann angenommen werden, wenn die Angaben des Geschädigten zum Unfallgeschehen durch die Beweisaufnahme wiederlegt wurden (siehe OLG Dresden…, Urteil vom 23.10.2018 - 4 U 187/18, juris Rn. 21, NJW-RR 2019, 230; Hanseatisches OLG Hamburg…, Urteil vom 28.03.2001 - 14 U 78/00, juris Rn. 3, OLGR Hamburg 2001, 283; OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2019 - 9 U 111/17, juris Rn. 12, NJW-RR 2019, 801;… Urteil vom 13.05.2019 - 6 U 144/17, juris Rn. 43, NJW 2019, 3085; OLG Saarbrücken…, Urteil vom 21.12.2017 - 4 U 124/16, juris Rn. 39, NZV 2018, 218) oder wenn der Sachvortrag des Geschädigten im Verlauf des Verfahrens - insbesondere auf Einwendungen der Versicherung hin oder nach der Einholung eines Sachverständigengutachtens - entsprechend angepasst wird (siehe OLG Saarbrücken…, Urteil vom 21.12.2017 - 4 U 124/16, juris Rn. 34, NZV 2018, 218).
- OLG Hamburg, 21.02.2023 - 14 U 57/22
Schadensersatzanspruch bei manipuliertem Unfall
Sind die Angaben des Schädigers allerdings so konstruiert und/oder in gesteigertem Maße mit objektiven Anhaltspunkten nicht in Einklang zu bringen, dass das Gericht mit der erforderlichen Gewissheit zu der Überzeugung gelangt, dass diese als unwahr nachgewiesenen Angaben nur den einen Zweck, das Herbeiführen eines allein den Interessen des Geschädigten dienenden manipulierten Unfalls, verfolgen, ist es gerechtfertigt, auch das Verhalten des Schädigers bei der vorzunehmenden Abwägung aller Indizien des Einzelfalls mit einzustellen (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 22.2.2019, Az. 9 U 111/17, Rn. 17 - juris). - OLG Celle, 05.11.2024 - 5 U 279/24
Vorgerichtliche Rechtsanwaltskosten; Erforderlichkeit und Zweckmäßigkeit der …
Ausweislich der von dem Kläger selbst vorgelegten Urteile des OLG Schleswig vom 16. Mai 2018 (9 U 111/17, Anlage K5, ,Bl. 17 E-Akte) und des Amtsgerichts Winsen (Luhe) vom 13. Februar 2024 (Anlage K 10, Bl. 92.B E-Akte) war der Kläger zudem auch schon mindestens zweimal zeitlich vor dem streitgegenständlichen Vorfall mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert, nämlich einer ihm nicht genehmen Bewertung im Internet, wobei die beiden damaligen Fallgestaltungen vom Grundsatz her genauso lagen wie die vorliegende, nämlich, dass die damaligen beiden Beklagten irrtümlich den Kläger als ihren Vertragspartner (bzgl. der Anmietung einer Ferienwohnung; Vertragspartnerin war auch in jenen Fällen stattdessen die von der Ehefrau des Klägers vertretene M. GmbH) angesehen und daher diesen auf dessen Google-Bewertungsprofil bewertet hatten.
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