Rechtsprechung
| BFH, 24.02.1989 - III R 77/85 |
Volltextveröffentlichungen (3)
- Wolters Kluwer
Wahrung der Klageerhebungsfrist durch Anbringung oder Niederschrift bei der Behörde
- datenbank.nwb.de(kostenpflichtig, Leitsatz frei)
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Wird zitiert von ... (6) Zitiert selbst (3)
- BFH, 08.04.1987 - X R 67/81
Anbringung bei einer Behörde - An Finanzgericht adressierte Klage - An Finanzamt …
Auszug aus BFH, 24.02.1989 - III R 77/85
Nach ständiger Rechtsprechung des BFH ist eine Klage dann i. S. des § 47 Abs. 2 Satz 1 FGO "angebracht", wenn sie derart in den Verfügungsbereich der Behörde gelangt, daß diese davon Kenntnis nehmen kann (zuletzt Urteil vom 8. April 1987 X R 67/81, BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575, m. w. N.).Insofern spricht der Gesetzeszusammenhang eindeutig dafür, daß die in § 47 Abs. 2 FGO geregelten Vorgänge, nämlich einmal die Anbringung einer Klage und zum zweiten die Niederschrift, auf eine innere Zielrichtung abstellen und das Bestreben des Absenders voraussetzen, daß die Klageschrift von demjenigen, der mit ihr befaßt wird, als solche erkannt wird (vgl. BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575).
- BFH, 26.08.1977 - VI R 98/75
Anbringen einer Klage - Verschlossener Umschlag - Hausbriefkasten des Finanzamtes …
Auszug aus BFH, 24.02.1989 - III R 77/85
Eine Ausnahme soll nur dann gelten, wenn das FA, möglicherweise unter Nichtbeachtung bestehender Verwaltungsanweisungen, den Brief öffnet und tatsächlich von der Klage Kenntnis nimmt (BFH-Urteil vom 26. August 1977 VI R 98/75, BFHE 123, 122, BStBl II 1977, 841). - BFH, 07.08.1985 - I R 131/83
"Anbringen" der Klage zur Wahrung der Klagefrist - Unfrankierter Brief als …
Auszug aus BFH, 24.02.1989 - III R 77/85
Ansonsten würde er dies eindeutig zum Ausdruck bringen (BFH-Urteil vom 7. August 1985 I R 131/83, BFH / NV 1986, 168).
- BFH, 13.10.1992 - VII B 119/92
Gewährung von Prozesskostenhilfe - Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen …
Ein Schreiben werde nur dann beim Empfänger angebracht, wenn darauf abgezielt werde, daß dieser Kenntnis vom Inhalt erhalte (BFH-Urteil vom 24. Februar 1989 III R 77/85, BFH/NV 1989, 649).Die Klage ist jedoch nicht schon dann beim FA angebracht, wenn die Klageschrift lediglich in den räumlichen Machtbereich des FA gelangt ist, dieses aber weder unmittelbar noch mittelbar als Empfänger angesprochen wurde (BFH in BFH/NV 1989, 649, 650).
Wegen der dagegen teilweise in der Literatur erhobenen Einwendungen verweist er auf die Ausführungen des III.Senats des BFH im Urteil in BFH/NV 1989, 649 (vgl. auch Urteil des I.Senats vom 5. Februar 1992 I R 67/91, BFHE 167, 9, BStBl II 1992, 561).
Die Behauptung, daß der in einem Fensterkuvert verschlossene Schriftsatz in den Hausbriefkasten des FA eingeworfen worden ist, deutet angesichts seiner Adressierung an das FG - entgegen der Auffassung der Antragstellerin - nicht darauf hin, daß er zur Kenntnisnahme durch das FA bestimmt war (vgl. BFH in BFH/NV 1989, 649, 650).
Sie konnten nicht davon ausgehen, daß das FA den an das FG adressierten verschlossenen Umschlag öffnen und dessen Inhalt innerhalb der Rechtsmittelfrist zur Kenntnis nehmen würde (vgl. BFH in BFH/NV 1989, 649, 651).
- BFH, 05.02.1992 - I R 67/91
"Anbringen" einer Klageschrift beim Finanzamt (§ 47 Abs. 2 S. 1 FGO )
Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ist eine Klage "angebracht" in diesem Sinne, wenn sie derart in den Verfügungsbereich der Behörde übergegangen ist, daß diese davon Kenntnis nehmen konnte (BFH-Urteile vom 5. Dezember 1974 IV R 179/70, BFHE 114, 402, 403, BStBl II 1975, 337; vom 8. April 1987 X R 67/81, BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575; vom 24. Februar 1989 III R 77/85, BFH/NV 1989, 649;… vom 13. Dezember 1989 I R 207/85, BFH/NV 1990, 708).Befindet sich das Schreiben in einem nicht an das Finanzamt adressierten Kuvert, ist das Finanzamt an der Kenntnisnahme gehindert (Urteil in BFH/NV 1989, 649, 650).
Der Senat teilt die Überlegungen, mit denen sich der III. Senat des BFH im Urteil in BFH/NV 1989, 649 mit den in der Literatur gegen die Rechtsprechung erhobenen Einwendungen auseinandergesetzt hat.
Wenn das FA unter dieser Voraussetzung bei Öffnung des Umschlags eine an das FG gerichtete Klageschrift feststellte, mußte es davon ausgehen, daß es im Rahmen des § 47 Abs. 2 FGO und nicht als "bloßer Briefträger" angesprochen war (vgl. Urteil in BFH/NV 1989, 649).
- BFH, 26.04.1995 - I R 22/94
Klageanbringung beim FA (§ 47 Abs. 2 FGO); Möglichkeit der Kenntniserlangung …
Abweichend von der bisherigen höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. BFH-Urteile vom 5. Dezember 1974 IV R 179/70, BFHE 114, 402, BStBl II 1975, 337; vom 26. August 1977 VI R 98/75, BFHE 123, 122, BStBl II 1977, 841; vom 3. August 1978 VI R 171/75, BFHE 125, 493, BStBl II 1978, 667;… vom 7. August 1985 I R 131/83, BFH/NV 1986, 168; vom 24. September 1985 IX R 47/83, BFHE 145, 299, BStBl II 1986, 268; vom 8. April 1987 X R 67/81, BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575;… vom 8. April 1987 X R 9/82, BFH/NV 1988, 95; vom 24. Februar 1989 III R 77/85, BFH/NV 1989, 649;… vom 24. Februar 1989 III R 51/86, BFH/NV 1990, 47;… vom 13. Dezember 1989 I R 207/85, BFH/NV 1990, 708; vom 5. Februar 1992 I R 67/91, BFHE 167, 9, BStBl II 1992, 561;… Beschluß vom 13. Oktober 1992 VII B 119/92, BFH/NV 1993, 607) genügt es für das Anbringen einer Klage gemäß § 47 Abs. 2 FGO beim FA, wenn dieselbe in einem verschlossenen und postalisch an das FG adressierten Briefumschlag in den Briefkasten des FA eingeworfen oder beim FA abgegeben wird.d) In den Urteilen in BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575 und in BFH/NV 1989, 649 haben der III. Senat und der X. Senat die Kritik an der bisherigen Rechtsprechung zum Anlaß genommen, diese mit neuen Argumenten zu begründen.
- BFH, 13.12.1989 - I R 207/85
Zulässigkeit einer Klage
Mit den gegen diese Rechtsprechung vorgebrachten Einwänden hat sich der BFH bereits auseinandergesetzt (vgl. Urteil vom 8. April 1987 X R 67/81, BFHE 149, 415, BStBl II 1987, 575 m. w. N.), so auch mit der - in der Revisionsbegründung wiedergegebenen - Auffassung des FG Baden-Württemberg im Urteil vom 28. Februar 1985 X-K 171/83 (Entscheidungen der Finanzgerichte - EFG - 1985, 401), das aufgehoben wurde durch das - zur Vermeidung von Wiederholungen hier in Bezug genommene - BFH-Urteil vom 24. Februar 1989 III R 77/85 (BFH/NV 1989, 649).Danach beruht die Fristversäumnis nicht auf einer unrichtigen Rechtsbehelfsbelehrung, sondern auf einem falschen Verständnis des Begriffs "anbringen" (Urteile in BFH/NV 1989, 649, 651, und 1986, 168).
- BFH, 10.05.2000 - II B 33/00
Wiedereinsetzung in den vorigen Stand; missverstandene Rechtsmittelbelehrung
Dabei kann auf sich beruhen, ob in der Rechtsmittelbelehrung über den Wortlaut des § 55 Abs. 1 Satz 1 FGO hinaus überhaupt auf den beim BFH bestehenden Vertretungszwang hinzuweisen war (vgl. dazu Spindler in Hübschmann/Hepp/Spitaler, Abgabenordnung-Finanzgerichtsordnung, § 55 FGO Anm. 24 mit Fußnote 27); selbst wenn ein derartiger Hinweis erforderlich gewesen wäre, wäre er durch die Wiedergabe des Wortlauts des Art. 1 Nr. 1 BFHEntlG korrekt erfolgt (vgl. BFH-Urteil vom 24. Februar 1989 III R 77/85, BFH/NV 1989, 649, 651). - BFH, 24.02.1989 - III R 51/86 Anmerkung: Das Urteil ist in den Entscheidungsgründen im wesentlichen identisch mit der Entscheidung vom 24. Februar 1989 III R 77/85 (BFH/NV 1989, 649).
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