Rechtsprechung
| LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23 |
Volltextveröffentlichungen (3)
- Sozialgerichtsbarkeit.de
Entschädigungs-/Schwerbehindertenrecht
- Justiz Baden-Württemberg
§ 1 Abs 1 S 1 OEG, § 44 Abs 1 SGB 10
Soziales Entschädigungsrecht - Opferentschädigung - vorsätzlicher tätlicher Angriff - Abgrenzung zwischen Vorsatz und bewusster Fahrlässigkeit - unbekannter Täter bzw unbekannte Täterin - Rückschluss aus äußeren Umständen - Beweisschwierigkeiten - Beweis- und ... - rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
OEG § 1 Abs. 1 S. 1
Gewährung von Beschädigtenversorgung im Wege des Überprüfungsverfahrens (hier: Unfall eines Fußgängers mit einem Fahrradfahrer)
Kurzfassungen/Presse (2)
- Wolters Kluwer (Kurzinformation)
Darlegungshürde einer Geschädigten Person für die Geltendmachung von Ansprüchen aus dem OEG
- datenbank.nwb.de (Leitsatz)
Verfahrensgang
- SG Heilbronn, 01.03.2023 - S 7 VG 3401/20
- LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Wird zitiert von ... (3) Zitiert selbst (14)
- BSG, 04.02.1998 - B 9 VG 5/96 R
Opferentschädigung - Gewalttat - Verletzung durch Signalmunition - bedingter …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Der für diesen Angriff geforderte Vorsatz muss sich grundsätzlich nur auf diese Angriffshandlung beziehen, fahrlässig begangene Handlungen scheiden in der Regel als Anspruchsgrundlage für einen Entschädigungsanspruch aus (vgl. BSG, Urteil vom 4. Februar 1988 - B 9 VG 5/96 R -, juris, Rz. 12).Rn. 64 Ein vorsätzlicher tätlicher Angriff liegt bei Körperverletzungs- oder Tötungsdelikten auch dann vor, wenn der Täter mit bedingtem Vorsatz gehandelt hat, d.h. wenn er zwar nicht wissentlich und willentlich sein Verhalten auf die Verwirklichung eines durch Eintritt des Erfolges gekennzeichneten Straftatbestandes ausgerichtet, den Erfolg habe für möglich und billigend in Kauf genommen hat (vgl. BSG, Urteil vom 4. Februar 1988 - B 9 VG 5/96 R -, juris, Rz. 15).
In einem solchen Fall geht die Nichterweislichkeit des Vorsatzes nach den Grundsätzen der objektiven Beweis- oder Feststellungslast zu Lasten des Klägers (vgl. BSG, Urteil vom 4. Februar 1988 - B 9 VG 5/96 R -, juris, Rz. 18).
Ein Anscheinsbeweis (vgl. zu der grundsätzlichen Anwendbarkeit BSG, Urteil vom 4. Februar 1988 - B 9 VG 5/96 R -, juris, Rz. 12) dahingehend, dass jede riskante Verhaltensweise im Straßenverkehr einen dolus eventualis begründet, wie die Klägerin zu meinen scheint, scheidet daher aus.
- BSG, 08.08.2001 - B 9 V 23/01 B
Verfahrensfehler und Beweiswürdigung im sozialgerichtlichen Verfahren
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Rn. 59 Der Beweisgrad der Wahrscheinlichkeit im Sinne des § 1 Abs. 3 Satz 1 BVG ist dann gegeben, wenn nach der geltenden wissenschaftlichen Lehrmeinung mehr für als gegen einen ursächlichen Zusammenhang spricht (vgl. BSG, Beschluss vom 8. August 2001 - B 9 V 23/01 B -, SozR 3-3900 § 15 Nr. 4, S. 14 m. w. N.).Glaubhaftmachung bedeutet das Dartun einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit (…vgl. Keller, a. a. O., Rz. 3d m. w. N.), also der guten Möglichkeit, dass sich der Vorgang so zugetragen hat, wobei durchaus gewisse Zweifel bestehen bleiben können (vgl. BSG, Beschluss vom 8. August 2001 - B 9 V 23/01 B -, SozR 3 3900 § 15 Nr. 4, S. 14 f. m. w. N.).
Das Tatsachengericht ist allerdings mit Blick auf die Freiheit der richterlichen Beweiswürdigung (§ 128 Abs. 1 Satz 1 SGG) im Einzelfall grundsätzlich darin nicht eingeengt, ob es die Beweisanforderungen als erfüllt ansieht (vgl. BSG, Beschluss vom 8. August 2001 - B 9 V 23/01 B -, SozR 3-3900 § 15 Nr. 4, S. 15).
- BGH, 18.06.2020 - 4 StR 482/19
"Berliner Raser-Fall"
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Bei der gebotenen Gesamtschau sind im Einzelfall alle in Betracht kommenden, einen Vorsatz in Frage stellenden Umstände in die Erwägungen einzubeziehen (vgl. Bundesgerichtshof [BGH]; Urteil vom 18. Juni 2020 - 4 StR 482/19 -, juris, Rz. 23).So kann es sich unterschiedlich auf das Vorstellungsbild des Täters zu seiner Eigengefährdung auswirken, ob er sich selbst in einem PKW oder auf einem Motorrad befindet und ob Kollisionen mit Fußgängern oder Radfahrern oder mit anderen PKW oder gar LKW drohen (vgl. BGH, Urteil vom 18. Juni 2020 - 4 StR 482/19 - juris Rz. 31 f.; BGH…, Urteil vom 1. März 2018 - 4 StR 399/17 -, juris, Rz. 21).
- BSG, 16.12.2014 - B 9 V 6/13 R
Soziales Entschädigungsrecht - rechtsstaatswidrige Verfolgungsmaßnahmen in der …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Diese Definition ist der Fragestellung nach dem wesentlichen ursächlichen Zusammenhang (vgl. hierzu BSG, Urteil vom 16. Dezember 2014 - B 9 V 6/13 R -, juris, Rz. 18 ff.) angepasst, die nur entweder mit ja oder mit nein beantwortet werden kann.Diese Grundsätze haben ihren Niederschlag auch in den "Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz" in ihrer am 1. Oktober 1998 geltenden Fassung der Ausgabe 1996 (AHP 1996) und nachfolgend - seit Juli 2004 - den "Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrecht (Teil 2 SGB IX)" in ihrer jeweils geltenden Fassung (AHP 2005 und 2008) gefunden, welche zum 1. Januar 2009 durch die Anlage zu § 2 Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) vom 10. Dezember 2008 (Teil C, Nrn. 1 bis 3 und 12 der Anlage zu § 2 VersMedV; vgl. BR-Drucks 767/1/08 S. 3, 4) inhaltsgleich ersetzt worden ist (vgl. BSG, Urteil vom 16. Dezember 2014 - B 9 V 6/13 R -, juris, Rz. 17).
- OLG Frankfurt, 09.10.2012 - 22 U 10/11
Keine Haftung des Fußgängers bei Kollision mit Radfahrer auf gemeinsamem Geh- und …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Weiter hat sie auf die Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt vom 9. Oktober 2012 - 22 U 10/11 - verwiesen.Rn. 74 Der Verweis der Klägerin auf die Entscheidung des OLG Frankfurt (Az.: 22 U 10/11 vom 9. Oktober 2012) geht fehl.
- BSG, 07.04.2011 - B 9 VG 2/10 R
Gewaltopferentschädigung - tätlicher Angriff - Nachstellung - Stalking - Straftat …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Rn. 56 Nach der Rechtsprechung des BSG ist bei der Auslegung des Rechtsbegriffes "vorsätzlicher, rechtswidriger tätlicher Angriff" im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 1 OEG entscheidend auf die Rechtsfeindlichkeit, vor allem verstanden als Feindlichkeit gegen das Strafgesetz, abzustellen; von subjektiven Merkmalen, wie etwa einer kämpferischen, feindseligen Absicht, hat sich die Auslegung insoweit weitestgehend gelöst (vgl. hierzu BSG, Urteil vom 7. April 2011 - B 9 VG 2/10 R -, SozR 4-3800 § 1 Nr. 18, Rz. 32 m. w. N.).Abweichend von dem im Strafrecht umstrittenen Gewaltbegriff im Sinne des § 240 Strafgesetzbuch (StGB) zeichnet sich der tätliche Angriff im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 1 OEG durch eine körperliche Gewaltanwendung (Tätlichkeit) gegen eine Person aus, wirkt also körperlich (physisch) auf einen anderen ein (vgl. BSG, Urteil vom 7. April 2011 - B 9 VG 2/10 R -, SozR 4 3800 § 1 Nr. 18, Rz. 36 m. w. N.).
- BGH, 01.03.2018 - 4 StR 399/17
Ku'Damm-Raser-Fall: Mordurteil aufgehoben
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
So kann es sich unterschiedlich auf das Vorstellungsbild des Täters zu seiner Eigengefährdung auswirken, ob er sich selbst in einem PKW oder auf einem Motorrad befindet und ob Kollisionen mit Fußgängern oder Radfahrern oder mit anderen PKW oder gar LKW drohen (vgl. BGH…, Urteil vom 18. Juni 2020 - 4 StR 482/19 - juris Rz. 31 f.; BGH, Urteil vom 1. März 2018 - 4 StR 399/17 -, juris, Rz. 21). - BSG, 17.04.2013 - B 9 V 1/12 R
Soziales Entschädigungsrecht - Gewaltopferentschädigung - sexueller Missbrauch in …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Rn. 54 Für einen Anspruch auf Beschädigtenversorgung nach dem OEG in Verbindung mit dem BVG sind folgende rechtlichen Grundsätze maßgebend (vgl. BSG, Urteil vom 17. April 2013 - B 9 V 1/12 R -, BSGE 113, 205 ):. - BSG, 30.01.2020 - B 2 U 2/18 R
Sozialgerichtliches Verfahren - kombinierte Anfechtungs- und Verpflichtungsklage …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Maßgebender Zeitpunkt für die Beurteilung des Antrags nach § 44 SGB X ist die damalige Sach- und Rechtslage aus heutiger Sicht ("geläuterte Rechtsauffassung" vgl. BSG, Urteil vom 30. Januar 2020 - B 2 U 2/18 R -, juris, Rz. 16). - BSG, 16.12.2014 - B 9 V 1/13 R
Soziales Entschädigungsrecht - Gewaltopferentschädigung - tätlicher Angriff - …
Auszug aus LSG Baden-Württemberg, 29.02.2024 - L 6 VG 902/23
Ein solcher Angriff setzt eine unmittelbar auf den Körper einer anderen Person zielende, gewaltsame physische Einwirkung voraus; die bloße Drohung mit einer wenn auch erheblichen Gewaltanwendung oder Schädigung reicht hierfür demgegenüber nicht aus (vgl. BSG, Urteil vom 16. Dezember 2014 - B 9 V 1/13 R -, juris, Rz. 23 ff.). - BSG, 29.04.2010 - B 9 VG 1/09 R
Opferentschädigung - tätlicher Angriff - Vorsatz - Rechtswidrigkeit - ärztlicher …
- BSG, 23.04.2009 - B 9 VG 1/08 R
Gewaltopferentschädigung - Nordrhein-Westfalen - Aufgabenübertragung auf die …
- BSG, 24.11.2010 - B 11 AL 35/09 R
Unterhaltsgeld- bzw Arbeitslosenhilfeanspruch - Bedürftigkeitsprüfung - …
- LSG Baden-Württemberg, 18.12.2014 - L 6 VS 413/13
Soziales Entschädigungsrecht - Soldatenversorgung - Feststellung des Grads der …
- LSG Nordrhein-Westfalen, 21.03.2025 - L 13 VJ 66/14
Gewährung von Leistungen aufgrund eines vorgetragenen Impfschadens i.R.e. …
Dies gilt auch weiterhin, unabhängig davon, dass zum 01.01.2024 das SGB XIV in Kraft getreten ist, da zudem über den Überprüfungsantrag vom 15.03.2013 noch nicht bestandskräftig entschieden worden ist (§ 142 Abs. 2 Satz 1 SGB XIV; vgl. LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 29.02.2024, L 6 VG 902/23, juris; Senat, Urteil vom 27.09.2024, L 13 VG 16/23, juris; zu Impfschäden: Senat, Urteil vom 08.11.2014, L 13 VJ 4/20, juris m.w.N.). - LSG Nordrhein-Westfalen, 27.09.2024 - L 13 VG 16/23 Rn. 50 Der - durch den Kläger befürworteten - Anwendung der mit Art. 60 Abs. 7 des Gesetzes zur Regelung des Sozialen Entschädigungsrechts vom 12.12.2019 (BGBI. 2019 I, 2652) zum 01.01.2024 in Kraft getretenen Regelungen des SGB XIV steht indes die dortige Übergangsregelung des § 142 Abs. 2 SGB XIV entgegen (vgl. SG Berlin…, Urteil vom 27.05.2024, S 118 VG 54/19, Rn. 16, juris; Senat, Urteil vom 30.08.2024, L 13 VG 11/23; bzgl. Antrag nach § 44 SGB X: LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 29.02.2024, L 6 VG 902/23, juris; für Impfschäden und § 141 SGB XIV: Bayerisches LSG…, Urteil vom 30.04.2024, L 15 VJ 2/23, juris, Rn. 51).
- LSG Nordrhein-Westfalen, 10.10.2025 - L 13 VE 32/22 Dies gilt auch weiterhin, unabhängig davon, dass zum 01.01.2024 das Sozialgesetzbuch Vierzehntes Buch (SGB XIV) in Kraft getreten ist, da zudem über den Überprüfungsantrag vom 29.06.2016 noch nicht bestandskräftig entschieden worden ist (§ 142 Abs. 2 Satz 1 SGB XIV; vgl. LSG Baden-Württemberg, Urteil vom 29.02.2024, L 6 VG 902/23, juris; Senat, Urteil vom 21.03.2025, L 13 VJ 66/14, juris).
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