Rechtsprechung
| OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21 Kart |
Volltextveröffentlichungen (5)
- openjur.de
- Justiz Baden-Württemberg
Behinderungsmissbrauch bei der Konzessionsvergabe
§ 1 Abs 1 EnWG, § 46 Abs 2 EnWG, § 19 Abs 1 GWB, § 19 Abs 2 Nr 1 GWB
Unbillige Behinderung von Bewerbern bei einer Stromkonzessionsvergabe - Behinderungsmissbrauch bei der Konzessionsvergabe - rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
1. Eine Gemeinde überschreitet bei der Ausgestaltung des Auswahlverfahrens für einen neuen qualifizierten Wegenutzungsvertrag i.S.d. § 46 Abs. 2 EnWG den ihr grundsätzlich zustehenden Spielraum, wenn durch die gewählte Gestaltung der Bewertung in Bezug auf das Kriterium ...
- rechtsportal.de
Rechtmäßigkeit eines Konzessionsvergabeverfahrens Ausgestaltung des Auswahlverfahrens für einen neuen qualifizierten Wegenutzungsvertrag Verhältnis von tatsächlicher Netzabgabe im Verhältnis von Haushalts- und Gewerbekunden zu Industriekunden
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Zur Gewichtung von Auswahlkriterien in einem Konzessionsvergabeverfahren
Kurzfassungen/Presse
- Wolters Kluwer (Kurzinformation)
Rechtmäßigkeit eines Konzessionsvergabeverfahrens hinsichtlich Ausgestaltung des Auswahlverfahrens für einen neuen qualifizierten Wegenutzungsvertrags
Verfahrensgang
- LG Mannheim, 11.02.2021 - 22 O 55/20
- OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21 Kar
Wird zitiert von ... (2) Zitiert selbst (11)
- BGH, 17.12.2013 - KZR 66/12
Zur Vergabe von Stromnetzkonzessionen durch die Gemeinden
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 27 a) Eine (drohende) unbillige Behinderung von Bewerbern ist nach der gebotenen Gesamtwürdigung grundsätzlich anzunehmen, wenn das Auswahlverfahren gegen die kartellrechtlichen Pflichten der Gemeinde, insbesondere gegen § 46 EnWG verstößt, und dadurch die Chancen der Bewerber auf die Konzession beeinträchtigt werden (vgl. BGHZ 199, 289 Rn. 55 ff, 58 - Stromnetz Berkenthin;… BGH, RdE 2015, 29 Rn. 53 - Stromnetz Homberg;… RdE 2020, 422 Rn. 14 - Stromnetz Steinbach).Die Auswahl muss in einem transparenten Verfahren erfolgen und ist vorrangig an Kriterien auszurichten, die das Ziel des § 1 EnWG (Gewährleistung einer sicheren, preisgünstigen, verbraucherfreundlichen, effizienten und umweltverträglichen, leitungsgebundenen örtlichen Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität und Gas) konkretisieren (vgl. BGHZ 199, 289 Rn. 16 ff, 34 ff - Stromnetz Berkenthin;… BGH, RdE 2020, 358 Rn. 31 f - Gasnetz Leipzig).
Rn. 29 Bei der Formulierung und Gewichtung der Auswahlkriterien für die Konzessionsvergabe durch Konkretisierung, Gewichtung und Abwägung der energiewirtschaftsrechtlichen Einzelziele gegeneinander und der hieran knüpfenden Bewertung der Bieterangebote steht der Gemeinde als Ausfluss ihrer durch Art. 28 Abs. 2 GG gewährleisteten Planungshoheit ein weiter Spielraum (Beurteilungs-/Bewertungs/Entscheidungs-/Ermessensspielraum) zu (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ;… vgl. ferner BT-Drucks. 18/8184, S. 13, 15; BGHZ 199, 289 Rn. 48 - Stromnetz Berkenthin; OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486, 488; KG, EnWZ 2019, 76 81 f).
In materieller Hinsicht ist die Gemeinde daher verpflichtet, ihre Auswahlentscheidung allein nach sachlichen Kriterien zu treffen, die vorrangig an den Zielen des § 1 Abs. 1 EnWG ausgerichtet sind (BGHZ 199, 289 Rn. 36 - Stromnetz Berkenthin; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2020 - EnZR 116/18, juris Rn. 15).
Soweit die Berufung in diesem Zusammenhang darauf verweist, der Gesetzgeber habe explizit davon abgesehen, eine gesetzliche Vorgabe zu machen, wie die Ziele des § 1 Abs. 1 EnWG in konkrete Auswahlkriterien umzuwandeln und zu gewichten sind (…vgl. BT-Drs. 18/8184, S. 13, 15), kann daraus nicht abgeleitet werden, dass der Gesetzgeber es den Gemeinden gestatten wollte, bei der Konzessionsvergabe mit deren Zweck nicht in Einklang stehende Ziele zu verfolgen (vgl. BGHZ 199, 289, bei juris Rn. 50 - Stromnetz Berkenthin).
Sie ist nur dann zu verneinen, wenn zweifelsfrei feststeht, dass sich die Fehlerhaftigkeit des Auswahlverfahrens nicht auf dessen Ergebnis ausgewirkt haben kann oder auswirken wird, weil derselbe Bewerber die Konzession auf jeden Fall auch ohne den Verfahrensfehler erhalten hätte (BGHZ 199, 289, bei juris Rz. 99 - Stromnetz Berkenthin), was etwa bei einer geringfügigen Fehlgewichtung im Kriterienkatalog der Fall sein kann, die ersichtlich keinen Einfluss auf die Platzierung der Bewerber haben konnte ( OLG Stuttgart…, Urteil vom 5. Januar 2017 - 2 U 66/16 , juris Rn. 86 ).
- OLG Karlsruhe, 27.01.2021 - 6 U 95/20
Auswahlkriterien für die Einräumung von Wegenutzungsrechten nach dem EnWG
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 25 1. Das einstweilige Verfügungsverfahren ist als solches nach § 47 Abs. 5 Satz 2 EnWG mit den gestellten Unterlassungsanträgen grundsätzlich statthaft und scheitert auch nicht an besonderen Voraussetzungen des einstweiligen Rechtsschutzes (siehe Senat, Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 73 ff mwN).Nach der Gesetzesbegründung soll sich die Rechtsgefährdung bereits aus der drohenden Präklusion ergeben (…vgl. BT-Drucks. 18/8184, S. 17; siehe Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 98 ff; Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 75 ).
Rn. 29 Bei der Formulierung und Gewichtung der Auswahlkriterien für die Konzessionsvergabe durch Konkretisierung, Gewichtung und Abwägung der energiewirtschaftsrechtlichen Einzelziele gegeneinander und der hieran knüpfenden Bewertung der Bieterangebote steht der Gemeinde als Ausfluss ihrer durch Art. 28 Abs. 2 GG gewährleisteten Planungshoheit ein weiter Spielraum (Beurteilungs-/Bewertungs/Entscheidungs-/Ermessensspielraum) zu (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ; Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ;… vgl. ferner BT-Drucks. 18/8184, S. 13, 15;… BGHZ 199, 289 Rn. 48 - Stromnetz Berkenthin; OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486, 488; KG, EnWZ 2019, 76 81 f).
Der Spielraum der Gemeinde ist nur daraufhin überprüfbar, ob von keinem unzutreffenden oder unvollständigen Sachverhalt ausgegangen worden ist, keine sachwidrigen Erwägungen eingeflossen sind, der Spielraum diskriminierungsfrei wahrgenommen worden ist und sich Wertungsentscheidungen auch im Übrigen im Rahmen der Gesetze und allgemein gültigen Beurteilungsmaßstäbe halten (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ; Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 488).
Die Zuschlagskriterien der Gemeinde müssen danach insbesondere objektiv und ohne Unterschied auf alle Angebote anwendbar sein und einen Bezug zum Netzbetrieb haben bzw. die netzwirtschaftlichen Anforderungen wahren, wobei namentlich die Gewichtung der Zuschlagskriterien sachgerecht an den Zielen des § 1 EnWG orientiert sein muss (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ; Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ), die die Gemeinde gegebenenfalls unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse konkretisieren kann (…vgl. BGH, RdE 2020, 422 Rn. 16 - Stromnetz Steinbach).
Der bei der Bestimmung der Kriterien bestehende Spielraum der Gemeinde wird dort überschritten, wo die Bedeutung eines Kriteriums in der Ausschreibungsgewichtung so grundlegend von dessen Bedeutung nach den energiewirtschaftsrechtlichen Zielsetzungen abweicht, dass daraus eine Verkennung des Kriteriums offenkundig wird, weil von einer angemessenen Bewertung auch im Lichte des Spielraums nicht mehr ausgegangen werden kann (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ; Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. auch OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486).
- OLG Karlsruhe, 28.08.2019 - 6 U 109/18
Einstweiliges Verfügungsverfahren über die Rechtmäßigkeit des Verfahrens zur …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Nach der Gesetzesbegründung soll sich die Rechtsgefährdung bereits aus der drohenden Präklusion ergeben (…vgl. BT-Drucks. 18/8184, S. 17; siehe Senat, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 98 ff;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 75 ).Rn. 29 Bei der Formulierung und Gewichtung der Auswahlkriterien für die Konzessionsvergabe durch Konkretisierung, Gewichtung und Abwägung der energiewirtschaftsrechtlichen Einzelziele gegeneinander und der hieran knüpfenden Bewertung der Bieterangebote steht der Gemeinde als Ausfluss ihrer durch Art. 28 Abs. 2 GG gewährleisteten Planungshoheit ein weiter Spielraum (Beurteilungs-/Bewertungs/Entscheidungs-/Ermessensspielraum) zu (Senat, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ;… vgl. ferner BT-Drucks. 18/8184, S. 13, 15;… BGHZ 199, 289 Rn. 48 - Stromnetz Berkenthin; OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486, 488; KG, EnWZ 2019, 76 81 f).
Der Spielraum der Gemeinde ist nur daraufhin überprüfbar, ob von keinem unzutreffenden oder unvollständigen Sachverhalt ausgegangen worden ist, keine sachwidrigen Erwägungen eingeflossen sind, der Spielraum diskriminierungsfrei wahrgenommen worden ist und sich Wertungsentscheidungen auch im Übrigen im Rahmen der Gesetze und allgemein gültigen Beurteilungsmaßstäbe halten (Senat, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 488).
Die Zuschlagskriterien der Gemeinde müssen danach insbesondere objektiv und ohne Unterschied auf alle Angebote anwendbar sein und einen Bezug zum Netzbetrieb haben bzw. die netzwirtschaftlichen Anforderungen wahren, wobei namentlich die Gewichtung der Zuschlagskriterien sachgerecht an den Zielen des § 1 EnWG orientiert sein muss (Senat, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ), die die Gemeinde gegebenenfalls unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse konkretisieren kann (…vgl. BGH, RdE 2020, 422 Rn. 16 - Stromnetz Steinbach).
Der bei der Bestimmung der Kriterien bestehende Spielraum der Gemeinde wird dort überschritten, wo die Bedeutung eines Kriteriums in der Ausschreibungsgewichtung so grundlegend von dessen Bedeutung nach den energiewirtschaftsrechtlichen Zielsetzungen abweicht, dass daraus eine Verkennung des Kriteriums offenkundig wird, weil von einer angemessenen Bewertung auch im Lichte des Spielraums nicht mehr ausgegangen werden kann (Senat, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. auch OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486).
- OLG Frankfurt, 03.11.2017 - 11 U 51/17
Konzessionsvergabe zum Betrieb eines Energieversorgungsnetzes
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 29 Bei der Formulierung und Gewichtung der Auswahlkriterien für die Konzessionsvergabe durch Konkretisierung, Gewichtung und Abwägung der energiewirtschaftsrechtlichen Einzelziele gegeneinander und der hieran knüpfenden Bewertung der Bieterangebote steht der Gemeinde als Ausfluss ihrer durch Art. 28 Abs. 2 GG gewährleisteten Planungshoheit ein weiter Spielraum (Beurteilungs-/Bewertungs/Entscheidungs-/Ermessensspielraum) zu (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ;… vgl. ferner BT-Drucks. 18/8184, S. 13, 15;… BGHZ 199, 289 Rn. 48 - Stromnetz Berkenthin; OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486, 488; KG, EnWZ 2019, 76 81 f).Der Spielraum der Gemeinde ist nur daraufhin überprüfbar, ob von keinem unzutreffenden oder unvollständigen Sachverhalt ausgegangen worden ist, keine sachwidrigen Erwägungen eingeflossen sind, der Spielraum diskriminierungsfrei wahrgenommen worden ist und sich Wertungsentscheidungen auch im Übrigen im Rahmen der Gesetze und allgemein gültigen Beurteilungsmaßstäbe halten (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 488).
Der bei der Bestimmung der Kriterien bestehende Spielraum der Gemeinde wird dort überschritten, wo die Bedeutung eines Kriteriums in der Ausschreibungsgewichtung so grundlegend von dessen Bedeutung nach den energiewirtschaftsrechtlichen Zielsetzungen abweicht, dass daraus eine Verkennung des Kriteriums offenkundig wird, weil von einer angemessenen Bewertung auch im Lichte des Spielraums nicht mehr ausgegangen werden kann (Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , juris Rn. 137 ;… Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 82 ; vgl. auch OLG Frankfurt a.M., NVwZ-RR 2018, 485, 486).
- OLG Karlsruhe, 26.03.2014 - 6 U 68/13
Gemeindliche Konzessionsvergabe für ein Energieversorgungsnetz: Nichtigkeit eines …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 33 (1) Das kommunale Selbstverwaltungsrecht besteht nur "im Rahmen der Gesetze" (Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG), zu denen auch die einschlägigen Bestimmungen des Energiewirtschaftsrechts und des Kartellrechts gehören (Senat, Urteil vom 26. März 2014 - 6 U 68/13 Kart , EnWZ 2014, 326 Rn. 45 ).Die daraus folgenden rechtlich geschützten Interessen und Ziele sind in praktische Konkordanz zu bringen, wobei die Gemeinde bei der Konzessionsvergabeentscheidung die in § 1 EnWG genannten Ziele nicht nur einzubeziehen hat, sondern ihnen auch praktisches Gewicht verleihen muss (Senat, aaO, EnWZ 2014, 326 Rn. 46 ).
- OLG Schleswig, 07.03.2022 - 16 U 166/21
Verfahren über die Neuvergabe der ausgelaufenen Konzessionsverträge für ein …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 28 Ob ein fehlerhaftes Auswahlverfahren Bewerber um die Konzession unbillig behindert, bestimmt sich anhand einer Gesamtwürdigung und Abwägung aller beteiligten Interessen unter Berücksichtigung der auf die Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Zielsetzung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen, die auf eine Sicherung des Leistungswettbewerbs und insbesondere die Offenheit der Marktzugänge gerichtet ist (vgl. BGH, Urteile vom 17. Dezember 2013, KZR 65/12, - Stromnetz Heiligenhafen, Rn 43 ff; OLG Schleswig, Urteil vom 7. März 2022 - 16 U 166/21 Kart -, juris Rn. 85).Ihr Ausgestaltungsspielraum findet daher seine Grenze dort, wo die Kriterien bzw. die dazu aufgestellten Maßstäbe die objektiven Anforderungen an den Netzbetrieb - die Versorgungsaufgabe in den gesetzlich vorgegebenen Dimensionen - ersichtlich unzureichend abbilden (OLG Schleswig, Urteil vom 7. März 2022 - 16 U 166/21 Kart -, juris Rn. 87).
- OLG Stuttgart, 05.01.2017 - 2 U 66/16
Konzessionsvergabeverfahren: Pflichten einer Gemeinde bei der Auswahl eines …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Sie ist nur dann zu verneinen, wenn zweifelsfrei feststeht, dass sich die Fehlerhaftigkeit des Auswahlverfahrens nicht auf dessen Ergebnis ausgewirkt haben kann oder auswirken wird, weil derselbe Bewerber die Konzession auf jeden Fall auch ohne den Verfahrensfehler erhalten hätte (…BGHZ 199, 289, bei juris Rz. 99 - Stromnetz Berkenthin), was etwa bei einer geringfügigen Fehlgewichtung im Kriterienkatalog der Fall sein kann, die ersichtlich keinen Einfluss auf die Platzierung der Bewerber haben konnte ( OLG Stuttgart, Urteil vom 5. Januar 2017 - 2 U 66/16 , juris Rn. 86 ). - OLG Schleswig, 18.05.2020 - 16 U 66/19
Vergabe von Wegerechtskonzessionen für den Betrieb des Strom- und Gasnetzes: …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Wie bereits dargestellt ist die Auswahl des Netzbetreibers allerdings vorrangig an Kriterien auszurichten, die die Zielsetzung des § 1 Abs. 1 EnWG konkretisieren, so dass den energiewirtschaftlichen Kriterien das deutlich größere Gewicht beizumessen ist, während den Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft geringeres Gewicht zukommt (OLG Schleswig, Urteil vom 18. Mai 2020 - 16 U 66/19 Kart, juris Rn. 98). - BGH, 17.12.2013 - KZR 65/12
Zur Vergabe von Stromnetzkonzessionen durch die Gemeinden
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
Rn. 28 Ob ein fehlerhaftes Auswahlverfahren Bewerber um die Konzession unbillig behindert, bestimmt sich anhand einer Gesamtwürdigung und Abwägung aller beteiligten Interessen unter Berücksichtigung der auf die Freiheit des Wettbewerbs gerichteten Zielsetzung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen, die auf eine Sicherung des Leistungswettbewerbs und insbesondere die Offenheit der Marktzugänge gerichtet ist (vgl. BGH, Urteile vom 17. Dezember 2013, KZR 65/12, - Stromnetz Heiligenhafen, Rn 43 ff; OLG Schleswig…, Urteil vom 7. März 2022 - 16 U 166/21 Kart -, juris Rn. 85). - BGH, 28.01.2020 - EnZR 116/18
Stromnetz Steinbach - Energiewirtschaft: Nichtigkeit des Konzessionsvertrags; …
Auszug aus OLG Karlsruhe, 13.07.2022 - 6 U 53/21
In materieller Hinsicht ist die Gemeinde daher verpflichtet, ihre Auswahlentscheidung allein nach sachlichen Kriterien zu treffen, die vorrangig an den Zielen des § 1 Abs. 1 EnWG ausgerichtet sind (…BGHZ 199, 289 Rn. 36 - Stromnetz Berkenthin; BGH, Urteil vom 28. Januar 2020 - EnZR 116/18, juris Rn. 15). - OLG Karlsruhe, 27.04.2022 - 6 U 318/21
Ausschreibungsverfahren bei zu erwartender Bieterbeteiligung der Gemeinde
- OLG Karlsruhe, 12.06.2024 - 6 U 222/23
Kriterium der Preisgünstigkeit bei der Konzessionsvergabe zum Betrieb eines …
Rn. 48 a) Dabei ist das Landgericht von dem im Allgemeinen anerkannten Prüfungsmaßstab ausgegangen, der auch vom Senat in ständiger Rechtsprechung (vgl. nur Senat…, Urteil vom 27. Januar 2021 - 6 U 95/20 Kart , juris Rn. 80 ff;… Urteil vom 27. April 2022 - 6 U 318/21 Kart , juris Rn. 47 ff; Urteil vom 13. Juli 2022 - 6 U 53/21 Kart , WuW 2023, 48, 49 ) zugrunde gelegt wird.Wie der Senat (…Urteil vom 27. April 2022 - 6 U 318/21 Kart , juris Rn. 51 ; Urteil vom 13. Juli 2022 - 6 U 53/21 Kart , WuW 2023, 48, 49 ) zuletzt klargestellt hat, findet der Ausgestaltungsspielraum der Gemeinde eine Grenze - auch - dort, wo die Auswahlkriterien und deren Gewichtung die objektiven Anforderungen an den Netzbetrieb mit Rücksicht auf die gebotene Ausrichtung an Kriterien, die das Ziel des § 1 Abs. 1 EnWG konkretisieren, ersichtlich unzureichend abbilden.
Rn. 52 Nach den oben dargestellten Maßstäben läge eine fehlerhafte Auswahl, die eine unbillige Behinderung indiziert, nämlich insbesondere vor, wenn die Gemeinde mit den Auswahlkriterien und deren der Gewichtung so grundlegend von der Bedeutung der Preisgünstigkeit nach den energiewirtschaftlichen Zielsetzungen abweicht, dass daraus eine Verkennung des Kriteriums offenkundig wird und nicht mehr von einer angemessenen Bewertung ausgegangen werden kann (vgl. Senat, Urteil vom 13. Juli 2022 - 6 U 53/21 Kart , WuW 2023, 48, 50 ).
Die Konkretisierung des Bewertungskriteriums "Preisgünstigkeit" hat durch die jeweilige Gemeinde unter Berücksichtigung dieses übergeordneten Ziels zu erfolgen (Senat, Urteil vom 13. Juli 2022 - 6 U 53/21 Kart , WuW 2023, 48, 50 ).
- OLG Karlsruhe, 22.02.2023 - 6 U 381/22
Einstweiliges Verfügungsverfahren gegen Fortsetzung eines …
Dass die Gemeinde bei der Auswahlentscheidung nach § 46 Abs. 4 EnWG jeden der nach § 1 Abs. 1 EnWG relevanten Gesichtspunkte in den Blick nehmen muss und nicht unzureichend abbilden darf (…siehe BGHZ 199, 289 Rn. 16 ff, 34 ff - Stromnetz Berkenthin;… BGH, RdE 2020, 358 Rn. 31 f - Gasnetz Leipzig;… RdE 2021, 477 Rn. 19 - Gasnetz Berlin; Senat…, Urteil vom 28. August 2019 - 6 U 109/18 Kart , RdE 2022, 82 [juris Rn. 137 ];… Urteil vom 27. April 2022 - 6 U 318/21 Kart , juris Rn. 50 f mwN; Urteil vom 13. Juli 2022 - 6 U 53/21 Kart , WuW 2022, 702 [juris Rn. 27 ff, 33 ff]), bedeutet insoweit lediglich, dass jedes relevante Ziel über die Schnittmenge mit anderen Zielen hinaus zu beachten ist.
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Rechtsprechung
| LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21 |
Volltextveröffentlichungen (4)
- Sozialgerichtsbarkeit.de
Unfallversicherung
- Rechtsprechungsdatenbank Sachsen-Anhalt
Anl 1 Nr 4301 BKV, § 45 SGB 7, § 9 Abs 1 S 1 SGB 7, § 153 Abs 4 S 1 SGG
Unfallversicherung (U) - Zur BK Nr 4103 Asbestose - rechtsportal.de
Asbestose; Berufskrankheit; BK Nr 4103; Expositionszeiten; keine Pleuraveränderungen; Verletztenrente
- rechtsportal.de
SGB VI § 9 Abs. 1 S. 1
Anerkennung einer Asbeststaublungenerkrankung als Berufskrankheit hinsichtlich Gewährung einer Verletztenrente (hier: Asbestose)
Verfahrensgang
- LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2021 - L 6 U 53/21
- SG Halle, 06.05.2021 - S 13 U 12/20
- LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21
- BSG, 27.09.2024 - B 2 U 60/23 B
Wird zitiert von ... (0) Zitiert selbst (3)
- BSG, 27.06.2006 - B 2 U 5/05 R
Gesetzliche Unfallversicherung - Berufskrankheit - Quasi-Berufskrankheit - …
Auszug aus LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21
Der ursächliche Zusammenhang zwischen der versicherten Tätigkeit und den Einwirkungen sowie zwischen diesen und der Erkrankung beurteilt sich dagegen nach dem Beweismaßstab der hinreichenden Wahrscheinlichkeit (vgl. z.B. Bundessozialgericht [BSG], Urteil vom 27. Juni 2006 - B 2 U 5/05 R - juris; Urteil vom 7. September 2004 - B 2 U 46/03 R - juris).Es ist jedoch nicht auf Grund voll bewiesener Gesundheitsstörungen mit hinreichender Wahrscheinlichkeit belegt, dass der Kläger an einer Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose) bzw. zumindest an einer Minimalasbestose oder einer asbestbedingten Erkrankung der Pleura leidet (siehe zu den inhaltlichen Anforderungen des so genannten Vollbeweises nur BSG, Urteil vom 27. Juni 2006 - B 2 U 5/05 R - juris, Rn. 14).
- BSG, 07.09.2004 - B 2 U 46/03 R
Gesetzliche Unfallversicherung - Unfallversicherungsschutz - Pflegeperson - …
Auszug aus LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21
Der ursächliche Zusammenhang zwischen der versicherten Tätigkeit und den Einwirkungen sowie zwischen diesen und der Erkrankung beurteilt sich dagegen nach dem Beweismaßstab der hinreichenden Wahrscheinlichkeit (vgl. z.B. Bundessozialgericht [BSG], Urteil vom 27. Juni 2006 - B 2 U 5/05 R - juris; Urteil vom 7. September 2004 - B 2 U 46/03 R - juris). - OLG Braunschweig, 19.05.2020 - 6 U 84/19
Auszug aus LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21
Mit Beschluss vom 18. Februar 2020 hat der Senat das die BK 4104 betreffende Berufungsverfahren L 6 U 84/19 bis zum bestandskräftigen Abschluss der vorliegenden Sache ruhend gestellt.
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Rechtsprechung
| LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2021 - L 6 U 53/21 |
Verfahrensgang
- LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2021 - L 6 U 53/21
- SG Halle, 06.05.2021 - S 13 U 12/20
- LSG Sachsen-Anhalt, 03.05.2023 - L 6 U 53/21
- BSG, 27.09.2024 - B 2 U 60/23 B
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Rechtsprechung
| OLG Köln, 03.09.2021 - 6 U 53/21 |
Volltextveröffentlichungen (3)
- openjur.de
- NRWE (Rechtsprechungsdatenbank NRW)
- rechtsportal.de
UWG § 3a; UWG § 8 Abs. 1
Unterlassung des Vertriebs der FFP2-Masken als geschäftliche Handlung wegen Verstoßes eines Händlers gegen die Überprüfungspflicht
Verfahrensgang
- LG Köln, 30.03.2021 - 33 O 10/21
- OLG Köln, 03.09.2021 - 6 U 53/21
Corona: Rechtsprechungsübersichten 
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- OLG Köln, 28.07.2017 - 6 U 193/16
Wettbewerbswidrigkeit des Vertreibens von LED-Lampen ohne CE-Kennzeichnung auf …
Auszug aus OLG Köln, 03.09.2021 - 6 U 53/21
Den Händler trifft im Rahmen der "erforderlichen Sorgfalt" nur eine formale Prüfung hinsichtlich des Ob der erforderlichen Kennzeichnungen und nicht auch deren richtige Platzierung trifft (s. Senat, Urteil vom 28.07.2017, 6 U 193/16, betreffend die CE-Kennzeichnung nach § 6 Abs. 5 ProdSG, § 8 ElektrostoffVO, im Gegensatz zu den Pflichten zum Hersteller, s. Senat, Urteil vom 25.10.2017, 6 U 194/16). - OLG Köln, 16.08.2013 - 6 U 18/13
Wettbewerbswidrigkeit des Vertriebs von Elektrogeräten ohne CE-Kennzeichnung und …
Auszug aus OLG Köln, 03.09.2021 - 6 U 53/21
Die Schaffung gleicher Voraussetzungen für alle Mitbewerber und die Gleichbehandlung aller Wettbewerber ist regelmäßig nicht der Zweck, sondern die Folge einer jeden auf die gleichmäßige Anwendung abzielenden gesetzlichen Regelung (s. Senat, Urteil vom 16.08.2013, 6 U 18/13). - OLG Köln, 25.10.2017 - 6 U 194/16
Unterlassung der Anbringung nicht ordnungsgemäßer CE-Kennzeichnungen auf …
Auszug aus OLG Köln, 03.09.2021 - 6 U 53/21
Den Händler trifft im Rahmen der "erforderlichen Sorgfalt" nur eine formale Prüfung hinsichtlich des Ob der erforderlichen Kennzeichnungen und nicht auch deren richtige Platzierung trifft (s. Senat, Urteil vom 28.07.2017, 6 U 193/16, betreffend die CE-Kennzeichnung nach § 6 Abs. 5 ProdSG, § 8 ElektrostoffVO, im Gegensatz zu den Pflichten zum Hersteller, s. Senat, Urteil vom 25.10.2017, 6 U 194/16).
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