Rechtsprechung
| BGH, 04.12.1985 - VIII ZR 33/85 |
Volltextveröffentlichungen (4)
- JLaw (App) | www.prinz.law
- Wolters Kluwer
Verpachtung eines Imbiss-Kiosks - Fristlose Kündigung nach Vornahme eines vertragswidrigen Umbaus und Auflaufen eines Pachtrückstands - Verwirkung des Kündigungsrechts durch Abwarten in Kenntnis der Umbauten - Beeinflussung von Zeugen im Hinblick auf einen künftigen ...
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
- juris(Abodienst) (Volltext/Leitsatz)
Papierfundstellen
- WuM 1986, 60
Wird zitiert von ... (7) Zitiert selbst (2)
- BGH, 21.12.1960 - VIII ZR 50/60
Auszug aus BGH, 04.12.1985 - VIII ZR 33/85
Wenn der Beklagte sich gegen die Kündigung mit unredlichen Mitteln verteidigt hat - hierzu kann auch der Versuch gehören, Zeugen im Hinblick auf einen künftigen Prozeß mit dem Verpächter zu beeinflussen -, mag darin eine Verletzung von Nebenpflichten aus dem Pachtvertrag von solchem Gewicht liegen, daß dem Verpächter die Fortsetzung des Pachtverhältnisses nicht zugemutet werden kann (vgl. für den Fall einer Strafanzeige gegen den Verpächter Senatsurteil vom 21. Dezember 1960 - VIII ZR 50/60, LM BGB § 553 Nr. 6 = MDR 1961, 226).Dies müßte bei der nach § 554 a BGB erforderlichen Gesamtabwägung, ob die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses für den Kläger unzumutbar ist, berücksichtigt werden und könnte die versuchte Zeugenbeeinflussung in einem anderen Licht erscheinen lassen; denn die Vertragspartei, die die andere zu einer Vertragsverletzung provoziert hat, kann in der Regel deswegen nicht kündigen (…vgl. Staudinger/Emmerich, BGB, 2. Bearb. 1981, § 554 a Rz. 13; s. zur Gesamtabwägung Senatsurteil vom 21. Dezember 1960 a.a.O. unter II. 3 b a.E. und vom 1. Dezember 1982 - VIII ZR 206/81, WM 1983, 30, 32 unter IV. 2).
- BGH, 01.12.1982 - VIII ZR 206/81
Haftung der Gesellschafter für Forderungen eines Mitgesellschafters
Auszug aus BGH, 04.12.1985 - VIII ZR 33/85
Dies müßte bei der nach § 554 a BGB erforderlichen Gesamtabwägung, ob die Fortsetzung des Vertragsverhältnisses für den Kläger unzumutbar ist, berücksichtigt werden und könnte die versuchte Zeugenbeeinflussung in einem anderen Licht erscheinen lassen; denn die Vertragspartei, die die andere zu einer Vertragsverletzung provoziert hat, kann in der Regel deswegen nicht kündigen (…vgl. Staudinger/Emmerich, BGB, 2. Bearb. 1981, § 554 a Rz. 13;… s. zur Gesamtabwägung Senatsurteil vom 21. Dezember 1960 a.a.O. unter II. 3 b a.E. und vom 1. Dezember 1982 - VIII ZR 206/81, WM 1983, 30, 32 unter IV. 2).
- BGH, 25.10.2023 - VIII ZR 147/22
Wohnraummiete: Ordentliche Kündigung wegen bewusst unwahrer Tatsachenbehauptungen …
So ist etwa zu berücksichtigen, ob das unredliche Prozessverhalten des Mieters der Abwehr einer unberechtigten Kündigung des Vermieters dienen sollte (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1 [zur fristlosen Kündigung eines Pachtverhältnisses nach § 554a BGB aF]).Es kann daher auch von Bedeutung sein, ob dem Verhalten des Mieters eine unberechtigte Kündigung durch den Vermieter vorausgegangen ist (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1 [zur fristlosen Kündigung eines Pachtverhältnisses nach § 554a BGB aF]).
Allerdings sind auch hier die Schwere des Pflichtverstoßes des Mieters sowie das Verhalten der Gegenseite zu berücksichtigen (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1; KG, GE 1987, 571 [jeweils zur fristlosen Kündigung eines Pachtverhältnisses nach § 554a BGB aF]).
Rn. 34 (bb) Dem Fehlverhalten des Beklagten zu 2 könnte zum anderen auch dann ein geringeres Gewicht beizumessen sein, wenn es der Abwehr einer unberechtigten Kündigung durch die Klägerin gedient haben sollte, weil es dann die Folge einer ihrerseits begangenen Vertragsverletzung wäre (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1 a; vgl. auch Senatsurteile vom 11. Januar 1984, BGHZ 89, 296, 302; vom 18. Mai 2005 - VIII ZR 368/03, NJW 2005, 2395 unter II 1 [jeweils zur Einordnung einer unberechtigten Kündigung als positive Vertragsverletzung nach altem Schuldrecht]).
- BGH, 12.10.2021 - VIII ZR 91/20
Berufung im Räumungsrechtsstreit für eine Mietwohnung: Verletzung des rechtlichen …
Rn. 40 Ein Grund zur (fristlosen) Kündigung kann auch dann vorliegen, wenn sich eine Partei - wie hier dem Beklagten zum Vorwurf gemacht - im Prozess unredlicher oder unverhältnismäßiger Mittel bedient (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1;… Schmidt-Futterer/Blank, Mietrecht, 14. Aufl., § 543 BGB Rn. 197). - LG Berlin, 15.04.2014 - 67 S 81/14
Lügen im Prozess rechtfertigt erneute Kündigung!
Eine unredliche Prozessführung durch bewusst wahrheitswidrigen Parteivortrag ist zwar grundsätzlich geeignet, einen Grund zur außerordentlichen und ordentlichen Kündigung eines Vertragsverhältnisses darzustellen (…st. Rspr., vgl. nur BAG, Urt. v. 8. November 2007 - 2 AZR 528/06, EzA § 626 BGB 2002 Nr. 19Tz. 17 m. w. N.; BGH, Urt. v. 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 Tz. 12).
- BGH, 02.12.2025 - VIII ZR 274/23
Fristlose Kündigung des Mietverhältnisses wegen der durchgeführten baulichen …
Denn durch die Rechtsprechung des Senats sind auch die Voraussetzungen, unter denen bewusst unrichtiges Vorbringen eines Mieters innerhalb eines Mietrechtsstreits im Einzelfall einen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung im Sinne von § 543 Abs. 1 Satz 2 BGB oder eine die ordentliche Kündigung nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB begründende Pflichtverletzung darstellen können, bereits seit längerem geklärt (vgl. Senatsurteil vom 4. Dezember 1985 - VIII ZR 33/85, WuM 1986, 60 unter II 1 [zur fristlosen Kündigung eines Pachtverhältnisses nach § 554a BGB aF];… Senatsbeschluss vom 12. Oktober 2021 - VIII ZR 91/20, WuM 2021, 753 Rn. 40) und jüngst - nach Erlass des Berufungsurteils - nochmals bekräftigt worden (…vgl. Senatsurteil vom 25. Oktober 2023 - VIII ZR 147/22, WuM 2024, 36 Rn. 15), so dass die Anwendung dieser Grundsätze (auch) auf Fallgestaltungen wie die vorliegende vorgezeichnet ist. - LG Berlin, 01.06.2021 - 65 S 235/19
Kündigung des Mietverhältnisses wegen einer Schadensersatzklage gegen den …
Die Klägerin hat mit ihren wahrheitswidrigen Behauptungen die Grenze dessen überschritten, was einer Vertrags- (oder Prozess-)Partei zur Wahrnehmung etwaiger Rechte bzw. berechtigter Interessen zuzubilligen ist (…vgl BVerfG, Beschl. v. 22.06.1982 - 1 BvR 1376/79, juris Rn. 14ff., 21; BGH, Urt. V. 04.12.1985 - VIII ZR 33/85, nach juris Rn. 12ff.;… LG Berlin, Urt. V. 09.10.2013 - 65 S 140/13, nach juris Rn. 19). - AG Essen, 28.04.2011 - 15 C 170/09
Wirksamkeit einer fristlosen Kündigung durch den Vermieter wegen falschen …
Allerdings ist auch hier das Verhalten der Gegenseite ebenso zu berücksichtigen wie die Gesamtumstände (Schmitt-Futterer/Blank, Kommentar zum Mietrecht, 9. Auflage, § 543 Randziffer 192, BGH WUM 1986, 60, LG Berlin, MM 2005, 207). - AG Büdingen, 13.02.2025 - 2 C 494/24 Zwar kann auch Prozessverhalten zu einer fristlosen Kündigung berechtigen, wenn sich eine Partei im Prozess unredlicher oder unverhältnismäßiger Mittel bedient (…BGH NJW-RR 2022, 86 Rn. 40; BGH WuM 1986, 60).
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