Rechtsprechung
| BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88 |
Volltextveröffentlichungen (4)
- JLaw (App) | www.prinz.law
- Wolters Kluwer
Beginn der Verjährung eines deliktischen Schadensersatzanspruchs - Vorenthaltung von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung und Arbeitslosenversicherung - Ermächtigung der gesetzlichen Krankenversicherung zur Einziehung der Beiträge zur Rentenversicherung und ...
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BGB § 852 Abs. 1
Verjährung des Schadensersatzanspruchs wegen Vorenthaltung von Arbeitnehmeranteilen zur Sozialversicherung - juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Papierfundstellen
- NJW-RR 1989, 472
- MDR 1989, 533
- VersR 1989, 303
Wird zitiert von ... (7) Zitiert selbst (11)
- BGH, 12.02.1985 - VI ZR 68/83
Nichtweiterleitung einbehaltener Arbeitnehmerbeiträge an eine Ortskrankenkasse - …
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
(st. Rspr., vgl. zuletzt Senatsurteile vom 12. Februar 1985 - VI ZR 68/83 - VersR 1985, 590 und vom 11. Juni 1985 - VI ZR 61/84 - VersR 1985, 1038).Vielmehr liegt der Schaden, wie der Senat bereits durch Urteil vom 12. Februar 1985 (a.a.O. S. 591) klargestellt hat, schon in der Vorenthaltung der Beitragsteile als solcher.
Soweit der Senat in seinem Urteil vom 7. November 1961 (…a.a.O. S. 27) für den damals zu entscheidenden Fall ausgeführt hat, der Schaden ergebe sich daraus, daß keine Befriedigung der Beitragsforderung aus dem Vermögen der Arbeitgeberfirma erreicht worden sei, hat er diese Sicht in seiner späteren Rechtsprechung (s. insbesondere Senatsurteil vom 12. Februar 1985 aaO) aufgegeben.
Vielmehr wäre es Sache der Beklagten gewesen, sich das Geld, soweit einbringlich, von der KG zurückzuholen (Senatsurteil vom 12. Februar 1985 aaO).
- BGH, 28.06.1960 - VI ZR 146/59
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Der Senat hat bereits durch Urteil vom 28. Juni 1960 (VI ZR 146/59 - VersR 1960, 748) entschieden, daß sich die Ermächtigung der gesetzlichen Krankenversicherung, die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung mit einzuziehen (§ 1399 Abs. 1 RVO, § 121 Abs. 1 AVG, § 176 Abs. 1, 3 AFG), auf bürgerlich-rechtliche Schadensersatzansprüche erstreckt, die sich aus dem Beitragsstrafrecht der Sozialversicherungsgesetze in Verbindung mit § 823 Abs. 2 BGB ergeben.Sie findet ihre innere Rechtfertigung darin, daß der Schadensersatzanspruch wegen nicht abgeführter Arbeitnehmeranteile zur Sozial- und Arbeitslosenversicherung wirtschaftlich nichts anderes zum Gegenstand hat als die Hereinholung der Beiträge auf diesem Wege (Senatsurteil vom 28. Juni 1960 aaO).
Vorenthalten in diesem Sinne aber sind Beitragsteile bereits dann, wenn sie bei Fälligkeit der Beitragsschuld nicht an die Einzugsstelle abgeführt sind (RGSt 50, 133, 134; Senatsurteile vom 28. Juni 1960 a.a.O. S. 749, vom 7. November 1961 - VI ZR 5/61 - VersR 1962, 24, 26 f. und vom 1. April 1969 - VI ZR 229/67 - VersR 1969, 637, 638).
- BGH, 07.11.1961 - VI ZR 5/61
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Vorenthalten in diesem Sinne aber sind Beitragsteile bereits dann, wenn sie bei Fälligkeit der Beitragsschuld nicht an die Einzugsstelle abgeführt sind (RGSt 50, 133, 134;… Senatsurteile vom 28. Juni 1960 a.a.O. S. 749, vom 7. November 1961 - VI ZR 5/61 - VersR 1962, 24, 26 f. und vom 1. April 1969 - VI ZR 229/67 - VersR 1969, 637, 638).Soweit der Senat in seinem Urteil vom 7. November 1961 (a.a.O. S. 27) für den damals zu entscheidenden Fall ausgeführt hat, der Schaden ergebe sich daraus, daß keine Befriedigung der Beitragsforderung aus dem Vermögen der Arbeitgeberfirma erreicht worden sei, hat er diese Sicht in seiner späteren Rechtsprechung (…s. insbesondere Senatsurteil vom 12. Februar 1985 aaO) aufgegeben.
- BGH, 20.09.1983 - VI ZR 35/82
Beginn der Verjährung des Arzthaftungsanspruchs
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Soweit "Kenntnis" i.S. des § 852 Abs. 1 BGB voraussetzt, daß dem Geschädigten nach den ihm bekannten Tatsachen die gerichtliche Geltendmachung zumutbar gewesen sein muß (vgl. Senatsurteile vom 23. September 1975 - VI ZR 62/73 - VersR 1976, 166 f.; vom 20. September 1983 - VI ZR 35/82 - NJW 1984, 661 [BGH 20.09.1983 - VI ZR 35/82]; vom 7. April 1987 - VI ZR 55/86 - NJW-RR 1987, 916), ergeben sich gleichfalls keine durchgreifenden Bedenken gegen die Annahme, die Verjährung habe spätestens am 20. Mai 1981 zu laufen begonnen. - BGH, 23.09.1975 - VI ZR 62/73
Schweißarbeiten - Sorgfaltspflichten - Ersatz von Mängelfolgeschäden-Verjährung
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Soweit "Kenntnis" i.S. des § 852 Abs. 1 BGB voraussetzt, daß dem Geschädigten nach den ihm bekannten Tatsachen die gerichtliche Geltendmachung zumutbar gewesen sein muß (vgl. Senatsurteile vom 23. September 1975 - VI ZR 62/73 - VersR 1976, 166 f.; vom 20. September 1983 - VI ZR 35/82 - NJW 1984, 661 [BGH 20.09.1983 - VI ZR 35/82]; vom 7. April 1987 - VI ZR 55/86 - NJW-RR 1987, 916), ergeben sich gleichfalls keine durchgreifenden Bedenken gegen die Annahme, die Verjährung habe spätestens am 20. Mai 1981 zu laufen begonnen. - BGH, 07.04.1987 - VI ZR 55/86
Anforderungen an die Hemmung der Verjährung wegen Anmeldung des …
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Soweit "Kenntnis" i.S. des § 852 Abs. 1 BGB voraussetzt, daß dem Geschädigten nach den ihm bekannten Tatsachen die gerichtliche Geltendmachung zumutbar gewesen sein muß (vgl. Senatsurteile vom 23. September 1975 - VI ZR 62/73 - VersR 1976, 166 f.; vom 20. September 1983 - VI ZR 35/82 - NJW 1984, 661 [BGH 20.09.1983 - VI ZR 35/82]; vom 7. April 1987 - VI ZR 55/86 - NJW-RR 1987, 916), ergeben sich gleichfalls keine durchgreifenden Bedenken gegen die Annahme, die Verjährung habe spätestens am 20. Mai 1981 zu laufen begonnen. - BGH, 11.06.1985 - VI ZR 61/84
Verrechnung von Beitragsvorschüssen; Haftung des GmbH-Geschäftsführers für …
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
(st. Rspr., vgl. zuletzt Senatsurteile vom 12. Februar 1985 - VI ZR 68/83 - VersR 1985, 590 und vom 11. Juni 1985 - VI ZR 61/84 - VersR 1985, 1038). - BSG, 20.03.1981 - 8a RK 19/79
Vergütung - Schadensersatzforderung - Beitragsforderung
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
An dieser Auffassung, die auch den bereits angeführten Senatsurteilen vom 12. Februar 1985 und 11. Juni 1985 zugrunde liegt und vom Bundessozialgericht geteilt wird (BSGE 51, 247, 248), hält der Senat fest. - BGH, 01.04.1969 - VI ZR 229/67
Pflicht zur Zahlung der Arbeitnehmeranteile in die Sozialversicherung als …
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Vorenthalten in diesem Sinne aber sind Beitragsteile bereits dann, wenn sie bei Fälligkeit der Beitragsschuld nicht an die Einzugsstelle abgeführt sind (RGSt 50, 133, 134;… Senatsurteile vom 28. Juni 1960 a.a.O. S. 749, vom 7. November 1961 - VI ZR 5/61 - VersR 1962, 24, 26 f. und vom 1. April 1969 - VI ZR 229/67 - VersR 1969, 637, 638). - BGH, 09.12.1958 - VI ZR 272/57
Auszug aus BGH, 20.12.1988 - VI ZR 145/88
Zum einen wird die Kenntnis von dem Schaden und der Person des Ersatzpflichtigen nicht dadurch ausgeschlossen, daß für den Fall der Klageerhebung Einwendungen oder Einreden zu erwarten stehen (vgl. Senatsurteil vom 9. Dezember 1958 - VI ZR 272/57 - LM BGB § 852 Nr. 11). - RG, 04.07.1916 - V 277/16
Begriff des vorsätzlichen Vorenthaltens von Krankenversicherungsbeiträgen (RVO. § …
- BGH, 15.10.1996 - VI ZR 319/95
Pflichten des Geschäftsführers einer GmbH; Abführung der Arbeitnehmerbeiträge zur …
Zutreffend hat das Berufungsgericht allerdings angenommen, daß die Klägerin als die nach § 28 h SGB IV zuständige Einzugsstelle nicht nur einen Anspruch auf Zahlung der jeweils fällig werdenden Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung hat, sondern daß ihr im Falle des pflichtwidrigen Vorenthaltens solcher Beiträge auch ein Schadensersatzanspruch zusteht (Senatsurteile vom 28. Juni 1960 - VI ZR 146/59 - VersR 1960, 748 - und vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - VersR 1989, 303). - BSG, 29.03.2022 - B 12 KR 7/20 R
Vergleichsschluss der Einzugsstelle über rückständige …
Es ist in Rechtsprechung (…vgl BSG Urteil vom 20.3.1981 - 8/8a RK 19/79 - BSGE 51, 247, 249 = SozR 2200 § 1399 Nr. 14 S 32 f = juris RdNr 21; BGH Urteil vom 20.12.1988 - VI ZR 145/88 - juris RdNr 6; OLG Sachsen-Anhalt Urteil vom 16.11.1999 - 13 U 122/99 - juris RdNr 24; OLG Frankfurt am Main Urteil vom 29.1.2020 - 23 U 46/19 - juris RdNr 73 f mwN) und Literatur (…Dahm in Eichenhofer/Wenner, 2. Aufl 2017, § 28h SGB IV RdNr 7;… Scheer in Schlegel/Voelzke, jurisPK-SGB IV, 4. Aufl 2021, Stand 14.3.2022, § 28h RdNr 72 f; Wehrhahn in Kasseler Kommentar, Stand März 2017, § 28h SGB IV RdNr 6;… Winkler in LPK-SGB IV, 3. Aufl 2021, § 28h RdNr 6) seit vielen Jahren unumstritten, dass sich diese Pflicht auch auf Schadensersatzansprüche nach § 823 Abs. 2 BGB iVm § 266a StGB erstreckt, die auf der Nichtentrichtung von Gesamtsozialversicherungsbeiträgen beruhen.Die Geltendmachung sowohl von Gesamtsozialversicherungsbeiträgen als auch von diese ersetzenden Schadensersatzansprüchen, die wirtschaftlich betrachtet einer Beitragseinziehung gleichstehen (vgl BGH Urteil vom 20.12.1988 - VI ZR 145/88 - juris RdNr 6), bleibt auf diese Weise einheitlich in der Hand der zuständigen Einzugsstelle.
- BGH, 31.10.1989 - VI ZR 54/89
Beginn der Verjährung des Schadensersatzanspruchs wegen Beitragsbetrugs
Vielmehr war in diesem Zeitpunkt auch bereits der nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 263 StGB zu ersetzende Schaden entstanden, zu dessen Geltendmachung die Klägerin als die Einzugsstelle für die Sozialversicherungsbeiträge berechtigt ist (vgl. Senatsurteil vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - VersR 1989, 303); die späteren Zahlungen auf die rückständigen Beträge führten nur zu einer teilweisen Schadensbeseitigung, die für die Verjährung nach § 852 BGB ohne Bedeutung ist.Hierzu führt das Berufungsgericht zutreffend aus, daß sich der Beklagte damit nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. (dem damals noch geltenden) § 529 RVO schadensersatzpflichtig gemacht hat (st. Rspr., vgl. zuletzt Senatsurteil vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - a.a.O. S. 303, 304 m.w.N.).
Deshalb besteht auch der Zweck des aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 529 RVO herzuleitenden Schadensersatzanspruchs gerade darin, der Einzugsstelle zur Vermeidung von Beitragsausfällen bei Vorenthaltung von Beitragsteilen den sofortigen Zugriff auf den dafür Verantwortlichen persönlich als Deliktsschuldner zu eröffnen und sie insoweit von der Verfolgung der Beitragsforderung gegen den Arbeitgeber und dem damit verbundenen Liquiditätsrisiko freizustellen (vgl. Senatsurteil vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - a.a.O. S. 304; vgl. ferner Senatsurteil vom 12. Februar 1985 - VI ZR 68/83 - VersR 1985, 590, 591).
- BGH, 09.07.1992 - XII ZR 156/90
Sittenwidrigen Schädigung durch Beteiligung eines Dritten an Vertragsbruch
Daß er infolge des Treubruchs der Mutter möglicherweise auch gegen sie wirtschaftlich gleichwertige vertragliche und deliktische Ansprüche hat, steht dem Anspruch gegen die Beklagte nicht entgegen (BGH, Urteile vom 17. Februar 1982 - IVa ZR 284/80 - NJW 1982, 1806, 1807; vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - VersR 1989, 303, 304). - BGH, 04.07.1989 - VI ZR 23/89
Anforderungen an die Annahme eines Betriebsleiters im strafrechtlichen Sinne
Das Berufungsgericht geht freilich zutreffend davon aus, daß ein Verstoß gegen die - bis zum 31. Juli 1986 noch geltende - Strafvorschrift des § 529 RVO einen Schadensersatzanspruch des Sozialversicherungsträgers nach § 823 Abs. 2 BGB begründet; § 529 RVO ist ein Schutzgesetz im Sinne des S 823 Abs. 2 BGB (s. zuletzt Senatsurteil vom 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88 - VersR 1989, 303 m.w.N.). - OLG Brandenburg, 28.05.2024 - 6 U 78/23
Anspruch der Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag gegen den …
Der Klägerin als der nach § 28h Abs. 1 SGB IV zuständigen Einzugsstelle kann deshalb neben dem Anspruch auf Zahlung der jeweils fällig werdenden Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung auch ein Anspruch auf Schadensersatz wegen nicht gezahlter Beiträge zustehen (vgl. BGH, Urteile vom 28.06.1960 - VI ZR 146/59 und vom 20.12.1988 - VI ZR 145/88; jew. zit. nach juris). - BGH, 19.04.1990 - IX ZR 31/89
Anwaltshaftung für Beratungsfehler - Voraussetzungen für die Geltendmachung eines …
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (…Urt. v. 18. Dezember 1969 - VII ZR 121/67, NJW 1970, 461;… Urt. v. 17. Februar 1982 - IVa ZR 284/80, WM 1982, 488, 489 = NJW 1982, 1806; Urt. v. 20. Dezember 1988 - VI ZR 145/88, VersR 1989, 303, 304) kann der Gläubiger, der neben dem Schadensersatzanspruch gegen den Schuldner noch einen anderen, zum Ausgleich des Schadens führenden Anspruch gegen einen Dritten hat, grundsätzlich frei wählen, wen er in Anspruch nimmt.
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