Rechtsprechung
| OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23 |
Volltextveröffentlichungen (2)
- Justiz Schleswig-Holstein
Art 2 Abs 1 EUV 2016/679, Art 3 Abs 1 EUV 2016/679, Art 4 Nr 7 EUV 2016/679, Art 4 Nr 11 EUV 2016/679, Art 5 Abs 1 Buchst a EUV 2016/679
Schadensersatzanspruch nach Art. 82 DSGVO wegen des Verlusts der Kontrolle über Daten - rechtsportal.de(Abodienst, kostenloses Probeabo)
DSGVO Art. 15 ; DSGVO Art. 82
Anspruch auf Schadensersatz wegen der Verarbeitung und Weitergabe personenbezogener Daten aufgrund eines Scraping-Vorfalls auf einer Internetplattform
Kurzfassungen/Presse
- ferner-alsdorf.de (Kurzinformation)
DSGVO-Schadensersatz bei Scraping-Vorfällen konkretisiert
Verfahrensgang
- LG Itzehoe, 21.03.2023 - 7 O 235/22
- OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Wird zitiert von ... (4) Zitiert selbst (98)
- BGH, 18.11.2024 - VI ZR 10/24
Ansprüche im Zusammenhang mit einem Datenschutzvorfall beim sozialen Netzwerk …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Die klägerische Partei macht nicht mehrere selbständige, auf verschiedene Datenschutzverstöße gestützte prozessuale Ansprüche alternativ geltend, sondern vielmehr einen einheitlichen Anspruch auf Ersatz eines immateriellen Schadens, der sich aus mehreren Datenschutzverstößen der Beklagten ergeben soll (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 16).Vom Streitgegenstand werden damit alle materiell-rechtlichen Ansprüche erfasst, die sich im Rahmen des gestellten Antrags aus dem zur Entscheidung unterbreiteten Lebenssachverhalt herleiten lassen (BGH…, Urteil vom 14. März 2017 - VI ZR 605/15, Rn. 17 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 17).
Diese Wertung würde unterlaufen, wenn unterschiedliche, aber sämtlich auf den Scraping-Vorfall bezogene Datenschutzverstöße in gesonderte Lebenssachverhalte aufgespalten würden und damit kumulativ geltend gemacht werden könnten (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 18).
Rn. 35 Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes erfordert ein Schadensersatzanspruch im Sinne des Art. 82 Abs. 1 DSGVO einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung, das Vorliegen eines materiellen oder immateriellen Schadens sowie einen Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 24 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 58 - MediaMarktSaturn; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Rn. 36 Die Darlegungs- und Beweislast für diese Voraussetzungen trifft die Person, die auf der Grundlage von Art. 82 Abs. 1 DSGVO den Ersatz eines (immateriellen) Schadens verlangt (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 60 f. - MediaMarktSaturn; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Art. 82 DSGVO sieht vielmehr eine Haftung für vermutetes Verschulden vor, die Exkulpation obliegt nach Art. 82 Abs. 3 DSGVO dem Verantwortlichen (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 44 ff.; EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Rn. 94 - Krankenversicherung Nordrhein; vgl. ferner ErwG 146 Satz 2 DSGVO; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Rn. 37 Dessen zeitlicher, sachlicher und räumlicher Anwendungsbereich ist eröffnet (vgl. OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 56 ff., OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 33); auch lassen sich Verstöße der Beklagten gegen die DSGVO im Zuge der Datenverarbeitung feststellen (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 56, 84 ff.; letztlich offen gelassen ("Der Beklagten dürften Verstöße […] vorzuwerfen sein, […]") vom OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 35 f.; vgl. dazu BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 86 ff.).
Dieser hat jedenfalls in Bezug auf die klägerische Partei nicht vor dem 25. Mai 2018 und damit dem Zeitpunkt stattgefunden, seit dem die Datenschutz-Grundverordnung gilt (Art. 99 Abs. 2 DSGVO; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 19).
Rn. 52 Die personenbezogenen Daten (konkret jedenfalls Telefonnummer, Facebook-ID, Familienname, Vorname sowie Geschlecht) hat die Beklagte auch im Sinne von Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Nr. 2 DSGVO automatisiert verarbeitet (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 77 ff.; OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 33; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 19).
Rn. 55 Sie hat ihren Sitz in Irland, betreibt jedenfalls für die Tätigkeit ihrer Datenverarbeitung eine Niederlassung in Irland, also innerhalb der Union (vgl. auch BGH…, Urteil vom 27. Juli 2020 - VI ZR 405/18, Rn. 15; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 81 - 83; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 19).
Denn angesichts des umfassenden Verarbeitungsbegriffs des Art. 4 Nr. 2 DSGVO (jeder mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführte Vorgang oder jede solche Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten wie das Erheben, das Erfassen, die Organisation, das Ordnen, die Speicherung, die Anpassung oder Veränderung, das Auslesen, das Abfragen, die Verwendung, die Offenlegung durch Übermittlung, Verbreitung oder eine andere Form der Bereitstellung, der Abgleich oder die Verknüpfung, die Einschränkung, das Löschen oder die Vernichtung) wäre auch bei einem engeren Verständnis des Art. 82 Abs. 1 DSGVO in Bezug auf den hier inmitten stehenden Scraping-Vorfall ohne Weiteres von einer Datenverarbeitung der Beklagten in Form der Speicherung, des Abfragens, der Offenlegung durch Übermittlung, der Bereitstellung und Verknüpfung auszugehen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 23).
Aber auch für Verstöße gegen Vorschriften aus dem vierten Kapitel der Datenschutz-Grundverordnung (Art. 24 bis 43 DSGVO) hat der Gerichtshof zu einzelnen Vorschriften bereits angenommen, dass ein Schadensersatzanspruch aus Art. 82 DSGVO möglich ist (vgl. zu einem Verstoß gegen Art. 32 DSGVO EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 42 f. - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 52 f. - Natsionalna agentsia za prihodite; für Verstöße gegen Art. 26 und 30 DSGVO EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-60/22, Rn. 66 f. - Bundesrepublik Deutschland [Elektronisches Gerichtsfach]; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 24).
Rn. 61 Es kommt in diesem Zusammenhang auch nicht darauf an, ob einer oder mehrere Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung festgestellt werden können, da der in Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorgesehene Schadensersatzanspruch ausschließlich eine Ausgleichsfunktion, jedoch keine Abschreckungs- oder Straffunktion erfüllt und daher das Vorliegen mehrerer Verstöße nicht zu einer Erhöhung des Schadensersatzes führt (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59 f., 64 f.; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 24; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 25, 96).
Rn. 69 Die von der Beklagten vorgenommene Voreinstellung der Suchbarkeitseinstellungen auf "alle" hat schon nicht dem Grundsatz der Datenminimierung entsprochen, wie er in Art. 5 Abs. 1 lit. b) und c), Art. 25 Abs. 2 Satz 1 und 3 DSGVO festgehalten ist (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 22, 86 ff.; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 127 f.).
Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs müssen sich die Ausnahmen und Einschränkungen des Grundsatzes des Schutzes solcher Daten auf das absolut Notwendige beschränken (EuGH…, Urteil vom 24. Februar 2022 - C-175/20, Rn. 73 mwN; vgl. auch bereits EuGH…, Urteil vom 11. Dezember 2019 - C-708/18, Rn. 46 - Asociaţia de Proprietari bloc M5A-ScaraA; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 87;… Frenzel in: Paal/Pauly, DSGVO, 3. Aufl. 2021, Art. 5 Rn. 34 ff.;… Schantz in: BeckOK DatenschutzR, 49. Ed. [Stand: 1. November 2021], Art. 5 DSGVO Rn. 24 ff.).
Damit beinhaltet Art. 25 Abs. 2 Satz 3 DSGVO die ausdrückliche Verpflichtung zu Voreinstellungen, die verhindern, dass die Daten ohne Weiteres, also ohne bewusste persönliche Änderung der Voreinstellung, der Öffentlichkeit oder sonst einem unbestimmten Adressatenkreis zugänglich gemacht werden (…Heberlein in: Ehmann/Selmayr, DSGVO, 3. Aufl. 2024, Art. 5 Rn. 31; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 88).
Es soll daher verhindert werden, dass Nutzer durch Voreinstellungen, die eine über die erforderliche Verarbeitung hinausgehende extensive Datennutzung vorsehen, dazu verleitet werden, ihre Datenschutzrechte abzuwählen, ohne dies zu realisieren (vgl. auch das Arbeitspapier der Kommission zur Folgenabschätzung einer Datenschutzverordnung SEC(2012)72 final, Seite 21 f. zum unzureichenden Risikobewusstsein und der Unterschätzung von Risiken für die Privatsphäre bei Nutzern sozialer Netzwerke; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 89 mwN).
Datenschutzfreundlichere Einstellungsoptionen - insbesondere die erst 2019 eingeführte Suchbarkeitsoption "nur ich" - wurden demgegenüber nur als opt out-Lösungen angeboten, obwohl die Nutzbarkeit des sozialen Netzwerks als solche hiervon nicht abhing, da eine Suche auch über die Eingabe des Namens möglich gewesen wäre (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 90).
Die Vorgehensweise der Beklagten im Streitfall ist nicht durch eine - hier mangels Erforderlichkeit (vgl. Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) - f) DSGVO) zur Rechtfertigung allein in Betracht kommende - wirksame Einwilligung der klägerischen Partei in die Verwendbarkeit ihrer Telefonnummer im Rahmen der Suchbarkeitsfunktion gerechtfertigt (Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a) DSGVO; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 43 ff., 91; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 90 ff.).
Hierbei ist auch die beherrschende Stellung der Beklagten auf dem Markt für soziale Netzwerke zu berücksichtigen (vgl. EuGH…, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, NJW 2023, 2997 Rn. 140 ff. - Meta Platforms; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 44).
Rn. 114 Dasselbe gilt für eine gerügte Verletzung von Art. 17 (Recht auf Löschung/"Recht auf Vergessenwerden") und 18 DSGVO (Recht auf Einschränkung der Verarbeitung) (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 147 ff.; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 26).
Der bloße Verstoß gegen die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung reicht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs jedoch nicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen, vielmehr ist darüber hinaus - im Sinne einer eigenständigen Anspruchsvoraussetzung - der Eintritt eines Schadens (durch diesen Verstoß) erforderlich (st. Rspr., vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 25 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 42 - Österreichische Post; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 28 BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Aus dieser beispielhaften Aufzählung der "Schäden", die den betroffenen Personen entstehen können, geht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs hervor, dass der Unionsgesetzgeber unter den Begriff "Schaden" insbesondere auch den bloßen Verlust der Kontrolle ("the mere loss of control", "la simple perte de contrôle") über ihre eigenen Daten infolge eines Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung fassen wollte, selbst wenn konkret keine missbräuchliche Verwendung der betreffenden Daten zum Nachteil dieser Personen erfolgt sein sollte (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145 - Agentsia po vpisvaniyata; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 30; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 16 f.).
Rn. 126 Die Ablehnung einer Erheblichkeitsschwelle bedeutet nicht, dass eine Person, die von einem Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, vom Nachweis befreit wäre, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 dieser Verordnung darstellen (EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 27 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 29; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Ist dieser Nachweis erbracht, steht der Kontrollverlust also fest, stellt dieser selbst den immateriellen Schaden dar und es bedarf keiner sich daraus entwickelnden besonderen Befürchtungen oder Ängste der betroffenen Person; diese wären lediglich geeignet, den eingetretenen immateriellen Schaden noch zu vertiefen oder zu vergrößern (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 31; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 17).
Demgegenüber genügt die bloße Behauptung einer Befürchtung ohne nachgewiesene negative Folgen ebenso wenig wie ein rein hypothetisches Risiko der missbräuchlichen Verwendung durch einen unbefugten Dritten (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 35 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 68 - MediaMarktSaturn; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 32; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 19).
Rn. 133 Der Betroffene, der Ersatz des immateriellen Schadens verlangt, muss folglich geltend machen (und ggf. nachweisen), dass der Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung negative Folgen für ihn gehabt hat, die einen immateriellen Schaden darstellen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 33).
Rn. 134 Das Risiko der Nichterweislichkeit - auch in Bezug auf das konkrete Ausmaß eines etwaigen Schadens - verbleibt beim Anspruchsteller (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 37).
Rn. 135 Diesen Darlegungserfordernissen genügt das Vorbringen der klägerischen Partei (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 38 ff.).
Insoweit unterscheidet sich der durch das Scraping und die dauerhafte Preisgabe der mit dem Namen der klägerischen Partei verknüpften Telefonnummer im Internet behauptete Kontrollverlust wesentlich von den Risiken, die mit einer bewussten und zielgerichteten Weitergabe der Telefonnummer an bestimmte Empfänger verbunden sind (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 38 ff.).
Rn. 151 Soweit der Beklagten möglicherweise ein Verstoß gegen die Meldepflicht nach Art. 33 Abs. 1 DSGVO, die Benachrichtigungspflicht nach Art. 34 Abs. 1 DSGVO wegen einer unterlassenen Meldung des Datenschutzvorfalls vorzuwerfen ist, hat die klägerische Partei jedenfalls keine immateriellen Schäden geltend gemacht, die auf diesen Verstoß zurückzuführen sind (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 26).
In Deutschland ist somit insbesondere die Verfahrensvorschrift des § 287 ZPO anzuwenden (…BAG, NJW 2022, 2779 Rn. 14; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 93).
Rn. 160 Die innerstaatliche Verfahrensautonomie bei der Ermittlung des nach Art. 82 DSGVO zu ersetzenden Schadens unterliegt indes mehreren aus dem Unionsrecht folgenden Einschränkungen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 94 ff.).
Auch dürfen sie die Ausübung der durch das Unionsrecht verliehenen Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren (Effektivitätsgrundsatz) (vgl. EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 31 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 32 - Scalable Capital; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 53 - Österreichische Post; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 95).
Folglich darf weder die Schwere des Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung, durch den der betreffende Schaden entstanden ist, berücksichtigt werden, noch der Umstand, ob ein Verantwortlicher mehrere Verstöße gegenüber derselben Person begangen (EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 60 und 64 f.) und ob er vorsätzlich gehandelt hat (…EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 29 f. - Scalable Capital; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 96).
Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der durch eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten verursachte immaterielle Schaden seiner Natur nach nicht weniger schwerwiegend ist als eine Körperverletzung (vgl. dazu EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 151- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 39 - Scalable Capital; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 97).
Rn. 164 Daraus ergeben sich Vorgaben sowohl in Bezug auf die Untergrenze als auch auf die Obergrenze des nach Art. 82 Abs. 1 DSGVO zu gewährenden Schadensersatzes, die das Schätzungsermessen des Tatgerichts (§ 287 ZPO) rechtlich begrenzen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 98 ff.).
Als Anhalt für einen noch effektiven Ausgleich könnte in den Fällen, in denen die Wiedererlangung der Kontrolle mit verhältnismäßigem Aufwand möglich wäre, etwa der hypothetische Aufwand für die Wiedererlangung der Kontrolle (hier insbesondere eines Rufnummernwechsels) dienen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 99).
Dagegen hat der Bundesgerichtshof von Rechts wegen keine Bedenken, den notwendigen Ausgleich für den eingetretenen Kontrollverlust als solchem in einem Fall wie dem streitgegenständlichen in einer Größenordnung von EUR 100, 00 (…so obiter OLG Hamm, GRUR-RS 2024, 16856 Rn. 40) zu bemessen (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 100).
Ausgehend davon wird es gegebenenfalls einen Betrag als Ausgleich festzusetzen haben, der über dem im Falle eines bloßen Kontrollverlustes zuzusprechenden Betrag liegt (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 101).
Rn. 181 Es reicht die bloße Möglichkeit des künftigen Eintritts der geltend gemachten Schäden für die Annahme eines Feststellungsinteresses; eine darüberhinausgehende hinreichende Schadenswahrscheinlichkeit ist nicht erforderlich (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 48).
Rn. 185 Die Möglichkeit künftiger Schäden reicht hier aus, weil es nicht um reine Vermögensschäden geht, sondern um Schäden, die aus der von der klägerischen Partei behaupteten Verletzung ihres Rechts auf informationelle Selbstbestimmung gemäß Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG, mithin ihres allgemeinen Persönlichkeitsrechts als einem sonstigen absolut geschützten Rechtsgut im Sinne von § 823 Abs. 1 BGB, resultieren (vgl. BGH…, Urteil vom 5. Oktober 2021 - VI ZR 136/20, Rn. 28; BGH…, Urteil vom 29. Juni 2021 - VI ZR 10/18, Rn. 30; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 48).
Dabei kann die Möglichkeit ersatzpflichtiger künftiger Schäden ohne Weiteres zu bejahen sein, wenn ein deliktsrechtlich geschütztes absolutes Rechtsgut verletzt wurde und bereits ein Schaden eingetreten ist (BGH…, Urteil vom 30. Juli 2020 - VI ZR 397/19, Rn. 29; BGH…, Urteil vom 17. Oktober 2017 - VI ZR 423/16, Rn. 49 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 48).
In Anbetracht des bereits eingetretenen und noch andauernden Kontrollverlusts über diese Daten ist eine künftige Schadensentwicklung auch nicht nur rein theoretischer Natur (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 49; OLG Stuttgart…, Urteil vom 22. November 2023 - 4 U 20/23, juris Rn. 236 ff.).
Rn. 190 Auf Grundlage der genannten Feststellungen (schon eingetretener Schaden durch Kontrollverlust) kann der Feststellungsanspruch auch in der Sache nicht verneint werden (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 50).
Rn. 192 Der ursprüngliche Klageantrag zu Ziffer 3a) ist unzulässig gewesen, da er nicht hinreichend bestimmt im Sinne des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO ist (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 51 ff.).
Dies bedeutet bei einem Unterlassungsantrag insbesondere, dass dieser nicht derart undeutlich gefasst sein darf, dass die Entscheidung darüber, was dem Beklagten verboten ist, letztlich dem Vollstreckungsgericht überlassen bleibt (vgl. BGH…, Urteil vom 28. Juli 2022 - I ZR 205/20, Rn. 12; BGH…, Urteil vom 2. Juni 2022 - I ZR 140/15, Rn. 26; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 52).
Rn. 195 Eine hinreichende Bestimmtheit ist bei einem Unterlassungsantrag für gewöhnlich gegeben, wenn eine Bezugnahme auf die konkrete Verletzungshandlung erfolgt oder die konkret angegriffene Verletzungsform antragsgegenständlich ist und der Klageantrag zumindest unter Heranziehung des Klagevortrags unzweideutig erkennen lässt, in welchen Merkmalen des angegriffenen Verhaltens die Grundlage und der Anknüpfungspunkt für den Rechtsverstoß und damit das Unterlassungsgebot liegen soll (st. Rspr.; vgl. BGH…, Urteil vom 2. Juni 2022 - I ZR 140/15, Rn. 26 mwN; BGH…, Urteil vom 9. März 2021 - VI ZR 73/20, Rn. 15; BGH…, Urteil vom 15. Januar 2019 - VI ZR 506/17, Rn. 12 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 53).
Die Verwendung auslegungsbedürftiger Begriffe im Klageantrag ist zulässig, wenn über ihren Sinngehalt zwischen den Parteien kein Streit besteht und objektive Maßstäbe zur Abgrenzung vorliegen, oder wenn der Kläger den auslegungsbedürftigen Begriff hinreichend konkret umschreibt und gegebenenfalls mit Beispielen unterlegt oder sein Begehren an der konkreten Verletzungshandlung ausrichtet (BGH…, Urteil vom 2. Juni 2022 - I ZR 140/15, Rn. 26; BGH…, Urteil vom 9. September 2021 - I ZR 113/20, Rn. 12 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 53).
Eine auslegungsbedürftige Antragsformulierung kann im Übrigen hinzunehmen sein, wenn dies zur Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes erforderlich ist (st. Rspr.; vgl. nur BGH…, Urteil vom 28. Juli 2022 - I ZR 205/20, Rn. 12; BGH…, Urteil vom 22. Juli 2021 - I ZR 194/20, Rn. 34 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 54).
Er lässt sich auch unter Heranziehung des Klagevorbringens nicht in einer Weise auslegen, dass die klägerische Partei ein hinreichend bestimmtes Unterlassen begehrt (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 55).
Auch insoweit wäre es - auch mit Blick auf die Gewährung effektiven Rechtsschutzes (BGH…, Urteil vom 26. Januar 2017 - I ZR 207/14, Rn. 18) - der klägerischen Partei zumutbar gewesen, die künftig zu unterlassende Verletzungshandlung weiter zu konkretisieren (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 56).
Auch der Begriff der "unbefugten Personen" hätte durch eine Darlegung der konkreten Verletzungshandlung näher definiert werden können (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 57).
Auch eine nähere Darlegung, welche konkrete Verletzungshandlung durch die Beklagte zu unterlassen sei, fehlt ebenso wie eine Erläuterung, in welchen Fällen von einer "Ausnutzung" der Kontakt-Import-Funktion bzw. von einer Nutzung durch "unbefugte Personen" auszugehen sei (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 58).
Hier hat die klägerische Partei die künftig zu unterlassende Verletzungshandlung weiter konkretisiert (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 56).
Rn. 212 Der Klageantrag zu 3b) ist zulässig (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 59 ff.).
Er lässt sich unter Heranziehung des Klagevorbringens dahingehend auslegen, dass die klägerische Partei ein Unterlassen jeglicher Verarbeitung ihrer Telefonnummer durch die Beklagte, die über die notwendige Verarbeitung für die Zwei-Faktor-Authentifizierung hinausgeht, begehrt (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 62 ff.).
Nach Ansicht der klägerischen Partei wurde diese "wegen der unübersichtlichen und unvollständigen Informationen durch die Beklagte erlangt […], namentlich ohne eindeutige Informationen darüber, dass die Telefonnummer auch bei Einstellung auf 'privat' noch durch Verwendung der Kontakt-Import-Funktion verwendet werden kann, wenn nicht explizit hierfür die Berechtigung verweigert und, im Falle der Nutzung der Facebook-Messenger App, hier ebenfalls explizit die Berechtigung verweigert wird" (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 63).
Rn. 216 Der so verstandene Unterlassungsantrag ist hinreichend bestimmt, da der Beklagten ohne weiteres deutlich wird, für welche Zwecke sie die Telefonnummer der klägerischen Partei noch verarbeiten darf und für welche die klägerische Partei die Unterlassung der Datenverarbeitung begehrt (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 64).
Rn. 217 Auch kann das Vorliegen eines Rechtsschutzbedürfnisses nicht verneint werden (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 65 ff.).
Das Rechtsschutzbedürfnis fehlt jedoch, wenn eine Klage oder ein Antrag objektiv schlechthin sinnlos ist, wenn also der Kläger oder Antragsteller unter keinen Umständen mit seinem prozessualen Begehren irgendeinen schutzwürdigen Vorteil erlangen kann (BGH…, Urteil vom 29. September 2022 - I ZR 180/21, Rn. 10 mwN; vgl. bereits BGH, Urteil vom 14. März 1978 - I ZR 68/76, NJW 1978, 2031, 2032 [unter II. 2. a]; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 66).
Das Rechtsschutzbedürfnis fehlt (oder entfällt) nur dann, wenn das Betreiben des Verfahrens eindeutig zweckwidrig ist und sich als Missbrauch der Rechtspflege darstellt (BGH…, Beschluss vom 24. September 2019 - VI ZB 39/18, Rn. 28; BGH, Urteil vom 14. März 1978 - VI ZR 68/76, NJW 1978, 2031, 2032 [unter II. 2. a]; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 67).
Auch darf der Kläger nicht auf einen verfahrensmäßig unsicheren Weg verwiesen werden (vgl. BGH…, Urteil vom 29. September 2022 - I ZR 180/21, Rn. 16 mwN; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 67).
Insbesondere würde sich die klägerische Partei der Möglichkeit der Zwei-Faktor-Authentifizierung für die Anmeldung in ihrem Nutzerkonto begeben (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 68).
Es ist nicht ersichtlich, über welche Einstellungen die klägerische Partei selbst insoweit Abhilfe schaffen könnte (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 69).
Gegenstand ihres Begehrens ist demgegenüber nicht, die Kontakt-Import-Funktion aufgrund eines verständlichen Hinweises oder unter Wahrung der Sicherheitsanforderungen nutzen zu können (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 70).
Rn. 225 Jedenfalls bei einer Verletzung vertraglicher Rücksichtnahmepflichten im Sinne des § 241 Abs. 2 BGB, durch die die Erreichung des Vertragszwecks bedroht wird, kann aus § 280 Abs. 1 BGB nicht nur Schadensersatz, sondern im Falle des Bestehens einer Erstbegehungs- oder Wiederholungsgefahr auch Unterlassung verlangt werden (BGH…, Urteil vom 2. Mai 2024 - I ZR 12/23, Leitsatz 1 und Rn. 13 ff.; BGH…, Urteil vom 8. November 2022 - II ZR 91/21, Rn. 64; BGH…, Urteil vom 29. Juli 2021 - III ZR 179/20, Rn. 102; BGH…, Urteil vom 5. Juni 2012 - X ZR 161/11, Rn. 15 f.; jeweils mwN; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 83).
Rn. 226 Der klägerischen Partei steht danach weder im Sinne des Antrags zu 3b) ein Anspruch auf Unterlassung jeglicher Verarbeitung ihrer Telefonnummer durch die Beklagte, die über die notwendige Verarbeitung für die Zwei-Faktor-Authentifizierung hinausgeht, zu (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 71) bzw. darauf, dass ihre Telefonnummer auf Grundlage einer Einwilligung verarbeitet wird, die wegen der unübersichtlichen und unvollständigen Informationen durch die Beklagte erlangt wurde, namentlich ohne eindeutige Informationen darüber, dass die Telefonnummer auch bei Einstellung auf "privat" noch durch Verwendung des Kontaktimporttools verwendet werden kann, wenn nicht explizit hierfür die Berechtigung verweigert und, im Falle der Nutzung der Facebook-Messenger App, hier ebenfalls explizit die Berechtigung verweigert wird.
Rn. 232 Die Kosten der Rechtsverfolgung und deshalb auch die Kosten eines mit der Sache befassten Rechtsanwalts gehören, soweit sie zur Wahrnehmung der Rechte erforderlich und zweckmäßig waren, grundsätzlich zu dem wegen einer unerlaubten Handlung zu ersetzenden Schaden (vgl. BGH…, Urteil vom 17. November 2015 - VI ZR 492/14, Rn. 9; BGH…, Urteil vom 4. März 2008 - VI ZR 176/07, Rn. 5; BGH…, Urteil vom 4. Dezember 2007 - VI ZR 277/06, Rn. 13; BGH…, Urteil vom 8. November 1994 - VI ZR 3/94, juris Rn. 7; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 79).
In derart einfach gelagerten Fällen kann der Geschädigte grundsätzlich den Schaden selbst geltend machen, so dass sich die sofortige Einschaltung eines Rechtsanwalts nur unter besonderen Voraussetzungen als erforderlich erweisen kann, wenn etwa der Geschädigte aus Mangel an geschäftlicher Gewandtheit oder sonstigen Gründen wie etwa Krankheit oder Abwesenheit nicht in der Lage ist, den Schaden selbst anzumelden (vgl. BGH…, Urteil vom 8. November 1994 - VI ZR 3/94, juris Rn. 9; BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 79).
Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass zum Zeitpunkt des genannten Schreibens eine Vielzahl von Rechtsfragen in Zusammenhang mit Art. 82 DSGVO weder durch den Gerichtshof noch durch die nationalen Gerichte geklärt war (vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 80).
Rn. 247 Hier ist die Revision nicht zuzulassen, da die wesentlichen Rechtsfragen seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Urteil vom 18. November 2024 (VI ZR 10/24) geklärt sind und im Übrigen der Rechtsstreit seinen Schwerpunkt im Tatsächlichen hat (immaterieller Schaden).
Denn auch die in diesem Verfahren vorgelegten Fragen sind bereits entschieden bzw. für den hiesigen Rechtsstreit nicht entscheidungserheblich, wie der Bundesgerichtshof selbst in der genannten Entscheidung (BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24) auch ausdrücklich ausführt.
- OLG Hamm, 15.08.2023 - 7 U 19/23
Facebook-Scraping
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Der Kläger kann die Auswahl, über welche selbständigen Ansprüche bis zur Höhe der eingeklagten Forderung entschieden werden soll, nicht dem Gericht überlassen (BGH, Urteil vom 17. Januar 2023 - VI ZR 203/22; BGH, Beschluss vom 24. März 2011 - I ZR 108/09; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 49; OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 30).Rn. 37 Dessen zeitlicher, sachlicher und räumlicher Anwendungsbereich ist eröffnet (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 56 ff., OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 33); auch lassen sich Verstöße der Beklagten gegen die DSGVO im Zuge der Datenverarbeitung feststellen (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 56, 84 ff.; letztlich offen gelassen ("Der Beklagten dürften Verstöße […] vorzuwerfen sein, […]") vom OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 35 f.; vgl. dazu BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 86 ff.).
Rn. 41 Denn auch wenn sich die klägerische Partei gegebenenfalls bereits vor dem 25. Mai 2018 auf der Plattform der Beklagten angemeldet hat, war die Beklagte jedenfalls ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der DSGVO verpflichtet, den dort statuierten Vorschriften gerecht zu werden; der Scraping-Vorfall selbst hat nach dem übereinstimmenden Vortrag der Parteien jedenfalls nicht vor dem 25. Mai 2018 stattgefunden (OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-5 U 67/23, juris Rn. 33; differenzierend für die jeweiligen vermeintlichen Verstöße: OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 61 ff.).
Rn. 52 Die personenbezogenen Daten (konkret jedenfalls Telefonnummer, Facebook-ID, Familienname, Vorname sowie Geschlecht) hat die Beklagte auch im Sinne von Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Nr. 2 DSGVO automatisiert verarbeitet (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 77 ff.; OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 33; vgl. BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 19).
Rn. 55 Sie hat ihren Sitz in Irland, betreibt jedenfalls für die Tätigkeit ihrer Datenverarbeitung eine Niederlassung in Irland, also innerhalb der Union (vgl. auch BGH…, Urteil vom 27. Juli 2020 - VI ZR 405/18, Rn. 15; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 81 - 83; vgl. BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 19).
Rn. 56 Die Beklagte hat auch als Verantwortliche im Sinne von Art. 4 Nr. 7 DSGVO gehandelt, da sie Inhaberin des sozialen Netzwerkes ist, von dem die Daten der klägerischen Partei "gescrapt" wurden und da sie innerhalb dieses Netzwerks selbst auch den entsprechenden Suchautomatismus durch das CIT zur Verfügung gestellt hat, der im Rahmen des streitgegenständlichen Datenschutzvorfalls benutzt wurde (OLG Köln…, Urteil vom 7. Dezember 2023 - I-15 U 67/23, juris Rn. 34; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 89).
Rn. 69 Die von der Beklagten vorgenommene Voreinstellung der Suchbarkeitseinstellungen auf "alle" hat schon nicht dem Grundsatz der Datenminimierung entsprochen, wie er in Art. 5 Abs. 1 lit. b) und c), Art. 25 Abs. 2 Satz 1 und 3 DSGVO festgehalten ist (BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 22, 86 ff.; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 127 f.).
Die Vorgehensweise der Beklagten im Streitfall ist nicht durch eine - hier mangels Erforderlichkeit (vgl. Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) - f) DSGVO) zur Rechtfertigung allein in Betracht kommende - wirksame Einwilligung der klägerischen Partei in die Verwendbarkeit ihrer Telefonnummer im Rahmen der Suchbarkeitsfunktion gerechtfertigt (Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a) DSGVO; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 43 ff., 91; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 90 ff.).
Daran fehlt es (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 84 ff.; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.).
Rn. 78 Konkret nicht ausgeräumt hat die Beklagte jedenfalls Verstöße gegen Art. 5 Abs. 1 lit. b), Art. 25 Abs. 1 und Abs. 2 DSGVO (vgl. OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 92 ff., auch zu weiteren Verstößen).
Rn. 79 Zunächst war die Datenverarbeitung mit Blick auf die Suchbarkeit eines Nutzerprofils über die Mobilfunktelefonnummer per Such- und Kontaktimportfunktion und insbesondere die diesbezügliche Voreinstellung der Suchbarkeit für "alle" - entgegen der Ansicht der Beklagten - nicht zur Vertragszweckerfüllung erforderlich und damit nicht gemäß Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) DSGVO gerechtfertigt (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 94 ff.).
Rn. 80 Soweit die Beklagte die streitgegenständliche, mittlerweile deaktivierte Suchbarkeit des Nutzerprofils über die Telefonnummer für "alle" unter Nutzung der Such- oder Kontaktimportfunktion als für die Vertragserfüllung essentiell, da zur Vernetzung der Nutzer untereinander erforderlich, erachtet, vermag sich der Senat dem (wie OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 95 ff.) nicht anzuschließen.
Ob der einzelne Nutzer (sich) diesen Wunsch erfüllen mochte, musste ihm vielmehr im Rahmen einer informierten Einwilligung selbst überlassen bleiben (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 99).
Dafür, dass der EuGH insoweit eine differenzierende Begriffsbestimmung für geboten hielte, besteht keinerlei Anhaltspunkt (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 100).
Ihnen fehlt folglich jeglicher eigenständige Charakter, sie sind Mittel zum Zweck, aber eben kein unerlässliches mit Blick auf die Vernetzung der Nutzer (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 101 ff.).
Rn. 89 Auch eine Rechtfertigung über Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. f) DSGVO (vgl. Anlage B 18) scheidet vorliegend aus (wie OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 105 ff.).
Rn. 95 Dass die Suchbarkeit über die Telefonnummer auf den verschiedenen Ebenen, insbesondere per Kontaktimportfunktion von Facebook oder im Facebook-Messenger, nicht erforderlich ist und war, wird schon dadurch belegt, dass diese Funktion zum 6. September 2019 endgültig und vollständig aus allen Anwendungsbereichen eliminiert wurde (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 107 ff.).
Rn. 97 Eine wirksame Einwilligung der klägerischen Partei im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a), Art. 7 DSGVO in die Suchbarkeit ihres Nutzerprofils über die Mobilfunktelefonnummer lag allerdings nicht vor (wie OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 111 ff.; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.).
Dabei gilt es, auch den Grundsatz der Transparenz aus Art. 5 Abs. 1 lit. a) Var. 3 DSGVO zu berücksichtigen (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 113).
Hierauf ist allein abzustellen, da die Beklagte zu Änderungen ihrer allgemeinen Nutzungsbedingungen nach dem 19. April 2018, etwa zum 31. Juli 2019 (EuGH…, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 32), die noch Relevanz haben könnten, nichts vorgetragen hat (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 114).
Rn. 101 Gemessen daran kann die Beklagte schon allein auf Grund des Umstandes, dass sie mit ihrer Voreinstellung "alle" zur Suchbarkeit zum Zeitpunkt der Bedingungsänderungen am 19. April 2018 unverändert eine "Opt-Out-Einwilligung" vorsah, keine wirksame Einwilligung vorweisen (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 116; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 32 ff.).
Die Zustimmung "Ich stimme zu" bezieht sich damit ausdrücklich nicht auch auf die Datenrichtlinie, die Cookie-Richtlinie oder die bisherigen Einstellungen hinsichtlich der Daten, der Privatsphäre und der Sicherheit (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 117 ff.; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 34).
Dies widersprach Erwägungsgrund 42 Satz 2 DSGVO, wonach eine betroffene Person wissen soll, dass und in welchem Umfang eine Einwilligung erteilt wird (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 120 ff.).
Da zudem seit dem 25. Mai 2018 eine Einwilligung nur durch ein aktives Tun und nicht durch stillschweigendes Akzeptieren von Voreinstellungen erfolgen kann (siehe oben), hätte die Beklagte die Nutzer im Rahmen der Änderung der Nutzungsbedingungen etc. mithin sämtliche bisherigen Voreinstellungen durchlaufen lassen müssen, diese - wie erst seit Mai 2019 möglich - auf "nur ich" voreinstellen und ihre aktive Einwilligung nach umfassender Information zu hiervon abweichenden neuen Einstellungen einholen müssen (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 126).
Rn. 114 Dasselbe gilt für eine gerügte Verletzung von Art. 17 (Recht auf Löschung/"Recht auf Vergessenwerden") und 18 DSGVO (Recht auf Einschränkung der Verarbeitung) (OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 147 ff.; vgl. BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 26).
Rn. 116 Die von der DSGVO verwandten Begriffe "immaterieller" und "materieller" Schaden sind unionsautonom auszulegen und setzen nach dem Wortlaut der Norm, der Systematik und Telos des Art. 82 Abs. 2, Abs. 1 DSGVO sowie der Art. 77-84 DSGVO und den Erwägungsgründen 75, 85 und 146 DSGVO einen über den schlichten Verstoß gegen die DSGVO hinausgehenden Schaden voraus (…so EuGH Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Leitsatz 1 und Rn. 29-42; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Leitsatz und Tenor zu 1. und Rn. 32 ff., 43; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 1. und Rn. 20 ff.;… Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona, Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, juris Rn. 117; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 152).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.;… siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.;… GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 129 Entsprechend stellt der Gerichtshof auch darauf ab, dass die "konkret erlittenen Schäden" vollständig ausgeglichen werden müssen (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 58; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 22; EuGH, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Leitsatz 4; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 155).
Rn. 130 Die Annahme eines solchen konkreten Schadens setzt in unionsautonomer Auslegung nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs voraus, dass dieser "tatsächlich und sicher" besteht (vgl. etwa zur Haftung der Union im Sinne von Art. 340 Abs. 2 AEUV (Amtshaftung für von EU-Bediensteten oder Organen verursachte Schäden) jeweils mwN: EuGH…, Urteil vom 13. Dezember 2018 - C-150/17 P, Rn. 86; EuGH…, Urteil vom 13. Mai 2017 - C-45/15 P, Rn. 61; EuGH…, Urteil vom 4. April 2017 - C-337/15 P, Rn. 91-94;… zur Haftung von Privatpersonen im Sinne von Art. 94 VO/2100/94: EuGH Urteil vom 16. März 2023 - C-522/21, Rn. 38, 46, 49, wobei unter Rn. 37 dargestellt wird, dass ein pauschal festzusetzender Strafschadensersatz wie bei Art. 83 und 84 DSGVO ausscheidet; zur Haftung von Mitgliedstaaten nach nationalem Recht wegen Verstoßes gegen Unionsrecht: EuGH…, Urteil vom 25. März 2021 - C-501/18, Rn. 112, 122, 127; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 156).
Rn. 222 Der so verstandene Unterlassungsantrag enthält auch kein im Sinne des § 890 Abs. 2 ZPO unzulässiges Antragsbegehren bzw. ist nicht auf ein zukünftiges aktives Tun gerichtet (so aber OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - 7 U 19/23, juris Rn. 239).
- EuGH, 11.04.2024 - C-741/21
juris - Vorlage zur Vorabentscheidung - Schutz natürlicher Personen bei der …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Er erfüllt keine Abschreckungs- oder gar Straffunktion, weshalb auch das Vorliegen mehrerer auf denselben Verarbeitungsvorgang bezogener Verstöße nicht zu einer Erhöhung des Schadensersatzes führt (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59 f., 64 f.).Rn. 35 Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes erfordert ein Schadensersatzanspruch im Sinne des Art. 82 Abs. 1 DSGVO einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung, das Vorliegen eines materiellen oder immateriellen Schadens sowie einen Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 24 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 58 - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Rn. 36 Die Darlegungs- und Beweislast für diese Voraussetzungen trifft die Person, die auf der Grundlage von Art. 82 Abs. 1 DSGVO den Ersatz eines (immateriellen) Schadens verlangt (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 60 f. - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Art. 82 DSGVO sieht vielmehr eine Haftung für vermutetes Verschulden vor, die Exkulpation obliegt nach Art. 82 Abs. 3 DSGVO dem Verantwortlichen (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 44 ff.; EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Rn. 94 - Krankenversicherung Nordrhein; vgl. ferner ErwG 146 Satz 2 DSGVO; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Rn. 61 Es kommt in diesem Zusammenhang auch nicht darauf an, ob einer oder mehrere Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung festgestellt werden können, da der in Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorgesehene Schadensersatzanspruch ausschließlich eine Ausgleichsfunktion, jedoch keine Abschreckungs- oder Straffunktion erfüllt und daher das Vorliegen mehrerer Verstöße nicht zu einer Erhöhung des Schadensersatzes führt (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59 f., 64 f.; OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 24; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 25, 96).
Rn. 116 Die von der DSGVO verwandten Begriffe "immaterieller" und "materieller" Schaden sind unionsautonom auszulegen und setzen nach dem Wortlaut der Norm, der Systematik und Telos des Art. 82 Abs. 2, Abs. 1 DSGVO sowie der Art. 77-84 DSGVO und den Erwägungsgründen 75, 85 und 146 DSGVO einen über den schlichten Verstoß gegen die DSGVO hinausgehenden Schaden voraus (…so EuGH Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Leitsatz 1 und Rn. 29-42; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Leitsatz und Tenor zu 1. und Rn. 32 ff., 43; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 1. und Rn. 20 ff.;… Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona, Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, juris Rn. 117; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 152).
Der bloße Verstoß gegen die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung reicht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs jedoch nicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen, vielmehr ist darüber hinaus - im Sinne einer eigenständigen Anspruchsvoraussetzung - der Eintritt eines Schadens (durch diesen Verstoß) erforderlich (st. Rspr., vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 25 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 42 - Österreichische Post; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 28 BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Rn. 118 Insoweit hat der Gerichtshof festgestellt, dass aus dem Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO klar hervorgeht, dass das Vorliegen eines "Schadens", der entstanden ist, eine der Voraussetzungen für den in dieser Bestimmung vorgesehenen Schadenersatzanspruch darstellt, ebenso wie das Vorliegen eines Verstoßes gegen die DSGVO und eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 32; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 77; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 14; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 58 mwN; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.;… siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.;… GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 123 Weiterhin hat der Gerichtshof in seiner jüngeren Rechtsprechung unter Bezugnahme auf ErwG 85 DSGVO (vgl. ferner ErwG 75 DSGVO) klargestellt, dass schon der - selbst kurzzeitige - Verlust der Kontrolle über personenbezogene Daten einen immateriellen Schaden darstellen kann, ohne dass dieser Begriff des "immateriellen Schadens" den Nachweis zusätzlicher spürbarer negativer Folgen erfordert (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145, 156 i.V.m. 137- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 42; vgl. zuvor bereits EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 66 - MediaMarktSaturn;… EuGH, Urteile vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 17-23 - Gemeinde Ummendorf sowie - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Rn. 125 Allerdings muss eine Person, die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, nachweisen, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 DSGVO darstellen (vgl. in diesem Sinne EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 50; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Leitsatz 4; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35).
Rn. 126 Die Ablehnung einer Erheblichkeitsschwelle bedeutet nicht, dass eine Person, die von einem Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, vom Nachweis befreit wäre, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 dieser Verordnung darstellen (EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 27 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 29; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Rn. 127 Auch insoweit muss die betroffene Person den Nachweis erbringen, dass sie einen solchen - d.h. in einem bloßen Kontrollverlust als solchem bestehenden - Schaden erlitten hat (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36 und 42).
Das Verhältnis zwischen den in Art. 82 DSGVO und den in den Art. 83 und 84 DSGVO enthaltenen Vorschriften zeigt, dass zwischen diesen beiden Kategorien von Bestimmungen ein Unterschied besteht, sie einander aber als Anreiz zur Einhaltung der DSGVO auch ergänzen, wobei das Recht jeder Person, den Ersatz eines Schadens zu verlangen, die Durchsetzungskraft der in dieser Verordnung vorgesehenen Schutzvorschriften erhöht und geeignet ist, von der Wiederholung rechtswidriger Verhaltensweisen abzuschrecken (vgl. u. a. EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten] - C-300/21, Rn. 38 und 40, EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 22 ff.).
Rn. 134 Das Risiko der Nichterweislichkeit - auch in Bezug auf das konkrete Ausmaß eines etwaigen Schadens - verbleibt beim Anspruchsteller (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 37).
Insbesondere können aufgrund des unterschiedlichen Zwecks der Vorschriften nicht die in Art. 83 DSGVO genannten Kriterien herangezogen werden (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 39 ff. - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 57, 62).
Die Bemessung richtet sich vielmehr entsprechend dem Grundsatz der Verfahrensautonomie nach den innerstaatlichen Vorschriften über den Umfang der finanziellen Entschädigung (EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 58; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 53 - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Rn. 83 und 101 - Krankenversicherung Nordrhein; jeweils mwN).
Rn. 162 In Anbetracht der Ausgleichsfunktion des in Art. 82 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruchs, wie sie in ErwG 146 Satz 6 DSGVO zum Ausdruck kommt, ist eine auf Art. 82 DSGVO gestützte Entschädigung in Geld als "vollständig und wirksam" anzusehen, wenn sie es ermöglicht, den aufgrund des Verstoßes gegen diese Verordnung konkret erlittenen Schaden in vollem Umfang auszugleichen; eine Abschreckungs- oder Straffunktion soll der Anspruch aus Art. 82 Abs. 1 DSGVO dagegen nicht erfüllen (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 42 - PS GbR; vgl. auch EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 43 f. - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs;… EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 23 - Scalable Capital; EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 47 - MediaMarktSaturn).
Folglich darf weder die Schwere des Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung, durch den der betreffende Schaden entstanden ist, berücksichtigt werden, noch der Umstand, ob ein Verantwortlicher mehrere Verstöße gegenüber derselben Person begangen (EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 60 und 64 f.) und ob er vorsätzlich gehandelt hat (…EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 29 f. - Scalable Capital; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 96).
Rn. 163 Im Ergebnis soll die Höhe der Entschädigung zwar nicht hinter dem vollständigen Ausgleich des Schadens zurückbleiben, sie darf aber auch nicht in einer Höhe bemessen werden, die über den vollständigen Ersatz des Schadens hinausginge (vgl. EuGH, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 60; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 48 - MediaMarktSaturn).
- EuGH, 14.12.2023 - C-340/21
Natsionalna agentsia za prihodite - DSGVO: Bereits Angst vor Datenmissbrauch kann …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Bedenken gegen die Anwendbarkeit des Art. 82 Abs. 1 DSGVO auf Verstöße gegen Art. 5 DSGVO bestehen daher nicht (vgl. auch bereits EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, CR 2024, 160 Rn. 42 f. - MediaMarktSaturn; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 52 f. - Natsionalna agentsia za prihodite).Aber auch für Verstöße gegen Vorschriften aus dem vierten Kapitel der Datenschutz-Grundverordnung (Art. 24 bis 43 DSGVO) hat der Gerichtshof zu einzelnen Vorschriften bereits angenommen, dass ein Schadensersatzanspruch aus Art. 82 DSGVO möglich ist (vgl. zu einem Verstoß gegen Art. 32 DSGVO EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 42 f. - MediaMarktSaturn; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 52 f. - Natsionalna agentsia za prihodite; für Verstöße gegen Art. 26 und 30 DSGVO EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-60/22, Rn. 66 f. - Bundesrepublik Deutschland [Elektronisches Gerichtsfach]; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 24).
Rn. 66 Er muss damit also generell - und entgegen dem Ansatz der Beklagten auch im Zivilprozess - nach dem in Art. 5 Abs. 2 DSGVO verankerten Grundsatz der Rechenschaftspflicht nachweisen können, dass er die in Abs. 1 dieses Artikels festgelegten Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten einhält (EuGH…, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 95, 152, 154; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-60/22, Rn. 53; EuGH…, Urteil vom 24. Februar 2022 - C-175/20, Rn. 77 f., 81; vgl. zu Art. 32, 24 DSGVO speziell auch GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 45-53; siehe auch BVerwG…, Urteil vom 1. März 2022 - 6 C 7 /20, Rn. 49 f.).
Rn. 67 Der in Art. 5 Abs. 2 der Verordnung 2016/679 formulierte und in Art. 24 dieser Verordnung konkretisierte Grundsatz der Rechenschaftspflicht des Verantwortlichen ist dahin auszulegen, dass im Rahmen einer auf Art. 82 der Verordnung gestützten Schadenersatzklage der für die betreffende Verarbeitung Verantwortliche die Beweislast dafür trägt, dass die von ihm getroffenen Sicherheitsmaßnahmen im Sinne von Art. 32 dieser Verordnung geeignet waren (EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Tenor zu 3. und Rn. 48 ff., Rn. 57).
Rn. 118 Insoweit hat der Gerichtshof festgestellt, dass aus dem Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO klar hervorgeht, dass das Vorliegen eines "Schadens", der entstanden ist, eine der Voraussetzungen für den in dieser Bestimmung vorgesehenen Schadenersatzanspruch darstellt, ebenso wie das Vorliegen eines Verstoßes gegen die DSGVO und eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 32; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 77; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 14; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 58 mwN; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.;… siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.; GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 120 Weiter ist im vorliegenden Fall festzustellen, dass Art. 82 Abs. 1 DSGVO nicht danach unterscheidet, ob der infolge eines erwiesenen Verstoßes gegen die Bestimmungen der DSGVO von der betroffenen Person behauptete "immaterielle Schaden" mit einer zum Zeitpunkt ihres Schadenersatzantrags bereits erfolgten missbräuchlichen Verwendung ihrer personenbezogenen Daten durch Dritte verbunden ist oder ob er mit ihrer Angst verknüpft ist, dass eine solche Verwendung in Zukunft erfolgen könnte (EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 79).
Rn. 121 Somit schließt der Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO nicht aus, dass der in dieser Bestimmung enthaltene Begriff "immaterieller Schaden" eine Situation wie die hiesige umfasst, in der sich die betroffene Person, um Schadenersatz nach dieser Bestimmung zu erhalten, auf ihre Befürchtung beruft, dass ihre personenbezogenen Daten aufgrund des eingetretenen Verstoßes gegen die DSGVO in Zukunft von Dritten missbräuchlich verwendet werden (EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 80; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 2. und Rn. 29 ff.).
Rn. 122 Diese wörtliche Auslegung wird zweitens durch den 146. Erwägungsgrund der DSGVO bestätigt, der speziell den in Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruch betrifft und in dessen drittem Satz es heißt, dass "[d]er Begriff des Schadens… im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs weit auf eine Art und Weise ausgelegt werden [sollte], die den Zielen dieser Verordnung in vollem Umfang entspricht." Eine Auslegung des Begriffs "immaterieller Schaden" im Sinne von Art. 82 Abs. 1 DSGVO, die nicht die Fälle umfasst, in denen die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffene Person sich auf die Befürchtung beruft, dass ihre eigenen personenbezogenen Daten in Zukunft missbräuchlich verwendet werden, entspräche jedoch nicht einer weiten Auslegung dieses Begriffs, wie sie vom Unionsgesetzgeber beabsichtigt ist (vgl. entsprechend EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 37 und 46; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 81).
Rn. 123 Weiterhin hat der Gerichtshof in seiner jüngeren Rechtsprechung unter Bezugnahme auf ErwG 85 DSGVO (vgl. ferner ErwG 75 DSGVO) klargestellt, dass schon der - selbst kurzzeitige - Verlust der Kontrolle über personenbezogene Daten einen immateriellen Schaden darstellen kann, ohne dass dieser Begriff des "immateriellen Schadens" den Nachweis zusätzlicher spürbarer negativer Folgen erfordert (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145, 156 i.V.m. 137- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 42; vgl. zuvor bereits EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 66 - MediaMarktSaturn; EuGH, Urteile vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 17-23 - Gemeinde Ummendorf sowie - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Aus dieser beispielhaften Aufzählung der "Schäden", die den betroffenen Personen entstehen können, geht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs hervor, dass der Unionsgesetzgeber unter den Begriff "Schaden" insbesondere auch den bloßen Verlust der Kontrolle ("the mere loss of control", "la simple perte de contrôle") über ihre eigenen Daten infolge eines Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung fassen wollte, selbst wenn konkret keine missbräuchliche Verwendung der betreffenden Daten zum Nachteil dieser Personen erfolgt sein sollte (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145 - Agentsia po vpisvaniyata; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 30; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 16 f.).
Eine Auslegung von Art. 82 Abs. 1 DSGVO dahin, dass der Begriff "immaterieller Schaden" im Sinne dieser Bestimmung keine Situationen umfasst, in denen sich eine betroffene Person nur auf ihre Befürchtung beruft, dass ihre Daten in Zukunft von Dritten missbräuchlich verwendet werden, wäre jedoch nicht mit der Gewährleistung eines hohen Schutzniveaus für natürliche Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten in der Union vereinbar, die mit diesem Rechtsakt bezweckt wird (EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 83; vgl. zum Ganzen auch: BGH…, Beschluss vom 26. September 2023 - VI ZR 97/22, Vorlagefrage 4 und Rn. 31).
Rn. 125 Allerdings muss eine Person, die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, nachweisen, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 DSGVO darstellen (vgl. in diesem Sinne EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 50; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Leitsatz 4; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35).
Rn. 128 Insbesondere muss das angerufene nationale Gericht, wenn sich eine Person, die auf dieser Grundlage Schadenersatz fordert, auf die Befürchtung beruft, dass ihre personenbezogenen Daten in Zukunft aufgrund eines solchen Verstoßes missbräuchlich verwendet werden, prüfen, ob diese Befürchtung unter den gegebenen besonderen Umständen und im Hinblick auf die betroffene Person als begründet angesehen werden kann (EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85).
Rn. 129 Entsprechend stellt der Gerichtshof auch darauf ab, dass die "konkret erlittenen Schäden" vollständig ausgeglichen werden müssen (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 58; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 22; EuGH, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Leitsatz 4; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 155).
Rn. 132 Aber auch dann, wenn ein Kontrollverlust nicht nachgewiesen werden kann, reicht die begründete Befürchtung einer Person, dass ihre personenbezogenen Daten aufgrund eines Verstoßes gegen die Verordnung von Dritten missbräuchlich verwendet werden, aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen (vgl. EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 67 - MediaMarktSaturn; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Die Befürchtung samt ihrer negativen Folgen muss dabei ordnungsgemäß nachgewiesen sein (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 36 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 75-86 - Natsionalna agentsia za prihodite).
- EuGH, 04.07.2023 - C-252/21
Eine nationale Wettbewerbsbehörde kann im Rahmen der Prüfung, ob eine …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Rn. 50 Der Betrieb eines sozialen Netzwerkes durch Sammlung/ Speicherung jedenfalls des Namens und Geschlechts von Mitgliedern und die automatisierte Vernetzung der Mitglieder sowie deren Beschickung mit individualisierter Werbung fällt in den sachlichen Anwendungsbereich der DSGVO im Sinne des Art. 2 Abs. 1 DSGVO; die Tätigkeit unterfällt - was die Beklagte aber auch schon nicht in Anspruch nimmt - keinem Ausnahmetatbestand im Sinne von Art. 2 Abs. 2 bis Abs. 4 DSGVO oder der Öffnungsklausel nach Art. 85 Abs. 2 DSGVO (vgl. konkret zur Beklagten EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 27; EuGH…, Urteil vom 5. Juni 2018 - C-210/16, Rn. 30; siehe zu einer Internetsuchmaschine auch BGH…, Urteil vom 27. Juli 2020 - VI ZR 405/18, Rn. 13 f.).Rn. 54 Die Beklagte ist Verantwortliche der Verarbeitung im Sinne von Art. 4 Nr. 7 DSGVO (vgl. konkret zur Beklagten EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 86 ff.; EuGH…, Urteil vom 28. April 2022 - C-319/20, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 5. Juni 2018 - C-210/16, Rn. 30; siehe auch BGH…, Urteil vom 27. Juli 2020 - VI ZR 405/18, Rn. 13).
Rn. 66 Er muss damit also generell - und entgegen dem Ansatz der Beklagten auch im Zivilprozess - nach dem in Art. 5 Abs. 2 DSGVO verankerten Grundsatz der Rechenschaftspflicht nachweisen können, dass er die in Abs. 1 dieses Artikels festgelegten Grundsätze für die Verarbeitung personenbezogener Daten einhält (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 95, 152, 154; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-60/22, Rn. 53; EuGH…, Urteil vom 24. Februar 2022 - C-175/20, Rn. 77 f., 81;… vgl. zu Art. 32, 24 DSGVO speziell auch GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 45-53; siehe auch BVerwG…, Urteil vom 1. März 2022 - 6 C 7 /20, Rn. 49 f.).
Hierbei ist auch die beherrschende Stellung der Beklagten auf dem Markt für soziale Netzwerke zu berücksichtigen (vgl. EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, NJW 2023, 2997 Rn. 140 ff. - Meta Platforms; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 44).
Der Verantwortliche muss somit nachweisen können, inwiefern der Hauptgegenstand des Vertrags ohne die betreffende Verarbeitung nicht erfüllt werden könnte (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 98).
Entscheidend für die Anwendung des in Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) DSGVO genannten Rechtfertigungsgrundes ist nämlich, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten durch den Verantwortlichen für die ordnungsgemäße Erfüllung des zwischen ihm und der betroffenen Person geschlossenen Vertrags wesentlich ist und dass daher keine praktikablen und weniger einschneidenden Alternativen bestehen (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 99).
Wenn auch der Kontext, zu dem sich der EuGH zur Auslegung der geforderten Erforderlichkeit für die Vertragserfüllung geäußert hat, ein anderer war, so besteht jedoch keinerlei Zweifel daran, dass diese Aussagen des Gerichtshofs allgemeingültig sind (vgl. explizit EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 98, siehe oben).
Rn. 87 Zwar sind mehrere Dienstleistungen oder mehrere eigenständige Elemente einer Dienstleistung, die unabhängig voneinander erbracht werden können, im Hinblick auf die Anwendbarkeit von Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) DSGVO für jede dieser Dienstleistungen gesondert zu beurteilen (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 100).
Rn. 91 Erstens muss von dem für die Verarbeitung Verantwortlichen oder von einem Dritten ein berechtigtes Interesse wahrgenommen werden, zweitens muss die Verarbeitung der personenbezogenen Daten zur Verwirklichung des berechtigten Interesses erforderlich sein und drittens dürfen die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der Person, deren Daten geschützt werden sollen, gegenüber dem berechtigten Interesse des Verantwortlichen oder eines Dritten nicht überwiegen (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 106; EuGH…, Urteil vom 17. Juni 2021, M.I.C.M. - C-597/19, Rn. 106 mwN).
Rn. 93 Entscheidend hierfür ist, ob das berechtigte Interesse an der Verarbeitung der Daten nicht in zumutbarer Weise ebenso wirksam mit anderen Mitteln erreicht werden kann, die weniger stark in die Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Personen, insbesondere die durch die Art. 7 und 8 der EU-Grundrechtecharta garantierten Rechte auf Achtung des Privatlebens und auf Schutz personenbezogener Daten, eingreifen (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 108 mwN).
Rn. 94 Zudem ist die Voraussetzung der Erforderlichkeit der Datenverarbeitung gemeinsam mit dem sogenannten Grundsatz der "Datenminimierung" zu prüfen, der in Art. 5 Abs. 1 lit. c) DSGVO verankert ist und verlangt, dass personenbezogene Daten "dem Zweck angemessen und erheblich sowie auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Maß beschränkt" sind (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 109 mwN; siehe oben).
Auch wenn die in Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) bis lit. f) DSGVO vorgesehenen Rechtfertigungsgründe nicht greifen, kann die Verarbeitung personenbezogener Daten infolge einer wirksamen Einwilligung der betroffenen Person rechtmäßig sein (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 93).
Rn. 98 Nach Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a) DSGVO ist die Verarbeitung personenbezogener Daten rechtmäßig, wenn und soweit die betroffene Person ihre Einwilligung für einen oder mehrere bestimmte Zwecke freiwillig in informierter Weise und unmissverständlich im Sinne von Art. 4 Nr. 11 DSGVO erteilt hat (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 91 f.; EuGH…, Urteil vom 11. November 2020 - C-61/19, Rn. 35 f.).
Hierauf ist allein abzustellen, da die Beklagte zu Änderungen ihrer allgemeinen Nutzungsbedingungen nach dem 19. April 2018, etwa zum 31. Juli 2019 (EuGH, Urteil vom 4. Juli 2023 - C-252/21, Rn. 32), die noch Relevanz haben könnten, nichts vorgetragen hat (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 114).
- EuGH, 25.01.2024 - C-687/21
MediaMarktSaturn - Vorlage zur Vorabentscheidung - Schutz natürlicher Personen …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Rn. 35 Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes erfordert ein Schadensersatzanspruch im Sinne des Art. 82 Abs. 1 DSGVO einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung, das Vorliegen eines materiellen oder immateriellen Schadens sowie einen Kausalzusammenhang zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 24 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 58 - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).Rn. 36 Die Darlegungs- und Beweislast für diese Voraussetzungen trifft die Person, die auf der Grundlage von Art. 82 Abs. 1 DSGVO den Ersatz eines (immateriellen) Schadens verlangt (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 60 f. - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 21).
Bedenken gegen die Anwendbarkeit des Art. 82 Abs. 1 DSGVO auf Verstöße gegen Art. 5 DSGVO bestehen daher nicht (vgl. auch bereits EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, CR 2024, 160 Rn. 42 f. - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 52 f. - Natsionalna agentsia za prihodite).
Aber auch für Verstöße gegen Vorschriften aus dem vierten Kapitel der Datenschutz-Grundverordnung (Art. 24 bis 43 DSGVO) hat der Gerichtshof zu einzelnen Vorschriften bereits angenommen, dass ein Schadensersatzanspruch aus Art. 82 DSGVO möglich ist (vgl. zu einem Verstoß gegen Art. 32 DSGVO EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 42 f. - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 52 f. - Natsionalna agentsia za prihodite; für Verstöße gegen Art. 26 und 30 DSGVO EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-60/22, Rn. 66 f. - Bundesrepublik Deutschland [Elektronisches Gerichtsfach]; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 24).
Rn. 117 Der Begriff des "immateriellen Schadens" ist in Ermangelung eines Verweises in Art. 82 Abs. 1 DSGVO auf das innerstaatliche Recht der Mitgliedstaaten im Sinne dieser Bestimmung autonom unionsrechtlich zu definieren (st. Rspr., EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 31 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 64 - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 30 und 44 - Österreichische Post).
Rn. 118 Insoweit hat der Gerichtshof festgestellt, dass aus dem Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO klar hervorgeht, dass das Vorliegen eines "Schadens", der entstanden ist, eine der Voraussetzungen für den in dieser Bestimmung vorgesehenen Schadenersatzanspruch darstellt, ebenso wie das Vorliegen eines Verstoßes gegen die DSGVO und eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 32; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 77; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 14; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 58 mwN; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.;… siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.;… GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 123 Weiterhin hat der Gerichtshof in seiner jüngeren Rechtsprechung unter Bezugnahme auf ErwG 85 DSGVO (vgl. ferner ErwG 75 DSGVO) klargestellt, dass schon der - selbst kurzzeitige - Verlust der Kontrolle über personenbezogene Daten einen immateriellen Schaden darstellen kann, ohne dass dieser Begriff des "immateriellen Schadens" den Nachweis zusätzlicher spürbarer negativer Folgen erfordert (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145, 156 i.V.m. 137- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 42; vgl. zuvor bereits EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 66 - MediaMarktSaturn;… EuGH, Urteile vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 17-23 - Gemeinde Ummendorf sowie - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Rn. 125 Allerdings muss eine Person, die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, nachweisen, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 DSGVO darstellen (vgl. in diesem Sinne EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 50; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Leitsatz 4; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35).
Rn. 132 Aber auch dann, wenn ein Kontrollverlust nicht nachgewiesen werden kann, reicht die begründete Befürchtung einer Person, dass ihre personenbezogenen Daten aufgrund eines Verstoßes gegen die Verordnung von Dritten missbräuchlich verwendet werden, aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen (vgl. EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 67 - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Demgegenüber genügt die bloße Behauptung einer Befürchtung ohne nachgewiesene negative Folgen ebenso wenig wie ein rein hypothetisches Risiko der missbräuchlichen Verwendung durch einen unbefugten Dritten (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 35 - PS GbR; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 68 - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 32; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 19).
Die Bemessung richtet sich vielmehr entsprechend dem Grundsatz der Verfahrensautonomie nach den innerstaatlichen Vorschriften über den Umfang der finanziellen Entschädigung (EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 58; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 53 - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Rn. 83 und 101 - Krankenversicherung Nordrhein; jeweils mwN).
Rn. 162 In Anbetracht der Ausgleichsfunktion des in Art. 82 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruchs, wie sie in ErwG 146 Satz 6 DSGVO zum Ausdruck kommt, ist eine auf Art. 82 DSGVO gestützte Entschädigung in Geld als "vollständig und wirksam" anzusehen, wenn sie es ermöglicht, den aufgrund des Verstoßes gegen diese Verordnung konkret erlittenen Schaden in vollem Umfang auszugleichen; eine Abschreckungs- oder Straffunktion soll der Anspruch aus Art. 82 Abs. 1 DSGVO dagegen nicht erfüllen (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 42 - PS GbR; vgl. auch EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 43 f. - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs;… EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 23 - Scalable Capital; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 47 - MediaMarktSaturn).
Rn. 163 Im Ergebnis soll die Höhe der Entschädigung zwar nicht hinter dem vollständigen Ausgleich des Schadens zurückbleiben, sie darf aber auch nicht in einer Höhe bemessen werden, die über den vollständigen Ersatz des Schadens hinausginge (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 60; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 48 - MediaMarktSaturn).
- EuGH, 04.05.2023 - C-300/21
Der bloße Verstoß gegen die DSGVO begründet keinen Schadenersatzanspruch
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Rn. 59 Dabei bedarf es im Streitfall keiner Entscheidung, ob ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung im Sinne des Art. 82 Abs. 1 DSGVO nicht nur die unrechtmäßige Verarbeitung von personenbezogenen Daten erfasst, wie es Art. 82 Abs. 2 Satz 1 und ErwG 146 Satz 1 DSGVO nahelegen (vgl. auch EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 36 - Österreichische Post: "Verarbeitung personenbezogener Daten unter Verstoß gegen die Bestimmungen der DSGVO"), oder ob grundsätzlich auch bloße Verstöße gegen abstrakte Pflichten des Verantwortlichen außerhalb eines konkreten Verarbeitungsvorgangs haftungsbegründend sein können (zum Streitstand siehe Paal, ZfDR 2023, 325, 334 ff.; OLG Stuttgart…, Urteil vom 22. November 2023 - 4 U 20/23, juris Rn. 381 ff.; offengelassen auch von OLG Oldenburg…, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 24; jeweils mwN).Rn. 64 Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichthofs ist es nur, soweit der jeweils maßgebliche unionsrechtliche Rechtsakt keine spezifischen Bestimmungen hierzu enthält, Sache des nationalen Gerichts, die Beweislastregelungen der nationalen Rechtsordnung anzuwenden, sofern damit die Wirksamkeit des Unionsrechts nicht beeinträchtigt und die Einhaltung der sich aus dem Unionsrecht ergebenden Verpflichtungen sichergestellt wird (so BVerwG…, Urteil vom 2. März 2022 - 6 C 7/20, Rn. 48 unter Verweis auf: EuGH…, Urteil vom 3. Oktober 2013 - C-113/12, Rn. 61; EuGH…, Urteil vom 9. Juli 2020 - C-86/19, Rn. 44; EuGH…, Urteil vom 21. Dezember 2021 - C-124/20, Rn. 65;… siehe auch Schlussanträge des Generalanwalts vom 20. Juni 2019 - C-212/18, Rn. 47; siehe im Kontext zur Bemessung des Schadensersatzes nach Art. 82 Abs. 2 DSGVO: EuGH Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 53 ff., insbesondere auch zum Grundsatz der Effektivität und Äquivalenz).
Rn. 116 Die von der DSGVO verwandten Begriffe "immaterieller" und "materieller" Schaden sind unionsautonom auszulegen und setzen nach dem Wortlaut der Norm, der Systematik und Telos des Art. 82 Abs. 2, Abs. 1 DSGVO sowie der Art. 77-84 DSGVO und den Erwägungsgründen 75, 85 und 146 DSGVO einen über den schlichten Verstoß gegen die DSGVO hinausgehenden Schaden voraus (so EuGH Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Leitsatz 1 und Rn. 29-42; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Leitsatz und Tenor zu 1. und Rn. 32 ff., 43; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 1. und Rn. 20 ff.; Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona, Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, juris Rn. 117; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 152).
Rn. 117 Der Begriff des "immateriellen Schadens" ist in Ermangelung eines Verweises in Art. 82 Abs. 1 DSGVO auf das innerstaatliche Recht der Mitgliedstaaten im Sinne dieser Bestimmung autonom unionsrechtlich zu definieren (st. Rspr., EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 31 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 64 - MediaMarktSaturn; EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 30 und 44 - Österreichische Post).
Der bloße Verstoß gegen die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung reicht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs jedoch nicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen, vielmehr ist darüber hinaus - im Sinne einer eigenständigen Anspruchsvoraussetzung - der Eintritt eines Schadens (durch diesen Verstoß) erforderlich (st. Rspr., vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 25 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 42 - Österreichische Post; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 28 BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Rn. 118 Insoweit hat der Gerichtshof festgestellt, dass aus dem Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO klar hervorgeht, dass das Vorliegen eines "Schadens", der entstanden ist, eine der Voraussetzungen für den in dieser Bestimmung vorgesehenen Schadenersatzanspruch darstellt, ebenso wie das Vorliegen eines Verstoßes gegen die DSGVO und eines Kausalzusammenhangs zwischen dem Schaden und dem Verstoß, wobei diese drei Voraussetzungen kumulativ sind (EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 32; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 77; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 14; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 58 mwN; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.; siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.;… GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 122 Diese wörtliche Auslegung wird zweitens durch den 146. Erwägungsgrund der DSGVO bestätigt, der speziell den in Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruch betrifft und in dessen drittem Satz es heißt, dass "[d]er Begriff des Schadens… im Lichte der Rechtsprechung des Gerichtshofs weit auf eine Art und Weise ausgelegt werden [sollte], die den Zielen dieser Verordnung in vollem Umfang entspricht." Eine Auslegung des Begriffs "immaterieller Schaden" im Sinne von Art. 82 Abs. 1 DSGVO, die nicht die Fälle umfasst, in denen die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffene Person sich auf die Befürchtung beruft, dass ihre eigenen personenbezogenen Daten in Zukunft missbräuchlich verwendet werden, entspräche jedoch nicht einer weiten Auslegung dieses Begriffs, wie sie vom Unionsgesetzgeber beabsichtigt ist (vgl. entsprechend EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 37 und 46; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 81).
Rn. 125 Allerdings muss eine Person, die von einem Verstoß gegen die DSGVO betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, nachweisen, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 DSGVO darstellen (vgl. in diesem Sinne EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten], C-300/21, Rn. 50; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Leitsatz 4; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 35).
Rn. 129 Entsprechend stellt der Gerichtshof auch darauf ab, dass die "konkret erlittenen Schäden" vollständig ausgeglichen werden müssen (EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 58; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 84; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 22; EuGH, Urteil vom 21. Dezember 2023 - C-667/21, Leitsatz 4; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 155).
Das Verhältnis zwischen den in Art. 82 DSGVO und den in den Art. 83 und 84 DSGVO enthaltenen Vorschriften zeigt, dass zwischen diesen beiden Kategorien von Bestimmungen ein Unterschied besteht, sie einander aber als Anreiz zur Einhaltung der DSGVO auch ergänzen, wobei das Recht jeder Person, den Ersatz eines Schadens zu verlangen, die Durchsetzungskraft der in dieser Verordnung vorgesehenen Schutzvorschriften erhöht und geeignet ist, von der Wiederholung rechtswidriger Verhaltensweisen abzuschrecken (vgl. u. a. EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten] - C-300/21, Rn. 38 und 40, EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 22 ff.).
Auch dürfen sie die Ausübung der durch das Unionsrecht verliehenen Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren (Effektivitätsgrundsatz) (vgl. EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 31 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 32 - Scalable Capital; EuGH, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 53 - Österreichische Post; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 95).
- EuGH, 20.06.2024 - C-590/22
PS (Adresse erronée) - Vorlage zur Vorabentscheidung - Schutz natürlicher …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Rn. 116 Die von der DSGVO verwandten Begriffe "immaterieller" und "materieller" Schaden sind unionsautonom auszulegen und setzen nach dem Wortlaut der Norm, der Systematik und Telos des Art. 82 Abs. 2, Abs. 1 DSGVO sowie der Art. 77-84 DSGVO und den Erwägungsgründen 75, 85 und 146 DSGVO einen über den schlichten Verstoß gegen die DSGVO hinausgehenden Schaden voraus (…so EuGH Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Leitsatz 1 und Rn. 29-42; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 21; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Leitsatz und Tenor zu 1. und Rn. 32 ff., 43; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 1. und Rn. 20 ff.;… Generalanwalt Campos Sánchez-Bordona, Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, juris Rn. 117; OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 152).Rn. 117 Der Begriff des "immateriellen Schadens" ist in Ermangelung eines Verweises in Art. 82 Abs. 1 DSGVO auf das innerstaatliche Recht der Mitgliedstaaten im Sinne dieser Bestimmung autonom unionsrechtlich zu definieren (st. Rspr., EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 31 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 64 - MediaMarktSaturn; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 30 und 44 - Österreichische Post).
Der bloße Verstoß gegen die Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung reicht nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs jedoch nicht aus, um einen Schadensersatzanspruch zu begründen, vielmehr ist darüber hinaus - im Sinne einer eigenständigen Anspruchsvoraussetzung - der Eintritt eines Schadens (durch diesen Verstoß) erforderlich (st. Rspr., vgl. EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 25 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 34; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 42 - Österreichische Post; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 28 BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Rn. 119 Ein solcher Schaden setzt jedoch - entgegen möglicherweise bestehendem innerstaatlichen Recht (vgl. für das deutsche Deliktsrecht zuletzt etwa BGH…, Urteil vom 6. Dezember 2022 - VI ZR 168/21, Rn. 18 mwN) - nach Wortlaut, Erwägungsgründen 10, 146 DSGVO und Telos nicht voraus, dass der der betroffenen Person entstandene Schaden einen bestimmten Grad an Erheblichkeit erreicht hat (EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 44-51; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Leitsatz und Rn. 16; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024, MediaMarktSaturn, C-687/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 26;… vgl. auch BAG, Vorlagebeschluss vom 26. August 2021 - 8 AZR 253/20 (A), Rn. 33; offen gelassen BVerfG…, Beschluss vom 14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, Rn. 19 ff.;… siehe zu Störungen und Belästigungen sowie Zorn und Ärger in Abgrenzung gegenüber Schäden GA Campos Sánchez-Bordona Schlussanträge vom 6. Oktober 2022 - C-300/21, Rn. 111 ff.;… GA Pitruzzella Schlussanträge vom 27. April 2023 - C-340/21, Rn. 79 ff. und insbesondere Rn. 83 und EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 85 zur von den nationalen Gerichten zu beantwortenden Frage des Schadens im Einzelfall; siehe auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, Rn. 154 und unten; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 9).
Rn. 121 Somit schließt der Wortlaut von Art. 82 Abs. 1 DSGVO nicht aus, dass der in dieser Bestimmung enthaltene Begriff "immaterieller Schaden" eine Situation wie die hiesige umfasst, in der sich die betroffene Person, um Schadenersatz nach dieser Bestimmung zu erhalten, auf ihre Befürchtung beruft, dass ihre personenbezogenen Daten aufgrund des eingetretenen Verstoßes gegen die DSGVO in Zukunft von Dritten missbräuchlich verwendet werden (EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 80; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Tenor zu 2. und Rn. 29 ff.).
Rn. 123 Weiterhin hat der Gerichtshof in seiner jüngeren Rechtsprechung unter Bezugnahme auf ErwG 85 DSGVO (vgl. ferner ErwG 75 DSGVO) klargestellt, dass schon der - selbst kurzzeitige - Verlust der Kontrolle über personenbezogene Daten einen immateriellen Schaden darstellen kann, ohne dass dieser Begriff des "immateriellen Schadens" den Nachweis zusätzlicher spürbarer negativer Folgen erfordert (EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 145, 156 i.V.m. 137- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 42; vgl. zuvor bereits EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 66 - MediaMarktSaturn;… EuGH, Urteile vom 14. Dezember 2023 - C-456/22, Rn. 17-23 - Gemeinde Ummendorf sowie - C-340/21, Rn. 82 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Rn. 126 Die Ablehnung einer Erheblichkeitsschwelle bedeutet nicht, dass eine Person, die von einem Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung betroffen ist, der für sie negative Folgen gehabt hat, vom Nachweis befreit wäre, dass diese Folgen einen immateriellen Schaden im Sinne von Art. 82 dieser Verordnung darstellen (EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 27 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 29; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 12).
Rn. 127 Auch insoweit muss die betroffene Person den Nachweis erbringen, dass sie einen solchen - d.h. in einem bloßen Kontrollverlust als solchem bestehenden - Schaden erlitten hat (vgl. EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 33 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 36 und 42).
Die Befürchtung samt ihrer negativen Folgen muss dabei ordnungsgemäß nachgewiesen sein (vgl. EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 36 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 14. Dezember 2023 - C-340/21, Rn. 75-86 - Natsionalna agentsia za prihodite).
Demgegenüber genügt die bloße Behauptung einer Befürchtung ohne nachgewiesene negative Folgen ebenso wenig wie ein rein hypothetisches Risiko der missbräuchlichen Verwendung durch einen unbefugten Dritten (vgl. EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 35 - PS GbR; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 68 - MediaMarktSaturn; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 32; BGH…, Urteil vom 28. Januar 2025 - VI ZR 109/23, Rn. 19).
Rn. 162 In Anbetracht der Ausgleichsfunktion des in Art. 82 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruchs, wie sie in ErwG 146 Satz 6 DSGVO zum Ausdruck kommt, ist eine auf Art. 82 DSGVO gestützte Entschädigung in Geld als "vollständig und wirksam" anzusehen, wenn sie es ermöglicht, den aufgrund des Verstoßes gegen diese Verordnung konkret erlittenen Schaden in vollem Umfang auszugleichen; eine Abschreckungs- oder Straffunktion soll der Anspruch aus Art. 82 Abs. 1 DSGVO dagegen nicht erfüllen (vgl. EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 42 - PS GbR; vgl. auch EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 43 f. - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs;… EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 23 - Scalable Capital; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 47 - MediaMarktSaturn).
- OLG Oldenburg, 21.05.2024 - 13 U 100/23
Anspruch gegen eine Social-Media-Plattform auf Schadensersatz in einem sog. …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Rn. 59 Dabei bedarf es im Streitfall keiner Entscheidung, ob ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung im Sinne des Art. 82 Abs. 1 DSGVO nicht nur die unrechtmäßige Verarbeitung von personenbezogenen Daten erfasst, wie es Art. 82 Abs. 2 Satz 1 und ErwG 146 Satz 1 DSGVO nahelegen (vgl. auch EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 36 - Österreichische Post: "Verarbeitung personenbezogener Daten unter Verstoß gegen die Bestimmungen der DSGVO"), oder ob grundsätzlich auch bloße Verstöße gegen abstrakte Pflichten des Verantwortlichen außerhalb eines konkreten Verarbeitungsvorgangs haftungsbegründend sein können (zum Streitstand siehe Paal, ZfDR 2023, 325, 334 ff.; OLG Stuttgart…, Urteil vom 22. November 2023 - 4 U 20/23, juris Rn. 381 ff.; offengelassen auch von OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 24; jeweils mwN).Rn. 61 Es kommt in diesem Zusammenhang auch nicht darauf an, ob einer oder mehrere Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung festgestellt werden können, da der in Art. 82 Abs. 1 DSGVO vorgesehene Schadensersatzanspruch ausschließlich eine Ausgleichsfunktion, jedoch keine Abschreckungs- oder Straffunktion erfüllt und daher das Vorliegen mehrerer Verstöße nicht zu einer Erhöhung des Schadensersatzes führt (vgl. EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59 f., 64 f.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 24; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 25, 96).
Die Vorgehensweise der Beklagten im Streitfall ist nicht durch eine - hier mangels Erforderlichkeit (vgl. Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. b) - f) DSGVO) zur Rechtfertigung allein in Betracht kommende - wirksame Einwilligung der klägerischen Partei in die Verwendbarkeit ihrer Telefonnummer im Rahmen der Suchbarkeitsfunktion gerechtfertigt (Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a) DSGVO; vgl. BGH, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 43 ff., 91; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.; OLG Hamm, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 90 ff.).
Daran fehlt es (vgl. OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 84 ff.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.).
Rn. 97 Eine wirksame Einwilligung der klägerischen Partei im Sinne von Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a), Art. 7 DSGVO in die Suchbarkeit ihres Nutzerprofils über die Mobilfunktelefonnummer lag allerdings nicht vor (wie OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 111 ff.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 30 ff.).
Rn. 101 Gemessen daran kann die Beklagte schon allein auf Grund des Umstandes, dass sie mit ihrer Voreinstellung "alle" zur Suchbarkeit zum Zeitpunkt der Bedingungsänderungen am 19. April 2018 unverändert eine "Opt-Out-Einwilligung" vorsah, keine wirksame Einwilligung vorweisen (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 116; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 32 ff.).
Die Beklagte hat jedoch nicht dargelegt, dies getan zu haben (OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 33).
Die Zustimmung "Ich stimme zu" bezieht sich damit ausdrücklich nicht auch auf die Datenrichtlinie, die Cookie-Richtlinie oder die bisherigen Einstellungen hinsichtlich der Daten, der Privatsphäre und der Sicherheit (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023 - I-7 U 19/23, juris Rn. 117 ff.; OLG Oldenburg, Urteil vom 21. Mai 2024 - 13 U 100/23, juris Rn. 34).
- EuGH, 20.06.2024 - C-182/22
Scalable Capital - Vorlage zur Vorabentscheidung - Schutz natürlicher Personen …
Auszug aus OLG Schleswig, 24.04.2025 - 5 U 59/23
Das Verhältnis zwischen den in Art. 82 DSGVO und den in den Art. 83 und 84 DSGVO enthaltenen Vorschriften zeigt, dass zwischen diesen beiden Kategorien von Bestimmungen ein Unterschied besteht, sie einander aber als Anreiz zur Einhaltung der DSGVO auch ergänzen, wobei das Recht jeder Person, den Ersatz eines Schadens zu verlangen, die Durchsetzungskraft der in dieser Verordnung vorgesehenen Schutzvorschriften erhöht und geeignet ist, von der Wiederholung rechtswidriger Verhaltensweisen abzuschrecken (vgl. u. a. EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023, Österreichische Post [Immaterieller Schaden im Zusammenhang mit der Verarbeitung personenbezogener Daten] - C-300/21, Rn. 38 und 40, EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 22 ff.).Art. 82 Abs. 1 DSGVO ist dahin auszulegen, dass der in dieser Bestimmung vorgesehene Schadenersatzanspruch ausschließlich eine Ausgleichsfunktion erfüllt, da eine auf diese Bestimmung gestützte Entschädigung in Geld es ermöglichen soll, den erlittenen Schaden in vollem Umfang auszugleichen (EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 24).
Auch dürfen sie die Ausübung der durch das Unionsrecht verliehenen Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren (Effektivitätsgrundsatz) (vgl. EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 31 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 32 - Scalable Capital; EuGH…, Urteil vom 4. Mai 2023 - C-300/21, Rn. 53 - Österreichische Post; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 95).
Rn. 162 In Anbetracht der Ausgleichsfunktion des in Art. 82 DSGVO vorgesehenen Schadenersatzanspruchs, wie sie in ErwG 146 Satz 6 DSGVO zum Ausdruck kommt, ist eine auf Art. 82 DSGVO gestützte Entschädigung in Geld als "vollständig und wirksam" anzusehen, wenn sie es ermöglicht, den aufgrund des Verstoßes gegen diese Verordnung konkret erlittenen Schaden in vollem Umfang auszugleichen; eine Abschreckungs- oder Straffunktion soll der Anspruch aus Art. 82 Abs. 1 DSGVO dagegen nicht erfüllen (vgl. EuGH…, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-590/22, Rn. 42 - PS GbR; vgl. auch EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 43 f. - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 23 - Scalable Capital; EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 59; EuGH…, Urteil vom 25. Januar 2024 - C-687/21, Rn. 47 - MediaMarktSaturn).
Folglich darf weder die Schwere des Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung, durch den der betreffende Schaden entstanden ist, berücksichtigt werden, noch der Umstand, ob ein Verantwortlicher mehrere Verstöße gegenüber derselben Person begangen (EuGH…, Urteil vom 11. April 2024 - C-741/21, Rn. 60 und 64 f.) und ob er vorsätzlich gehandelt hat (EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 29 f. - Scalable Capital; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 96).
Ist der Schaden gering, ist daher auch ein Schadensersatz in nur geringer Höhe zuzusprechen (vgl. EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-507/23, juris Rn. 35 - Pateretāju tiesību aizsardzības centrs; EuGH, Urteile vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 45 f. - Scalable Capital).
Dies gilt auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der durch eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten verursachte immaterielle Schaden seiner Natur nach nicht weniger schwerwiegend ist als eine Körperverletzung (vgl. dazu EuGH…, Urteil vom 4. Oktober 2024 - C-200/23, juris Rn. 151- Agentsia po vpisvaniyata; EuGH, Urteil vom 20. Juni 2024 - C-182/22 und C-189/22, Rn. 39 - Scalable Capital; BGH…, Urteil vom 18. November 2024 - VI ZR 10/24, Rn. 97).
- BGH, 28.01.2025 - VI ZR 109/23
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- EuGH, 14.12.2023 - C-456/22
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Abgasskandal: Keine Deliktzinsen für geschädigte VW-Käufer
- BGH, 05.10.2021 - VI ZR 136/20
Feststellungsinteresse bei einer Klage auf Feststellung der Schadensersatzpflicht …
- BGH, 17.10.2017 - VI ZR 423/16
Haftung bei Kfz-Unfall: Aktivlegitimation eines geschädigten Beifahrers gegenüber …
- BGH, 24.09.2019 - VI ZB 39/18
Auskunftsansprüche gegen Portalbetreiber
- BGH, 16.01.2001 - VI ZR 381/99
Feststellungsinteresse bei Klage auf Ersatz künftigen Schadens
- BGH, 15.01.2019 - VI ZR 506/17
Zur Zulässigkeit presserechtlicher Informationsschreiben
- BGH, 02.05.2024 - I ZR 12/23
Tierkrankenwagen - Unterlassungsanspruch gegen Äußerungen einer Vertragspartei …
- EuG, 08.01.2025 - T-354/22
Das Gericht verurteilt die Kommission, einem Besucher der Website der Konferenz …
- BGH, 22.07.2021 - I ZR 194/20
Rundfunkhaftung - Prüfungspflicht eines Fernsehsenders beschränkt sich auf grobe …
- BGH, 26.01.2017 - I ZR 207/14
Zur Zulässigkeit der Mitwirkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der …
- BGH, 04.03.2008 - VI ZR 176/07
Anwaltsgebühren bei Fertigung eines Abschlussschreibens nach Erwirkung einer …
- BGH, 04.12.2007 - VI ZR 277/06
Getrennt erfolgte Abmahnungen wegen Verletzung des Allgemeinen …
- BGH, 17.11.2015 - VI ZR 492/14
Materiell-rechtlicher Kostenerstattungsanspruch nach …
- BGH, 29.06.2021 - VI ZR 52/18
A) Dient der Betrieb eines einer bestimmten Person 'gewidmeten', …
- BGH, 15.03.2016 - XI ZR 122/14
Verjährungsbeginn der Bankenhaftung aus Kapitalanlageberatung: Kenntnis bzw. grob …
- BGH, 08.11.2022 - II ZR 91/21
Anspruch eines GmbH-Gesellschafters auf Unterlassung der Einrichtung einer …
- BGH, 21.07.2005 - IX ZR 49/02
Anforderungen an die Beweiswürdigung hinsichtlich der haftungsausfüllenden …
- BGH, 05.06.2012 - X ZR 161/11
Zivilrechtlicher Anspruch eines potenziellen Bieters in einem künftigen …
- BGH, 29.06.2021 - VI ZR 10/18
Unterlassung der Veröffentlichung der Beiträge eines Bloggers im Internet wegen …
- BGH, 04.07.2012 - VIII ZR 109/11
Abstehen vom Urkundenprozess in der Berufungsinstanz
- BGH, 15.05.2024 - VIII ZR 293/23
Nachholung der Prüfung des Rechtswegs im Rechtsmittelverfahren
- BGH, 14.05.2024 - XI ZR 51/23
Feststellung des Fortbestandes eines mit der Sparkasse geschlossenen Sparvertrags …
- BGH, 27.01.1978 - I ZR 68/76
Geltendmachung eines Vergütungsanspruchs eines Speditionsunternehmen für …
- BGH, 15.06.2021 - VI ZR 576/19
Reichweite des Auskunftsanspruchs nach Art. 15 Abs. 1 DS-GVO gegen eine …
- BGH, 06.12.2022 - VI ZR 168/21
Deliktische Haftung: Schockschaden als Gesundheitsverletzung
- OLG Stuttgart, 31.03.2021 - 9 U 34/21
Mastercard-Priceless-Datenleck, Schadenersatzklage abgewiesen
- EuGH, 28.04.2022 - C-319/20
Verbraucherschutzverbände können gegen Verletzungen des Schutzes …
- BVerfG, 14.01.2021 - 1 BvR 2853/19
EuGH muss über Reichweite des immateriellen Schadenersatzanspruchs nach DSGVO …
- BAG, 26.08.2021 - 8 AZR 253/20
EuGH-Vorlage zu den datenschutzrechtlichen Pflichten eines Medizinischen Dienstes …
- BAG, 05.05.2022 - 2 AZR 363/21
Höhe eines Anspruchs auf immateriellen Schadenersatz - Verstoß gegen die DSGVO
- EuGH, 17.06.2021 - C-597/19
M.I.C.M. - Systematische Speicherung und Weiterleitung von IP-Daten, Namen und …
- EuGH, 21.12.2021 - C-124/20
Das unionsrechtliche Verbot, den Sekundärsanktionen nachzukommen, die die …
- EuGH, 11.12.2019 - C-708/18
Asociaţia de Proprietari bloc M5A-ScaraA - Vorlage zur Vorabentscheidung - …
- BVerwG, 02.03.2022 - 6 C 7.20
Anspruch auf Berichtigung des Geburtsdatums im Melderegister (verneint)
- BGH, 14.03.2017 - VI ZR 605/15
Streitgegenstand bei Arzthaftung: Verschiedene Behandlungsfehler im Rahmen einer …
- OLG Celle, 04.04.2024 - 5 U 31/23
Anspruch auf Schadensersatz, Unterlassung, Feststellung und Auskunft gegen die …
- BGH - VI ZR 111/21 (Verfahren ohne Entscheidung erledigt)
Prüfung von DSGVO-Schadenersatz
- EuGH, 13.12.2018 - C-150/17
Europäische Union/ Kendrion - Rechtsmittel - Schadensersatzklage - Art. 340 Abs. …
- EuGH, 25.03.2021 - C-501/18
Balgarska Narodna Banka - Vorlage zur Vorabentscheidung - …
- EuGH, 04.04.2017 - C-337/15
Bürgerbeauftragter/ Staelen - Rechtsmittel - Außervertragliche Haftung der …
- EuGH, 03.10.2013 - C-113/12
Brady - Umwelt - Richtlinie 75/442/EWG - Gülle, die in einem Schweinemastbetrieb …
- EuGH, 30.05.2017 - C-45/15
Safa Nicu Sepahan/ Rat - Rechtsmittel - Schadensersatzklage - Gemeinsame Außen- …
- LG Freiburg, 15.09.2023 - 8 O 21/23
Datenschutzrechtliche Ansprüche im Zusammenhang mit einem Datenscraping-Vorfall …
- EuGH, 16.03.2023 - C-522/21
Saatgut-Treuhandverwaltung (KWS Meridian) - Vorlage zur Vorabentscheidung - …
- EuGH, 09.07.2020 - C-86/19
Vueling Airlines - Vorlage zur Vorabentscheidung - Luftverkehr - Übereinkommen …
- EuGH, 24.02.2022 - C-52/21
Pharmacie populaire - La Sauvegarde - Vorlage zur Vorabentscheidung - Freier …
- Generalanwalt beim EuGH, 20.06.2019 - C-212/18
Prato Nevoso Termo Energy - Vorlage zur Vorabentscheidung - Umwelt - Richtlinie …
- BGH, 27.02.2018 - VI ZR 489/16
Zur Prüfungspflicht des Betreibers einer Internet-Suchmaschine (www.google.de) …
- BGH, 17.01.2023 - VI ZR 203/22
Verkehrsunfallbedingter Schadensersatz bei Verletzung des Sicherungseigentums an …
- BGH, 24.03.2011 - I ZR 108/09
TÜV - Markenrechtsverletzung: Alternative Klagehäufung; Verstoß gegen das …
- BGH, 23.05.2023 - VI ZR 476/18
Auslistungsbegehren gegen den Internet-Suchdienst von Google
- BGH, 21.07.2023 - V ZR 112/22
Eigentumsbeeinträchtigung durch Suchmeldung von Kulturgut in der Lost …
- BGH, 15.02.2018 - I ZR 201/16
Zur markenrechtlichen Haftung für die durch eine Autovervollständigen-Funktion …
- EuGH, 13.03.2014 - C-548/12
Brogsitter - Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts - Gerichtliche …
- BGH, 24.06.2014 - VI ZR 315/13
Internationale Zuständigkeit bei Ansprüchen gegen Organ einer schweizer …
- BGH, 05.07.2023 - IV ZR 375/21
Verkehrsunfall eines rumänischen Gespanns in Deutschland: Anwendbares Recht auf …
- OLG Naumburg, 26.06.2025 - 9 U 88/23
Anwendungsbereich der Datenschutz-Grundverordnung; Kontrollverlust und Streitwert …
Den Nutzern des Netzwerks der Beklagten war und ist es - wie schon der Umstand zeigt, dass sie heutzutage nicht mehr erforderlich ist - möglich, andere Nutzer über die Eingabe des Namens zu finden, sodass die ohnehin nicht zwingend dauerhaft im Nutzerprofil zu hinterlegende Telefonnummer zum Auffinden anderer Nutzer nicht unerlässlich gewesen ist (…BGH, a.a.O., Rn. 90; so auch OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023, I-7 U 19/23, Rn. 94 ff., OLG Stuttgart…, Urteil vom 22. November 2023, 4 U 20/23, Rn. 502 ff.; OLG Düsseldorf…, Urteil vom 14. März 2025, I-16 U 94/24, Rn. 21; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 24. April 2025, 5 U 59/23, Rn. 82, juris).Die Beklagte kann sich zur Rechtfertigung ihrer Verarbeitung der personenbezogenen Daten nicht auf eine Einwilligung der Klagepartei im Sinne des Art. 5 Abs. 1 lit. a) Var. 1, Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 lit. a) DSGVO berufen, weil eine solche schon allein auf Grund des Umstandes, dass die Beklagte mit ihrer Voreinstellung "alle" zur Suchbarkeit zum Zeitpunkt der Bedingungsänderungen am 19. April 2018 unverändert eine "Opt-Out-Einwilligung" vorsah und auch in den weiteren Schritten keine transparente Information erfolgte, keine wirksame Einwilligung vorweisen (Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 24. April 2025, 5 U 59/23, Rn. 101, juris).
Da zudem seit dem 25. Mai 2018 eine Einwilligung nur durch ein aktives Tun und nicht durch stillschweigendes Akzeptieren von Voreinstellungen erfolgen kann (siehe oben), hätte die Beklagte die Nutzer im Rahmen der Änderung der Nutzungsbedingungen etc. mithin sämtliche bisherigen Voreinstellungen durchlaufen lassen müssen, diese - wie erst seit Mai 2019 möglich - auf "nur ich" voreinstellen und ihre aktive Einwilligung nach umfassender Information zu hiervon abweichenden neuen Einstellungen einholen müssen (OLG Hamm…, Urteil vom 15. August 2023, I-7 U 19/23, Rn. 126; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 24. April 2025, 5 U 59/23, Rn. 111, juris).
- OLG München, 06.06.2025 - 36 U 1891/24
Datenschutzgrundverordnung, Streitwertfestsetzung, Materielle Rechtskraft, …
Die von dem Unterlassungsantrag umfasste konkrete Verletzungshandlung, wird jedenfalls unter Berücksichtigung des übrigen Klagevorbringens hinreichend bestimmbar beschrieben (vgl. OLG Schleswig Urt. v. 24.4.2025 - 5 U 59/23, GRUR-RS 2025, 8880 Rn. 209).Rn. 130 Jedenfalls bei einer Verletzung vertraglicher Rücksichtnahmepflichten im Sinne des § 241 Abs. 2 BGB, durch die die Erreichung des Vertragszwecks bedroht wird, kann aus § 280 Abs. 1 BGB nicht nur Schadenersatz, sondern grundsätzlich auch Unterlassung verlangt werden (vgl. BGH, NJW 2024, 3375; OLG Schleswig Urt. v. 24.4.2025 - 5 U 59/23, GRURRS 2025, 8880 Rn. 209).
- OLG Naumburg, 30.06.2025 - 9 W 23/25
Streitwertkontrolle bei datenschutzrechtlichen Klagezielen; Bewertungsmaßstäbe …
Rn. 22 Sowohl der Bundesgerichtshof als auch die obergerichtliche Rechtsprechung nimmt für vergleichbare Fälle für beide Anträge einen maximal möglichen Streitwert von 1.000 EUR an (vgl. BGH…, Beschluss vom 10. Dezember 2024, VI ZR 7/24, Rn. 15; Senat, Beschluss vom 15. Oktober 2024, 9 W 37/24 ; OLG Koblenz…, Urteil vom 11. März 2025, 3 U 950/24, Rn. 68; OLG Celle…, Beschluss vom 9. Januar 2025, 5 U 173/23, Rn. 3; OLG Hamm…, Beschluss vom 22. Oktober 2024, I-7 W 25/24, Rn. 4; OLG Hamm…, Beschluss vom 22. September 2023, I-7 U 77/23, Rn. 17; OLG Frankfurt am Main…, Beschluss vom 14. Dezember 2022, 6 W 77/22, Rn. 4 mwN; OLG Koblenz…, Urteil vom 11. März 2025, 3 U 950/24, Rn. 60; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 24. April 2025, 5 U 59/23, Rn. 239, juris).Das OLG Schleswig hat mit Urteil vom 24. April 2025, 5 U 59/23, juris, in einem vergleichbaren Datenscraping-Fall immateriellen Schadenersatz i.H.v. 300 EUR ausgeurteilt, das Oberlandesgericht Brandenburg (Geschäftsnummer 1U 18/23) - 100 EUR, (Geschäftsnummer 1 U 9/23) - 200 EUR, Oberlandesgerichts Celle (Geschäftsnummer 5 U 129/24) - 100 EUR, Oberlandesgerichts Koblenz (3 U 145/24) - 100 EUR.
- OLG Schleswig, 10.11.2025 - 6 UKl 3/25
Streitwertfestsetzung im Bereich einer Unterlassungsklage eines …
So sind bei Datenschutzverletzungen von Social-Media-Plattformen regelmäßig Streitwerte für Unterlassungsanträge von Nutzern in Höhe von unter 1.000 EUR festgesetzt worden (vgl. OLG Hamm, CR 2023, 655 - Data Scraping von Facebook-Seiten; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Urteil vom 24. April 2025 - 5 U 59/23 -, juris).
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