Rechtsprechung
| BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22 |
Volltextveröffentlichungen (10)
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- rechtsinformationen.bund.de
Erfordernis der Genehmigung der Deutschen Bundesbank bei einer Pfändung in ein aufgrund der EU-Sanktionen gegen Libyen eingefrorenes Kontoguthaben
- rechtsprechung-im-internet.de
§ 1281 S 2 BGB, § 804 Abs 1 ZPO, § 804 Abs 2 ZPO, Art 1 Buchst b EUV 2016/44, Art 1 Buchst d EUV 2016/44
Erfordernis der Genehmigung der Deutschen Bundesbank bei einer Pfändung in ein aufgrund der EU-Sanktionen gegen Libyen eingefrorenes Kontoguthaben - IWW
§ 1281 Satz 2 BGB, Art. 5 Abs. 4 der Verordnung (EU) 2016/44, Verord... nung (EU) Nr. 204/2011, Art. 1 Buchst. b VO (EU) 2016/44, Art. 5 Abs. 2 VO (EU) 2016/44, Art. 11 Abs. 2 VO (EU) 2016/44, § 804 Abs. 2 ZPO, Verordnung (EU) 2016/44, Art. 5 Abs. 4 Buchst. b VO (EU) Nr. 204/2011, Anlage VI Nr. 2 VO (EU) 2016/44, Verordnung (EG) Nr. 423/2007, Art. 1 Buchst. g Doppelbuchst. ii, Buchst. h und j VO (EG) Nr. 423/2007, Art. 7 VO (EG) Nr. 423/2007, Art. 9 VO (EG) Nr. 423/2007, Art. 8b Abs. 2 VO (EU) Nr. 204/2011, Verordnung (EU) Nr. 965/2011, Verordnung (EU) Nr. 423/2007, Art. 7-8b, 10 f VO (EU) Nr. 204/2011, Art. 8-11, 13 f VO (EU) 2016/44, Art. 8b VO (EU) Nr. 204/11, § 804 Abs. 3 ZPO, Art. 12 VO (EU) Nr. 204/2011, Art. 17 VO (EU) 2016/44, § 16 Abs. 2 Satz 1 AWG, § 18 Abs. 1, § 19 Abs. 1 Nr. 1 AWG, § 829 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § 21 Abs. 1 Nr. 1, § 22 Abs. 2 Nr. 1 des Hinterlegungsgesetzes des Landes Hessen, § 378 BGB, Art. 17 Abs. 1 Buchst. b VO (EU) 2016/44, § 563 Abs. 3 ZPO, § 533 Nr. 1, § 267 ZPO, § 529 ZPO, § 533 Nr. 2 ZPO
- Betriebs-Berater
Forderungspfändung von eingefrorenen Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen
- rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
Forderungspfändung ohne die erforderliche behördliche Genehmigung; Pfändung eingefrorener Gelder und wirtschaftliche Ressourcen
- datenbank.nwb.de
Erfordernis der Genehmigung der Deutschen Bundesbank bei einer Pfändung in ein aufgrund der EU-Sanktionen gegen Libyen eingefrorenes Kontoguthaben
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo, Leitsatz frei)
Kurzfassungen/Presse (2)
- ferner-alsdorf.de (Kurzinformation)
EU-Sanktionen und Pfändung eingefrorener Gelder
- Wolters Kluwer (Kurzinformation)
Keine Forderungspfändung ohne erforderliche Genehmigung der zuständigen Behörde eines Mitgliedsstaats
Verfahrensgang
- LG Frankfurt/Main, 05.01.2018 - 21 O 60/17
- OLG Frankfurt, 17.12.2021 - 7 U 23/18
- BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
- BGH, 13.06.2024 - IX ZR 19/22
Papierfundstellen
- MDR 2024, 665
- WM 2024, 687
- DB 2024, 1131
- Rpfleger 2024, 413
- NZG 2024, 852
Wird zitiert von ... (4) Zitiert selbst (9)
- EuGH, 11.11.2021 - C-340/20
Bank Sepah - Vorlage zur Vorabentscheidung - Gemeinsame Außen- und …
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Ohne Freigabe durch die zuständige Behörde eines Mitgliedsstaats dürfen aufgrund der Verordnung (EU) 2016/44 des Rates vom 18. Januar 2016 über restriktive Maßnahmen angesichts der Lage in Libyen und zur Aufhebung der Verordnung (EU) Nr. 204/2011 eingefrorene Gelder und wirtschaftliche Ressourcen nicht gepfändet werden; dies gilt auch bei Vollstreckungsmaßnahmen, die auf Sicherungsmaßnahmen beschränkt sind (Anschluss an EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20, RIW 2022, 58).Dies hat der Gerichtshof der Europäischen Union in seinem Urteil vom 11. November 2021 (C-340/20, RIW 2022, 58) zur Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates vom 19. April 2007 über restriktive Maßnahmen gegen Iran (ABl. EG L 103 S. 1) entschieden.
Rn. 11 aa) Der Wortlaut der Definition des Einfrierens von Geldern ("Verhinderung jeglicher Form") oder wirtschaftlichen Ressourcen ("Verwendung […], die auch den Verkauf, das Vermieten oder das Verpfänden dieser Ressourcen einschließt, aber nicht darauf beschränkt ist") zeigt, dass Transaktionen, die mit eingefrorenem Vermögen abgeschlossen werden können, so weit wie möglich begrenzt werden sollen (EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20, RIW 2022, 58 Rn. 45, 56).
Auch bloße Sicherungsmaßnahmen, die im Ergebnis zu einer bevorrechtigten Befriedigung bestimmter Gläubiger führen, bewirken wegen dieses Ergebnisses eine Änderung der Zweckbestimmung der eingefrorenen Gelder und sind geeignet, eine Verwendung für den Erwerb von Geldern, Waren oder Dienstleistungen zu bewirken (EuGH, Urteil vom 11. November 2021, aaO Rn. 46).
Der Generalanwalt hat in seinem Schlussantrag vom 17. Juni 2021 im Verfahren C-340/20 ausgeführt (…BeckRS 2021, 14549 Rn. 59 ff) und der Gerichtshof der Europäischen Union hat sich zueigen gemacht (EuGH, Urteil vom 11. November 2021, aaO Rn. 46), dass schon der Umstand, dass Gläubiger eine Vorzugsstellung bei der Befriedigung von Vermögen erlangen könnten, geeignet sei, die Effektivität der Sanktionen einzuschränken; denn Gläubiger könnten versucht sein, Geschäfte mit den Rechtsträgern der eingefrorenen Vermögensmassen abzuschließen, wenn ihnen eine Möglichkeit geboten würde, gegenüber anderen Gläubigern im Falle der Freigabe des Vermögens eine Vorzugsstellung zu erlangen.
Die Verordnung umfasst ausdrücklich die Verpfändung von Gütern (EuGH, Urteil vom 11. November 2021, aaO Rn. 49 f).
Ohne eine solche Genehmigung bleiben die Vermögenswerte eingefroren und ist die Pfändung unzulässig (vgl. EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20, RIW 2022, 58 Rn. 58, 62 ff).
Anders als die Klägerin in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat geltend machte, stellt der Gerichtshof der Europäischen Union, wie sich aus seinem Urteil vom 11. November 2021 (C-340/20, RIW 2022, 58 Rn. 57, 59) ergibt, nicht entscheidend darauf ab, dass nach französischem Recht die Pfändung die Wirkungen einer Hinterlegung hat, sondern auf die Begründung eines Vorzugsrechts für den betreffenden Gläubiger.
Transaktionen mit eingefrorenen Geldern sollen soweit wie möglich unterbunden werden (EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20, RIW 2022, 58 Rn. 43).
- BGH, 23.10.2008 - VII ZB 16/08
Maßgeblicher Zeitpunkt für die Entscheidung des Gerichts über die Erinnerung …
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Grundsätzlich hat das Gericht einen zwar anfechtbaren, aber nicht nichtigen Pfändungsbeschluss bis zu seiner Aufhebung zu beachten (BGH, Urteil vom 16. Februar 1976 - II ZR 171/74, BGHZ 66, 79, 80 f; Beschluss vom 23. Oktober 2008 - VII ZB 16/08, WM 2008, 2265 Rn. 7;… vom 2. Juli 2020 - VII ZA 3/19, WM 2020, 1548 Rn. 16). - BGH, 02.07.2020 - VII ZA 3/19
Erfolgloser Antrag auf Prozesskostenhilfe für das Verfahren der Rechtsbeschwerde; …
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Grundsätzlich hat das Gericht einen zwar anfechtbaren, aber nicht nichtigen Pfändungsbeschluss bis zu seiner Aufhebung zu beachten (BGH, Urteil vom 16. Februar 1976 - II ZR 171/74, BGHZ 66, 79, 80 f;… Beschluss vom 23. Oktober 2008 - VII ZB 16/08, WM 2008, 2265 Rn. 7; vom 2. Juli 2020 - VII ZA 3/19, WM 2020, 1548 Rn. 16).
- BGH, 16.02.1976 - II ZR 171/74
Anfechtbarkeit von Pfändungs- und Überweisungsbeschlüssen
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Grundsätzlich hat das Gericht einen zwar anfechtbaren, aber nicht nichtigen Pfändungsbeschluss bis zu seiner Aufhebung zu beachten (BGH, Urteil vom 16. Februar 1976 - II ZR 171/74, BGHZ 66, 79, 80 f;… Beschluss vom 23. Oktober 2008 - VII ZB 16/08, WM 2008, 2265 Rn. 7;… vom 2. Juli 2020 - VII ZA 3/19, WM 2020, 1548 Rn. 16). - BGH, 09.06.1976 - VIII ZR 19/75
Voraussetzungen der Aufhebung von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Mit Erwirken eines Titels in der Hauptsache würde sich ein aus einstweiligem Rechtsschutz stammendes Pfandrecht in ein voll gültiges Vollstreckungspfandrecht mit dem Rang des Sicherungspfandrechts umwandeln (BGH, Urteil vom 9. Juni 1976 - VIII ZR 19/75, BGHZ 66, 394, 397). - EuGH, 06.10.1982 - 283/81
CILFIT / Ministero della Sanità
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Rn. 14 dd) Die Rechtslage ist durch die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union in einer Weise geklärt, die keinen vernünftigen Zweifel offenlässt ("acte éclairé", vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - Rs 283/81, NJW 1983, 1257, 1258;… BVerfG, NVwZ 2015, 52 Rn. 35; BGH…, Beschluss vom 24. September 2019 - VI ZB 39/18, BGHZ 223, 168 Rn. 22). - BGH, 24.09.2019 - VI ZB 39/18
Auskunftsansprüche gegen Portalbetreiber
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Rn. 14 dd) Die Rechtslage ist durch die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union in einer Weise geklärt, die keinen vernünftigen Zweifel offenlässt ("acte éclairé", vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - Rs 283/81, NJW 1983, 1257, 1258;… BVerfG, NVwZ 2015, 52 Rn. 35; BGH, Beschluss vom 24. September 2019 - VI ZB 39/18, BGHZ 223, 168 Rn. 22). - BVerfG, 28.08.2014 - 2 BvR 2639/09
Nichtannahmebeschluss: Garantie des gesetzlichen Richters (Art 101 Abs 1 S 2 GG) …
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Rn. 14 dd) Die Rechtslage ist durch die Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union in einer Weise geklärt, die keinen vernünftigen Zweifel offenlässt ("acte éclairé", vgl. EuGH, Urteil vom 6. Oktober 1982 - Rs 283/81, NJW 1983, 1257, 1258; BVerfG, NVwZ 2015, 52 Rn. 35; BGH…, Beschluss vom 24. September 2019 - VI ZB 39/18, BGHZ 223, 168 Rn. 22). - Generalanwalt beim EuGH, 17.06.2021 - C-340/20
Bank Sepah - Vorlage zur Vorabentscheidung - Gemeinsame Außen- und …
Auszug aus BGH, 25.01.2024 - IX ZR 19/22
Der Generalanwalt hat in seinem Schlussantrag vom 17. Juni 2021 im Verfahren C-340/20 ausgeführt (BeckRS 2021, 14549 Rn. 59 ff) und der Gerichtshof der Europäischen Union hat sich zueigen gemacht (EuGH…, Urteil vom 11. November 2021, aaO Rn. 46), dass schon der Umstand, dass Gläubiger eine Vorzugsstellung bei der Befriedigung von Vermögen erlangen könnten, geeignet sei, die Effektivität der Sanktionen einzuschränken; denn Gläubiger könnten versucht sein, Geschäfte mit den Rechtsträgern der eingefrorenen Vermögensmassen abzuschließen, wenn ihnen eine Möglichkeit geboten würde, gegenüber anderen Gläubigern im Falle der Freigabe des Vermögens eine Vorzugsstellung zu erlangen.
- BGH, 02.07.2025 - IV AR (VZ) 5/24
Herausgabebegehren eines libyschen Staatsfonds bzgl. hinterlegten Geldes; …
Die Begriffe sind weit auszulegen (näher BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22, WM 2024, 687 Rn. 11 f. m.w.N.).Zwar bieten Kreditinstitute, insbesondere international erfahrene Kreditinstitute, eine erhöhte Gewähr für die korrekte Umsetzung von Sanktionen (BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22, WM 2024, 687 Rn. 21).
Das Unionsrecht differenziert nicht danach, an wen die Leistung erfolgen soll, sondern knüpft das Genehmigungserfordernis allein an die Durchbrechung des Einfrierens (BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 aaO).
Transaktionen mit eingefrorenen Geldern sollen so weit wie möglich unterbunden werden (BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 aaO Rn. 17; EuGH…, Urteil vom 11. November 2021, Bank Sepah, C-340/20, EU:C:2021:903, WM 2022, 70 Rn. 43).
Der Sache nach möchte das Unionsrecht das eingefrorene Vermögen dem Rechtsverkehr möglichst vollständig entziehen, solange - wie hier - keine Freigabe erteilt ist (BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 aaO m.w.N.).
Rn. 11 d) Keiner Entscheidung bedarf, ob - wie das Kammergericht annimmt - die Verordnung unmittelbar auch für die Hinterlegungsstelle gilt, ob die Hinterlegungsstelle die Herausgabe also auch dann mit Blick auf die Verordnung hätte ablehnen müssen, wenn die Hinterlegung nicht nach § 372 Satz 2 Alt. 1 BGB gerade auf ein in der Person des Gläubigers liegendes Leistungshindernis aus der Verordnung gestützt worden wäre (vgl. BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22, WM 2024, 687 Rn. 21).
Einer Anrufung des Gerichtshofs der Europäischen Union durch den Senat bedarf es nicht (vgl. BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22, WM 2024, 687 Rn. 14; EuGH…, Urteil vom 15. Oktober 2024, Kubera, C-144/23, EU:C:2024:881, juris Rn. 36 m.w.N.).
- VG Köln, 02.10.2026 - 1 L 2051/26
Gelder des Hotels Gravenbruch bleiben eingefroren
Rn. 70 vgl. EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20 -,ECLI:EU:C:2021:903, Rn. 58; vgl. in Umsetzung eben dieser Entscheidung des EuGH: BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22 -, juris.Rn. 73 vgl. EuGH, Urteil vom 11. November 2021 - C-340/20 -,ECLI:EU:C:2021:903, Rn. 45, 56; BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22 -, Rn. 11, juris.
Rn. 79 Vgl. BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22 -, Rn. 11, juris.
- LG Frankfurt/Main, 14.02.2025 - 3 O 12/24 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH, Urteil v. 25.01.2024, Az.: IX ZR 19/22, ZASA 2024, 275, zitiert über beck-online) zu der Verordnung (EU) Nr. 204/2011 und 2016/44 (Sanktionen gegen Libyen) ist der Begriff des Einfrierens weit auszulegen, weil es darum geht, jede Verwendung der eingefrorenen Vermögenswerte zu verhindern, die es ermöglichen würde, die fraglichen Verordnungen zu umgehen und die Schwächen des Systems auszunutzen.
- KG, 28.05.2024 - 1 VA 22/23
Überweisung von mit einem Sanktionsverbot belegten Geldern auf ein Konto bei …
Nach Wortlaut und Schutzzweck der Verordnung sind die Begriffe des Einfrierens möglichst weit auszulegen (BGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - IX ZR 19/22 - juris Rn. 11 ff.).
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