Rechtsprechung
| BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24 |
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Verkehrsflächenreinigung - Zur Frage rechtsmissbräuchlicher Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts gemäß § 355 Abs. 1, § 312g Abs. 1 BGB
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Voraussetzungen eines Rechtsmissbrauchs bei der Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts
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§ 242 BGB, § 312g Abs 1 BGB vom 17.07.2017, § 355 Abs 1 BGB vom 11.03.2016, § 356 BGB vom 11.03.2016, Art 246a § 1 Abs 2 S 1 Nr 1 BGBEG vom 11.03.2016
Voraussetzungen eines Rechtsmissbrauchs bei der Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts - IWW
§ 312 BGB, §§ ... 356, 357 BGB, Art. 246a § 1 EGBGB, § 631 Abs. 1 BGB, § 355 Abs. 1, § 312g Abs. 1 BGB, Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB, § 355 Abs. 2 BGB, § 356 Abs. 3 Satz 1 BGB, § 356 Abs. 3 Satz 2 BGB, § 356 Abs. 4 BGB, § 242 BGB, § 355 Abs. 1 BGB, § 312g Abs. 2 Nr. 11 BGB, § 7 StVG, § 823 BGB, Art. 246a § 1 Abs. 2 EGBGB, § 561 ZPO, § 312g BGB, § 312 Abs. 1 BGB, § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB, § 356 Abs. 4 Satz 1 BGB, § 357 Abs. 8 Satz 1 BGB, Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 3 EGBGB, § 357 Abs. 8 Satz 2 BGB, § 361 Abs. 1 BGB, § 563 Abs. 3 ZPO, Art. 267 Abs. 3 AEUV, § 91 Abs. 1, § 97 Abs. 1, § 101 Abs. 1 ZPO
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Zur Frage rechtsmissbräuchlicher Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts
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Zivilrecht/Verbraucherrecht: Zur Frage rechtsmissbräuchlicher Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts
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Voraussetzungen eines Rechtsmissbrauchs bei der Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts
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Verbraucherwiderruf kann rechtsmissbräuchlich sein!
Kurzfassungen/Presse (2)
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Reichweite und Begrenzung des Widerrufsrechts bei Dienstleistungsverträgen
- anwaltonline.com (Kurzinformation)
Verbraucherwiderruf kann rechtsmissbräuchlich sein!
Besprechungen u.ä.
- ibr-online(Abodienst, kostenloses Probeabo) (Entscheidungsbesprechung)
Nur in Extremfällen ist ein Verbraucherwiderruf rechtsmissbräuchlich! (IBR 2025, 238)
Verfahrensgang
- AG Bruchsal, 12.05.2022 - 4 C 367/21
- LG Karlsruhe, 05.07.2024 - 20 S 33/22
- BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Papierfundstellen
- NJW 2025, 1479
- ZIP 2025, 778
- WM 2025, 635
- MIR 2025, Dok. 033
Wird zitiert von ... (12) Zitiert selbst (19)
- BGH, 26.11.2020 - I ZR 169/19
Grundstücksmaklervertrag: Beginn der Widerrufsfrist bei außerhalb von …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Der Verbraucher soll durch die Belehrung nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in die Lage versetzt werden, dieses ohne Schwierigkeiten wirksam auszuüben (vgl. BGH…, Urteil vom 1. Dezember 2022 - I ZR 28/22 Rn. 40, MDR 2023, 617; Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19 Rn. 64, 67, NJW-RR 2021, 177).Eine ungehinderte Ausübung des Widerrufsrechts wird nach der gesetzlichen Wertung aber bereits dann erschwert, wenn dem Verbraucher das Muster-Widerrufsformular weder zur Kenntnis gegeben noch übergeben wird (vgl. BGH, Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19 Rn. 67, NJW-RR 2021, 177).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19, NJW-RR 2021, 177) fordert § 356 Abs. 4 Satz 1 BGB für ein Erlöschen des Widerrufsrechts - neben den ausdrücklich geregelten Voraussetzungen - weiter, dass der Unternehmer den Verbraucher zuvor in der gebotenen Weise so belehrt, dass dieser nicht an der Ausübung des Widerrufsrechts gehindert wird.
Hiermit stünde es nicht in Einklang, wenn ein Verbraucher das ihm grundsätzlich zustehende Widerrufsrecht gemäß § 356 Abs. 4 BGB verlöre, ohne in der Lage gewesen zu sein, es ungehindert auszuüben (vgl. näher BGH, Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19 Rn. 58, 64, 67, NJW-RR 2021, 177).
Rn. 37 Ein Anspruch auf Wertersatz gemäß § 357 Abs. 8 Satz 1 BGB scheidet mangels ordnungsgemäßer Belehrung entsprechend den Anforderungen des Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 3 EGBGB ebenfalls aus, § 357 Abs. 8 Satz 2 BGB (vgl. BGH, Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19 Rn. 72, NJW-RR 2021, 177).
- BGH, 16.03.2016 - VIII ZR 146/15
Widerruf von Fernabsatzverträgen von Gesetzes wegen ohne Rücksicht auf die …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 17 1. Allerdings ist es weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Ausübung des auf der Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufsrechts gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. z.B. BGH…, Urteil vom 12. Juli 2016 - XI ZR 564/15 Rn. 43, BGHZ 211, 123 zum Verbraucherdarlehen; Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951 zum Fernabsatzvertrag;… Urteil vom 16. Februar 2005 - IV ZR 18/04 Rn. 25, MDR 2005, 926 zum Versicherungsvertrag; allgemein zum Unionsrecht z.B. EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-38/21, C-47/21, C-232/21 Rn. 281 f., NJW 2024, 809;… Urteil vom 21. Februar 2006 - C-255/02 Rn. 68 f., Slg. 2006, I-1609, jeweils m.w.N.).Rn. 20 Hiervon ausgehend kommt ein Ausschluss des Verbraucherwiderrufsrechts wegen Rechtsmissbrauchs gemäß § 242 BGB nur ausnahmsweise unter dem Gesichtspunkt besonderer Schutzbedürftigkeit des Unternehmers, etwa bei arglistigem Verhalten des Verbrauchers gegenüber dem Unternehmer, in Betracht (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951;… Urteil vom 25. November 2009 - VIII ZR 318/08 Rn. 20, BGHZ 183, 235, jeweils zum Fernabsatzvertrag).
Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben (vgl. BGH, Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951;… Urteil vom 25. November 2009 - VIII ZR 318/08 Rn. 17, BGHZ 183, 235), bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten.
- BGH, 12.07.2016 - XI ZR 564/15
Zur Wirksamkeit des Widerrufs einer auf Abschluss eines …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Sie kann in der Revisionsinstanz nur daraufhin überprüft werden, ob sie auf einer tragfähigen Tatsachengrundlage beruht, alle erheblichen Gesichtspunkte berücksichtigt und nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze verstößt oder von einem falschen Wertungsmaßstab ausgeht (vgl. BGH…, Urteil vom 10. Juli 2024 - IV ZR 196/22 Rn. 10, NJW 2024, 3226; Urteil vom 12. Juli 2016 - XI ZR 564/15 Rn. 43, BGHZ 211, 123, jeweils m.w.N.).Rn. 17 1. Allerdings ist es weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Ausübung des auf der Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufsrechts gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. z.B. BGH, Urteil vom 12. Juli 2016 - XI ZR 564/15 Rn. 43, BGHZ 211, 123 zum Verbraucherdarlehen;… Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951 zum Fernabsatzvertrag;… Urteil vom 16. Februar 2005 - IV ZR 18/04 Rn. 25, MDR 2005, 926 zum Versicherungsvertrag; allgemein zum Unionsrecht z.B. EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-38/21, C-47/21, C-232/21 Rn. 281 f., NJW 2024, 809;… Urteil vom 21. Februar 2006 - C-255/02 Rn. 68 f., Slg. 2006, I-1609, jeweils m.w.N.).
- BGH, 25.11.2009 - VIII ZR 318/08
Widerrufsrecht bei nichtigen und sittenwidrigen Fernabsatzverträgen
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 20 Hiervon ausgehend kommt ein Ausschluss des Verbraucherwiderrufsrechts wegen Rechtsmissbrauchs gemäß § 242 BGB nur ausnahmsweise unter dem Gesichtspunkt besonderer Schutzbedürftigkeit des Unternehmers, etwa bei arglistigem Verhalten des Verbrauchers gegenüber dem Unternehmer, in Betracht (vgl. BGH…, Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951; Urteil vom 25. November 2009 - VIII ZR 318/08 Rn. 20, BGHZ 183, 235, jeweils zum Fernabsatzvertrag).Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben (vgl. BGH…, Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951; Urteil vom 25. November 2009 - VIII ZR 318/08 Rn. 17, BGHZ 183, 235), bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten.
- BGH, 07.05.2014 - IV ZR 76/11
Unanwendbarkeit des § 5a Abs. 2 Satz 4 VVG a.F. auf Lebens- und …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 25 Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs scheidet eine vorrangige Schutzwürdigkeit des Unternehmers, die den Einwand des Rechtsmissbrauchs begründen könnte, aus, wenn der Unternehmer den Verbraucher nicht in der gebotenen Weise über sein Widerrufsrecht belehrt hat (vgl. BGH, Urteil vom 7. Mai 2014 - IV ZR 76/11 Rn. 40, BGHZ 201, 101 zum Widerspruchsrecht beim Versicherungsvertrag). - EuGH, 21.12.2023 - C-38/21
Ein Verbraucher, der einen Leasingvertrag über ein Kraftfahrzeug ohne …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 17 1. Allerdings ist es weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Ausübung des auf der Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufsrechts gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. z.B. BGH…, Urteil vom 12. Juli 2016 - XI ZR 564/15 Rn. 43, BGHZ 211, 123 zum Verbraucherdarlehen;… Urteil vom 16. März 2016 - VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951 zum Fernabsatzvertrag;… Urteil vom 16. Februar 2005 - IV ZR 18/04 Rn. 25, MDR 2005, 926 zum Versicherungsvertrag; allgemein zum Unionsrecht z.B. EuGH, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-38/21, C-47/21, C-232/21 Rn. 281 f., NJW 2024, 809;… Urteil vom 21. Februar 2006 - C-255/02 Rn. 68 f., Slg. 2006, I-1609, jeweils m.w.N.). - BGH, 15.02.2023 - IV ZR 353/21
Geringfügige Belehrungsfehler können Verstoß gegen Treu und Glauben bei Ausübung …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 26 Danach weist die Widerrufsbelehrung der Klägerin - anders als in der von der Revisionserwiderung herangezogenen Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 15. Februar 2023 (IV ZR 353/21, BGHZ 236, 163) - keinen nur geringfügigen Fehler auf, vielmehr hält sie die gesetzlichen Mindestvorgaben nicht ein. - EuGH, 03.09.2009 - C-489/07
Kein Wertersatz für die bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme nach Ausübung des …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Rn. 19 Soll einem Verbraucher wegen rechtsmissbräuchlichen Verhaltens die Berufung auf Bestimmungen des Unionsrechts verwehrt werden, müssen die nationalen Gerichte nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union ferner sicherstellen, dass die Wirksamkeit und die einheitliche Anwendung des Unionsrechts in den Mitgliedstaaten nach Maßgabe des Äquivalenz- und des Effektivitätsgrundsatzes nicht beeinträchtigt wird (vgl. z.B. EuGH…, Urteil vom 13. Februar 2014 - C-479/12 Rn. 42, 49, GRUR 2014, 368; Urteil vom 3. September 2009 - C-489/07 Rn. 26, 29, Slg. 2009, I-7315;… Urteil vom 23. März 2000 - C-373/97 Rn. 34 f., Slg. 2000, I-1705;… Urteil vom 12. März 1996 - C-441/93 Rn. 68, Slg. 1996, I-1347; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 2. Februar 2015 - 2 BvR 2437/14, NJW 2015, 1294). - BGH, 01.12.2022 - I ZR 28/22
Keine Verpflichtung zur Verwendung der Muster-Widerrufsbelehrung; …
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Der Verbraucher soll durch die Belehrung nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in die Lage versetzt werden, dieses ohne Schwierigkeiten wirksam auszuüben (vgl. BGH, Urteil vom 1. Dezember 2022 - I ZR 28/22 Rn. 40, MDR 2023, 617;… Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19 Rn. 64, 67, NJW-RR 2021, 177). - BGH, 10.12.2014 - VIII ZR 9/14
Warmwasserkosten bei hohem Wohnungsleerstand
Auszug aus BGH, 20.02.2025 - VII ZR 133/24
Insbesondere muss § 242 BGB dann in Betracht gezogen werden, wenn die Anwendung der gesetzlichen Vorschriften einen im Einzelfall bestehenden Interessenkonflikt nicht hinreichend zu erfassen vermag und für einen der Beteiligten ein unzumutbar unbilliges Ergebnis zur Folge hätte (vgl. BGH, Urteil vom 10. Dezember 2014 - VIII ZR 9/14 Rn. 28, MDR 2015, 143 m.w.N.). - BVerfG, 02.02.2015 - 2 BvR 2437/14
Nichtannahmebeschluss: Verletzung von Art 101 Abs 1 S 2 GG durch Verkennung der …
- EuGH, 21.02.2006 - C-255/02
DIE SECHSTE MEHRWERTSTEUERRICHTLINIE LÄSST EINEN VORSTEUERABZUG NICHT ZU, WENN …
- EuGH, 13.02.2014 - C-479/12
H. Gautzsch Großhandel - Vorabentscheidungsersuchen - Geistiges Eigentum - …
- BGH, 16.02.2005 - IV ZR 18/04
Rechtsmissbräuchlichkeit der Berufung auf den Ablauf der Klagefrist durch den …
- BGH, 10.07.2024 - IV ZR 196/22
Rückabwicklungsanspruch eines fondsgebundenen steuerbegünstigten …
- EuGH, 23.03.2000 - C-373/97
Diamantis - "Gesellschaftsrecht - Richtlinie 77/91/EWG - Aktiengesellschaft in …
- BGH, 06.05.1985 - VIII ZR 119/84
Bestätigung eines formgebundenen Rechtsgeschäfts; Unzulässige Rechtsausübung …
- BGH, 22.04.2004 - III ZR 163/03
Anwendung des BKleingG auf zu Wohnzwecken genutzte Grundstücke
- EuGH, 12.03.1996 - C-441/93
Pafitis u.a.
- OLG Stuttgart, 08.04.2025 - 6 U 126/24
Fernabsatzrecht: Folgen einer lediglich abstrakten Widerrufsbelehrung über die …
Ein nicht richtig über sein Widerrufsrecht belehrter Verbraucher, der den im Fernabsatz geschlossenen Kaufvertrag erfolgreich widerruft, hat dem Unternehmer keinen Wertersatz nach § 357a BGB zu leisten, und zwar weder für eine Verschlechterung der gekauften Ware in der Zeit zwischen Auslieferung und Widerruf noch für eine solche in der Zeit zwischen Widerruf und Rücksendung oder Rückgabe (Anschluss BGH, Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24).Mit dem Zweck des Gesetzes, das eine umfassende, unmissverständliche und aus dem Verständnis des regelmäßig rechtsunkundigen Verbrauchers eindeutige Belehrung verlangt, durch die er nicht nur von seinem Widerrufsrecht Kenntnis erlangen, sondern auch in die Lage versetzt werden soll, dieses ohne Schwierigkeiten wirksam auszuüben (vgl. BGH, Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24 -, Rn. 25, juris; BGH…, Urteil vom 1. Dezember 2022 - I ZR 28/22 -, Rn. 40, juris; BGH…, Urteil vom 8. Oktober 2024 - XI ZR 19/23 -, Rn. 19, juris zu Art. 247 § 6 Abs. 2 EGBGB; BGH…, Urteil vom 13. Januar 2009 - XI ZR 118/08 -, Rn. 14, juris), ist es nicht zu vereinbaren, wenn der Unternehmer die ihm obliegende Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen des Widerrufsrechts auf den rechtsunkundigen Verbraucher verlagert.
Rn. 82 Der Einwand des Unternehmers, der Widerruf sei wegen rechtsmissbräuchlicher Ausübung des Widerrufsrechts unwirksam, kommt im Falle einer fehlerhaften Widerrufsbelehrung nicht in Betracht, wenn sich - wie hier - die Fehler der Belehrung auf die Befähigung des Verbrauchers, den Umfang seiner Rechte und Pflichten einzuschätzen, auswirken, und deshalb die Widerrufsfrist nicht begonnen hat (EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-38/21, C-47/21 und C-232/21 -, Rn. 291, juris; BGH, Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24 -, Rn. 25, juris).
Rn. 99 Leidet die Widerrufsbelehrung des Unternehmers an Mängeln, die den Lauf der Widerrufsfrist hindern, steht das auch dem Anspruch des Unternehmers auf Wertersatz entgegen (vgl. BGH, Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24 -, Rn. 37, juris;… BeckOGK/Mörsdorf, 1.8.2024, BGB § 357a Rn. 32, beck-online;… BeckOK BGB/Müller-Christmann, 71. Ed. 1.2.2025, BGB § 357a Rn. 11, beck-online;… MüKoBGB/Fritsche, 9. Aufl. 2022, BGB § 357a Rn. 14, beck-online;… Koch in: Erman BGB, Kommentar, 17. Auflage 2023, § 357a BGB, Rn. 11, a. A. Nordholz/Bleckwenn, NJW 2017, 2497).
- BGH, 07.01.2026 - VIII ZR 62/25
Anforderungen an eine Widerrufsbelehrung in Neuwagenkaufverträgen mit …
Rn. 32 (2) Ebenso wenig lässt sich für die von der Revisionserwiderung befürwortete Vorlage an den Gerichtshof aus dem von ihr angeführten Urteil des Bundesgerichtshofs vom 20. Februar 2025 (VII ZR 133/24, NJW 2025, 1479) etwas herleiten.Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass das Fehlen dieser Informationen es dem Verbraucher erschwere, nach der gesetzlichen Wertung von seinem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen (BGH, Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24, aaO Rn. 26).
- BGH, 22.10.2025 - I ZR 192/24
Dem Gerichtshof der Europäischen Union werden zur Auslegung der Richtlinie …
Nach diesen Bestimmungen setzt eine ordnungsgemäße Information des Verbrauchers über sein Widerrufsrecht voraus, dass der Unternehmer ihm zusammen mit der Widerrufsbelehrung das Muster-Widerrufsformular zur Verfügung stellt (vgl. EuGH…, Urteil vom 23. Januar 2019 - C-430/17, NJW 2019, 1363 [juris Rn. 31] - Walbusch Walter Busch; BGH…, Urteil vom 11. April 2019 - I ZR 54/16, WM 2019, 2375 [juris Rn. 39] - Werbeprospekt mit Bestellpostkarte II;… Urteil vom 26. November 2020 - I ZR 169/19, NJW-RR 2021, 177 [juris Rn. 40 und 49]; Urteil vom 20. Februar 2025 - VII ZR 133/24, NJW 2025, 1479 [juris Rn. 25 f.]).Ebenso ist er von einem wesentlichen Informationsdefizit des Verbrauchers in einem Fall ausgegangen, in dem der Unternehmer in der Widerrufsbelehrung keinen Hinweis auf das Muster-Widerrufsformular erteilt und es dem Verbraucher auch nicht ausgehändigt hatte (vgl. BGH, NJW 2025, 1479 [juris Rn. 26]).
Im Streitfall enthielt die Widerrufsbelehrung der Beklagten zudem - anders als in dem der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 20. Februar 2025 (NJW 2025, 1479 [juris Rn. 3 und 26]) zugrundeliegenden Fall - einen Hinweis auf das Muster-Widerrufsformular.
Bei fehlender Bereitstellung des Muster-Widerrufsformulars wird der Verbraucher daran gehindert, sein Widerrufsrecht unter denselben (erleichterten) Bedingungen auszuüben, wie wenn der Unternehmer ihm das Muster-Widerrufsformular zur Verfügung gestellt hätte (…vgl. BGH, NJW-RR 2021, 177 [juris Rn. 64 und 67]; NJW 2025, 1479 [juris Rn. 25 f.]).
Dies könnte dafür sprechen, dass die Überlassung des Muster-Widerrufsformulars kraft Gesetzes eine wesentliche Information darstellt (vgl. BGH, NJW 2025, 1479 [juris Rn. 25 f.]), deren Vorenthaltung den Beginn der vierzehntägigen Widerrufsfrist hindert.
- KG, 13.10.2026 - 14 U 136/25 Welche Anforderungen an eine gegen § 242 BGB verstoßende Rechtsausübung zu stellen sind, kann nur unter Berücksichtigung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalls vom Tatrichter entschieden werden (BGH, Urteil vom 02.06.2022, VII ZR 174/19, NJW 2022, 3228; Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24 Rn. 15;… Grüneberg/Grüneberg a.a.O.).
Rn. 102 Es ist weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Berufung auf einen Verstoß gegen § 312j BGB, der auf der Verbraucherrechterichtlinie 2011/83/EU beruht, im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. zur Ausübung des Verbraucherwiderrufsrechts z.B. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24 Rn. 17; BGH…, Urteil vom 12.07.2016, XI ZR 564/15 Rn. 43, BGHZ 211, 123;… Urteil vom 16.03.2016, VIII ZR 146/15 Rn. 16, NJW 2016, 1951;… Urteil vom 16.02.2005, IV ZR 18/04 Rn. 25, MDR 2005, 926).
Gründe der Rechtssicherheit verbieten es, Vorschriften des zwingenden Rechts unter Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben auch dort anzutasten, wo besondere gesetzliche Regelungen den Interessenkonflikten bereits Rechnung tragen (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24 Rn. 18;… Urteil vom 22.04.2004, III ZR 163/03, Rn. 33, 35;… Urteil vom 06.05.1985, VIII ZR 119/84, Rn. 14).
Rn. 104 Soll einem Verbraucher wegen rechtsmissbräuchlichen Verhaltens die Berufung auf Bestimmungen des Unionsrechts verwehrt werden, müssen die nationalen Gerichte nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europäischen Union ferner sicherstellen, dass die Wirksamkeit und die einheitliche Anwendung des Unionsrechts in den Mitgliedstaaten nach Maßgabe des Äquivalenz- und des Effektivitätsgrundsatzes nicht beeinträchtigt wird (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24 Rn. 19 unter Verweis auf z.B. EuGH…, Urteil vom 13.02.2014. C-479/12 Rn. 42, 49, GRUR 2014, 368;… Urteil vom 03.09.2009, C-489/07 Rn. 26, 29, Slg. 2009, I-7315;… Urteil vom 23.03.2000, C-373/97 Rn. 34 f., Slg. 2000, I-1705;… Urteil vom 12.03.1996, C-441/93 Rn. 68, Slg. 1996, I-1347; vgl. auch BVerfG, Beschluss vom 02.02.2015, 2 BvR 2437/14, NJW 2015, 1294).
Insgesamt ist zu beachten, dass ein Ausschluss verbraucherschützender Rechte wegen Rechtsmissbrauchs nur ausnahmsweise in Betracht kommt (BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24 Rn. 20 m.w.N. zum Verbraucherwiderrufsrecht).
- OLG Naumburg, 26.08.2026 - 2 U 89/24 Rn. 64 Es ist weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Ausübung des auf der Verbraucherrichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufs gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24, juris Rn. 17).
Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben, bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 19).
- OLG Frankfurt, 15.09.2026 - 9 U 76/25
Zu einem online abgeschlossenen Kaufvertrag über ein Elektrofahrzeug
Auch wenn verbraucherschützende Rechtsvorschriften nur ausnahmsweise wegen Rechtsmissbrauchs ausgeschlossen sind (vgl. BGH, Urteil vom 20.2.2025 - VII ZR 133/24, juris Rn. 20 ff. m.w.N.) und zudem für die Annahme eines Verstoßes gegen § 242 BGB bei der Berufung auf eine Formnichtigkeit strenge Anforderungen gelten und hierfür grundsätzlich nicht ausreicht, dass eine Partei sich erst im Laufe eines Rechtsstreits auf die Nichtigkeit beruft (BGH…, Urteil vom 24.4.1998 - V ZR 197/97, juris Rn. 18), liegt auch nach diesen strengen Maßstäben nach Abwägung aller Umstände im Streitfall ein treuwidriges Verhalten des Klägers vor. - OLG Zweibrücken, 17.08.2026 - 5 U 50/25
Verbraucher-Bauherr wird nicht belehrt: Unternehmer arbeitet "für lau"!
Mit dieser Vorgabe hat der EuGH die geringfügig ältere Rechtsprechung des BGH aus dem Jahr 2025 (BGH 20.02.2025, VII ZR 133/24) und die dort vorgesehene Einschränkungsmöglichkeit des Verbraucherwiderrufs über die Wertung des § 242 BGB bestätigt, hat diese aber auch nicht erweitert.Da auch der Bundesgerichtshof den Korridor der europarechtlichen Vorgaben bereits (BGH, Urteil vom 20.02.2025 - VII ZR 133/24) bezogen auf das nationale Recht definiert hat, ist weder eine grundsätzliche Bedeutung erkennbar noch erfordert die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine mündliche Verhandlung § 522 Abs. 2 ZPO.
- KG, 19.02.2026 - 26 U 17/25
Wirksamkeit eines Online-Autokaufs über einen mit "bestellen" (statt richtig …
Rn. 58 Es ist weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, die Ausübung des auf der Verbraucherrichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufs gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24, juris Rn. 17).Gründe der Rechtssicherheit verbieten es, Vorschriften des zwingenden Rechts unter Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben auch dort anzutasten, wo besondere gesetzliche Regelungen den Interessenkonflikten bereits Rechnung tragen (BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 18).
Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben, bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten (BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 19).
- KG, 01.07.2026 - 25 U 131/24
Unzureichender Bestellbutton nach § 312j Abs. 3 und 4 BGB führt nicht zur …
Rn. 65 Es ist weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, der Ausübung des auf der Verbraucherrichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufs gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24, juris Rn. 17).Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben, bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 19).
- KG, 16.03.2026 - 26 U 98/25
Wirksamkeit eines Online-Autokaufs über einen mit "bestellen" (statt richtig …
Rn. 44 a) Es ist weder nach Unionsrecht noch nach nationalem Recht ausgeschlossen, die Ausübung des auf der Verbraucherrichtlinie 2011/83/EU beruhenden Verbraucherwiderrufs gemäß § 355 Abs. 1 BGB im Einzelfall den Einwand des Rechtsmissbrauchs und damit den Einwand der Treuwidrigkeit gemäß § 242 BGB entgegenzuhalten (BGH, Urteil vom 20.02.2025, VII ZR 133/24, juris Rn. 17).Gründe der Rechtssicherheit verbieten es, Vorschriften des zwingenden Rechts unter Berufung auf den Grundsatz von Treu und Glauben auch dort anzutasten, wo besondere gesetzliche Regelungen den Interessenkonflikten bereits Rechnung tragen (BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 18).
Auch darf der Sinn des Widerrufsrechts, der darin besteht, dem Verbraucher ein an keine materiellen Voraussetzungen gebundenes, einfach auszuübendes Recht zur einseitigen Loslösung vom Vertrag in die Hand zu geben, bei der Anwendung des § 242 BGB nicht aus dem Blick geraten (vgl. BGH, Urteil vom 20.02.2025, a.a.O., juris Rn. 19).
- OLG Stuttgart, 21.10.2025 - 10 U 79/25
Keine Drucksituation, kein Widerrufsrecht!
- OLG Frankfurt, 21.11.2025 - 19 U 17/25
Zur Widerrufsbelehrung von Eheleuten im Zusammenhang mit dem Abschluss eines …
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