Rechtsprechung
| BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19 |
Volltextveröffentlichungen (9)
- Doctrine(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Mit KI-Zusammenfassung und KI-Dialogfeld, um Fragen zur Entscheidung stellen.
Doctrine ist die neue umfassende Rechts-KI-Plattform in Kooperation mit dejure.org. Mehr Informationen - openjur.de
- bundesgerichtshof.de
- rechtsinformationen.bund.de
Unternehmerprivileg in der gesetzlichen Unfallversicherung: Rückgriffsanspruch gegen den Unternehmer und Zurechnung von Verschulden eines Erfüllungsgehilfen
- IWW
- Wolters Kluwer
Rückgriffsanspruch des gesetzlichen Unfallversicherers gegen den Unternehmer hinsichtlich Haftungsbeschränkung; Vorsätzliche oder grob fahrlässige Herbeiführung des Versicherungsfalls als Arbeitsunfall
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Rückgriffsanspruch des gesetzlichen Unfallversicherers gegen den Unternehmer hinsichtlich Haftungsbeschränkung; Vorsätzliche oder grob fahrlässige Herbeiführung des Versicherungsfalls als Arbeitsunfall
- datenbank.nwb.de
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Gerüstbauer bringt kein Fangnetz an: Dachdecker haftet nicht für Arbeitsunfall!
Kurzfassungen/Presse (4)
- Rechtslupe (Kurzinformation/Zusammenfassung)
Arbeitsunfall - und der Rückgriffsanspruch der Berufsgenossenschaft gegen den Unternehmer
- beck-aktuell.de (Kurzinformation)
Durch Dritte verursachter Arbeitsunfall - Regressmöglichkeiten der Unfallversicherung - Durch Dritte verursachter Arbeitsunfall - Regressmöglichkeiten der Unfallversicherung
- bld.de (Leitsatz/Kurzinformation)
Anforderungen an den Rückgriffsanspruch des gesetzlichen Unfallversicherers gegen den Unternehmer gemäß § 110 Abs. 1 SGB VII
- Wolters Kluwer (Kurzinformation)
Vorsätzliche oder grob fahrlässige Herbeiführung des Versicherungsfalls als Voraussetzung für Rückgriffsanspruch des gesetzlichen Unfallversicherers gegen Unternehmer
Besprechungen u.ä.
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Entscheidungsbesprechung)
Nachunternehmer verursacht Arbeitsunfall: Kein Rückgriffsanspruch der Berufsgenossenschaft! (IBR 2022, 186)
Verfahrensgang
- LG Mühlhausen, 19.01.2016 - 3 O 708/13
- OLG Jena, 11.07.2019 - 1 U 113/16
- BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Papierfundstellen
- MDR 2022, 434
- VersR 2022, 512
Wird zitiert von ... (3) Zitiert selbst (7)
- BGH, 18.11.2014 - VI ZR 47/13
Grundsätze des gestörten Gesamtschuldverhältnisses; Zuordnung des Unfalls und …
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Rn. 15 aa) Bei dem Rückgriffsanspruch gemäß § 110 Abs. 1, § 111 Satz 1 SGB VII handelt es sich nicht um einen übergeleiteten Schadensersatzanspruch des Verletzten, sondern um einen originären, selbständigen Anspruch des Sozialversicherungsträgers, der privatrechtlicher Natur ist (vgl. BGH…, Urteil vom 15. Mai 1973 - VI ZR 160/71, VersR 1973, 818, juris Rn. 31 zu der Vorgängerregelung der §§ 640, 641 RVO; vgl. auch BGH, Urteil vom 18. November 2014 - VI ZR 47/13 Rn. 35, BGHZ 203, 224). - BGH, 07.03.1972 - VI ZR 158/70
Haftung für Fehlverhalten eines Anwalts - Verzögerung der Freigabe eines …
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Denn eine nach § 278 BGB erfolgende Zurechnung des Verschuldens einer Person, deren sich der Schuldner zur Erfüllung seiner Verbindlichkeit bedient, setzt ein bereits bestehendes Schuldverhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner voraus, aus dem sich die Verbindlichkeit ergibt (vgl. BGH, Urteil vom 7. März 1972 - VI ZR 158/70, BGHZ 58, 207, juris Rn. 14; RG, Urteil vom 9. Mai 1939 - VII 251/38, RGZ 160, 310, 314). - BGH, 15.07.2008 - VI ZR 212/07
Begriff des vorsätzlichen Verhaltens
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Hierfür spricht letztlich auch der Regelungszweck der Vorschriften, die präventive und erzieherische Ziele verfolgen (vgl. dazu z.B. BGH, Urteil vom 15. Juli 2008 - VI ZR 212/07 Rn. 31 m.w.N., NJW 2009, 681) und deshalb an ein besonders zu missbilligendes Verhalten der durch die Haftungsbeschränkung gemäß §§ 104 ff. SGB VII Begünstigten selbst oder - bei juristischen Personen - ihrer vertretungsberechtigten Organe anknüpfen.
- BGH, 21.09.1971 - VI ZR 122/70
Ärztlicher Behandlungsfehler - Chefarzt - Krankenhaus - Eigenverantwortung - …
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Dabei genügt es, wenn die den Arbeitsunfall verursachende Handlung oder Unterlassung des Beklagten zu 2 in den ihm zugewiesenen Aufgabenbereich fällt; nicht erforderlich ist, dass es sich um eine spezifische Tätigkeit im Rahmen der Vertretungsberechtigung handelt (…vgl. KassKomm/Ricke, 115. EL Juli 2021, SGB VII § 111 Rn. 5 a.E.; vgl. auch BGH, Urteil vom 21. September 1971 - VI ZR 122/70, NJW 1972, 334, juris Rn. 18 zu § 31 BGB). - BGH, 15.05.1973 - VI ZR 160/71
Beauftragung von Landwirten mit Kanalisationsarbeiten durch eine Gemeinde - …
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Rn. 15 aa) Bei dem Rückgriffsanspruch gemäß § 110 Abs. 1, § 111 Satz 1 SGB VII handelt es sich nicht um einen übergeleiteten Schadensersatzanspruch des Verletzten, sondern um einen originären, selbständigen Anspruch des Sozialversicherungsträgers, der privatrechtlicher Natur ist (vgl. BGH, Urteil vom 15. Mai 1973 - VI ZR 160/71, VersR 1973, 818, juris Rn. 31 zu der Vorgängerregelung der §§ 640, 641 RVO; vgl. auch BGH…, Urteil vom 18. November 2014 - VI ZR 47/13 Rn. 35, BGHZ 203, 224). - OLG Rostock, 18.05.2000 - 1 U 168/99
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Daher verbietet sich eine über § 111 SGB VII hinausgehende Zurechnung des Verschuldens sonstiger Personen nach anderen Vorschriften (vgl. im Ergebnis ebenso OLG Rostock, Urteil vom 18. Mai 2000 - 1 U 168/99, juris Rn. 50 a.E. zu der Vorgängerregelung der §§ 640, 641 RVO; Marschner, BB 1996, 2090, 2092). - RG, 09.05.1939 - VII 251/38
Kann sich eine Bank, die auf einen vom Bevollmächtigten ihres Kunden gefälschten …
Auszug aus BGH, 09.12.2021 - VII ZR 170/19
Denn eine nach § 278 BGB erfolgende Zurechnung des Verschuldens einer Person, deren sich der Schuldner zur Erfüllung seiner Verbindlichkeit bedient, setzt ein bereits bestehendes Schuldverhältnis zwischen Gläubiger und Schuldner voraus, aus dem sich die Verbindlichkeit ergibt (vgl. BGH…, Urteil vom 7. März 1972 - VI ZR 158/70, BGHZ 58, 207, juris Rn. 14; RG, Urteil vom 9. Mai 1939 - VII 251/38, RGZ 160, 310, 314).
- BGH, 11.06.2024 - VI ZR 133/23
Regress der gesetzlichen Unfallversicherung nach einem Verkehrsunfall eines …
Rn. 14 1. Bei dem Rückgriffsanspruch gemäß § 110 Abs. 1 Satz 1, § 111 Satz 1 SGB VII handelt es sich um einen originären, selbständigen Anspruch des Sozialversicherungsträgers, der privatrechtlicher Natur ist (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 15;… Senat, Urteile vom 15. Mai 1973 - VI ZR 160/71, VersR 1973, 818, juris Rn. 31 [zu § 640, § 641 RVO];… vom 27. Juni 2006 - VI ZR 143/05, BGHZ 168, 161 Rn. 14;… vom 18. November 2014 - VI ZR 47/13, BGHZ 203, 224 Rn. 35 [zu § 110 Abs. 1 SGB VII]).Rn. 18 b) Der Beurteilung des Berufungsgerichts, dass eine juristische Person nach §§ 110, 111 SGB VII vergleichbar mit der zu § 31 BGB entwickelten Repräsentantenhaftung auch für sonstige Personen haftet, denen sie bedeutsame wesensmäßige Funktionen zur eigenverantwortlichen Erfüllung zugewiesen hat und die in Ausführung der ihnen zustehenden Verrichtung den Versicherungsfall vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht haben, folgt der Senat nicht (offen insoweit BGH, Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 15; Senat…, Urteil vom 8. Oktober 1968 - VI ZR 164/67, VersR 1969, 39, juris Rn. 14 [zu § 641 RVO]; ablehnend BGH…, Urteil vom 7. Dezember 1967 - III ZR 178/65, VersR 1968, 305, juris Rn. 27 [zu § 904 RVO i.d.F. vom 19. Juli 1911, RGBl. S. 509, nachfolgend: a.F.]).
Rn. 31 Der Gesetzgeber hat den Rückgriffsanspruch der Sozialversicherungsträger gemäß §§ 110 ff. SGB VII besonders ausgestaltet (vgl. BGH, Urteile vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 17;… vom 7. Dezember 1967 - III ZR 178/65, VersR 1968, 305, juris Rn. 27 [zu § 904 RVO a.F.]).
Die Vorschrift des § 111 Satz 1 SGB VII begründet eine Haftung der juristischen Person nach Maßgabe des § 110 SGB VII, indem dieser das Verschulden ihrer vertretungsberechtigten Organe zugerechnet wird (vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 15).
Daher verbietet sich eine über § 111 SGB VII hinausgehende Zurechnung des Verschuldens sonstiger Personen nach anderen Vorschriften (vgl. BGH, Urteile vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 17 [zu § 278 BGB];… vom 7. Dezember 1967 - III ZR 178/65, VersR 1968, 305, juris Rn. 27 [zu § 904 RVO a.F.]).
Diese spezifische Zweckbestimmung gibt den §§ 110 f. SGB VII ihr Gepräge (…vgl. Senat, Urteile vom 21. Juli 2020 - VI ZR 369/19, VersR 2020, 1476 Rn. 7;… vom 15. Juli 2008 - VI ZR 212/07, NJW 2009, 681 Rn. 31;… vom 27. Juni 2006 - VI ZR 143/05, BGHZ 168, 161 Rn. 8 f.;… vom 11. Februar 2003 - VI ZR 34/02, BGHZ 154, 11, juris Rn. 22 f. [jew. zu §§ 104 ff. SGB VII];… vom 27. November 1984 - VI ZR 296/81, VersR 1985, 237, juris Rn. 10;… vom 20. November 1979 - VI ZR 238/78, BGHZ 75, 328, juris Rn. 9;… vom 28. September 1971 - VI ZR 216/69, BGHZ 57, 96, juris Rn. 15 [jew. zu §§ 636 ff. RVO]; siehe weiter BGH, Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19, VersR 2022, 512 Rn. 17).
- OLG Köln, 23.03.2023 - 10 U 89/21 Inwieweit eine juristische Person nach §§ 110, 111 SGB VII - vergleichbar mit der zu § 31 BGB entwickelten Repräsentantenhaftung - auch für sonstige Personen haftet, denen sie bedeutsame wesensmäßige Funktionen zur eigenverantwortlichen Erfüllung zugewiesen hat und die in Ausführung der ihnen zustehenden Verrichtungen den Versicherungsfall vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht haben, hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19 offen gelassen (…BGH, aaO, VersR 2022, 434-435, juris Rn. 15).
Entgegen der Darstellung der Beklagten kann aus der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19 nicht abgeleitet werden, dass die Aufzählung der Personen nach § 111 SGB VII abschließend sei.
Vielmehr hat der Bundesgerichtshof diese Frage - wie schon ausgeführt - in dem vorgenannten Urteil explizit offen gelassen, weil - was im dortigen Fall alleine in Rede stand - jedenfalls eine Zurechnung des Verschuldens von Personen, die als Nachunternehmer von der juristischen Person beauftragt wurden, nach § 111 Satz 1 SGB VII nicht stattfinde (BGH, aaO, VersR 2022, 512-514, juris Rn. 15).
Rn. 51 Die Revision war wegen grundsätzlicher Bedeutung im Sinne von § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 ZPO zuzulassen mit Blick auf die Frage, inwieweit eine juristische Person nach der Vorschrift des § 111 Satz 1 SGB VII - vergleichbar mit der zu § 31 BGB entwickelten Repräsentantenhaftung - auch für sonstige Personen haftet, denen sie bedeutsame wesensmäßige Funktionen zur eigenverantwortlichen Erfüllung zugewiesen hat und die in Ausführung der ihnen zustehenden Verrichtungen den Versicherungsfall vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht haben, die der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 9. Dezember 2021 - VII ZR 170/19 offen lassen konnte (BGH, aaO, VersR 2022, 512-514, juris Rn. 15), auf die es indes im Streitfall entscheidend ankommt.
- OLG München, 03.03.2025 - 19 U 3486/24
Erstattungsfähige Aufwendungen, Grobe Fahrlässigkeit, Eigene Beweiswürdigung, …
Rn. 29 Es handelt sich hierbei um einen nicht aus dem Recht der versicherten Geschädigten abgeleiteten originären Anspruch eigener Art auf Ersatz von Aufwendungen, also keinen Schadensersatzanspruch (BGH, Urteil v. 09.12.2021, Az. VII ZR 170/19, Rz. 13;… Urteil v. 15.05.1973, Az. VI ZR 160/71, juris Rz. 31;… Ricke/Seiwerth in: beck-online.GROSSKOMMENTAR, Stand: 15.02.2025, § 110 SGB VII Rz. 4;… Stelljes in: BeckOK Sozialrecht, 75. Ed., Stand: 01.09.2024, § 110 SGB VII Rz. 6).Rn. 30 Es ist ein privatrechtlicher Anspruch, der vor den Zivilgerichten eingeklagt werden muss (BGH, Urteil v. 09.12.2021, Az. VII ZR 170/19, Rz. 15;… Urteil 15.05.1973, Az. VI ZR 160/71, juris Rz. 31;… von Koppenfels-Spies in: Knickrehm/Roßbach/Waltermann, Kommentar zum Sozialrecht, 8. Aufl., § 110 SGB VII Rz. 4).
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