Berufsordnung für Rechtsanwälte
| Zweiter Teil - Pflichten bei der Berufsausübung (§§ 2 - 34) |
| Erster Abschnitt - Allgemeine Berufs- und Grundpflichten (§§ 2 - 5a) |
(1) 1Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und berechtigt. 2Dies gilt auch nach Beendigung des Mandats.
(2) 1Die Verschwiegenheitspflicht gebietet es der Rechtsanwältin und dem Rechtsanwalt, die zum Schutze des Mandatsgeheimnisses erforderlichen organisatorischen und technischen Maßnahmen zu ergreifen, die risikoadäquat und für den Anwaltsberuf zumutbar sind. 2Technische Maßnahmen sind hierzu ausreichend, soweit sie im Falle der Anwendbarkeit der Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten deren Anforderungen entsprechen. 3Sonstige technische Maßnahmen müssen ebenfalls dem Stand der Technik entsprechen. 4Abs. 4 lit. c) bleibt hiervon unberührt. 5Die Nutzung eines elektronischen oder sonstigen Kommunikationsweges, der mit Risiken für die Vertraulichkeit dieser Kommunikation verbunden ist, ist jedenfalls dann erlaubt, wenn die Mandantin oder der Mandant ihr zustimmt. 6Von einer Zustimmung ist auszugehen, wenn die Mandantin oder der Mandant diesen Kommunikationsweg vorschlägt oder beginnt und ihn fortsetzt, nachdem die Rechtsanwältin oder der Rechtsanwalt zumindest pauschal und ohne technische Details auf die Risiken hingewiesen hat.
(3) Ein Verstoß gegen die Pflicht zur Verschwiegenheit (§ 43a Abs. 2 Bundesrechtsanwaltsordnung) liegt nicht vor, soweit Gesetz und Recht eine Ausnahme fordern oder zulassen.
(4) Ein Verstoß ist nicht gegeben, soweit das Verhalten der Rechtsanwältin oder des Rechtsanwalts
| a) | mit Einwilligung erfolgt oder | |
| b) | zur Wahrnehmung berechtigter Interessen erforderlich ist, z.B. zur Durchsetzung oder Abwehr von Ansprüchen aus dem Mandatsverhältnis oder zur Verteidigung in eigener Sache, oder | |
| c) | im Rahmen der Arbeitsabläufe der Kanzlei, die außerhalb des Anwendungsbereichs des § 43e Bundesrechtsanwaltsordnung liegen, objektiv einer üblichen, von der Allgemeinheit gebilligten Verhaltensweise im sozialen Leben entspricht (Sozialadäquanz). |
(5) Die Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten bleiben unberührt.
Vorschrift neugefaßt durch den Beschluss der Satzungsversammlung vom 05.12.2022
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Rechtsprechung zu § 2 BORA
77 Entscheidungen zu § 2 BORA in unserer Datenbank:
- BGH, 04.08.2026 - StB 45/26
Verwerfung der sofortigen Beschwerde der Angeklagten gegen Beschluss des OLG ...
- OLG Frankfurt, 15.01.2025 - 20 W 220/22
Zur Frage, ob Rechtsanwalt Verpflichtung zur Ablieferung eines Testaments Pflicht ...
- BGH, 22.02.2022 - StB 2/22
Ablehnung des Antrags auf Verteidigerwechsel (sofortige Beschwerde; ...
- VK Bund, 01.06.2023 - VK 1-37/23
Vergabe einer Rahmenvereinbarung über Rechtsberatungsdienstleistungen: Interesse ...
- AGH Bayern, 01.02.2022 - BayAGH II - 3 - 9/21
Anwaltsgerichtliche Maßnahmen bei Verstößen gegen anwaltliche Kardinalpflichten - ...
Zum selben Verfahren:
- AGH Bayern, 21.07.2021 - BayAGH II - 3 - 9/21
Vorläufiges Berufs- oder Vertretungsverbot bei Ausschluss aus der ...
- BGH, 17.02.2023 - AnwSt (R) 4/22
Ausschluss von der Rechtsanwaltschaft wegen Verletzung anwaltlicher ...
- AGH Bayern, 21.07.2021 - BayAGH II - 3 - 9/21
- OLG Naumburg, 22.05.2025 - 9 U 55/24
- OLG Dresden, 08.09.2025 - 4 W 534/25
- VG Berlin, 18.01.2018 - 2 K 50.17
Anspruch auf Zugang zu den Rechnungsendsummen von Kosten anwaltlicher Beratung ...
Querverweise
Auf § 2 BORA verweisen folgende Vorschriften:
- Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA)