Rechtsprechung
| BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21 |
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Schmerzensgeldbemessung im Arzthaftungsprozess wegen schwerster Hirnschädigung eines neugeborenen Kindes bei einer Notsectio: Ungeeignetheit der Methode der "taggenauen Berechnung" bei Dauerschäden; Unterscheidung zwischen grobem Behandlungsfehler und grob fahrlässigem ...
- IWW
§ 287 ZPO
- Wolters Kluwer
Bemessung des Schmerzensgeldes bei der besonderen Fallgruppe der Schwerstverletzungen mit schweren Hirnschädigungen bei der Geburt i.R.d. Arzthaftung
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
ZPO § 287
Bemessung des Schmerzensgeldes bei der besonderen Fallgruppe der Schwerstverletzungen mit schweren Hirnschädigungen bei der Geburt i.R.d. Arzthaftung - datenbank.nwb.de
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Kurzfassungen/Presse (2)
- beck-aktuell.NACHRICHTEN (Kurzinformation)
BGH bestätigt Abkehr von "taggenauer Berechnung" des Schmerzensgelds - BGH bestätigt Abkehr von "taggenauer Berechnung" des Schmerzensgelds
- bld.de (Leitsatz/Kurzinformation)
Schmerzensgeldbemessung bei schweren Geburtsschäden
Verfahrensgang
Papierfundstellen
- NJW 2022, 1957
- MDR 2022, 764
- VersR 2022, 819
- JR 2023, 170
Wird zitiert von ... (25) Zitiert selbst (14)
- BGH, 08.02.2022 - VI ZR 409/19
Schmerzensgeldbemessung in Arzthaftungssachen: Gesichtspunkt der Genugtuung; …
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Zur Unterscheidung zwischen "grobem Behandlungsfehler" und "grob fahrlässigem Handeln eines Arztes" bei der Bemessung des Schmerzensgeldes in Arzthaftungsfällen (Anschluss an Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, NJW 2022, 1443).Rn. 8 Maßgebend für die Höhe des Schmerzensgeldes sind im Wesentlichen die Schwere der Verletzungen, das durch diese bedingte Leiden, dessen Dauer, das Ausmaß der Wahrnehmung der Beeinträchtigung durch den Verletzten und der Grad des Verschuldens des Schädigers (…Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 8;… vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, NJW 2006, 1271, 1274, juris Rn. 41;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 13; vgl. ferner Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 12, zVb).
Wie auch sonst kann in dieser Fallgruppe die Schwere der Schuld Berücksichtigung finden (vgl. Senatsurteile vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 23, zVb;… vom 16. Februar 1993 - VI ZR 29/92, NJW 1993, 1531, 1532, Ls. und juris Rn. 12 ff.).
Das Berufungsgericht hat die Senatsrechtsprechung nicht verkannt, wonach der Richter auch in der besonderen Fallgruppe der Zerstörung der Persönlichkeit des Verletzten den Grad des Verschuldens des Schädigers berücksichtigen kann (vgl. nur Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 23, zVb mwN) und auch in Arzthaftungssachen dem Gesichtspunkt der Genugtuung grundsätzlich Bedeutung zukommt.
So kann ein dem Arzt aufgrund grober Fahrlässigkeit unterlaufener Behandlungsfehler dem Schadensfall sein besonderes Gepräge geben (vgl. Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 13, zVb).
Dies ist mit der Rechtsprechung des Senats nicht zu vereinbaren, wonach ein grober Behandlungsfehler weder mit grober Fahrlässigkeit gleichzusetzen ist, noch ihm insoweit eine Indizwirkung zukommt, weil ein grober Pflichtverstoß für sich allein noch nicht den Schluss auf ein entsprechendes gesteigertes persönliches Verschulden zulässt (vgl. Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 14 ff., zVb).
- BGH, 15.02.2022 - VI ZR 937/20
BGH verwirft sog. "taggenaue Berechnung" des Schmerzensgeldes
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Zur Ungeeignetheit der Methode der "taggenauen Berechnung" des Schmerzensgeldes auch als "Plausibilitätskontrolle" in Fällen von Dauerschäden (Anschluss an Senatsurteil vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, VersR 2022, 712).Sie ist vom Revisionsgericht nur darauf zu überprüfen, ob die Festsetzung Rechtsfehler enthält, insbesondere ob das Gericht sich mit allen für die Bemessung des Schmerzensgeldes maßgeblichen Umständen ausreichend auseinandergesetzt und sich um eine angemessene Beziehung der Entschädigung zu Art und Dauer der Verletzung bemüht hat (Senatsurteile vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, zVb;… vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 7;… vom 17. November 2009 - VI ZR 64/08, VersR 2010, 268 Rn. 16;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 11).
Der Senat hat mit seinem nach der Entscheidung des Berufungsgerichts ergangenen Urteil vom 15. Februar 2022 (VI ZR 937/20, zVb) die im dortigen Streitfall angewandte, oben aufgeführte Methode zur "taggenauen Berechnung" des Schmerzensgeldes als ungeeignet verworfen.
Als schlechterdings nicht mehr nachvollziehbar und beliebig hat der Senat die auch von der Revision angeführte Annahme eines Tagessatzes von 40 EUR für Dauerschäden bei einem 100%igen Grad der Schädigungsfolgen als Prozentsatz des monatlichen Pro-Kopf-Bruttonationaleinkommens erachtet (vgl. nur Senatsurteil vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, zVb).
- BGH, 12.05.1998 - VI ZR 182/97
Zur Höhe des Schmerzensgeldes nach Verletzung mit nachfolgender Todesfolge
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Sie ist vom Revisionsgericht nur darauf zu überprüfen, ob die Festsetzung Rechtsfehler enthält, insbesondere ob das Gericht sich mit allen für die Bemessung des Schmerzensgeldes maßgeblichen Umständen ausreichend auseinandergesetzt und sich um eine angemessene Beziehung der Entschädigung zu Art und Dauer der Verletzung bemüht hat (Senatsurteile vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, zVb;… vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 7;… vom 17. November 2009 - VI ZR 64/08, VersR 2010, 268 Rn. 16; vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 11).Rn. 8 Maßgebend für die Höhe des Schmerzensgeldes sind im Wesentlichen die Schwere der Verletzungen, das durch diese bedingte Leiden, dessen Dauer, das Ausmaß der Wahrnehmung der Beeinträchtigung durch den Verletzten und der Grad des Verschuldens des Schädigers (…Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 8;… vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, NJW 2006, 1271, 1274, juris Rn. 41; vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 13;… vgl. ferner Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 12, zVb).
Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen (vgl. Senatsurteil vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 392 f., juris Rn. 15), die sich jedoch nicht rein rechnerisch ermitteln lässt (BGH…, Beschluss vom 6. Juli 1955 - GSZ 1/55, BGHZ 18, 149, 154, juris Rn. 15).
- BGH, 10.02.2015 - VI ZR 8/14
Schadensersatz bei Verkehrsunfall mit Personenschaden: Haftung für psychische …
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Sie ist vom Revisionsgericht nur darauf zu überprüfen, ob die Festsetzung Rechtsfehler enthält, insbesondere ob das Gericht sich mit allen für die Bemessung des Schmerzensgeldes maßgeblichen Umständen ausreichend auseinandergesetzt und sich um eine angemessene Beziehung der Entschädigung zu Art und Dauer der Verletzung bemüht hat (Senatsurteile vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, zVb; vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 7;… vom 17. November 2009 - VI ZR 64/08, VersR 2010, 268 Rn. 16;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 11).Rn. 8 Maßgebend für die Höhe des Schmerzensgeldes sind im Wesentlichen die Schwere der Verletzungen, das durch diese bedingte Leiden, dessen Dauer, das Ausmaß der Wahrnehmung der Beeinträchtigung durch den Verletzten und der Grad des Verschuldens des Schädigers (Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 8;… vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, NJW 2006, 1271, 1274, juris Rn. 41;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 13;… vgl. ferner Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 12, zVb).
- BGH, 06.07.1955 - GSZ 1/55
Bemessung des Schmerzensgeldanspruches
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Dabei sind in erster Linie die Höhe und das Maß der entstandenen Lebensbeeinträchtigung zu berücksichtigen; hier liegt das Schwergewicht (…vgl. BGH, Beschlüsse vom 16. September 2016 - VGS 1/16, BGHZ 212, 48 Rn. 54, 70; vom 6. Juli 1955 - GSZ 1/55, BGHZ 18, 149, 157, 167, juris Rn. 19, 42).Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen (…vgl. Senatsurteil vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 392 f., juris Rn. 15), die sich jedoch nicht rein rechnerisch ermitteln lässt (BGH, Beschluss vom 6. Juli 1955 - GSZ 1/55, BGHZ 18, 149, 154, juris Rn. 15).
- BGH, 16.02.1993 - VI ZR 29/92
Schmerzensgeldbemessung bei Verlust der Empfindungsfähigkeit
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Wie auch sonst kann in dieser Fallgruppe die Schwere der Schuld Berücksichtigung finden (…vgl. Senatsurteile vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 23, zVb; vom 16. Februar 1993 - VI ZR 29/92, NJW 1993, 1531, 1532, Ls. und juris Rn. 12 ff.).Diese Rechtsprechung sieht nämlich gerade keine regelhafte Erhöhung des Schmerzensgeldes bei verbliebener Einsichtsfähigkeit in die eigene, schwerst beeinträchtigte Lebenssituation vor, sondern danach kann der Tatrichter je nach dem Ausmaß der jeweiligen Beeinträchtigung und dem Grad der dem Verletzten verbliebenen Erlebnis- und Empfindungsfähigkeit Abstufungen vornehmen (vgl. nur Senatsurteil vom 16. Februar 1993 - VI ZR 29/92, NJW 1993, 1531, 1532, juris Rn. 12).
- OLG Frankfurt, 18.10.2018 - 22 U 97/16
Zur Berechnung von Haushaltsführungsschaden und Schmerzensgeld
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Rn. 11 a) Ohne Erfolg macht die Revision geltend, dass das Berufungsgericht in Anbetracht der lebenslänglichen schwerwiegenden Dauerschäden das Schmerzensgeld mit der Begrenzung auf 500.000 EUR unter Missachtung einer notwendigen Plausibilitätskontrolle anhand der Methode einer taggenauen Schmerzensgeldberechnung (…vgl. dazu grundlegend Schwintowski/C. Schah Sedi/M. Schah Sedi, Handbuch Schmerzensgeld, 1. Aufl. 2013, 2. Aufl. 2020; dem folgend Oberlandesgericht Frankfurt am Main, VersR 2021, 127; NJW 2019, 442) zu niedrig bemessen habe, denn bei Anwendung der taggenauen Berechnungsmethode stünde der Klägerin bei einer Lebenserwartung von 83 Jahren und einem Ansatz von 40 EUR pro Tag ein Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 1.200.000 EUR zu. - BGH, 16.09.2016 - VGS 1/16
Bemessung einer billigen Entschädigung (wirtschaftliche Verhältnisse des …
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Dabei sind in erster Linie die Höhe und das Maß der entstandenen Lebensbeeinträchtigung zu berücksichtigen; hier liegt das Schwergewicht (vgl. BGH, Beschlüsse vom 16. September 2016 - VGS 1/16, BGHZ 212, 48 Rn. 54, 70;… vom 6. Juli 1955 - GSZ 1/55, BGHZ 18, 149, 157, 167, juris Rn. 19, 42). - BGH, 12.07.2005 - VI ZR 83/04
Unbeschränkte Haftung von Kapitän, Schiffseigner und Reiseveranstalter für …
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Rn. 8 Maßgebend für die Höhe des Schmerzensgeldes sind im Wesentlichen die Schwere der Verletzungen, das durch diese bedingte Leiden, dessen Dauer, das Ausmaß der Wahrnehmung der Beeinträchtigung durch den Verletzten und der Grad des Verschuldens des Schädigers (…Senatsurteile vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 8; vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, NJW 2006, 1271, 1274, juris Rn. 41;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 13;… vgl. ferner Senatsurteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, Rn. 12, zVb). - BGH, 17.11.2009 - VI ZR 64/08
Zurechnung der einfachen Betriebsgefahr eines Fahrzeugs bei Haftung des Fahrers …
Auszug aus BGH, 22.03.2022 - VI ZR 16/21
Sie ist vom Revisionsgericht nur darauf zu überprüfen, ob die Festsetzung Rechtsfehler enthält, insbesondere ob das Gericht sich mit allen für die Bemessung des Schmerzensgeldes maßgeblichen Umständen ausreichend auseinandergesetzt und sich um eine angemessene Beziehung der Entschädigung zu Art und Dauer der Verletzung bemüht hat (Senatsurteile vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, zVb;… vom 10. Februar 2015 - VI ZR 8/14, VersR 2015, 590 Rn. 7; vom 17. November 2009 - VI ZR 64/08, VersR 2010, 268 Rn. 16;… vom 12. Mai 1998 - VI ZR 182/97, BGHZ 138, 388, 391, juris Rn. 11). - BGH, 08.06.1976 - VI ZR 216/74
Voraussetzungen der Zubilligung einer Schmerzensgeldrente neben einem …
- BGH, 15.01.1991 - VI ZR 163/90
Darlegungs- und Beweislast bei Geltendmachung eines Schmerzensgeldes
- OLG Koblenz, 16.12.2020 - 5 U 836/18
Schmerzensgeldbemessung bei einem Geburtsschaden mit lebenslangen Dauerschäden
- BGH, 24.05.1988 - VI ZR 159/87
Schadensersatz und Schmerzensgeld: Haftung für die Verursachung eines …
- BGH, 06.12.2022 - VI ZR 168/21
Deliktische Haftung: Schockschaden als Gesundheitsverletzung
Die Bemessung des Schmerzensgeldes kann in aller Regel nicht schon deshalb beanstandet werden, weil sie als zu dürftig oder als zu reichlich erscheint; insoweit ist es der Revision verwehrt, ihre Bewertung an die Stelle des Tatrichters zu setzen (st. Rspr., vgl. nur Senatsurteile vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Rn. 7;… vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, VersR 2022, 712 Rn. 11; jeweils mwN). - LG Köln, 13.06.2023 - 5 O 197/22
Sexueller Missbrauch, katholische Kirche, Schmerzensgeld, Schadensersatz, …
Rn. 91 Die auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild einheitlich festzusetzende Entschädigung lässt sich nicht rein rechnerisch ermitteln (BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 8 m.w.N., juris). - BGH, 06.12.2022 - VI ZR 73/21
Bemessung der Höhe der Hinterbliebenenentschädigung
Die Bemessung der Hinterbliebenenentschädigung kann in aller Regel nicht schon deshalb beanstandet werden, weil sie als zu dürftig oder als zu reichlich erscheint; insoweit ist es der Revision verwehrt, ihre Bewertung an die Stelle des Tatrichters zu setzen (…vgl. zur Anwendbarkeit des § 287 ZPO: Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD, Entwurf eines Gesetzes zur Einführung eines Anspruchs auf Hinterbliebenengeld, BT-Drucks. 18/11397 vom 7. März 2017, S. 14; Katzenmeier, JZ 2017, 869, 876;… MünchKommBGB/Wagner, 8. Aufl., § 844 Rn. 106; zum Schmerzensgeld: Senatsurteile vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Rn. 7;… vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20, VersR 2022, 712 Rn. 11; jeweils mwN).Insoweit entsprechen sie den in § 253 Abs. 2 BGB, § 15 Abs. 2 Satz 1 AGG geregelten Ansprüchen auf Ersatz immateriellen Schadens (vgl. Katzenmeier, JZ 2017, 869, 875), für die die Pflicht des Tatrichters, die Besonderheiten des jeweiligen Einzelfalles zu berücksichtigen, anerkannt ist (vgl. zu § 253 BGB: BGH, Beschluss vom 16. September 2016 - VGS 1/16, BGHZ 212, 48 ff.; Senatsurteile vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Rn. 8;… vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19, VersR 2022, 635 Rn. 11 f.;… zu § 15 AGG: Entwurf eines Gesetzes zur Umsetzung europäischer Richtlinien zur Verwirklichung des Grundsatzes der Gleichbehandlung, BT-Drucks. 16/1780, S. 38;… BAG, NJW 2010, 2970 Rn. 39).
- OLG Saarbrücken, 20.04.2023 - 3 U 7/23
Ermittlung des Haushaltsführungsschadens infolge eines Verkehrsunfalls
Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen, die sich jedoch nicht streng rechnerisch ermitteln lässt (vgl. BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, juris; Urteil vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20 -, juris). - LG Göttingen, 14.08.2025 - 12 O 85/21
Kind erhält 1 Million Euro Schmerzensgeld
Denn ein grober Pflichtverstoß lässt für sich allein noch nicht den Schluss auf ein entsprechendes gesteigertes persönliches Verschulden zu (BGH, Urteil vom 22.03.2022 - VI ZR 16/21, Rn. 16). - OLG Frankfurt, 02.04.2025 - 17 U 52/23
Schmerzensgeldbemessung im Arzthaftungsprozess wegen schwerster Hirnschädigung …
Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen (BGH…, Urteil vom 15. Februar 2022 - VI ZR 937/20 -, Rn. 13, juris; Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 8, juris, jew. m.w.N.).Wie auch sonst kann in dieser Fallgruppe die Schwere der Schuld Berücksichtigung finden (BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 9, juris).
Bei verbliebener Einsichtsfähigkeit in die eigene, schwerst beeinträchtigte Lebenssituation und bestehendem Bewusstsein der Einschränkungen ist keine regelhafte automatische Erhöhung des Schmerzensgeldes vorzunehmen, vielmehr hat der Tatrichter je nach dem Ausmaß der jeweiligen Beeinträchtigung und dem Grad der dem Verletzten verbliebenen Erlebnis- und Empfindungsfähigkeit Abstufungen vornehmen (BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 15, juris).
Die Vergleichsjudikatur zeigt, dass in Fällen eines Geburtsschadens, bei dem es zu einer schweren Hirnschädigung mit Intelligenzminderung, massiven Beeinträchtigungen der Kommunikationsfähigkeit und erheblichen körperlichen Folgen gekommen ist, Schmerzensgeldbeträge in der Größenordnung von 500.000,00 EUR bis 600.000 EUR (indexiert ca. 600.000,00 EUR bis 690.000,00 EUR ) zugesprochen wurden (vgl. OLG Köln, Urteil vom 5. Dezember 2018 - 5 U 24/18 -, (500.000,00 EUR), OLG Karlsruhe, Urteil vom 3. März 2016, - 7 U 28/15 -, (500.000,99 EUR); OLG Hamm, Urteil vom 4. Dezember 2018 - 26 U 9/16 -, (500.000,00 EUR), KG Berlin, Urteil vom 11. Dezember 2017 - 20 U 19/14 -, (500.000,00 EUR); OLG Stuttgart, Urteil vom 12. Januar 2010 - 1 U 107/09 -, (500.000,00 EUR); OLG Oldenburg, Urteil vom 13. November 2019 - 5 U 108/18 -, (500.000,00 EUR); OLG Koblenz, Urteil vom 16. Dezember 2020 - 5 U 836/18 -, (500.000,00 EUR); LG Paderborn, Urteil vom 9. Juni 2021 - 4 O 334/12 -, (600.000,00 EUR), LG Offenburg, Urteil vom 1. September 2017 - 3 O 386/14 - (550.000,00 EUR); OLG Hamm, Urteil vom 21. Mai 2003 - 3 U 122/02 -, (500.000,00 EUR); OLG Stuttgart, Urteil vom 9. September 2008 - 1 U 152/07 -, (500.000,00 EUR); OLG Zweibrücken, Urteil vom 22. April 2008 - 5 U 6/07 -, (500.000,00 EUR); OLG Hamm, Urteil vom 17. Dezember 2021 - I-26 U 102/20 -, (500.000,00 EUR); OLG Hamburg, Urteil vom 5. September 2024 - 1 U 95/23 -, (800.000,00 EUR - explizit als absoluter Extremfall bei grobem Behandlungsfehler beschrieben); OLG Jena, Beschluss vom 14. August 2009 - 4 U 459/09 -, (600.000,00 EUR); OLG Koblenz, Urteil vom 16. Dezember 2020 - 5 U 836/18 -, nachfolgend BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, (500.000,00 EUR)), wobei der Bundesgerichtshof ausdrücklich offengelassen hat, ob es bei Geburtsschäden, bei denen es zu einer schweren Hirnschädigung gekommen ist, eine Obergrenze (seinerzeit 500.000,00 EUR) geben müsse (BGH, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 14, juris).
Es liegt auch kein grobes - etwa die Grenze zum bedingten Vorsatz berührendes - Verschulden vor, dem unter dem Gesichtspunkt der Genugtuung, der auch in Arzthaftungssachen ungeachtet des Umstands, dass bei der ärztlichen Behandlung das Bestreben der Behandlungsseite im Vordergrund steht, dem Patienten zu helfen und ihn von seinen Beschwerden zu befreien, grundsätzlich Bedeutung zukommen kann (BGH…, Urteil vom 8. Februar 2022 - VI ZR 409/19 -, Rn. 13, juris, Urteil vom 22. März 2022 - VI ZR 16/21 -, Rn. 16, juris).
- OLG Hamm, 07.03.2023 - 7 U 130/22
Haftung der beteiligten Fahrzeughalter bei einem Bergeversuch mittels einer …
Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen, die sich jedoch nicht streng rechnerisch ermitteln lässt (…BGH Urt. v. 15.02.2022 - VI ZR 937/20, r+s 2022, 285 Rn. 13 m. w. N.; BGH Urt. v. 22.3.2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Rn. 8).Rn. 55 Der Methode des taggenauen Schmerzensgeldes bedarf es - entgegen der Auffassung des 22. Zivilsenats des OLG Frankfurt (…vgl. zuletzt etwa OLG Frankfurt Urt. v. 17.6.2021 - 22 U 181/20, DAR 2021, 509) - auch nicht im Sinne einer anzustellenden Kontrollüberlegung, ob das unter Berücksichtigung der allseits bekannten Bemessungskriterien für angemessen angesehene Schmerzensgeld sich rechnerisch anhand vorgegebener Parameter bestätigen lässt (…BGH Urt. v. 15.2.2022 - VI ZR 937/20, r+s 2022, 285 Rn. 14 ff. m. w. N.; BGH Urt. v. 22.3.2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Ls. 1;… OLG Hamm Urt. v. 5.3.2021 - 9 U 221/19, BeckRS 2021, 5414 = juris Ls. 4 und Rn. 29 f.).
- OLG Hamm, 27.02.2024 - 7 U 120/22
Ausschluss einer Gefährdung eines plötzlich hinter dem Bus auf die Fahrbahn …
Auf der Grundlage dieser Gesamtbetrachtung ist eine einheitliche Entschädigung für das sich insgesamt darbietende Schadensbild festzusetzen, die sich jedoch nicht streng rechnerisch ermitteln lässt (…BGH Urt. v. 15.02.2022 - VI ZR 937/20, r+s 2022, 285 Rn. 13 m. w. N.; BGH Urt. v. 22.3.2022 - VI ZR 16/21, VersR 2022, 819 Rn. 8). - OLG Hamm, 20.12.2022 - 26 U 15/22
Nicht verhinderter Suizidversuch
Dabei geht es nicht um eine isolierte Schau auf einzelne Umstände des Falles, sondern um eine Gesamtbetrachtung aller Umstände des Einzelfalles (st. Rspr. des BGH, zuletzt: Urteile vom 15. Februar 2022, VI ZR 937/20, und vom 22. März 2022, VI ZR 16/21, beide juris). - OLG Hamm, 21.06.2024 - 7 U 154/23
Erfordernis einer konkret individuellen Darlegung der über den Kontrollverlust …
Rn. 77 Bei der - grundsätzlich nach nationalem Recht vorzunehmenden - Bemessung der Höhe des Schadensersatzes sind im Rahmen der Billigkeit alle dafür relevanten Umstände des Einzelfalls - insbesondere Art, Intensität und Dauer der erlittenen Rechtsverletzung (…vgl. MüKoBGB/Oetker, 9. Aufl. 2022, BGB § 253 Rn. 36) - in eine Gesamtbetrachtung (vgl. BGH Urt. v. 22.3.2022 - VI ZR 16/21, NJW 2022, 1957 Rn. 8) unter Berücksichtigung der Funktion des Art. 82 Abs. 1 DSGVO einzubeziehen und gegeneinander abzuwägen. - OLG Brandenburg, 30.01.2024 - 3 U 30/22
Zahlungsanspruch eines Geschädigten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen …
- KG, 01.08.2022 - 20 U 176/21
Grobe Fahrlässigkeit bei einem Transport mit zwei Hubwagen
- OLG Brandenburg, 01.12.2025 - 2 U 50/24
Anspruch auf Schadensersatz aus Amtshaftung gegen das Jugendamt wegen …
- OLG Hamburg, 17.03.2023 - 1 U 78/22
Schadensersatz wegen fehlender psychiatrischer Einzelgespräche bei paranoider …
- OLG Hamm, 20.12.2022 - 26 U 46/21
Arzthaftung: Aufklärung über Hüftersatz bei einer jugendlichen Patientin
- OLG Celle, 15.10.2024 - 14 U 143/24
Haftungsabwägung bei Unfällen zwischen einem aus einer Ausfahrt kommenden Kfz und …
- OLG Naumburg, 24.09.2024 - 1 U 86/23
Schmerzensgeldanspruch bei einer Nervschädigung durch eine ohne Einwilligung der …
- OLG Hamm, 30.12.2024 - 7 U 5/24
Pedelec, Inliner, Fahrradweg, Überholen, Seitenabstand, Warnzeichen
- LG Köln, 20.10.2022 - 105 Ks 8/20
- OLG Hamm, 27.02.2024 - 7 U 120/227 U 120/22
- OLG Hamm, 20.12.2024 - 11 U 44/24
Datenschutzgrundverordnung ; Scraping; Schaden; Kontrollverlust; Kausalität
- LG Nürnberg-Fürth, 30.03.2023 - 11 O 7141/19
Haftung einer Klinik beim Sturz eines Menschen mit Behinderung vom Röntgentisch
- OLG Bamberg, 24.04.2023 - 4 U 16/20
Arzthaftung wegen eines Geburtsschadens, unzureichende Überwachung der Herztöne …
- LAG Rheinland-Pfalz, 04.03.2026 - 3 SLa 22/24
Schmerzensgeld - Auseinandersetzung zwischen Arbeitnehmer und Geschäftsführer
- KG, 15.01.2026 - 20 U 48/23
Haftung der beklagten Klinik gegenüber der betroffenen Patientin wegen …
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